{"id":87250,"date":"2026-10-01T18:22:31","date_gmt":"2026-10-01T16:22:31","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=87250"},"modified":"2026-10-01T19:24:02","modified_gmt":"2026-10-01T17:24:02","slug":"ein-leben-zwischen-fuerstenstein-und-waldenburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/ein-leben-zwischen-fuerstenstein-und-waldenburg\/","title":{"rendered":"Ein Leben zwischen F\u00fcrstenstein und Waldenburg"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sie war Zeitzeugin der Geschichte von F\u00fcrstenstein, engagierte sich jahrzehntelang f\u00fcr die deutsche Minderheit in Waldenburg und setzte sich f\u00fcr die deutsch-polnische Verst\u00e4ndigung ein. Doris Stempowska ist am 1. Oktober 2026 im Alter von 91 Jahren gestorben.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Doris Stempowska hat ihr ganzes Leben mit F\u00fcrstenstein und Waldenburg verbunden. Sie wurde 1935 auf dem Gel\u00e4nde des Schlosses F\u00fcrstenstein geboren. Ihr Vater arbeitete im f\u00fcrstlichen Gest\u00fct, und die kleine Doris wuchs mit ihren Eltern in einer Wohnung f\u00fcr die Schlossbediensteten auf. Ihre Kindheitserinnerungen galten vor allem dem Park, den Teichen und der Freiheit, die sie als Kind mitten in der f\u00fcrstlichen Residenz erlebte.<\/p>\n<p>Mit dem Krieg endete diese unbeschwerte Kindheit. 1943 wurde das Schloss von den Nationalsozialisten \u00fcbernommen und f\u00fcr die Zwecke der Organisation Todt umgebaut. Doris erlebte diese Ver\u00e4nderungen ebenso wie den Einmarsch der Roten Armee. Im Mai 1945 musste ihre Familie ihre Wohnung vor\u00fcbergehend verlassen. Nach ihrer R\u00fcckkehr begann ein Leben in einer neuen Realit\u00e4t \u2013 im nun polnischen Waldenburg.<\/p>\n<div id=\"attachment_87261\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-87261\" class=\"size-large wp-image-87261\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/D068-1024x696.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"696\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/D068-1024x696.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/D068-300x204.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/D068-768x522.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/D068-1536x1044.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/D068.jpg 1806w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-87261\" class=\"wp-caption-text\">Doris mit ihren Eltern<br \/>Foto: privat<\/p><\/div>\n<p>Als Zw\u00f6lfj\u00e4hrige besuchte sie eine polnische Schule, ohne ein Wort Polnisch zu sprechen. Dank ihrer Lehrerinnen und Lehrer lernte sie die Sprache schnell. Sp\u00e4ter machte sie ihre polnische Matura und arbeitete unter anderem am Geophysikalischen Observatorium der Polnischen Akademie der Wissenschaften in F\u00fcrstenstein. Ihr ganzes Leben blieb sie mit dem Ort verbunden, an dem sie geboren worden war.<\/p>\n<h2><strong>Eine Erinnerung, die nicht vergessen l\u00e4sst<\/strong><\/h2>\n<p>Doris Stempowska war auch eine wichtige Zeitzeugin der Nachkriegsgeschichte der deutschen Gemeinschaft in Waldenburg. 1988 wurde sie Mitglied der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft in Waldenburg. 2014 \u00fcbernahm sie deren Vorsitz und pr\u00e4gte die Arbeit der Gesellschaft \u00fcber viele Jahre. Die traditionellen Mittwochstreffen, bei denen die Mitglieder Deutsch sprechen, Lieder aus ihrer Kindheit singen und einfach zusammen sein konnten, geh\u00f6rten f\u00fcr sie zu den wichtigsten Bestandteilen des Vereinslebens.<\/p>\n<p>Auch der Chor \u201eFreundschaft\u201c war eng mit ihrem Wirken verbunden. Das Ensemble entstand 1992 und wurde zu einem wichtigen Bestandteil des kulturellen Lebens der deutschen Minderheit in Waldenburg. Stempowska legte besonderen Wert darauf, dass im Repertoire auch Werke schlesischer Komponisten vertreten waren. \u201eSo werden sie aufgef\u00fchrt, geraten nicht ins Vergessen, und alle k\u00f6nnen h\u00f6ren, wie sch\u00f6n sie sind\u201c, sagte sie.