{"id":88420,"date":"2026-10-25T05:00:16","date_gmt":"2026-10-25T04:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=88420"},"modified":"2026-10-23T15:23:47","modified_gmt":"2026-10-23T13:23:47","slug":"das-wort-zum-sonntag-von-dr-hab-peter-tarlinski","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/das-wort-zum-sonntag-von-dr-hab-peter-tarlinski\/","title":{"rendered":"Das Wort zum Sonntag von Dr hab. Peter Tarlinski"},"content":{"rendered":"<p><strong>Lesung:<\/strong> Ex 22, 20\u201326<br \/>\n<strong>Lesung:<\/strong> 1 Thess 1, 5c\u201310<br \/>\n<strong>Evangelium:<\/strong> Mt 22, 34\u201340<br \/>\nWenden wir uns heute kurzen Kommentaren zu den einzelnen Lesungen des 30. Sonntags im Jahreskreis zu. So wird deutlich, dass Gott und der Mensch untrennbar zueinander geh\u00f6ren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Gott steht an der Seite der Witwen, der Waisen, der Fremden und der Armen<\/h2>\n<p>Der Abschnitt aus dem Buch Exodus enth\u00e4lt Rechtsvorschriften, die das Zusammenleben des Volkes Israel ordnen sollen. Im Mittelpunkt steht der Schutz jener Menschen, die besonders gef\u00e4hrdet sind: Fremde, Witwen, Waisen und Arme. Sie verf\u00fcgen oft weder \u00fcber ausreichende wirtschaftliche Mittel noch \u00fcber gesellschaftlichen Einfluss, um ihre Rechte selbst zu verteidigen.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWer Gott liebt, kann den Menschen nicht aus seiner Liebe ausschlie\u00dfen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Begr\u00fcndung f\u00fcr den Schutz der Fremden ist bemerkenswert: Israel soll sich daran erinnern, dass es selbst in \u00c4gypten als fremdes und unterdr\u00fccktes Volk gelebt hat. Die eigene Erfahrung der Unfreiheit soll zur Achtung der Freiheit und W\u00fcrde anderer Menschen f\u00fchren. Gottes Befreiungshandeln wird so zur Grundlage menschlicher Verantwortung.<\/p>\n<p>Besonders eindringlich ist die Zusage Gottes, den Klageschrei der Witwen und Waisen zu h\u00f6ren. Sie erinnert ebenso an die Befreiung Israels aus \u00c4gypten (Ex 3,7). Gott nimmt das Leiden der Schutzlosen wahr. Sein Zorn \u00fcber ihre Unterdr\u00fcckung bringt zum Ausdruck, dass die Verletzung ihrer Rechte schweres Unrecht ist.<\/p>\n<p>Auch die Bestimmungen \u00fcber Geldverleih und Pfand dienen dem Schutz der Armen. Wirtschaftliche Anspr\u00fcche d\u00fcrfen nicht dazu f\u00fchren, dass einem Menschen die notwendigen Mittel zum Leben genommen werden. Deshalb muss selbst ein verpf\u00e4ndeter Mantel vor Sonnenuntergang zur\u00fcckgegeben werden.<\/p>\n<p>Der Abschnitt endet mit einer grundlegenden Aussage Gottes: \u201eDenn ich bin gn\u00e4dig.\u201c Das hebr\u00e4ische Wort \u1e25ann\u00fbn bedeutet \u201egn\u00e4dig\u201c oder \u201ebarmherzig\u201c. Gottes Gerechtigkeit und sein Erbarmen geh\u00f6ren untrennbar zusammen. Gott steht an der Seite der Schwachen, weil ihre W\u00fcrde gerade dort besonderen Schutz braucht, wo menschliche Achtung und gesellschaftliche Sicherheiten fehlen. Daran soll sich auch die Gerechtigkeit der menschlichen Gemeinschaft messen lassen.<\/p>\n<h2>Lob f\u00fcr die Thessalonicher<\/h2>\n<p>Der erste Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher geh\u00f6rt zu den \u00e4ltesten Schriften des Neuen Testaments. Schon zu Beginn spricht Paulus der jungen christlichen Gemeinde ein bemerkenswertes Lob aus. Sie ist f\u00fcr andere Christen zum Vorbild geworden. Nicht wegen ihrer Gr\u00f6\u00dfe oder ihres gesellschaftlichen Ansehens, sondern wegen der Art, wie sie den Glauben angenommen und gelebt hat.<\/p>\n<p>Worin besteht ihre Vorbildlichkeit? Zun\u00e4chst darin, dass die Thessalonicher das Evangelium trotz gro\u00dfer Bedr\u00e4ngnis angenommen haben. Sie orientierten sich am Beispiel des Apostels Paulus und seiner Mitarbeiter, vor allem aber an Jesus Christus. Ihre Treue zum Glauben war mit pers\u00f6nlichen Schwierigkeiten und gesellschaftlicher Ablehnung verbunden. Dennoch bewahrten sie jene Freude, die Paulus ausdr\u00fccklich als Gabe des Heiligen Geistes bezeichnet. Diese Freude erw\u00e4chst nicht aus g\u00fcnstigen Lebensumst\u00e4nden, sondern aus der lebendigen Beziehung zu Gott.