{"id":87518,"date":"2026-10-25T17:00:00","date_gmt":"2026-10-25T16:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=87518"},"modified":"2026-10-25T11:38:05","modified_gmt":"2026-10-25T10:38:05","slug":"erinnerung-verpflichtet-neues-wochenblatt-pl-interview-mit-henryk-juretko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/erinnerung-verpflichtet-neues-wochenblatt-pl-interview-mit-henryk-juretko\/","title":{"rendered":"Erinnerung verpflichtet"},"content":{"rendered":"<p><strong>Henryk Juretko geh\u00f6rt zu den pr\u00e4genden Pers\u00f6nlichkeiten der deutschen Minderheit. Seit 1990 engagiert er sich im DFK Blottnitz und setzt sich f\u00fcr Sprache, Kultur und Geschichte ein. Beruflich war er Bankfachmann und Kreditexperte, sp\u00e4ter zehn Jahre Vorsitzender der Stiftung f\u00fcr die Entwicklung Schlesiens. Mit ihm sprach Manuela Leibig \u00fcber seine Leidenschaft f\u00fcr Heimatgeschichte, seine Forschungen und sein Engagement.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Herr Juretko, Ihr Engagement f\u00fcr die deutsche Minderheit begann 1990. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?<\/h3>\n<p>Ich war sofort von Anfang an dabei. Gleichzeitig engagierte ich mich im Verband Schlesischer Bauern. Damals war alles neu. Viele Menschen fragten sich: Was wird daraus? Machen wir uns damit vielleicht Feinde? Es wurde ja bis dahin fast verschwiegen, dass hier \u00fcberhaupt Deutsche sind.<\/p>\n<p>Ich selbst hatte keine Angst. Ich hatte in Oppeln weiterhin meinen Beruf und verschiedene, auch h\u00f6here Positionen im Bankwesen. Ich sagte: \u201aIch bin ich. \u2018Und ich wollte etwas tun \u2013 f\u00fcr die deutsche Minderheit und f\u00fcr die Menschen hier. Beim Verband Schlesischer Bauern habe ich an den Statuten mitgearbeitet und Bauernfahrten nach Deutschland begleitet.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eMein Grundsatz lautet: Man lebt nicht nur f\u00fcr die Zukunft, man muss auch die Vergangenheit in sich behalten.\u201c \u2013 Henryk Juretko<\/p><\/blockquote>\n<h3>Sie waren fast f\u00fcnf Jahrzehnte im Bankwesen t\u00e4tig. Wie begann dieser Weg?<\/h3>\n<p>Nach dem Abitur im Technikum f\u00fcr Finanzen und Verwaltung in Gro\u00df Strehlitz begann meine berufliche Laufbahn 1952 in Gleiwitz. Man musste Zinsen im Kopf berechnen, gebucht wurde mit Federhalter und Kopierstift. F\u00fcr f\u00fcnfzig Leute im Saal gab es eine deutsche Rechenmaschine, eine Ascota \u2013 da musste man sich vorher in einem Heft eintragen, wann man sie benutzen wollte. Sp\u00e4ter f\u00fchrte mich mein Weg nach Kandrzin-Cosel und nach Oppeln. Dort \u00fcbernahm ich Leitungsaufgaben im Kreditbereich und studierte gleichzeitig an der Universit\u00e4t Breslau. In der Folge arbeitete ich bei der Polnischen Nationalbank und wurde mit dem Aufbau einer Investmentbank in Oppeln beauftragt.<\/p>\n<p>Die Mitarbeiter mussten anfangs erst lernen, unter den Bedingungen der Marktwirtschaft zu arbeiten. Ich sagte: \u201aIhr Gehalt bezahlt der Kunde. Wenn er nicht kommt, gibt es auch kein Geld\u2018.