{"id":88332,"date":"2026-10-26T05:00:32","date_gmt":"2026-10-26T04:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=88332"},"modified":"2026-10-23T23:01:58","modified_gmt":"2026-10-23T21:01:58","slug":"nachbarschaft-verpflichtet-jahre-der-versaeumnisse-und-des-lauten-streitens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/nachbarschaft-verpflichtet-jahre-der-versaeumnisse-und-des-lauten-streitens\/","title":{"rendered":"Jahre der Vers\u00e4umnisse und des lauten Streitens"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Polnische Haus in Bochum steht f\u00fcr die Geschichte der polnischen Gemeinschaft in Deutschland und f\u00fcr Fragen, die bis heute offen sind. Mit Blick auf den f\u00fcr Januar 2027 angek\u00fcndigten deutsch-polnischen Runden Tisch fragt unser Autor, ob es nicht an der Zeit w\u00e4re, Bilanz der bisherigen Vorschl\u00e4ge zu ziehen \u2013 und ob einer davon, der direkt mit dem Polnischen Haus verbunden ist, bis dahin umgesetzt sein wird.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Gestern war ich in einer Stra\u00dfe in Bochum, die einen besonderen Platz in der Geschichte der Polen in Deutschland einnimmt. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert pulsierte in der Klosterstra\u00dfe, der heutigen Am Kortl\u00e4nder, das polnische Leben. \u00dcber mehrere Jahrzehnte hinweg waren hier verschiedene polnische Organisationen aktiv, es erschienen Zeitungen und Zeitschriften, und Menschen trafen sich hier \u2013 f\u00fcr viele von ihnen war diese Stra\u00dfe ein wichtiger Ort des polnischen gesellschaftlichen Lebens.<\/p>\n<div id=\"attachment_88337\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-88337\" class=\"size-full wp-image-88337\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Polnisches-Haus-Bochum_kr-3-scaled.png\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1440\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Polnisches-Haus-Bochum_kr-3-scaled.png 2560w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Polnisches-Haus-Bochum_kr-3-300x169.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Polnisches-Haus-Bochum_kr-3-1024x576.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Polnisches-Haus-Bochum_kr-3-768x432.png 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Polnisches-Haus-Bochum_kr-3-1536x864.png 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Polnisches-Haus-Bochum_kr-3-2048x1152.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><p id=\"caption-attachment-88337\" class=\"wp-caption-text\">Im Zusammenhang mit dem deutsch-polnischen Runden Tisch wurde vorgeschlagen, am Polnischen Haus eine Gedenktafel f\u00fcr die ermordeten Vertreter der polnischen Minderheit im Deutschland der Zwischenkriegszeit anzubringen.<br \/>Foto: Krzysztof Ruchniewicz<\/p><\/div>\n<p>Nach der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten in Deutschland und dem Beginn der Repressionen gegen die Polen wurde die T\u00e4tigkeit ihrer Organisationen stark eingeschr\u00e4nkt, und das bisherige gesellschaftliche Leben begann allm\u00e4hlich zu erl\u00f6schen. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und der Beschlagnahmung des polnischen Eigentums kam es praktisch vollst\u00e4ndig zum Erliegen. Auch die ersten Nachkriegsjahre in der durch Bombenangriffe zerst\u00f6rten Stadt waren schwierig. Mit der Reaktivierung des Bundes der Polen in Deutschland waren Bem\u00fchungen um den Wiederaufbau seiner Strukturen und die R\u00fcckgewinnung seines Platzes im \u00f6ffentlichen Leben verbunden. Schlie\u00dflich gelang es, das Polnische Haus in der Klosterstra\u00dfe zur\u00fcckzuerlangen. In den folgenden Jahrzehnten war es Sitz des Bundes.