{"id":88078,"date":"2026-10-18T05:00:33","date_gmt":"2026-10-18T03:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=88078"},"modified":"2026-10-16T11:14:30","modified_gmt":"2026-10-16T09:14:30","slug":"das-wort-zum-sonntag-von-dr-habil-peter-tarlinski","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/das-wort-zum-sonntag-von-dr-habil-peter-tarlinski\/","title":{"rendered":"Das Wort zum Sonntag von Dr. habil. Peter Tarlinski"},"content":{"rendered":"<p><strong>Lesung:<\/strong> Jes 45,1.4\u20136<br \/>\n<strong>Lesung:<\/strong> 1 Thess 1,1\u20135b Evangelium: Mt 22,15\u201321<\/p>\n<p><strong>Fragen rund um das Zahlen von Steuern besch\u00e4ftigen die Menschen seit ihrer Einf\u00fchrung. Sie haben schon immer Interesse geweckt und starke Gef\u00fchle hervorgerufen. Die \u00e4ltesten historisch belegten Zeugnisse \u00fcber die Erhebung von Steuern stammen aus der Zeit um 3100\u20133000 vor Christus.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Schon vor mehr als 5000 Jahren wurden Abgaben eingezogen. Die Menschen mussten einen Teil ihrer Ernte abgeben: Getreide, \u00d6l, Tiere oder andere Erzeugnisse. Sie konnten auch zu Arbeiten f\u00fcr die Herrscher verpflichtet werden, etwa zum Bau von Wasserkan\u00e4len oder Befestigungsanlagen. Urspr\u00fcnglich wurden Steuern nicht immer von einzelnen Menschen erhoben. Manchmal musste eine ganze Siedlung, eine b\u00e4uerliche Gemeinschaft oder ein Verwalter von G\u00fctern die Abgaben leisten. Die gesammelten G\u00fcter dienten dem Unterhalt der Herrscher, der Beamten, des Milit\u00e4rs und der Tempel. Sie wurden auch f\u00fcr \u00f6ffentliche Arbeiten, Handels- und Kriegsz\u00fcge sowie f\u00fcr den Bau gro\u00dfer, monumentaler Geb\u00e4ude verwendet.<\/p>\n<blockquote><p>Der Mensch kann dem Staat geben, was ihm rechtm\u00e4\u00dfig zusteht. Sein Gewissen, seine W\u00fcrde und seine letzte Zugeh\u00f6rigkeit zu Gott d\u00fcrfen jedoch keiner politischen Macht ausgeliefert werden.<\/p><\/blockquote>\n<h2>Die Tempelsteuer und die staatliche Steuer (die sogenannte Kopfsteuer)<\/h2>\n<p>Zur Zeit Jesu waren die Bewohner Pal\u00e4stinas mit zwei verschiedenen Steuersystemen konfrontiert. Das eine war religi\u00f6ser Art und mit dem Tempel in Jerusalem verbunden. Das andere war staatlicher Art und stand im Zusammenhang mit der politischen Herrschaft. Im alttestamentlichen Buch Exodus wurde festgelegt, wie hoch die Abgabe f\u00fcr den Gottesdienst und die Gemeinschaft Israels sein sollte. \u201eJeder, der bei der Musterung erfasst wird, soll einen halben Schekel [&#8230;] als Abgabe f\u00fcr den HERRN geben. Jeder, der bei der Musterung erfasst wird, von zwanzig Jahren an und dar\u00fcber, soll diese Abgabe f\u00fcr den HERRN entrichten\u201c (Ex 30,13\u201314). Ein halber Schekel entsprach ungef\u00e4hr zwei Denaren, also dem Lohn f\u00fcr zwei Arbeitstage. Diese Abgabe musste j\u00e4hrlich entrichtet werden.