<\/p>\n<div id=\"attachment_87522\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-87522\" class=\"size-full wp-image-87522\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-obok-szkoly-w-Blotnicy-Strzeleckiej-do-ktorej-remontu-nie-jestem-pewien-swojego-czasu-przyczynil-sie-2-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-obok-szkoly-w-Blotnicy-Strzeleckiej-do-ktorej-remontu-nie-jestem-pewien-swojego-czasu-przyczynil-sie-2-scaled.jpg 2560w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-obok-szkoly-w-Blotnicy-Strzeleckiej-do-ktorej-remontu-nie-jestem-pewien-swojego-czasu-przyczynil-sie-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-obok-szkoly-w-Blotnicy-Strzeleckiej-do-ktorej-remontu-nie-jestem-pewien-swojego-czasu-przyczynil-sie-2-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-obok-szkoly-w-Blotnicy-Strzeleckiej-do-ktorej-remontu-nie-jestem-pewien-swojego-czasu-przyczynil-sie-2-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-obok-szkoly-w-Blotnicy-Strzeleckiej-do-ktorej-remontu-nie-jestem-pewien-swojego-czasu-przyczynil-sie-2-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-obok-szkoly-w-Blotnicy-Strzeleckiej-do-ktorej-remontu-nie-jestem-pewien-swojego-czasu-przyczynil-sie-2-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><p id=\"caption-attachment-87522\" class=\"wp-caption-text\">Henryk Juretko engagiert sich seit 1990 f\u00fcr die deutsche Minderheit und den Erhalt ihrer Sprache und Kultur.<br \/>Foto: Tomasz Chabior<\/p><\/div>\n<h3>Sie wurden auch zum Fachmann f\u00fcr Kreditw\u00fcrdigkeit und Fachsprache. Wie entstanden Ihre ersten Publikationen?<\/h3>\n<p>Das entwickelte sich aus der Praxis. 1992 habe ich zwei W\u00f6rterb\u00fccher bearbeitet, mit Begriffen aus \u00d6konomie und Bankwesen \u2013 Deutsch und Polnisch. Damals konnte man solche Fachw\u00f6rterb\u00fccher in der Oppelner Region kaum kaufen. F\u00fcr eine Schulung mit Materialien der Weltbank und der Deutschen Bank \u00fcbersetzte ich Fachunterlagen und dolmetschte bei Vortr\u00e4gen. Die wichtigsten Begriffe hatte ich auf der Schreibmaschine vorbereitet. Daraus entstanden die zwei W\u00f6rterb\u00fccher.<\/p>\n<h3>Nach Ihrer Pensionierung \u00fcbernahmen Sie die Leitung der Stiftung f\u00fcr die Entwicklung Schlesiens.<\/h3>\n<p>2001 fragten mich Herr Kroll und Herr Czech, ob ich Pr\u00e4sident der Stiftung werden wolle. Ich war damals 67 und hatte fast 50 Jahre gearbeitet. Doch ich wollte weiter t\u00e4tig sein.<\/p>\n<p>Ich \u00fcbernahm die Aufgabe und war zehn Jahre lang Vorsitzender. Meine Erfahrung aus dem Bankwesen konnte ich dort einbringen. Wir interpretierten die f\u00fcr uns g\u00fcltigen Regeln immer wieder und suchten nach neuen Ideen. Wir boten Gemeinden g\u00fcnstige Kredite zur Verbesserung der Wohnbedingungen an; das Geld wurde zur\u00fcckgezahlt und konnte f\u00fcr neue Projekte eingesetzt werden.<\/p>\n<h3>Parallel dazu blieb der DFK Blottnitz Ihr Herzensprojekt.<\/h3>\n<p>Ja. Seit 1990 bin ich dabei. Zun\u00e4chst war ich stellvertretender Vorsitzender, sp\u00e4ter habe ich die organisatorische Arbeit \u00fcbernommen. Bis heute halte ich Vortr\u00e4ge oder mache Projekte wie das Maibaumfest. Ein DFK muss etwas f\u00fcr die Menschen tun.<\/p>\n<p>Eines meiner wichtigsten Projekte ist der Wettbewerb \u201eEs weihnachtet\u201c. Jetzt findet er bereits zum 21. Mal statt. Er richtet sich an Kinder und unterst\u00fctzt den Deutschunterricht. Eigentlich aber erreicht er viel mehr Menschen: Kinder, Eltern, Gro\u00dfeltern und Lehrer. Insgesamt waren von Anfang an gut und gerne 4.000 Menschen beteiligt.