{"id":88192,"date":"2026-10-21T05:00:14","date_gmt":"2026-10-21T03:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=88192"},"modified":"2026-10-20T17:50:02","modified_gmt":"2026-10-20T15:50:02","slug":"warum-schaemt-sich-oppeln-fuer-seine-minderheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/warum-schaemt-sich-oppeln-fuer-seine-minderheit\/","title":{"rendered":"Warum sch\u00e4mt sich Oppeln f\u00fcr seine Minderheit?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im September habe ich mich im Zusammenhang mit Fragen nationaler Minderheiten gleich in vier europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten aufgehalten: Warschau, Berlin, Helsinki und Br\u00fcssel. Jede von ihnen ist anders. Die beiden letztgenannten zeichnen sich dadurch aus, dass sie zweisprachige St\u00e4dte sind. Dabei geht es nicht um den Sprachmix auf der Stra\u00dfe, denn alle Metropolen ziehen Menschen unterschiedlichster Kulturen an. In Helsinki und Br\u00fcssel ist die Zweisprachigkeit dauerhaft und fest verankert.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Gerade der Status der schwedischsprachigen Gemeinschaft war der Grund daf\u00fcr, dass der FUEN-Kongress in der finnischen Hauptstadt stattfand. Finnisch und Schwedisch sind dort gleichgestellt. Stra\u00dfenschilder, Bezeichnungen von \u00c4mtern, Wegweiser, Informationen im \u00f6ffentlichen Nahverkehr, Bekanntmachungen aller Art, Anleitungen, Informationen und Flugbl\u00e4tter sind in beiden Sprachen verfasst. Der B\u00fcrgermeister der Stadt h\u00e4lt dies f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich, obwohl Schwedisch nur f\u00fcr etwa 5 % der Einwohner seine Muttersprache ist. Gesetzlich vorgeschrieben ist die Zweisprachigkeit bereits dann, wenn 8 % der Bev\u00f6lkerung Schwedisch als Muttersprache angeben. Beide Sprachen k\u00f6nnen auch in \u00f6ffentlichen Einrichtungen verwendet werden.<\/p>\n<p>In Br\u00fcssel, wo ich als Mitglied des Europ\u00e4ischen Dialogforums bei der FUEN im Europ\u00e4ischen Parlament und bei der Europ\u00e4ischen Kommission an Gespr\u00e4chen \u00fcber die Aufnahme der Rechte nationaler, ethnischer und sprachlicher Minderheiten in neue EU-Programme teilgenommen habe, insbesondere in die Koh\u00e4sionspolitik f\u00fcr die Jahre 2028\u20132034, ist die Situation \u00e4hnlich. Die Stadt ist zweisprachig. Neben dem Franz\u00f6sischen, das von 90 % der Einwohner gesprochen wird, sind Stra\u00dfen, \u00c4mter, Schulen und Museen auch auf Niederl\u00e4ndisch beschildert. Wie allgemein bekannt ist, setzt sich der belgische K\u00f6nig f\u00fcr die Gleichberechtigung der Sprachen ein, die von den Belgiern gesprochen werden. Alle seine Ansprachen richtet er an die B\u00fcrger nicht nur auf Franz\u00f6sisch und Niederl\u00e4ndisch, sondern auch auf Deutsch, das lediglich f\u00fcr 70.000 Einwohner der Region Eupen die Muttersprache ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_88195\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-88195\" class=\"size-large wp-image-88195\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Budynek_dawnej_Rejencji_Opolskiej_z_Wieza_Piastowska-Wikipedia-1024x731.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"731\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Budynek_dawnej_Rejencji_Opolskiej_z_Wieza_Piastowska-Wikipedia-1024x731.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Budynek_dawnej_Rejencji_Opolskiej_z_Wieza_Piastowska-Wikipedia-300x214.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Budynek_dawnej_Rejencji_Opolskiej_z_Wieza_Piastowska-Wikipedia-768x549.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Budynek_dawnej_Rejencji_Opolskiej_z_Wieza_Piastowska-Wikipedia-1536x1097.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Budynek_dawnej_Rejencji_Opolskiej_z_Wieza_Piastowska-Wikipedia-2048x1463.