<\/p>\n<p>Die j\u00e4hrliche Steuerpflicht einer einzelnen Person (die sogenannte Kopfsteuer) zugunsten des Kaisers und f\u00fcr den Unterhalt seines Reiches war wesentlich h\u00f6her. Zur Zeit Jesu konnte die Steuerbelastung in \u00c4gypten, einer damaligen r\u00f6mischen Provinz, dem Lohn f\u00fcr 16 bis 32 Arbeitstage eines ungelernten Arbeiters entsprechen. Das waren ungef\u00e4hr drei bis f\u00fcnf Wochen Arbeit bei einer Sechstagewoche. Von seinem Verdienst musste der Arbeiter sich selbst und seine Familie ern\u00e4hren. Die Steuer verschlang also einen betr\u00e4chtlichen Teil seines Einkommens. Um sie bezahlen zu k\u00f6nnen, musste er oft l\u00e4ngere Zeit sparen. Nicht selten gerieten Familien in erhebliche Schulden, wenn der Arbeiter ohne Besch\u00e4ftigung blieb.<\/p>\n<h2>Die Steuer im Matth\u00e4usevangelium<\/h2>\n<p>Das heutige Evangelium spricht von der Pflicht, den Herrschenden Steuern zu zahlen. Die Pharis\u00e4er stellen Jesus dazu eine Frage: \u201eSag uns also: Was meinst du? Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht?\u201c Auf diese Fangfrage reagiert Jesus, indem er mit ihnen ein Gespr\u00e4ch beginnt. \u201eIhr Heuchler, warum versucht ihr mich? Zeigt mir die M\u00fcnze, mit der ihr eure Steuern bezahlt!\u201c Da hielten sie ihm einen Denar hin. Er fragte sie: \u201eWessen Bild und Aufschrift ist das?\u201c Sie antworteten ihm: \u201eDes Kaisers.\u201c Darauf sagte er zu ihnen: \u201eSo gebt dem Kaiser, was dem Kaiser geh\u00f6rt, und Gott, was Gott geh\u00f6rt!\u201c Als sie das h\u00f6rten, waren sie erstaunt. Sie lie\u00dfen ihn stehen und gingen weg.<\/p>\n<p>Der Denar (lateinisch denarius, griechisch d\u0113narion) war eine r\u00f6mische Silberm\u00fcnze, die auch in Pal\u00e4stina zur Zeit Jesu verwendet wurde. Sie hatte einen relativ hohen Wert. Im Matth\u00e4usevangelium (20,2) wird ein Denar als Lohn f\u00fcr einen ganzen Arbeitstag eines Arbeiters im Weinberg genannt.<\/p>\n<p>Der materielle Wert einer M\u00fcnze mit der kaiserlichen Abbildung ist wichtig. Neben ihm gibt es aber auch einen geistlichen Wert: das Bild Gottes im Menschen. Dieses ist noch wichtiger und darf nicht vernachl\u00e4ssigt werden. Deshalb ruft Jesus dazu auf, eine tiefe Beziehung zu Gott zu pflegen. Dazu geh\u00f6rt unter anderem eine einfache Lebenshaltung: mit Dankbarkeit empfangen und mit Freude geben.<\/p>\n<h2>Gott und der Kaiser<\/h2>\n<p>Jesus erkennt an, dass der Kaiser bestimmte Rechte besitzt und Menschen gegen\u00fcber dem Staat Verpflichtungen haben. Dazu kann auch das Zahlen von Steuern geh\u00f6ren. Doch die politische Macht ist begrenzt. Der Mensch geh\u00f6rt nicht dem Staat. Gott und der Kaiser stehen nicht auf derselben Ebene. Der Kaiser besitzt politische Macht. Gott hingegen ist der Herr des ganzen Lebens. Der Staat hat seine Aufgaben und Rechte. Doch auch sein Einfluss ist begrenzt. Gott steht \u00fcber jeder menschlichen Herrschaft. Christen d\u00fcrfen und sollen ihre berechtigten Verpflichtungen gegen\u00fcber dem Staat erf\u00fcllen. Zugleich besitzen sie das Recht und die Verantwortung, staatliches Handeln kritisch an Gerechtigkeit, Menschenw\u00fcrde und Gewissensfreiheit zu messen. Gehorsam gegen\u00fcber dem Staat bedeutet nicht bedingungslose Unterwerfung. Der Mensch kann dem Staat geben, was ihm rechtm\u00e4\u00dfig zusteht. Sein Gewissen, seine W\u00fcrde und seine letzte Zugeh\u00f6rigkeit zu Gott d\u00fcrfen jedoch keiner politischen Macht ausgeliefert werden.