{"id":87033,"date":"2026-09-30T11:20:39","date_gmt":"2026-09-30T09:20:39","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=87033"},"modified":"2026-09-30T14:26:01","modified_gmt":"2026-09-30T12:26:01","slug":"wildgrund-ist-fuer-uns-wie-ein-maerchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wildgrund-ist-fuer-uns-wie-ein-maerchen\/","title":{"rendered":"\u201eWildgrund ist f\u00fcr uns wie ein M\u00e4rchen\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Drei\u00dfig Jahre Ferienwerkst\u00e4tte in Wildgrund sind ein Anlass f\u00fcr Erinnerungen, Begegnungen mehrerer Generationen von Teilnehmern sowie f\u00fcr die R\u00fcckkehr zu einer Geschichte, die im Laufe der Jahre zu einem wichtigen Teil der T\u00e4tigkeit des DFK Schlesien geworden ist. Die Ferienwerkst\u00e4tte in Wildgrund bieten nicht nur Erholung in den Sommerferien, sondern auch eigene Lieder, Traditionen, Br\u00e4uche und eine gemeinsame Sprache, die am besten jene verstehen, die wenigstens einmal Teil dieser Welt waren.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h4>Mit Agnieszka D\u0142ociok, Leiterin der Ferienwerkst\u00e4tte, sprach Manuela Leibig anl\u00e4sslich des 30-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums. Es geht um drei Jahrzehnte Ferienwerkst\u00e4tten, den dortigen Alltag, den erzieherischen Auftrag, die Pflege deutscher Identit\u00e4t und die Frage, warum fr\u00fchere Teilnehmer heute als Betreuer zur\u00fcckkehren.<\/h4>\n<h3>Drei\u00dfig Jahre Ferienwerkst\u00e4tten sind ein gro\u00dfes St\u00fcck Geschichte. Was sorgt daf\u00fcr, dass diese Tradition bis heute fortbesteht?<\/h3>\n<p>Ich denke, vor allem, weil sich die Kinder dort einfach wohlf\u00fchlen. Im Laufe der Jahre haben wir unsere eigene Arbeitsweise, unsere Traditionen und unsere eigene Atmosph\u00e4re entwickelt.<\/p>\n<p>Unser Motto lautet: \u201eWenn das Betreuerteam Spa\u00df hat, dann hat die ganze Ferienwerkst\u00e4tte Spa\u00df.\u201c Und da ist wirklich etwas dran. In Wildgrund sind wir locker. Wir m\u00fcssen keine Masken tragen, niemanden vorspielen, der wir nicht sind, und wir m\u00fcssen nicht dar\u00fcber nachdenken, was jemand \u00fcber uns denken oder sagen k\u00f6nnte. Wir f\u00fchlen uns dort wirklich wohl.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir legen vor allem sehr gro\u00dfen Wert auf die Identit\u00e4t.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich glaube, das ist auch der Grund, warum ich bis heute kein Problem habe, ein Betreuerteam zusammenzustellen. Auch die Kinder sp\u00fcren diese Atmosph\u00e4re.<\/p>\n<p>Und es gibt noch etwas sehr Wichtiges: die Kontinuit\u00e4t. Mittlerweile fahren schon die Kinder meiner fr\u00fcheren Teilnehmer mit mir mit. Das wird tats\u00e4chlich von Generation zu Generation weitergegeben. Die Initiatoren waren ganz am Anfang Friedrich Schikora und Georg Kotzorek.<\/p>\n<h3>Wie sieht ein typischer Tag w\u00e4hrend der Ferienwerkst\u00e4tte aus? Gibt es Elemente, ohne die es nicht mehr \u201eeuere\u201c Werkst\u00e4tte w\u00e4re?<\/h3>\n<p>Wir haben einige feste Punkte. Der Tag beginnt um 7.30 Uhr mit dem Wecken. Aber es ist nicht so, dass jemand einfach hereinkommt und sagt: \u201eAufstehen!\u201c Das Wecken findet auf Deutsch statt und wird oft von Musik begleitet. In diesem Jahr hatten wir Saxofon und Geige dabei, aber die Instrumente wechseln.<\/p>\n<div id=\"attachment_87037\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-87037\" class=\"size-large wp-image-87037\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-1-rozgrzewka-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-1-rozgrzewka-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-1-rozgrzewka-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-1-rozgrzewka-768x576.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-1-rozgrzewka-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-1-rozgrzewka.