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-88195\" class=\"wp-caption-text\">Vergeblich sucht man im \u00f6ffentlichen Raum Oppelns nach Spuren der deutschen Sprache.<br \/>Foto: Wikipedia<\/p><\/div>\n<p>F\u00fcr Belgier und Finnen ist dies wichtig, zugleich aber auch selbstverst\u00e4ndlich und Teil des Alltags. Was hat das mit Oppeln zu tun? Anfang September musste ich Fragen beantworten, die der VdG vom Europarat zur Umsetzung der Empfehlungen aus der \u00dcberpr\u00fcfung der Anwendung der Europ\u00e4ischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen \u00fcbermittelt worden waren. In einer dieser Fragen erkundigt sich der Europarat, ob die Stadt Oppeln inzwischen einen Weg gefunden hat, die zweisprachigen Ortsschilder in den Ortschaften wieder anzubringen, die durch die Erweiterung des Stadtgebiets im Jahr 2017 eingemeindet wurden, und ob sie die M\u00f6glichkeit wiederhergestellt hat, die deutsche Sprache in den st\u00e4dtischen Beh\u00f6rden zu verwenden. In Oppeln hat man bereits vergessen, dass die neu hinzugekommenen Einwohner nicht nur gegen ihren Willen in die Stadtgrenzen eingegliedert wurden, sondern zugleich auch die deutschen Bezeichnungen auf den Ortsschildern ihrer D\u00f6rfer verloren haben. Von der Verwendung der deutschen Sprache im Verwaltungsverkehr ganz zu schweigen.<\/p>\n<blockquote><p>Zwei Bilder gingen um die Welt: das erz\u00e4hlte Oppeln und das tats\u00e4chliche Oppeln. Helsinki, Br\u00fcssel und viele andere Orte in Europa zeigen, dass beide Bilder durchaus \u00fcbereinstimmen k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>In Stra\u00dfburg hat man jedoch nicht vergessen, dass die Republik Polen durch das Handeln der Stadt Oppeln gegen die Grunds\u00e4tze versto\u00dfen hat, zu deren Einhaltung sie sich mit der Ratifizierung der Europ\u00e4ischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen verpflichtet hat. Ich habe wahrheitsgem\u00e4\u00df geschrieben, dass seit neun Jahren nichts unternommen wurde, um die aus dem Stra\u00dfenbild entfernten zus\u00e4tzlichen deutschen Ortsbezeichnungen innerhalb der Stadtgrenzen in irgendeiner Form wieder einzuf\u00fchren. Dabei w\u00e4ren wei\u00dfe Ortstafeln mit den Namen der Stadtteile oder symbolische Informationstafeln \u00fcberhaupt kein Problem. Neben dem negativen v\u00f6lkerrechtlichen Bild gibt es auch das Problem des Images.<\/p>\n<p>Vor einem Jahr lud die Universit\u00e4t Oppeln ein breites Spektrum an Experten aus ganz Europa zum \u201eKongress \u00fcber Minderheiten\u201c nach Oppeln ein. Viele von ihnen, darunter auch Nicolas Levrat, der UN-Sonderberichterstatter f\u00fcr Minderheitenfragen, vertraten die Ansicht, dass sie zwar bei der feierlichen Er\u00f6ffnung der Konferenz die Beteuerungen regionaler Politiker \u00fcber den Respekt vor der Multikulturalit\u00e4t und den vorbildlichen Umgang mit den Deutschen vor Ort geh\u00f6rt h\u00e4tten, in Oppeln selbst jedoch keinerlei Spuren gefunden h\u00e4tten, die darauf hindeuteten, dass die Stadt die Hauptstadt einer solchen Region sei.<\/p>\n<p>Ihre Suche nach der deutschen Sprache im \u00f6ffentlichen Raum blieb erfolglos \u2013 als w\u00fcrde sich Oppeln ihrer sch\u00e4men.<\/p>\n<p>Zwei Bilder gingen um die Welt: das erz\u00e4hlte Oppeln und das tats\u00e4chliche Oppeln. Helsinki, Br\u00fcssel und viele andere Orte in Europa zeigen, dass beide Bilder durchaus \u00fcbereinstimmen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im September habe ich mich im Zusammenhang mit Fragen nationaler Minderheiten gleich in vier europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten aufgehalten: Warschau, Berlin, Helsinki und Br\u00fcssel. Jede von ihnen ist anders. Die beiden letztgenannten zeichnen sich dadurch aus, dass sie zweisprachige St\u00e4dte sind. 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