<\/p>\n<p>Heute wird das Polnische Haus renoviert. Ger\u00fcste, Bauzaun und die Umgebung des Geb\u00e4udes vermitteln derzeit eher einen bedr\u00fcckenden Eindruck. Ich schreibe dar\u00fcber nicht, um die Renovierungsarbeiten selbst zu beurteilen, sondern weil mir das gegenw\u00e4rtige Bild dieses Ortes sehr aussagekr\u00e4ftig erscheint. Die Geschichte der polnischen Pr\u00e4senz in Deutschland liegt hier gewisserma\u00dfen zum Greifen nah \u2013 und zugleich scheint sie an einen vergessenen Rand gedr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Warum erw\u00e4hne ich das? Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass im Januar 2027 die n\u00e4chste Sitzung des deutsch-polnischen Runden Tisches stattfinden soll. Dieses wichtige Dialogforum bringt Vertreterinnen und Vertreter der polnischen Organisationen in Deutschland und der deutschen Minderheit in Polen zusammen. Es sollte nicht lediglich Gelegenheit zu einem h\u00f6flichen Meinungsaustausch sein. Es sollte auch dazu dienen, konkrete Entscheidungen zu treffen und L\u00f6sungen f\u00fcr Fragen zu entwickeln, die f\u00fcr beide Gemeinschaften und ihren Alltag von Bedeutung sind.<\/p>\n<blockquote><p>Bis Januar bleibt noch etwas Zeit. Es w\u00e4re daher m\u00f6glich, der \u00d6ffentlichkeit in beiden L\u00e4ndern nicht nur eine Liste eigener Erwartungen vorzulegen, sondern vor allem Ideen f\u00fcr deren gemeinsame Umsetzung.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Runde Tisch besteht seit inzwischen mehr als f\u00fcnfzehn Jahren, seine Sitzungen fanden bislang jedoch nur unregelm\u00e4\u00dfig statt. Dazu trugen auch politische Ver\u00e4nderungen und Spannungen in den deutsch-polnischen Beziehungen bei. Trotz wiederholter Erkl\u00e4rungen \u00fcber die Notwendigkeit, die gutnachbarlichen Beziehungen zu st\u00e4rken, wurden weitere Treffen immer wieder verschoben. Seit dem Regierungswechsel in Polen Ende 2023 ist inzwischen gen\u00fcgend Zeit vergangen, um eine Bilanz der bisherigen Ma\u00dfnahmen zu ziehen und dar\u00fcber nachzudenken, wie die n\u00e4chste Etappe unserer Zusammenarbeit aussehen sollte.<\/p>\n<div id=\"attachment_88335\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-88335\" class=\"size-full wp-image-88335\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Polnisches-Haus-Bochum_kr-4-scaled.png\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1440\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Polnisches-Haus-Bochum_kr-4-scaled.png 2560w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Polnisches-Haus-Bochum_kr-4-300x169.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Polnisches-Haus-Bochum_kr-4-1024x576.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Polnisches-Haus-Bochum_kr-4-768x432.png 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Polnisches-Haus-Bochum_kr-4-1536x864.png 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Polnisches-Haus-Bochum_kr-4-2048x1152.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><p id=\"caption-attachment-88335\" class=\"wp-caption-text\">In den Nachkriegsjahren gelang es dem Bund der Polen in Deutschland, das Polnische Haus in der Bochumer Klosterstra\u00dfe zur\u00fcckzuerlangen, das in den folgenden Jahrzehnten als Sitz des Bundes diente.<br \/>Foto: Krzysztof Ruchniewicz<\/p><\/div>\n<p>Bis Januar bleibt noch etwas Zeit. Es w\u00e4re daher m\u00f6glich, der \u00d6ffentlichkeit in beiden L\u00e4ndern nicht nur eine Liste eigener Erwartungen vorzulegen, sondern vor allem Ideen f\u00fcr deren gemeinsame Umsetzung. Man k\u00f6nnte auch auf die Verpflichtungen fr\u00fcherer Jahre zur\u00fcckkommen und offen die Frage beantworten: Was wurde umgesetzt, was steht noch aus, und was wurde schlicht vergessen \u2013 und warum?