{"id":87787,"date":"2026-10-13T05:00:20","date_gmt":"2026-10-13T03:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=87787"},"modified":"2026-10-13T00:43:04","modified_gmt":"2026-10-12T22:43:04","slug":"an-diesen-runden-tisch-gehen-wir-mit-optimismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/an-diesen-runden-tisch-gehen-wir-mit-optimismus\/","title":{"rendered":"\u201eAn diesen Runden Tisch gehen wir mit Optimismus\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nach Jahren der Pause kehrt der deutsch-polnische Runde Tisch zu den Gespr\u00e4chen zur\u00fcck \u2013 seit einigen Tagen ist das Datum der n\u00e4chsten Plenarsitzung bekannt. Bernard Gaida, Mitunterzeichner der gemeinsamen Erkl\u00e4rung von 2011 und Bevollm\u00e4chtigter des VdG-Vorstandes f\u00fcr internationale Zusammenarbeit in Polen bewertet die Wiederaufnahme des Dialogs positiv, betont jedoch, dass es vor allem auf konkrete Ergebnisse ankommt. \u00dcber die Herausforderungen im Bildungsbereich, die Notwendigkeit, vom Prinzip der Symmetrie abzur\u00fccken, und die Erwartungen an die polnische Regierung sprach Micha\u0142 Florek mit ihm.<\/strong><!--more--><\/p>\n<h3>Im Jahr 2011 haben Sie die gemeinsame Erkl\u00e4rung des deutsch-polnischen Runden Tisches mitunterzeichnet. Wie bewerten Sie die Wiederaufnahme der Gespr\u00e4che in diesem Format?<\/h3>\n<p>Die Wiederaufnahme der Gespr\u00e4che bewerte ich nat\u00fcrlich positiv. Unsere Seite, also der VdG (Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen), hatte allerdings bereits in der seit einiger Zeit laufenden Korrespondenz beantragt, dieses Format beizubehalten, aber die Formel etwas zu ver\u00e4ndern. Es geht um eine ausgewogene Verteilung der Schwerpunkte.<\/p>\n<h3>W\u00e4hrend der deutsch-polnischen Regierungskonsultationen im Juli 2024 wurde beschlossen, den Runden Tisch zu reaktivieren. Ein neuer Termin wurde jedoch erst zwei Jahre sp\u00e4ter festgelegt. War aus Ihrer Sicht die sorgf\u00e4ltige Vorbereitung der Treffen so langwierig, oder haben andere Faktoren zu dem zweij\u00e4hrigen Warten gef\u00fchrt?<\/h3>\n<p>Ich habe nicht den Eindruck, dass dieser Runde Tisch in diesen zwei Jahren sorgf\u00e4ltig vorbereitet wurde. Ich denke, die Regierung hat angesichts des politischen Klimas in der polnischen Innenpolitik gro\u00dfe Angst vor politischen Folgen und Angriffen, die ihr eine prodeutsche Haltung vorwerfen. Diese \u00c4ngste haben den Prozess gebremst. M\u00f6gen sie ihn k\u00fcnftig nicht mehr blockieren. Allerdings f\u00fcrchte ich, dass durch den zweij\u00e4hrigen Zeitverlust bald nach dem Zusammentreten des Runden Tisches Wahlen anstehen werden, was Zweifel an der Wirksamkeit der Vereinbarungen aufkommen l\u00e4sst.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAls deutsche Minderheit berufen wir uns nicht nur auf den Vertrag \u00fcber gute Nachbarschaft, sondern auch auf die von Polen ratifizierten europ\u00e4ischen Dokumente h\u00f6heren Rangs.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<h3>Zur Frage der Wirksamkeit: Bei den fr\u00fcheren Sitzungen des Runden Tisches, insbesondere bei der letzten, war die Atmosph\u00e4re \u2013 um es vorsichtig zu formulieren \u2013 nicht konstruktiv. Glauben Sie, dass die Voraussetzungen f\u00fcr konstruktive Gespr\u00e4che jetzt gegeben sind?