<\/p>\n<div id=\"attachment_87524\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-87524\" class=\"size-full wp-image-87524\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-przy-maszynie-do-pisania-z-ktorej-regularnie-korzysta-zdjecie-wykonane-w-domu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-przy-maszynie-do-pisania-z-ktorej-regularnie-korzysta-zdjecie-wykonane-w-domu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-scaled.jpg 2560w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-przy-maszynie-do-pisania-z-ktorej-regularnie-korzysta-zdjecie-wykonane-w-domu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-przy-maszynie-do-pisania-z-ktorej-regularnie-korzysta-zdjecie-wykonane-w-domu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-przy-maszynie-do-pisania-z-ktorej-regularnie-korzysta-zdjecie-wykonane-w-domu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-przy-maszynie-do-pisania-z-ktorej-regularnie-korzysta-zdjecie-wykonane-w-domu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-przy-maszynie-do-pisania-z-ktorej-regularnie-korzysta-zdjecie-wykonane-w-domu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><p id=\"caption-attachment-87524\" class=\"wp-caption-text\">Mit Vortr\u00e4gen, Publikationen und historischen Karten setzt sich Henryk Juretko daf\u00fcr ein, die Geschichte seiner Heimat f\u00fcr kommende Generationen zu bewahren.<br \/>Foto: Tomasz Chabior<\/p><\/div>\n<h3>Heute besch\u00e4ftigen Sie sich vor allem mit Geschichte. Warum ist Ihnen die lokale Geschichte so wichtig?<\/h3>\n<p>Weil wir unsere kleine Heimat kennen m\u00fcssen. Wenn ich mit Menschen spreche, sage ich: \u201aSchauen wir zur\u00fcck. Wer waren unsere Eltern und Gro\u00dfeltern? Wer wohnte hier? Welche H\u00f6fe gab es? Was ist aus ihnen geworden? Wo standen bestimmte Geb\u00e4ude?\u2018<\/p>\n<p>Man sollte sich nicht immer mit der gro\u00dfen Politik besch\u00e4ftigen. Man sollte wissen: Was kann ich hier tun? Was kann ich hier verbessern?<\/p>\n<h3>Sie halten auch Vortr\u00e4ge, u. a. vor Sch\u00fclern. Was m\u00f6chten Sie vermitteln?<\/h3>\n<p>Schulen und Bibliotheken haben mich eingeladen. Besonders bei der Geschichte des Jahres 1945 ist es wichtig, pers\u00f6nliche Erfahrungen zu vermitteln. F\u00fcr mich war das damals keine abstrakte \u201eBefreiung\u201c. Ich habe H\u00e4user brennen sehen und erlebt, wie Menschen interniert wurden. Deshalb erz\u00e4hle ich, wie diese Zeit hier vor Ort aussah, und zeige dazu alte Landkarten, auf denen beispielsweise das jetzt nicht mehr existierende Nachkriegslager in Blottnitz eingetragen ist.<\/p>\n<p>Mein Grundsatz lautet: \u201aMan lebt nicht nur f\u00fcr die Zukunft, man muss auch die Vergangenheit in sich behalten.\u2018<\/p>\n<h3>Ihre eigene Familiengeschichte geh\u00f6rt zu dieser Erinnerung. Besonders die Geschichte Ihres Vaters.<\/h3>\n<p>Mein Vater wurde am 14. Februar 1945 interniert. Er war Schmied. Zun\u00e4chst musste er sich in Gro\u00df Strehlitz melden, sp\u00e4ter wurde er \u00fcber Kreuzburg in verschiedene Arbeitslager gebracht. Er arbeitete unter anderem in Laband und Gleiwitz.<\/p>\n<p>Ich selbst wurde am 15. Februar, also einen Tag nach der Internierung, elf Jahre alt. Es lagen ungef\u00e4hr 60 Zentimeter Schnee. Ich stand stundenlang an unserem Tor und wartete auf meinen Vater. Ich hatte ihn am Vortag verabschiedet und dachte: Er kommt zu meinem Geburtstag zur\u00fcck. Ich weinte, aber ich glaubte meiner Mutter, die mir schlie\u00dflich sagte, er komme sp\u00e4ter.