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-87037\" class=\"wp-caption-text\">Morgengymnastik beim 30-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um des Ferienwerkst\u00e4tte. Wie fr\u00fcher begann der Tag in Wildgrund mit einem gemeinsamen Aufw\u00e4rmen. Foto: privat<\/p><\/div>\n<p>Um 7.50 Uhr wird gesungen. Manche Lieder singen wir eigentlich jedes Jahr. Wir singen unter anderem \u201eDie Gedanken sind frei\u201c, aber auch Lieder der Gruppe Santiano, zum Beispiel \u201eGott muss ein Seemann sein\u201c.<\/p>\n<p>Danach folgen Morgengymnastik, Fr\u00fchst\u00fcck und das weitere Tagesprogramm. Je nach Programm unternehmen wir Ausfl\u00fcge, machen Bastelarbeiten, Workshops oder verschiedene andere Aktivit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Auch die Mahlzeiten haben feste Zeiten: Fr\u00fchst\u00fcck um 8.30 Uhr, Mittagessen um 13.30 Uhr und Abendessen um 18.30 Uhr.<\/p>\n<p>Am wichtigsten ist aber wohl, dass diese festen Elemente nach einigen Tagen f\u00fcr die Kinder ganz selbstverst\u00e4ndlich werden.<\/p>\n<h3>Hat das Singen also auch eine identit\u00e4tsstiftende Bedeutung?<\/h3>\n<p>Auf jeden Fall. Die Identit\u00e4t hat f\u00fcr uns wirklich einen sehr hohen Stellenwert.<\/p>\n<p>Die Kinder kommen zu uns als Kinder von Mitgliedern der deutschen Minderheit. Manchmal ist ihr Wissen \u00fcber die eigene Herkunft oder \u00fcber die T\u00e4tigkeit der Minderheit jedoch gering. Das ver\u00e4ndert sich aber.<\/p>\n<p>Immer h\u00e4ufiger k\u00f6nnen die Kinder, wenn wir sie fragen, aus welchem DFK sie kommen oder wer dem Vorstand der Minderheit angeh\u00f6rt, darauf antworten.<\/p>\n<div id=\"attachment_87116\" style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-87116\" class=\"size-large wp-image-87116\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Agnieszka-Dlociok-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Agnieszka-Dlociok-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Agnieszka-Dlociok-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Agnieszka-Dlociok-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Agnieszka-Dlociok.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><p id=\"caption-attachment-87116\" class=\"wp-caption-text\">Agnieszka D\u0142ociok, Leiterin der Ferienwerkst\u00e4tten in Wildgrund.<br \/>Foto: privat<\/p><\/div>\n<p>Und genau darum geht es uns: Nach diesen wenigen Tagen sollen sie nicht nur einige deutsche Lieder kennen, sondern auch besser verstehen, woher sie kommen.<\/p>\n<p>Nach drei oder vier Tagen beginnen die Kinder auf den Fluren und an verschiedenen anderen Orten, unsere Lieder auswendig zu singen. Kinder merken sich solche Dinge sehr schnell.<\/p>\n<h3>Im Programm erscheinen auch Themen zur Geschichte der Region.<\/h3>\n<p>Ja. Wir versuchen immer, Personen oder Ereignisse zu finden, die mit Schlesien verbunden und f\u00fcr die Kinder interessant sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Vor einem Jahr hatten wir das Ernst-Wilimowski-Jahr. Mit ihm bin ich \u00fcbrigens verwandt, denn meine Mutter war eine geborene Willimowski. In diesem Jahr war Gerhart Hauptmann das Leitthema.<\/p>\n<p>Auch das h\u00e4ngt mit unserer Region zusammen. In Neustadt befand sich bekanntlich das gro\u00dfe Webereiunternehmen S. Fr\u00e4nkel. Hauptmann war mit Max Pinkus befreundet, dem Eigent\u00fcmer dieser Fabrik. Pinkus schuf sp\u00e4ter eine riesige Bibliothek mit schlesischen Autoren und lie\u00df f\u00fcr seinen Freund Hauptmann ein Haus in Agnetendorf bauen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich m\u00fcssen die Kinder nicht alle Daten auswendig lernen. Es geht darum, ihnen zu zeigen, dass die Geschichte der Region, in der sie leben, interessant ist und dass es dort vieles zu entdecken gibt.<\/p>\n<h3>Sie erw\u00e4hnten auch Kunst- und Bastelangebote. Haben diese ebenfalls einen p\u00e4dagogischen Charakter?