{"id":87472,"date":"2026-10-11T17:00:14","date_gmt":"2026-10-11T15:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=87472"},"modified":"2026-10-09T17:05:07","modified_gmt":"2026-10-09T15:05:07","slug":"aus-unserer-geschichte-die-zeit-der-aufgehenden-sonne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/aus-unserer-geschichte-die-zeit-der-aufgehenden-sonne\/","title":{"rendered":"Die Zeit der aufgehenden Sonne"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die erste H\u00e4lfte des Jahres 1989 brachte immer deutlichere Zeichen eines Umbruchs in der Situation der deutschen Minderheit in Oberschlesien, dessen eines der Symbole die erste \u00f6ffentliche deutschsprachige Messe nach dem Krieg auf dem St. Annaberg war.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In den letzten Monaten hatte ich die M\u00f6glichkeit, in den Spalten von \u201eNeues Wochenblatt.pl\u201c das Bild der T\u00e4tigkeit der ersten DFKs zu pr\u00e4sentieren, das in den ab Mitte der 1980er Jahre herausgegebenen Bulletins festgehalten ist. Von diesen Exemplaren, die in den Best\u00e4nden des Forschungszentrums der Deutschen Minderheit erhalten werden konnten, stammt das letzte in der bisherigen Form erschienene Bulletin aus dem vierten Quartal 1988. Das ist ein gewisses Paradox, wenn man bedenkt, dass die folgenden Monate eine wahre F\u00fclle von Ereignissen mit sich brachten, deren Kr\u00f6nung die offizielle Anerkennung der Existenz der deutschen Minderheit war.<\/p>\n<p>Vielleicht wurde die Herausgabe des Bulletins Anfang 1989 tats\u00e4chlich eingestellt \u2013 wegen der F\u00fclle anderer Pflichten und st\u00e4ndiger personeller Ver\u00e4nderungen in der Redaktion. Und vielleicht sind wir einfach noch nicht auf diese Materialien gesto\u00dfen. Doch \u00fcber die Schlesier deutscher Abstammung wurde in dieser Zeit immer h\u00e4ufiger in der Presse berichtet. Werfen wir diesmal einen Blick in einige deutsche Artikel aus der ersten H\u00e4lfte des Jahres 1989.<\/p>\n<p>Ende Januar berichtete Thomas Meyer vom K\u00f6lner Stadt-Anzeiger \u00fcber die Situation nach dem Besuch des polnischen Premierministers Mieczys\u0142aw Rakowski in Deutschland: \u201eDie polnische Seite wiederum hat Bereitschaft signalisiert, \u00fcber die Verbesserung der Lage der deutschst\u00e4mmigen Minderheit mit sich reden zu lassen, so in der Frage des Deutschunterrichts an Schulen.\u201c<\/p>\n<p>Zur selben Zeit schrieb Stefan Dietrich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: \u201eEin anderer vielgenannter Wunsch kam in der offizi\u00f6sen Verlautbarung des Warschauer Au\u00dfenministeriums nicht vor. (\u2026) Eine deutsche Minderheit darf es nach offizieller Lesart nicht geben.\u201c<\/p>\n<p>Am 9. Mai 1989 erschien in der FAZ ein Bericht \u00fcber die Rede des FDP-Vorsitzenden vor der Bundestagsfraktion der Freien Demokraten. Otto Graf von Lambsdorff stellte einen Bericht von seiner Reise (im Rahmen einer Regierungsdelegation) nach Polen vor: \u201eWarschau sei bereit, deutschen Vereinen eine Organisationsfreiheit zuzubilligen und deutschen Gottesdienst, deutschsprachigen Unterricht, Publikationen in deutscher Sprache und die Gr\u00fcndung von Vereinigungen (\u2026) zu gew\u00e4hren.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_87476\" style=\"width: 2559px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-87476\" class=\"size-full wp-image-87476\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/genscher-lambsdorff.jpg\" alt=\"\" width=\"2549\" height=\"1510\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/genscher-lambsdorff.jpg 2549w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/genscher-lambsdorff-300x178.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/genscher-lambsdorff-1024x607.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/genscher-lambsdorff-768x455.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/genscher-lambsdorff-1536x910.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/genscher-lambsdorff-2048x1213.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2549px) 100vw, 2549px\" \/><p id=\"caption-attachment-87476\" class=\"wp-caption-text\">Hans-Dietrich Genscher (links) und Otto Graf von Lambsdorff im Jahr 1989.<br \/>Foto: Sepp Spiegl\/IMAGO<\/p><\/div>\n<p>Ein weniger optimistisches Bild ergibt sich aus dem Anfang Juni in den Schlesischen Nachrichten ver\u00f6ffentlichten Interview mit dem aus Schlesien stammenden CDU-Politiker Helmut Sauer, der ebenfalls an den Gespr\u00e4chen mit den polnischen Beh\u00f6rden teilnahm. Bezeichnend ist schon der Titel: Kein polnisches Entgegenkommen f\u00fcr die Oberschlesier. Sauer beschrieb die Haltung des polnischen Premierministers so: \u201eEs ist unannehmbar und nicht akzeptabel, wenn Rakowski von den in der Heimat ausharrenden Landsleuten ver\u00e4chtlich von Volkswagen-Deutschen spricht.