{"id":88484,"date":"2026-10-26T11:30:23","date_gmt":"2026-10-26T10:30:23","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=88484"},"modified":"2026-10-26T11:26:11","modified_gmt":"2026-10-26T10:26:11","slug":"wenn-angst-politik-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wenn-angst-politik-macht\/","title":{"rendered":"Wenn Angst Politik macht"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Jahr 2027 finden in Polen Parlamentswahlen statt. Der Wahlkampf, der uns erwartet, k\u00fcndigt sich als \u201eblutig\u201c an. Rechte Gruppierungen wollen um jeden Preis das Rennen um das polnische Parlament gewinnen und die Macht zur\u00fcckgewinnen. Deshalb haben sie bereits jetzt mit ihren Bem\u00fchungen begonnen. Sie sind dabei nicht w\u00e4hlerisch in ihren Mitteln, und ihr Hauptwerkzeug im Kampf ist erneut das Sch\u00fcren von Angst vor den Deutschen<\/strong>.<!--more--><\/p>\n<p>Ein Teil der polnischen rechten Milieus verbreitet in den Medien ein immer hitzigeres antideutsches Narrativ und beruft sich dabei unter anderem auf die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs. Mehr noch \u2013 auf einem der Treffen warnte der Vorsitzende von Recht und Gerechtigkeit, Jaros\u0142aw Kaczy\u0144ski, seine Landsleute vor, wie er es nannte, \u201ezunehmenden Versuchen einer schleichenden Regermanisierung der Westgebiete\u201c. Er betonte auch, dass seit vielen Jahren im \u00f6ffentlichen Raum Initiativen auftauchten, die seiner Meinung nach eine Kontinuit\u00e4t der deutschen Geschichte dieser Gebiete suggerierten.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise hatte er sogar die kulturelle T\u00e4tigkeit der deutschen Minderheit in Polen im Sinn, und die Diskriminierung der Kinder, die Deutsch als Sprache der nationalen Minderheit lernen \u2013 die Reduzierung von drei auf eine Wochenstunde \u2013 war nicht zuf\u00e4llig, sondern ein gezieltes Vorgehen! Wir erinnern daran, dass die Verordnung zur Reduzierung der Stundenzahl von drei auf eine Wochenstunde am 4. Februar 2022 vom damaligen Minister f\u00fcr Bildung und Wissenschaft, Przemys\u0142aw Czarnek (PiS), erlassen wurde. Von allen Minderheiten in Polen betraf diese \u00c4nderung nur die deutsche Minderheit. Genau genommen umfasste die Diskriminierung 55.000 Kinder!<\/p>\n<div id=\"attachment_88487\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-88487\" class=\"size-large wp-image-88487\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/granica-1024x606.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"606\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/granica-1024x606.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/granica-300x178.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/granica-768x455.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/granica.jpg 1344w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-88487\" class=\"wp-caption-text\">Antideutsche Parolen m\u00f6gen politischen Nutzen bringen, schaden jedoch den deutsch-polnischen Beziehungen.<br \/>Quelle: Pixabay<\/p><\/div>\n<p>Solch widerliche Ma\u00dfnahmen, die sich gegen Deutsche in Polen und insbesondere gegen Kinder richten, sollten f\u00fcr viele rechte Politiker eine Schande sein, doch sie empfinden es nicht so. In der Folge kehrt das Narrativ von der \u201edeutschen Bedrohung\u201c wie ein sprichw\u00f6rtlicher Bumerang in die polnische Politik zur\u00fcck, und der Verweis auf Kriegstraumata ist nach wie vor ein Mittel zur Mobilisierung von Emotionen. Hinzu kommt, dass sich Politiker der Rechten nach dem Grundsatz richten: Wer mehr gegen die Deutschen hetzt und auf sie einpr\u00fcgelt, ist ein gr\u00f6\u00dferer Pole, ein gr\u00f6\u00dferer Patriot.<\/p>\n<blockquote><p>Es ist schwer, mit jemandem zu sprechen, der hysterisiert ist. Und diese Hysterisierung dient \u00fcberhaupt nicht der Diskussion und den Verhandlungen mit den Deutschen. Sie bedient im Inneren Polens verschiedene \u00c4ngste.<\/p><\/blockquote>\n<p>Gleichzeitig denkt kaum einer von ihnen \u00fcber die Tatsache nach, dass in guten deutsch-polnischen Beziehungen eine gewaltige positive Kraft steckt \u2013 sowohl wirtschaftlich als auch politisch. Eine Kraft, die ein sprichw\u00f6rtlicher Motor f\u00fcr den gesamten Kontinent sein k\u00f6nnte. Doch die Rechten interessiert das nicht. Ihnen geht es vor allem um den eigenen Moment des Ruhms. Deshalb sch\u00fcren sie Angst vor den Deutschen, vor Regermanisierung und vor Revisionismus, faseln und suggerieren der polnischen Gesellschaft, die Deutschen t\u00e4ten nichts anderes, als zu \u00fcberlegen, wie sie Polen zerst\u00f6ren k\u00f6nnten. Das ist sehr traurig und verlogen, aber so wird die antideutsche Hysterie aufgebaut, die nicht dem Aufbau deutsch-polnischer Beziehungen dient.<\/p>\n<p>\u201eIn solchen Beziehungen ist und sollte auch Platz f\u00fcr schwierige Themen sein. Nur ist es schwer, mit jemandem zu sprechen, der hysterisiert ist. Und diese Hysterisierung dient \u00fcberhaupt nicht der Diskussion und den Verhandlungen mit den Deutschen. Sie bedient im Inneren Polens verschiedene \u00c4ngste. Sie ist instrumentell n\u00fctzlich. Wir haben einen klar benannten Feind. Und das ist nicht nur der Feind, der dort in Deutschland ist, sondern auch jeder in Polen, den wir der Beg\u00fcnstigung, des Verrats, der \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Freundlichkeit oder direkt des Deutschseins beschuldigen k\u00f6nnen. Das reicht aus, um jemanden zu delegitimieren\u201c, res\u00fcmiert Prof. Cezary Obracht-Prondzy\u0144ski.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2027 finden in Polen Parlamentswahlen statt. Der Wahlkampf, der uns erwartet, k\u00fcndigt sich als \u201eblutig\u201c an. Rechte Gruppierungen wollen um jeden Preis das Rennen um das polnische Parlament gewinnen und die Macht zur\u00fcckgewinnen. Deshalb haben sie bereits jetzt mit ihren Bem\u00fchungen begonnen. 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