<\/h3>\n<p>Ja, aber nicht nur. Sie geben den Kindern auch die M\u00f6glichkeit, etwas Eigenes zu zeigen.<\/p>\n<p>In diesem Jahr hing die Aufgabe mit der Frage zusammen: Was w\u00fcrdest du jemandem zeigen, der aus dem Ausland zu dir kommt? Die Kinder sollten ein Denkmal oder einen Ort gestalten, der sich in ihrer Umgebung befindet.<\/p>\n<div id=\"attachment_87042\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-87042\" class=\"size-large wp-image-87042\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-3-zagadka-1024x769.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"769\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-3-zagadka-1024x769.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-3-zagadka-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-3-zagadka-768x576.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-3-zagadka-1536x1153.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-3-zagadka.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-87042\" class=\"wp-caption-text\">Gummib\u00e4nder an den H\u00e4nden und gemeinsames L\u00f6sen eines R\u00e4tsels: Ehemalige Ferienteilnehmer und Betreuer in Aktion. Foto: privat<\/p><\/div>\n<p>Das ist auch f\u00fcr die manuelle Geschicklichkeit wichtig. Ich vergleiche die Bastelarbeiten, die zu Beginn unserer Ferienwerkst\u00e4tten entstanden, mit dem, was die Kinder heute machen. Die manuelle Geschicklichkeit der Kinder ist heute nicht mehr dieselbe wie fr\u00fcher.<\/p>\n<p>Deshalb achten wir sowohl auf die k\u00f6rperliche Fitness \u2013 durch Gymnastik und verschiedene \u00dcbungen \u2013 als auch auf die Geschicklichkeit von H\u00e4nden und Fingern.<\/p>\n<h3>Bei den Ferienwerkst\u00e4tten gibt es auch Traditionen, die f\u00fcr Au\u00dfenstehende ziemlich r\u00e4tselhaft klingen k\u00f6nnen: \u201eGetr\u00e4nk der G\u00f6tter\u201c, \u201eSessel ohne Sessel\u201c. Was verbirgt sich hinter diesen Begriffen?<\/h3>\n<p>Wer dabei war, wei\u00df es. Wer nicht dabei war, soll es bereuen. Wir haben bei den Ferienwerkst\u00e4tten unsere geheimnisvollen Begriffe: \u201eGetr\u00e4nk der G\u00f6tter\u201c, \u201eSessel ohne Sessel\u201c, \u201eSt\u00fchlchen\u201c \u2026 F\u00fcr Au\u00dfenstehende m\u00f6gen sie seltsam klingen, aber f\u00fcr unsere Teilnehmer sind sie Teil einer gemeinsamen Geschichte. Es ist ein Ferienwerkst\u00e4tten-Code, den man nicht aus einer Ordnung lernen kann. Man muss einfach bei uns dabei sein. Und gerade deshalb bleiben diese Geschichten wohl noch lange nach dem Ende der Ferienwerkst\u00e4tten \u00a0in Erinnerung.<\/p>\n<p>Unsere Begriffe sollen Freude vermitteln und nicht das Gef\u00fchl von Zwang. Auch die Kinder spielen mit uns und machen uns verschiedene Streiche.<\/p>\n<h3>Zu diesen Streichen geh\u00f6ren wohl die letzten drei N\u00e4chte der Ferienwerkst\u00e4tten?<\/h3>\n<p>Ja. Wir haben die wei\u00dfe, die rote und die gr\u00fcne Nacht.<\/p>\n<p>Die wei\u00dfe Nacht hat mit N\u00e4hen zu tun. Nat\u00fcrlich gilt die Regel, dass niemandem wehgetan und nichts zerst\u00f6rt werden darf. Man kann zum Beispiel einen Schlafanzug von oben bis unten zusammenn\u00e4hen oder etwas am \u00c4rmel ann\u00e4hen.<\/p>\n<div id=\"attachment_87040\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-87040\" class=\"size-large wp-image-87040\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/2-Bild-grafika-ewentualnie-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/2-Bild-grafika-ewentualnie-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/2-Bild-grafika-ewentualnie-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/2-Bild-grafika-ewentualnie-768x576.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/2-Bild-grafika-ewentualnie-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/2-Bild-grafika-ewentualnie.