<\/h3>\n<p>Genau deshalb haben wir beantragt und erwarten nun, dass die Sitzungsf\u00fchrung nach einer neuen Formel erfolgt \u2013 einer Formel, die Plenarsitzungen auf ein Minimum reduziert, bei denen Konflikte zur Schau gestellt werden.<\/p>\n<h3>Und welche konkrete Formel hatten Sie beantragt?<\/h3>\n<p>Wir haben davor gewarnt, die Formel zu wiederholen, bei der die meisten Themen auf Plenarsitzungen statt in Arbeitsgruppen behandelt werden. Das f\u00fchrte dazu, dass das Thema der sogenannten Symmetrie immer wieder aufkam. Zwar stellt der Vertrag \u00fcber gute Nachbarschaft die Polen in Deutschland und die deutsche Minderheit in Polen in gewissem Ma\u00dfe einander gleich, doch die rechtliche Lage dieser beiden Gruppen bleibt unterschiedlich. Deshalb sollten Minderheitenfragen nicht nach dem Prinzip der Symmetrie behandelt werden: \u201eSo viel ihr, so viel wir\u201c. In der Minderheitenpolitik ist das ein kardinaler Fehler.<\/p>\n<div id=\"attachment_87790\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-87790\" class=\"size-large wp-image-87790\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Mosty-Dialogu-00813-e1781188325802-1024x577.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"577\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Mosty-Dialogu-00813-e1781188325802-1024x577.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Mosty-Dialogu-00813-e1781188325802-300x169.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Mosty-Dialogu-00813-e1781188325802-768x433.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Mosty-Dialogu-00813-e1781188325802-1536x866.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Mosty-Dialogu-00813-e1781188325802.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-87790\" class=\"wp-caption-text\">Im Gespr\u00e4ch erl\u00e4utert Bernard Gaida seine Erwartungen an die Wiederaufnahme des deutsch-polnischen Runden Tisches und die Chancen auf konkrete Ergebnisse.<br \/>Foto: Stefani Koprek-Golomb<\/p><\/div>\n<h3>Sie waren einer der Unterzeichner der Erkl\u00e4rung von 2011; der andere war Tomasz Siemoniak, der heute dem Ministerrat angeh\u00f6rt. Kann die Tatsache, dass sich Herr Siemoniak sehr f\u00fcr Minderheitenfragen engagiert hat, Einfluss auf die R\u00fcckkehr des Runden Tisches haben?<\/h3>\n<p>Allein die Tatsache, dass Tomasz Siemoniak dem Ministerrat angeh\u00f6rt, muss damit nicht unmittelbar zusammenh\u00e4ngen. Ich gebe zu, dass es auf polnischer Seite keinen besseren Minister gab, der im Namen der Regierung Minderheitenpolitik betrieben h\u00e4tte. Herr Siemoniak hat derzeit jedoch andere Funktionen und v\u00f6llig andere Zust\u00e4ndigkeiten. Ich denke daher, dass er m\u00f6glicherweise keinen gro\u00dfen Einfluss auf den aktuellen Runden Tisch hat.<\/p>\n<h3>Beim neuen Runden Tisch ist nun Staatssekret\u00e4r Tomasz Szyma\u0144ski dabei.<\/h3>\n<p>Nat\u00fcrlich, denn er ist der fachlich zust\u00e4ndige Minister. Die kurze Zeit, in der Herr Siemoniak daf\u00fcr zust\u00e4ndig war, f\u00fchrte dazu, dass die Vorbereitungen in Gang kamen. Danach folgten jedoch weitere politische Bewegungen. Das zeigt den Einfluss der Tagespolitik auf Angelegenheiten, die unabh\u00e4ngig von ihr sein sollten.<\/p>\n<h3>Die Erkl\u00e4rung von 2011 sah Treffen mindestens einmal j\u00e4hrlich vor. Tats\u00e4chlich kam dieses Format jedoch schon vor 2019 nicht regelm\u00e4\u00dfig zusammen. Woran lag das?