<\/p>\n<div id=\"attachment_87259\" style=\"width: 716px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-87259\" class=\"size-large wp-image-87259\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/D084-706x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"706\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/D084-706x1024.jpg 706w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/D084-207x300.jpg 207w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/D084-768x1114.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/D084.jpg 1018w\" sizes=\"auto, (max-width: 706px) 100vw, 706px\" \/><p id=\"caption-attachment-87259\" class=\"wp-caption-text\">Doris mit ihren Eltern am Schloss F\u00fcrstenstein<br \/>Foto: privat<\/p><\/div>\n<p>Sie war zudem die Initiatorin des Chortreffens \u201eBeati Cantores\u201c, das \u00fcber viele Jahre Ch\u00f6re der deutschen Minderheit aus Nieder- und Oberschlesien sowie aus Deutschland zusammenbrachte. F\u00fcr Stempowska war Musik nicht nur ein Teil der Tradition, sondern auch ein Weg, Menschen miteinander zu verbinden.<\/p>\n<p>\u201eWir k\u00f6nnen uns ja nicht isolieren\u201c, betonte sie und erz\u00e4hlte von der Zusammenarbeit mit anderen Minderheiten und den Bewohnern Waldenburgs. Die von der Gesellschaft organisierten Veranstaltungen boten Gelegenheit zu Begegnungen mit Vertretern der Stadt, der j\u00fcdischen Gemeinde und anderen Gemeinschaften.<\/p>\n<h2><strong>\u201eMan muss mit dem Herzen dabei sein\u201c<\/strong><\/h2>\n<p>F\u00fcr ihr jahrzehntelanges Engagement erhielt Doris Stempowska zahlreiche Auszeichnungen. 2018 wurde sie mit dem Bronzenen Verdienstkreuz der Republik Polen ausgezeichnet. 2021 erhielt sie das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 2023 wurde sie zur \u201eVerdienten der Stadt Waldenburg\u201c ernannt. Ihr Einsatz f\u00fcr die Bewahrung der deutschen Kultur und Geschichte sowie f\u00fcr die deutsch-polnische Verst\u00e4ndigung wurde von Institutionen und Organisationen auf beiden Seiten der Grenze mehrfach gew\u00fcrdigt.<\/p>\n<div id=\"attachment_87257\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-87257\" class=\"size-large wp-image-87257\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/JAC_5950-1024x684.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"684\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/JAC_5950-1024x684.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/JAC_5950-300x201.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/JAC_5950-768x513.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/JAC_5950-1536x1027.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/JAC_5950-2048x1369.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-87257\" class=\"wp-caption-text\">Doris Stempowska<br \/>Foto: privat<\/p><\/div>\n<p>Mit Auszeichnungen ging sie bescheiden um. Sie betonte, dass ihre Generation nicht gehandelt habe, um daf\u00fcr geehrt zu werden. Man habe etwas getan, weil man es f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich hielt.<\/p>\n<p>\u201eWenn man eine Arbeit nicht mit dem Herzen macht, dann gelingt sie nicht. Man muss mit dem Herzen dabei sein\u201c, sagte sie.<\/p>\n<p>In ihrer Lebensgeschichte verbinden sich die Geschichte von F\u00fcrstenstein, die Nachkriegsschicksale der Deutschen in Niederschlesien und die Geschichte der deutschen Minderheit in Polen. Sie war Zeitzeugin einer Welt, die es so nicht mehr gibt. \u00dcber Jahrzehnte setzte sie sich daf\u00fcr ein, dass ihre Sprache, Lieder, Erinnerungen und Traditionen nicht verloren gehen.<\/p>\n<p>Noch 2025 sprach sie mit der ihr eigenen Gelassenheit \u00fcber die Zukunft der deutschen Minderheit in Waldenburg: \u201eEs wird schon weitergehen und wie genau, das werden wir schon sehen.\u201c<\/p>\n<p>Nun bleibt die Erinnerung an sie \u2013 in F\u00fcrstenstein, in Waldenburg, in der deutschen Minderheit und bei all jenen, die ihr begegnet sind. Mit Doris Stempowska ist eine Frau gegangen, die mit ihrem eigenen Leben \u00fcber neun Jahrzehnte hinweg mehrere Kapitel der Geschichte dieser Region miteinander verbunden hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie war Zeitzeugin der Geschichte von F\u00fcrstenstein, engagierte sich jahrzehntelang f\u00fcr die deutsche Minderheit in Waldenburg und setzte sich f\u00fcr die deutsch-polnische Verst\u00e4ndigung ein. 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