<\/p>\n<h2>Christen und Steuern<\/h2>\n<p>Nicht selten h\u00f6rt man in den Medien, dass die katholische Kirche aus \u00f6ffentlichen Mitteln finanziert wird. Man kann den Eindruck gewinnen, dass Katholiken keine Steuern zahlen und die Regierenden \u00fcber Geld verf\u00fcgen, das sie nicht f\u00fcr die Gl\u00e4ubigen ausgeben wollen. Die Bev\u00f6lkerung in Polen besteht \u00fcberwiegend aus getauften Menschen. Ihre Zahl betr\u00e4gt 31,5 Millionen. Hinzu kommen evangelische Christen (etwa 70.000) und orthodoxe Christen (504.000).<\/p>\n<p>Alle an Christus Glaubenden, die dazu verpflichtet sind, zahlen Steuern \u2013 sowohl als Arbeitnehmer als auch als Verbraucher (auf Waren und Dienstleistungen). Geistliche, die im Rahmen eines Arbeitsvertrags besch\u00e4ftigt sind, sowie Pfarrer und Kapl\u00e4ne, die in den Pfarreien t\u00e4tig sind, zahlen ebenfalls Steuern nach geltendem Recht.<\/p>\n<p>Die Geistlichen bezahlen aus eigenen Mitteln die Beitr\u00e4ge zur Krankenversicherung sowie zur freiwilligen Krankengeldversicherung. Sie erhalten weder ein Gehalt aus der Staatskasse noch direkte Geldzahlungen aus dem sogenannten Kirchenfonds (Fundusz Ko\u015bcielny). Dieser finanziert 80 % der Beitr\u00e4ge zur Altersrenten-, Erwerbsminderungsrenten- und Unfallversicherung. Bei Mitgliedern kontemplativer Orden und Missionaren sind es 100 %. Die Beitr\u00e4ge werden auf der Grundlage des gesetzlich festgelegten Mindestlohns in Polen berechnet. Diese Zusch\u00fcsse erhalten knapp 24.000 Geistliche. Das bedeutet, dass der Staat nicht s\u00e4mtliche Versicherungsbeitr\u00e4ge und Lebenshaltungskosten eines Geistlichen \u00fcbernimmt. Auch den gl\u00e4ubigen Laien zahlt er aufgrund ihrer Zugeh\u00f6rigkeit zur Kirche keine zus\u00e4tzlichen Geldleistungen.<\/p>\n<h2>\u00d6ffentliche Gelder<\/h2>\n<p>Kehren wir noch einmal zu der allgemeinen Stimmung zur\u00fcck, die rund um die \u00f6ffentlichen Gelder geschaffen wird. Die \u00f6ffentlichen Finanzen stammen zum \u00fcberwiegenden Teil aus dem, was Christen erarbeiten. Polen z\u00e4hlt 37 Millionen 243 Tausend B\u00fcrger. Mehr als 32 Millionen Menschen sind getauft. Es f\u00e4llt schwer, der Behauptung zuzustimmen, dass Christen auf Kosten des Staates leben. Viel n\u00e4her an der Wirklichkeit und zutreffender ist die Sichtweise, die in den Christen diejenigen erkennt, dank derer die Republik Polen funktioniert. Und niemand entzieht sich dieser Verantwortung oder hat die Absicht, es zu tun. Der von Jesus aufgestellte Grundsatz ist richtig: \u201eSo gebt dem Kaiser, was dem Kaiser geh\u00f6rt, und Gott, was Gott geh\u00f6rt!\u201c Zugleich verlangt jedoch das, was Gott geh\u00f6rt, Anerkennung und Achtung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesung: Jes 45,1.4\u20136 Lesung: 1 Thess 1,1\u20135b Evangelium: Mt 22,15\u201321 Fragen rund um das Zahlen von Steuern besch\u00e4ftigen die Menschen seit ihrer Einf\u00fchrung. Sie haben schon immer Interesse geweckt und starke Gef\u00fchle hervorgerufen. 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