<\/h3>\n<p>Auf Regierungsebene wurde angenommen, dass es keinen Sinn habe, sich zu treffen, wenn die Aufgaben aus der vorherigen Periode nicht erf\u00fcllt worden waren. Es muss jedoch betont werden, dass in den ersten Jahren im Hintergrund Treffen von Arbeitsgruppen stattfanden \u2013 etwa zu Bildung oder zu Erinnerung und Identit\u00e4t. Damals haben wir sehr viele Themen angesprochen, wobei nur ein Teil in die Abschlusserkl\u00e4rung aufgenommen wurde. Mit der Zeit konzentrierte man sich ausschlie\u00dflich auf die Festlegungen der Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<h3>Sind diese weiteren Aktivit\u00e4ten also vergeblich gewesen?<\/h3>\n<p>Sie waren nicht vergeblich, denn wir haben messbare Ergebnisse: das Forschungszentrum der Deutschen Minderheit sowie das Dokumentations- und Ausstellungszentrum der Deutschen in Polen. Das sind greifbare Spuren, auch wenn sie nicht ganz so realisiert wurden, wie es die urspr\u00fcnglichen Pl\u00e4ne vorgesehen hatten.<\/p>\n<h3>Gibt es Ihrer Meinung nach eine Perspektive, dass der deutsch-polnische Runde Tisch j\u00e4hrlich tagt?<\/h3>\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob dieses ehrgeizige Ziel erreicht werden kann. Ich m\u00f6chte jedoch einen wichtigen Punkt betonen: Als deutsche Minderheit berufen wir uns nicht nur auf den Vertrag \u00fcber gute Nachbarschaft, sondern auch auf die von Polen ratifizierten europ\u00e4ischen Dokumente h\u00f6heren Rangs. Im Bildungsbereich hat sich Polen in einem ratifizierten europ\u00e4ischen Dokument verpflichtet, Schulen mit deutscher Unterrichtssprache f\u00fcr die deutsche Minderheit zu organisieren. Diese Bestimmung ist nicht in der Erkl\u00e4rung des Runden Tisches enthalten, aber sie besteht im V\u00f6lkerrecht, und darauf kommt es uns an.<\/p>\n<h3>In den Jahren 2010\u20132011 haben Sie einen detaillierten Bericht \u00fcber die Lage der deutschen Minderheit vorgelegt. Wie viele dieser Forderungen wurden nach 15 Jahren umgesetzt, und was bleibt aktuell?<\/h3>\n<p>Ich stelle Ihnen eine Frage: Kennen Sie diesen Bericht? Als ich ihn in Berlin auf der ersten Plenarsitzung vorstellte, war er au\u00dfergew\u00f6hnlich umfangreich und stellte f\u00fcr die anderen Seiten eine gro\u00dfe \u00dcberraschung dar. Die Regierungsseite kam mit der \u00dcberzeugung dorthin, sie setze die Minderheitenpolitik vorbildlich um. Aus dem Bericht ergab sich etwas v\u00f6llig anderes. F\u00fcr mich selbst habe ich eine Zusammenstellung der Probleme angefertigt, die der Bericht ansprach: Er enthielt insgesamt 17 eigenst\u00e4ndige Themen in drei Gruppen. In die Abschlusserkl\u00e4rung des Runden Tisches wurden f\u00fcr jede Seite nur jeweils f\u00fcnf bis sechs Fragen aufgenommen, um die sogenannte Symmetrie zu wahren.<\/p>\n<div id=\"attachment_87792\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-87792\" class=\"wp-image-87792 size-large\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Mosty-Dialogu-00818-1-e1791844918221-1024x577.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"577\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Mosty-Dialogu-00818-1-e1791844918221-1024x577.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Mosty-Dialogu-00818-1-e1791844918221-300x169.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Mosty-Dialogu-00818-1-e1791844918221-768x433.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Mosty-Dialogu-00818-1-e1791844918221-1536x866.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Mosty-Dialogu-00818-1-e1791844918221.