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-87040\" class=\"wp-caption-text\">Eine Pause beim Aufstieg auf die Bischofskoppe. Die gemeinsame Wanderung war ein fester Punkt des Jubil\u00e4umsprogramms. Foto: privat<\/p><\/div>\n<p>Die zweite ist die rote Nacht. Wir nehmen rote Kleidungsst\u00fccke weg, und am n\u00e4chsten Tag m\u00fcssen sie durch eine Aufgabe \u201efreigekauft\u201c werden. Man kann einige Kniebeugen machen, ein St\u00fcck \u00fcber das Gel\u00e4nde laufen, ein Gedicht aufsagen oder jemandem ein Butterbrot zubereiten.<\/p>\n<p>Und dann gibt es noch die gr\u00fcne Nacht \u2013 die k\u00fcnstlerischste von allen. Dann darf man schlafende Personen bemalen, doch auch hier gelten sehr konkrete Regeln. Wir benutzen weder Zahnpasta noch irgendetwas, das der Haut schaden oder T\u00fcren, W\u00e4nde oder Spiegel besch\u00e4digen k\u00f6nnte. Wir verwenden unsere \u201ek\u00fcnstlerischen Mittel\u201c, also Kajalstifte, Lippenstifte und Lidschatten.<\/p>\n<p>Das sind unsere Feierlichkeiten bei den Ferienwerst\u00e4tten.<\/p>\n<h3>Und was ist mit den Kindern, die zum ersten Mal kommen und Heimweh haben?<\/h3>\n<p>Daf\u00fcr habe ich mein magisches Tuch. Es lindert den Kummer.<\/p>\n<p>Es ist ein gew\u00f6hnliches Tuch, das ich vor langer Zeit selbst gemacht habe, weil ich viel stricke. Alle kennen es. Ich erinnere mich an ein M\u00e4dchen von vor einigen Jahren, das fast jeden Abend einige Zeit in dieses Tuch eingewickelt verbrachte. Wir arbeiteten an der Dokumentation der Ferienwerst\u00e4tte, und sie lag unter dem Tuch.<\/p>\n<div id=\"attachment_87052\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-87052\" class=\"size-large wp-image-87052\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-7-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-7-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-7-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-7-768x576.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-7-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-7.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-87052\" class=\"wp-caption-text\">Teilnehmer des diesj\u00e4hrigen Durchgangs vor dem Aufstieg auf die Bischofskoppe. Die gemeinsame Wanderung geh\u00f6rt seit Jahren zu den Traditionen der Ferienwerkst\u00e4tten Foto: privat<\/p><\/div>\n<p>Kinder, die zum ersten Mal kommen, haben manchmal gro\u00dfes Heimweh. Aber ich muss sagen: Die Kinder sind in dieser Hinsicht tapferer als die Eltern \u2013 und noch tapferer als die Gro\u00dfm\u00fctter.<\/p>\n<p>Zuerst weinen sie, weil sie nicht ohne ihre Eltern einschlafen k\u00f6nnen, und dann weinen sie, weil sie wieder nach Hause fahren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wenn das so funktioniert, dann ist es wirklich gut.<\/p>\n<h3>In 30 Jahren waren rund 70 Personen im Betreuerteam t\u00e4tig. Waren einige von ihnen fr\u00fcher selbst Teilnehmer?<\/h3>\n<p>Ja. Und das ist eine der Sachen, \u00fcber die ich mich besonders freue.<\/p>\n<p>In diesen Jahren waren ungef\u00e4hr 70 Personen im Betreuerteam. Manche waren nur einmal dabei, andere kehrten immer wieder zur\u00fcck. Viele begannen als Teilnehmer und wechselten sp\u00e4ter in das Betreuungsteam.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eZuerst weinen sie, weil sie nicht allein einschlafen k\u00f6nnen, und dann weinen sie, weil sie nach Hause fahren m\u00fcssen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>F\u00fcr viele war das, was ich den \u201e\u00dcbergang auf die andere Seite der Macht\u201c nenne, besonders schwierig.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich wird jemand, der noch im Jahr zuvor mit dir im selben Zimmer war, zu deinem Betreuer.<\/p>\n<p>Gerade dadurch entstand aber ein Kreis von Menschen, mit denen ich auch au\u00dferhalb der Ferienwerst\u00e4tten zusammenarbeite \u2013 in der deutschen Minderheit und bei anderen Aktivit\u00e4ten.