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist auch die Ausstrahlung ihres Glaubens. Paulus berichtet, dass die Nachricht von ihrer Bekehrung weit \u00fcber Thessalonich hinaus bekannt geworden ist. In Mazedonien und Achaia spricht man von ihnen. Die Gemeinde verk\u00fcndet das Evangelium somit nicht nur durch Worte, sondern auch durch ihre Lebensweise.<\/p>\n<p>Besonders deutlich beschreibt Paulus die Bekehrung der Thessalonicher: Sie haben sich von den G\u00f6tzen abgewandt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen. Diese Umkehr bedeutet mehr als einen Wechsel religi\u00f6ser Vorstellungen. Sie ist eine grundlegende Neuorientierung des Lebens.<\/p>\n<p>Zwei Haltungen kennzeichnen diese neue Existenz: Gott dienen und Jesus Christus erwarten. Der Glaube verbindet die Verantwortung in der Gegenwart mit der Hoffnung auf die Zukunft. Die Auferweckung Jesu ist dabei das Fundament dieser Hoffnung. Durch ihn erwartet die Gemeinde Rettung im kommenden Gericht Gottes.<\/p>\n<p>Die Thessalonicher sind also Vorbilder, weil ihr Glaube auch unter schwierigen Bedingungen Bestand hat, ihr Leben ver\u00e4ndert und auf andere Menschen ausstrahlt. F\u00fcr den hl. Paulus zeigt sich darin die wirksame Kraft des Evangeliums und des Heiligen Geistes.<\/p>\n<h2>Das Gebot der vollkommenen Liebe<\/h2>\n<p>Ein Gesetzeslehrer fragt Jesus nach dem wichtigsten Gebot. Hinter dieser Frage steht eine grundlegende Sorge des j\u00fcdischen Glaubens: Was ist der eigentliche Mittelpunkt des g\u00f6ttlichen Gesetzes? Was gibt den zahlreichen Geboten ihren inneren Zusammenhang und ihren Sinn?<\/p>\n<p>Jesus antwortet mit zwei Aussagen aus dem Alten Testament. Die erste stammt aus dem Buch Deuteronomium (Dtn 6,5): Gott lieben mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Denken. Die zweite findet sich im Buch Levitikus (Lev 19,18): Den N\u00e4chsten lieben wie sich selbst. Jesus f\u00fchrt also keine neuen Gebote ein. Das Besondere seiner Antwort besteht darin, dass er beide Gebote untrennbar miteinander verbindet und ihnen die gleiche grundlegende Bedeutung zuschreibt.<\/p>\n<p>Was bedeutet vollst\u00e4ndige Liebe? Die dreifache Formulierung \u201emit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken\u201c bezeichnet den Menschen in seiner Gesamtheit. Die Liebe zu Gott beschr\u00e4nkt sich nicht auf religi\u00f6se Gef\u00fchle oder einzelne fromme Handlungen. Sie umfasst das Denken, die Entscheidungen, die Lebensgestaltung und das gesamte menschliche Handeln.<\/p>\n<p>Ebenso umfassend ist das Gebot der N\u00e4chstenliebe. Den anderen zu lieben wie sich selbst bedeutet, seine W\u00fcrde, seine Bed\u00fcrfnisse und sein Wohlergehen ebenso ernst zu nehmen wie die eigenen. Im Matth\u00e4usevangelium reicht diese Liebe sogar bis zu den Feinden (Mt 5,44). Sie \u00fcberschreitet damit die Grenzen pers\u00f6nlicher Sympathie und gesellschaftlicher Zugeh\u00f6rigkeit.<\/p>\n<p>Jesus erkl\u00e4rt schlie\u00dflich, dass an diesen beiden Geboten das ganze Gesetz und die Propheten h\u00e4ngen. Damit werden die \u00fcbrigen Gebote nicht aufgehoben. Vielmehr erhalten sie ihren entscheidenden Ma\u00dfstab und ihren tiefsten Sinn.<\/p>\n<p>Die vollst\u00e4ndige Liebe verbindet die Beziehung zu Gott mit der Verantwortung f\u00fcr den Menschen. Beide geh\u00f6ren zusammen. Wer Gott liebt, kann den Menschen nicht aus seiner Liebe ausschlie\u00dfen. Darin liegt nach Jesus die Mitte des biblischen Glaubens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesung: Ex 22, 20\u201326 Lesung: 1 Thess 1, 5c\u201310 Evangelium: Mt 22, 34\u201340 Wenden wir uns heute kurzen Kommentaren zu den einzelnen Lesungen des 30. Sonntags im Jahreskreis zu. 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