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-87792\" class=\"wp-caption-text\">Nach Ansicht von Bernard Gaida geh\u00f6ren die deutschsprachige Bildung und die Ausbildung entsprechender Lehrkr\u00e4fte zu den dringendsten Themen k\u00fcnftiger Gespr\u00e4che.<br \/>Fotos: S. Koprek-Golomb<\/p><\/div>\n<h3>Man konzentrierte sich auf die Symmetrie statt auf das Gewicht der Probleme.<\/h3>\n<p>Genau so, und der Begriff der Symmetrie passt hier nicht. Um Ihre Frage zu beantworten: Im Bildungsbereich sind wir weiterhin unzufrieden und starten im Grunde vom selben Niveau wie 2010. Gewisse Ergebnisse wurden im Bereich Erinnerung und Identit\u00e4t erzielt, doch die entstandenen Institutionen wurden haupts\u00e4chlich mit Unterst\u00fctzung der deutschen Regierung finanziert, obwohl dies eine Verpflichtung der polnischen Seite h\u00e4tte sein sollen. Au\u00dferdem war es uns wichtig, dass die Geschichte der Deutschen in diesen Gebieten in allen polnischen Regionalmuseen pr\u00e4sent ist und nicht nur in einer eigens daf\u00fcr vorgesehenen Einrichtung. Ein gemeinsames Geschichtslehrbuch wurde zwar erstellt, doch seine Nutzung in polnischen Schulen ist minimal. Zusammengefasst: Etwa 30 Prozent der Aufgaben wurden in unterschiedlicher Form umgesetzt.<\/p>\n<h3>Was ist derzeit am dringendsten beim Runden Tisch zu besprechen?<\/h3>\n<p>Priorit\u00e4t hat der gesamte Bildungsbereich: das Funktionieren der Schulen und das Fehlen von Fachlehrern, die auf Deutsch unterrichten. Es gibt \u00fcberhaupt keine Schulen mit deutscher Unterrichtssprache, und es fehlt eine systematische Ausbildung solcher Fachkr\u00e4fte. Der zweite zentrale Bereich betrifft die gesellschaftliche Akzeptanz und die Geschichte der Minderheit. Hier hat sich die allgemeine Atmosph\u00e4re in Polen verschlechtert, und es fehlt ein staatliches Programm zur F\u00f6rderung dieser Akzeptanz.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIm Bildungsbereich sind wir weiterhin unzufrieden und starten im Grunde vom selben Niveau wie 2010.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<h3>Sind seit 2011 neue Themen hinzugekommen?<\/h3>\n<p>Vor allem werden die Bestimmungen des bestehenden Gesetzes \u00fcber nationale und ethnische Minderheiten weiterhin unzureichend genutzt \u2013 etwa im Bereich zweisprachiger topografischer Bezeichnungen von Stra\u00dfen und geografischen Objekten. Es geht also im Grunde nicht darum, neue Themen zu erfinden, sondern neuen und alten Problemen einen aktuellen Kontext zu geben.<\/p>\n<h3>Erwarten Sie, dass der reaktivierte Runde Tisch k\u00fcnftig messbare Ergebnisse bringen wird?<\/h3>\n<p>Als deutsche Minderheit gehen wir mit Optimismus daran. Man muss sich jedoch daran erinnern, dass Angelegenheiten nationaler Minderheiten innere Angelegenheiten des jeweiligen Staates sind. Wir m\u00fcssen die Erf\u00fcllung dieser Aufgaben von der polnischen Regierung auf Grundlage des Gesetzes und der ratifizierten europ\u00e4ischen Konventionen erwarten \u2013 unabh\u00e4ngig von den Vereinbarungen und Erkl\u00e4rungen des Runden Tisches. M\u00f6gen diese dabei helfen.<\/p>\n<p><strong><em>Zusammenarbeit: Mauro Oliveira<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Jahren der Pause kehrt der deutsch-polnische Runde Tisch zu den Gespr\u00e4chen zur\u00fcck \u2013 seit einigen Tagen ist das Datum der n\u00e4chsten Plenarsitzung bekannt. 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