<\/p>\n<h3>Was bedeuten Ihnen pers\u00f6nlich diese 30 Jahre? Ist in dieser Zeit bereits so etwas wie ein Ferienwerst\u00e4tten Archiv entstanden?<\/h3>\n<p>Man kann sagen, dass ich beinahe ein Museum habe.<\/p>\n<p>In 30 Jahren habe ich wirklich sehr vieles aufbewahrt. Ich habe alle Briefe, Fotos, Bastelarbeiten, T\u00fcrschilder und Ergebnistabellen.<\/p>\n<p>Jedes einzelne St\u00fcck hat seine Geschichte. Jedes ist mit einer Erz\u00e4hlung verbunden.<\/p>\n<div id=\"attachment_87044\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-87044\" class=\"size-large wp-image-87044\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-4-Tort-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-4-Tort-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-4-Tort-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-4-Tort-768x576.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-4-Tort-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild-4-Tort.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-87044\" class=\"wp-caption-text\">Drei\u00dfig Jahre Ferienwerst\u00e4tten in Wildgrund sind ein guter Grund zum Feiern. Eine Jubil\u00e4umstorte durfte nicht fehlen. Foto: privat<\/p><\/div>\n<p>Sogar Dinge, die auf den ersten Blick Kleinigkeiten sind, erinnern mich an konkrete Menschen und konkrete Situationen.<\/p>\n<h3>Wie haben Sie diese Erinnerungsst\u00fccke beim 30-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um genutzt?<\/h3>\n<p>Wir wollten zeigen, wie diese Ferienwerkst\u00e4tten in all den Jahren aussahen. Deshalb haben wir eine Ausstellung vorbereitet.<\/p>\n<p>Wir zeigten unter anderem fr\u00fchere Ergebnistabellen, Gruppenarbeiten, Fotos und den Inhalt meines Ordners, den ich \u00fcber 30 Jahre hinweg gesammelt habe.<\/p>\n<p>Ich habe auch alle Briefe \u2013 geordnet nach den einzelnen Durchg\u00e4ngen. Man kann seinen Namen finden und nachpr\u00fcfen, wie oft jemand bei den Ferienwerkst\u00e4tten dabei war.<\/p>\n<div id=\"attachment_87046\" style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-87046\" class=\"size-large wp-image-87046\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/prace-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/prace-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/prace-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/prace-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/prace.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><p id=\"caption-attachment-87046\" class=\"wp-caption-text\">Foto: privat<\/p><\/div>\n<p>Auch die T\u00fcrschilder habe ich, die die Kinder als Antwort auf die Frage gestaltet hatten: \u201eWas sollen andere \u00fcber dich wissen?\u201c<\/p>\n<p>Als ich sie nun f\u00fcr unser 30-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um laminierte, musste ich sehr lachen.<\/p>\n<p>Es gibt wirklich sehr viele dieser Materialien.<\/p>\n<h3>Das Jubil\u00e4um selbst sollte eine besondere Form haben \u2013 eine R\u00fcckkehr zum typischen Ferienwerkst\u00e4ttentag. Warum gerade so?<\/h3>\n<p>Wir wollten eine Atmosph\u00e4re wie w\u00e4hrend unserer Sommerferien in Wildgrund schaffen. Deshalb kehrten wir zum Wecken, Singen, zur Gymnastik und zu anderen Elementen eines typischen Werkst\u00e4ttentages zur\u00fcck. Es wurde viel gelacht.<\/p>\n<div id=\"attachment_87040-2\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-87040-2\" class=\"size-large wp-image-87040\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/2-Bild-grafika-ewentualnie-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/2-Bild-grafika-ewentualnie-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/2-Bild-grafika-ewentualnie-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/2-Bild-grafika-ewentualnie-768x576.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/2-Bild-grafika-ewentualnie-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/2-Bild-grafika-ewentualnie.