<\/p>\n    <section class=\"newsy-widget\">\n        \n                                \n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/nachbarschaft-verpflichtet-die-grenzen-der-rekonstruktion\/\">\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/robin1960-historical-reenactment-7294066-150x150.jpg\" alt=\"Die Grenzen der Rekonstruktion\">\n                            <\/div>\n            <div class=\"newsy-card-text\">\n            \t\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Nachbarschaft verpflichtet<\/span>\n                                      \t\n            \t\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Die Grenzen der Rekonstruktion<\/h3>\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\n            <\/div>\n        <\/a>\n            <\/section>\n    \n    <section class=\"newsy-widget\">\n        \n                                \n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/nachbarschaft-verpflichtet-ueber-die-deutsch-polnischen-beziehungen-einmal-anders-gedacht\/\">\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/yaron-cohen-Q4Fypd-3CDM-unsplash-scaled-e1790340856603-150x150.jpg\" alt=\"\u00dcber die deutsch-polnischen Beziehungen \u2013 einmal anders gedacht\">\n                            <\/div>\n            <div class=\"newsy-card-text\">\n            \t\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Nachbarschaft verpflichtet<\/span>\n                                      \t\n            \t\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">\u00dcber die deutsch-polnischen Beziehungen \u2013 einmal anders gedacht<\/h3>\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\n            <\/div>\n        <\/a>\n            <\/section>\n    \n<p>Eine dieser Verpflichtungen, die mit der Geschichte der Polen in Deutschland verbunden sind, betraf die Erinnerung an die ermordeten Vertreter der polnischen Minderheit im Deutschland der Zwischenkriegszeit. Zu den Vorschl\u00e4gen geh\u00f6rte die Anbringung einer entsprechenden Gedenktafel am Polnischen Haus in Bochum. Wird es dazu kommen? Wird das Polnische Haus bis zum Treffen im Januar wieder er\u00f6ffnet sein?<\/p>\n<p>In dieser Hinsicht habe ich einige Zweifel. Vielleicht irre ich mich jedoch. Und ich w\u00fcrde mir sehr w\u00fcnschen, dass sich die Geschichte der Klosterstra\u00dfe diesmal nicht als Geschichte weiterer Vers\u00e4umnisse und Verz\u00f6gerungen erweist, sondern als Ausgangspunkt f\u00fcr konkretes Handeln.<\/p>\n    <div class=\"osoba-widget\">\n                    <h4 class=\"osoba-naglowek\">\u00dcber den Autor<\/h4>\n                <div class=\"osoba-body\">\n            <div class=\"osoba-text\"><p>\nProf. Dr. Krzysztof Ruchniewicz ist Historiker und Professor an der Universit\u00e4t Breslau. Seit April 2026 ist er zudem als DAAD-Gastprofessor an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum t\u00e4tig. Bis 2024 leitete er das Willy-Brandt-Zentrum f\u00fcr Deutschland- und Europastudien der Universit\u00e4t Breslau; in den Jahren 2024\/2025 war er Beauftragter des polnischen Au\u00dfenministers f\u00fcr die deutsch-polnische Zusammenarbeit. Er ist Autor zahlreicher Publikationen zur deutschen Geschichte sowie zu den polnisch-deutschen Beziehungen mit einem Schwerpunkt auf dem 20. und fr\u00fchen 21. Jahrhundert.<br \/>\nF\u00fcr unsere Zeitung verfasst er seit Anfang 2026 regelm\u00e4\u00dfig die politische Kolumne \u201eNachbarschaft verpflichtet\u201c, in der er sich mit den deutsch-polnischen Beziehungen auseinandersetzt.<\/p>\n<\/div>\n                        <div class=\"osoba-image\">\n                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Krzysztof-Ruchniewicz_af.png\" alt=\"\u00dcber den Autor\">\n                            <\/div>\n                    <\/div>\n    <\/div>\n    \n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Polnische Haus in Bochum steht f\u00fcr die Geschichte der polnischen Gemeinschaft in Deutschland und f\u00fcr Fragen, die bis heute offen sind. 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