\u201c<\/p>\n    <section class=\"newsy-widget\">\n        \n                                \n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/aus-unserer-geschichte-bulletin-der-freunde\/\">\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Wochenblatt-Mai-e1779179759172-150x150.jpg\" alt=\"Bulletin der Freunde\">\n                            <\/div>\n            <div class=\"newsy-card-text\">\n            \t\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Aus unserer Geschichte<\/span>\n                                      \t\n            \t\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Bulletin der Freunde<\/h3>\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\n            <\/div>\n        <\/a>\n            <\/section>\n    \n    <section class=\"newsy-widget\">\n        \n                                \n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/aus-unserer-geschichte-sonderausgabe\/\">\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Wochenblatt-Juli-2026-Foto-2-150x150.jpg\" alt=\"\u201eSonderausgabe\u201d\">\n                            <\/div>\n            <div class=\"newsy-card-text\">\n            \t\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Aus unserer Geschichte<\/span>\n                                      \t\n            \t\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">\u201eSonderausgabe\u201d<\/h3>\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\n            <\/div>\n        <\/a>\n            <\/section>\n    \n<p>Nur drei Tage nach der Ver\u00f6ffentlichung dieses Interviews wurde Mieczys\u0142aw Rakowski bei den ersten teilweise freien Parlamentswahlen nicht zum Abgeordneten gew\u00e4hlt, und zwei Monate sp\u00e4ter trat er von seinem Amt als Premierminister zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Am Tag der Wahlen, dem 4. Juni 1989, fand auf dem St. Annaberg ein anderes historisches Ereignis statt. An diesem f\u00fcr die Oberschlesier so wichtigen Ort wurde zum ersten Mal seit Kriegsende eine \u00f6ffentliche Heilige Messe in deutscher Sprache gefeiert.<\/p>\n<p>Auf die formelle Registrierung der Vereine musste man noch \u00fcber ein halbes Jahr warten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die erste H\u00e4lfte des Jahres 1989 brachte immer deutlichere Zeichen eines Umbruchs in der Situation der deutschen Minderheit in Oberschlesien, dessen eines der Symbole die erste \u00f6ffentliche deutschsprachige Messe nach dem Krieg auf dem St. Annaberg war.<\/p>\n","protected":false},"author":261,"featured_media":87474,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4224],"tags":[10576,6688,7459,6478,10577],"redaktor":[6574],"class_list":["post-87472","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte-de","tag-10576","tag-aus-unserer-geschichte","tag-dr-michal-matheja-de","tag-geschichte-de","tag-otto-graf-von-lambsdorff","redaktor-michal-matheja-de"],"acf":[],"nwb_translations":{"current":"de","available":["de","pl"],"translations":{"pl":{"id":87480,"available":true,"link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/z-naszej-historii-czas-wschodzacego-slonca\/","title":"Czas wschodz\u0105cego s\u0142o\u0144ca"}}},"nwb_fields":{"acf":{"post_podtytul":"Aus unserer Geschichte"},"featured_image":{"id":87474,"caption":"Mieczys\u0142aw Rakowski erhielt bei den ersten teilweise freien Parlamentswahlen 1989 kein Abgeordnetenmandat.\nFoto: Wikipedia","alt":"","source":"Wikipedia","sizes":{"thumbnail":{"url":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Wybpar1989-150x150.jpg","width":150,"height":150},"medium":{"url":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Wybpar1989-300x202.jpg","width":300,"height":202},"large":{"url":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Wybpar1989.jpg","width":852,"height":574},"full":{"url":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Wybpar1989.jpg","width":852,"height":574}},"caption_text":"Mieczys\u0142aw Rakowski erhielt bei den ersten teilweise freien Parlamentswahlen 1989 kein Abgeordnetenmandat."}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87472","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/261"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=87472"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87472\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":87721,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87472\/revisions\/87721"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/87474"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=87472"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=87472"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=87472"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=87472"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}