<\/p>\n<div id=\"attachment_87526\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-87526\" class=\"size-full wp-image-87526\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-w-palacu-i-przy-palacu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-2-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1706\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-w-palacu-i-przy-palacu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-2-scaled.jpg 2560w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-w-palacu-i-przy-palacu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-w-palacu-i-przy-palacu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-2-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-w-palacu-i-przy-palacu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-2-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-w-palacu-i-przy-palacu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-2-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-w-palacu-i-przy-palacu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-2-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><p id=\"caption-attachment-87526\" class=\"wp-caption-text\">Fast f\u00fcnf Jahrzehnte arbeitete Henryk Juretko im Bankwesen, bevor er zehn Jahre lang die Stiftung f\u00fcr die Entwicklung Schlesiens leitete.<br \/>Foto: Tomasz Chabior<\/p><\/div>\n<p>Sp\u00e4ter durfte ich mit meiner Mutter zum Lager gehen. Ich wurde zu meinem Vater hineingelassen. Er dr\u00fcckte mich und sagte: \u201aSo einen Sohn habe ich.\u2018 Solche Bilder vergisst man nicht.<\/p>\n<p>Der damalige Landrat von Gro\u00df Strehlitz, Zygmunt Nowak, stellte f\u00fcr viele Internierte auf Bitten der Familienangeh\u00f6rigen Bescheinigungen \u00fcber die polnische Staatsangeh\u00f6rigkeit aus und bewahrte damit Hunderte Menschen vor einem weiteren Schicksal als Internierte. Mein Vater wurde als Deutscher interniert, und schlie\u00dflich als Pole entlassen.<\/p>\n    <section class=\"newsy-widget\">\n        \n                                \n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/neues-wochenblatt-pl-interview-mit-monika-czok-feuer-und-flamme\/\">\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Uniwersytet-Opolski-przy-budynku-glownym-1-dobre-na-rozkladowke-Kopia-150x150.jpg\" alt=\"Feuer und Flamme: Neues-Wochenblatt.pl-Interview mit Monika Czok\">\n                            <\/div>\n            <div class=\"newsy-card-text\">\n            \t\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Oberschlesisches Feeling<\/span>\n                                      \t\n            \t\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Feuer und Flamme: Neues-Wochenblatt.pl-Interview mit Monika Czok<\/h3>\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\n            <\/div>\n        <\/a>\n            <\/section>\n    \n    <section class=\"newsy-widget\">\n        \n                                \n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/neues-wochenblatt-pl-interview-mit-andrea-rischka\/\">\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/portret-prosty-2-scaled-e1787323438575-150x150.jpg\" alt=\"Neues-Wochenblatt.pl-Interview mit Andrea Rischka\">\n                            <\/div>\n            <div class=\"newsy-card-text\">\n            \t\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Starke Stimme<\/span>\n                                      \t\n            \t\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Neues-Wochenblatt.pl-Interview mit Andrea Rischka<\/h3>\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\n            <\/div>\n        <\/a>\n            <\/section>\n    \n<p>Meine Mutter hat den Vater 1946 v\u00f6llig abgemagert aus Gleiwitz auf dem R\u00fccken nach Hause geschleppt. Er war dann ein Jahr sehr krank.<\/p>\n<h3>Sie hei\u00dfen Henryk. Aber nicht von Geburt an.<\/h3>\n<p>Das war in der Grundschule. Der Schulleiter sagte: \u201aHeinz, das ist doch kein Name, du wirst Hans hei\u00dfen.\u2018 Dann: \u201aHans passt auch nicht, du wirst Jan sein.