{"id":87233,"date":"2026-10-04T05:00:35","date_gmt":"2026-10-04T03:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=87233"},"modified":"2026-10-02T16:50:07","modified_gmt":"2026-10-02T14:50:07","slug":"das-wort-zum-sonntag-von-bischof-wojciech-pracki-04-10-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/das-wort-zum-sonntag-von-bischof-wojciech-pracki-04-10-2026\/","title":{"rendered":"Das Wort zum Sonntag von Bischof Wojciech Pracki"},"content":{"rendered":"<p><strong>Lesungen:<\/strong> II. Korintherbrief 9,6\u201315; 5. Buch Mose 8,7\u201318<\/p>\n<p><strong>Predigttext: <\/strong>Markusevangelium 8,1\u201310<\/p>\n<p><em>Seine J\u00fcnger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Ein\u00f6de, dass wir sie s\u00e4ttigen? <\/em>Markus 8,4<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Vor genau zwei Wochen hatte ich die Gelegenheit, das Haus des Brotes in Radzionkau zu besichtigen. Es ist ein sehr gutes Erlebnis gewesen. Das Haus wurde von einer Privatperson, dem 2023 verstorbenen Piotr Mankiewicz, errichtet. Im Rahmen der F\u00fchrung gibt es die M\u00f6glichkeit, sich zwei Interviews mit dem Gr\u00fcnder anzuschauen. Peter Mankiewicz erz\u00e4hlt, wie Teig aus Mehl und Wasser vorbereitet wird, aber auch, wie Brot einen besonderen Status in Kultur und Fr\u00f6mmigkeit verdient. Die H\u00f6rer bekommen auch Informationen \u00fcber die Kriegszeit, als Hunger und Not herrschten.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich war die Besichtigung ein besonderes Erlebnis, nicht nur deswegen, da ich in einem Alter bin, in dem ich einige Museumsexemplare aus meiner eigenen Kindheit erkenne. W\u00e4hrend der Besichtigung konnte man gut die Intensit\u00e4t des Gr\u00fcnders und der Museumsf\u00fchrer erkennen \u2013 Respekt dem Brot gegen\u00fcber; die Betrachtung des Brotes als etwas Heiliges. Es wurde zum Beispiel erinnert, dass man Brot nicht wegwerfen soll, sondern trocknen und f\u00fcr andere Speisen verwenden kann. Es wurde auch daran erinnert, dass man Brot, wenn es herunterf\u00e4llt, aufheben und k\u00fcssen soll. Diese Haltung ist etwas, was ich sehr gut von zu Hause kenne und auch in meiner Familie weiterf\u00fchre. Brot ist eine Art Heiligtum. Ohne Brot, das eine Grundspeise in unserer Kultur ist, kommen wir nicht weiter. Wir h\u00f6ren sehr oft von hungernden Regionen in Afrika, vom Hunger in der Kriegswirklichkeit in der Ukraine. Es macht aber keinen besonderen Eindruck auf uns, solange wir Hunger nicht selbst erleben, den Mangel an Brot.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eBrot ist eine Art Heiligtum. Ohne Brot, das eine Grundspeise in unserer Kultur ist, kommen wir nicht weiter.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>In meiner Erinnerung bleibt f\u00fcr immer die Erz\u00e4hlung meines Gro\u00dfvaters aus der Kriegszeit. Als Wehrmachtsoldat wurde er russischer Kriegsgefangener und befand sich in einem russischen Zugtransport. Die Fahrt dauerte tagelang in einem Viehwaggon. Gro\u00dfvater erz\u00e4hlte, wie er Brotkr\u00fcmelchen vom mit Mist beschmutzten Boden sammelte. Jahrelang hielt er auch eine Scheibe Brot unter seinem Kopfkissen, denn er hatte Hunger und Mangel an Brot tiefst erlebt.<\/p>\n<p>Heute leben wir in Zeiten des \u00dcberflusses und verlieren dabei die heilige Dimension des Brotes und anderer Speisen. Der \u00dcberfluss wird weggeworfen und verschwendet. Wir haben vergessen, wie es ist, mit leerem Magen zu funktionieren. Sattsein ist aber nicht auf Dauer gegeben. Deswegen ist es wichtig, die Gaben Gottes als eine sakrale Wirklichkeit zu betrachten und f\u00fcr sie dankbar zu sein. Gott gibt uns unsere Talente und Kompetenzen, damit wir Geld verdienen k\u00f6nnen. Daf\u00fcr kaufen wir alles, was wir zum Leben brauchen. Das ist nicht selbstverst\u00e4ndlich. Zum Gl\u00fcck befinden wir uns nicht in der biblischen Ein\u00f6de und k\u00f6nnen uns dank Gott unser t\u00e4gliches Brot besorgen. Dabei ist es wichtig, es mit denjenigen zu teilen, die sich durch Krieg und Not in ihrer Lebensein\u00f6de befinden. Es ist auch wichtig, zu lernen, die eigenen Bed\u00fcrfnisse zu messen, damit wir nicht unn\u00f6tigen \u00dcberfluss produzieren und die doch sakralen Brotvorr\u00e4te nicht verschwenden. Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesungen: II. Korintherbrief 9,6\u201315; 5. Buch Mose 8,7\u201318 Predigttext: Markusevangelium 8,1\u201310 Seine J\u00fcnger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Ein\u00f6de, dass wir sie s\u00e4ttigen? 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