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-87040-2\" class=\"wp-caption-text\">Eine Pause beim Aufstieg auf die Bischofskoppe. Die gemeinsame Wanderung war ein fester Punkt des Jubil\u00e4umsprogramms. Foto: privat<\/p><\/div>\n<p>Nat\u00fcrlich mussten wir auch auf die Bischofskoppe steigen. Manche aus der Gruppe gingen zwei Mal hinauf, das zweite Mal zum Sonnenaufgang.<\/p>\n<h3>Wer nahm eigentlich an dem Jubil\u00e4umstreffen teil?<\/h3>\n<p>Wir teilten die Teilnehmer in drei Gruppen ein.<\/p>\n<p>Die erste bestand aus Mitgliedern des Betreuerteams mit ihren Partnern. Die zweite aus ehemaligen Teilnehmern mit ihren Partnern. Die dritte Gruppe bildeten die Freunde der Ferienwerkst\u00e4tte, also Menschen, die diese 30 Jahre gemeinsam mit uns feiern wollten.<\/p>\n<div id=\"attachment_87048\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-87048\" class=\"size-large wp-image-87048\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/5-erkunden-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/5-erkunden-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/5-erkunden-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/5-erkunden-768x576.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/5-erkunden-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/5-erkunden.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-87048\" class=\"wp-caption-text\">Die Zeit flie\u00dft wie ein Fluss: Erinnerungen auf einer Br\u00fccke in Wildgrund. Foto: privat<\/p><\/div>\n<p>Das war mir wichtig, weil diese Ferienwerkst\u00e4tten im Laufe der Jahre eine bestimmte Gemeinschaft um sich herum geschaffen haben. Nicht nur Kinder und Betreuer, sondern auch Menschen, die mit ihnen verbunden sind und diese Geschichte weiter mitgestalten m\u00f6chten.<\/p>\n<h3>Haben Sie nach 30 Jahren das Gef\u00fchl, mehrere Generationen von Ferienwerkst\u00e4ttenkindern gro\u00dfgezogen zu haben?<\/h3>\n<p>Ja. Und das ist wohl eines der sch\u00f6nsten Dinge daran. Ich treffe ehemalige Teilnehmer auch au\u00dferhalb derWerkst\u00e4tten. K\u00fcrzlich traf ich einen jungen Mann, der heute Imker ist. Er schenkte mir Honig, und nat\u00fcrlich begannen wir, uns an die Ferienwerkst\u00e4tten zu erinnern.<\/p>\n<p>Er erinnerte sich an unsere Lieder, an verschiedene Situationen, an den \u201eWermut\u201c und an das \u201eSt\u00fchlchen\u201c. Und genau das ist sch\u00f6n: Sie erinnern sich mit Sympathie und einem L\u00e4cheln an diese Dinge.<\/p>\n<p>Denn darum geht es wohl: Dass man nach Jahren nicht nur wei\u00df, irgendwo in den Ferien gewesen zu sein. Man soll sich an Menschen, Lieder, gemeinsame Situationen, Scherze und all die kleinen Dinge erinnern, die damals gew\u00f6hnlich erschienen, sich aber nach Jahren als wichtige Erinnerungen erweisen.<\/p>\n<p>Das ist f\u00fcr mich der gr\u00f6\u00dfte Wert dieser Ferienwerkst\u00e4tte in Wildgrund.<\/p>\n<h3>Was w\u00fcnschen Sie der Ferienwerst\u00e4tte f\u00fcr die n\u00e4chsten 30 Jahre?<\/h3>\n<p>Dass es einfach weiterbesteht.<\/p>\n<p>Dass weiterhin Kinder kommen, dass sie zur\u00fcckkehren m\u00f6chten und dass wir auch weiterhin Menschen haben, die sich darum k\u00fcmmern wollen.<\/p>\n<p>Denn wenn ein Kind als Teilnehmer kommt, sp\u00e4ter als Betreuer zur\u00fcckkehrt und irgendwann sogar das eigene Kind mitbringt, dann bedeutet das, dass diese Geschichte wirklich lebt.<\/p>\n<p>Und genau das w\u00fcnsche ich mir: Dass in weiteren 30 Jahren jemand sagen kann: \u201eIch bin auch dorthin gefahren. Und jetzt fahren meine Kinder dorthin.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drei\u00dfig Jahre Ferienwerkst\u00e4tte in Wildgrund sind ein Anlass f\u00fcr Erinnerungen, Begegnungen mehrerer Generationen von Teilnehmern sowie f\u00fcr die R\u00fcckkehr zu einer Geschichte, die im Laufe der Jahre zu einem wichtigen Teil der T\u00e4tigkeit des DFK Schlesien geworden ist. 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