\u2018 So war ich ein, zwei Jahre Jan. Vor dem Examen zur Mittelschule ist meine Mutter zum Standesamt nach Gleiwitz gefahren, dort wurde vermerkt: laut Gesetz wird aus Heinz Henryk. Seit 1948 bin ich Henryk \u2013 zu Hause bis heute Heinz. Wenn ich ein Buch nach Deutschland schicke und eine Widmung schreibe, unterschreibe ich mit Heinz.<\/p>\n<h3>Sie geh\u00f6ren zu den wenigen Menschen, die noch wissen, wo sich das Nachkriegslager in Blottnitz befand.<\/h3>\n<p>Ja. Gerade deshalb m\u00f6chte ich dar\u00fcber sprechen. Wenn Zeitzeugen schweigen, verschwinden die Erinnerungen.<\/p>\n<p>Deshalb schreibe ich. Ich setze mich mit einem Block und zwei Kugelschreibern hin. Ich ordne Namen, Orte und Ereignisse nach Themen. Dann tippe ich das ab. Meine B\u00fccher sollen Menschen dazu bringen, sich mit ihrer Umgebung zu besch\u00e4ftigen, hinzugehen, nachzusehen und Fragen zu stellen.<\/p>\n<div id=\"attachment_87528\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-87528\" class=\"size-full wp-image-87528\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-w-palacu-i-przy-palacu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-1-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-w-palacu-i-przy-palacu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-1-scaled.jpg 2560w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-w-palacu-i-przy-palacu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-w-palacu-i-przy-palacu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-w-palacu-i-przy-palacu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-w-palacu-i-przy-palacu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-1-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Henryk-Juretko-w-palacu-i-przy-palacu-w-Blotnicy-Strzeleckiej-1-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><p id=\"caption-attachment-87528\" class=\"wp-caption-text\">F\u00fcr Henryk Juretko steht fest, dass die Geschichte der Heimat erforscht, bewahrt und an j\u00fcngere Generationen weitergegeben werden muss.<br \/>Foto: Tomasz Chabior<\/p><\/div>\n<h3>Was bedeutet Geschichte f\u00fcr Sie?<\/h3>\n<p>Geschichte kann man nicht nach Belieben ver\u00e4ndern. Man kann sie erforschen, aber man sollte sie nicht f\u00e4lschen. Wenn wir wissen, wer vor uns hier gelebt hat und was unsere Heimat gepr\u00e4gt hat, verstehen wir besser, warum wir heute hier sind.<\/p>\n<h3>Was treibt Sie an, immer wieder etwas Neues zu tun?<\/h3>\n<p>Der Tag hat 24 Stunden. Wenn man die Arbeit und die notwendige Ruhe abzieht, bleibt immer noch Zeit. Ich kann doch nicht einfach mit den F\u00fc\u00dfen in der Sonne liegen. Man muss den Willen haben, etwas zu tun \u2013 f\u00fcr das Gebiet, in dem man lebt, und f\u00fcr die Menschen, die man jeden Tag trifft. Wenn ich etwas wei\u00df, soll es nicht nur bei mir bleiben.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die deutsche Minderheit gilt: Sprache, Kultur und Erinnerung bleiben lebendig, wenn Menschen sich daf\u00fcr engagieren und etwas weitergeben.<\/p>\n<p>Ich wohne hier. Das ist meine Heimat. Daf\u00fcr muss ich etwas tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Henryk Juretko geh\u00f6rt zu den pr\u00e4genden Pers\u00f6nlichkeiten der deutschen Minderheit. Seit 1990 engagiert er sich im DFK Blottnitz und setzt sich f\u00fcr Sprache, Kultur und Geschichte ein. Beruflich war er Bankfachmann und Kreditexperte, sp\u00e4ter zehn Jahre Vorsitzender der Stiftung f\u00fcr die Entwicklung Schlesiens. 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