{"id":86893,"date":"2026-10-01T17:00:58","date_gmt":"2026-10-01T15:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=86893"},"modified":"2026-10-01T15:20:11","modified_gmt":"2026-10-01T13:20:11","slug":"aus-schaden-wird-man-klug-auch-in-polen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/aus-schaden-wird-man-klug-auch-in-polen\/","title":{"rendered":"\u201eAus Schaden wird man klug \u2013 auch in Polen?\u201d"},"content":{"rendered":"<p><strong>Beim Ansehen einer der Folgen von Magda Gesslers \u201eK\u00fcchenrevolutionen&#8220; m\u00f6chte man das Sprichwort \u201eAus Schaden wird man klug&#8220; bem\u00fchen. Allerdings sollte man hier nicht von einem Polen, sondern von der Polka sprechen. Denn \u201eDie erste Polka&#8220; aus dem Roman von Horst Bienek ist ein Musikst\u00fcck f\u00fcr Orchester.<\/strong><!--more--><\/p>\n<h2>Das Portr\u00e4t, das st\u00f6rte<\/h2>\n<p>W\u00e4hrend der \u201eRevolution&#8220; \u00e4rgert sich Frau Magda \u00fcber das an der Wand h\u00e4ngende symbolische Portr\u00e4t von Horst Bienek und nennt es eine Todesanzeige. Es passe ihrer Meinung nach nicht zur neuen Kulisse und zum neuen Namen. Sie ordnet daher an, es zu entfernen, was der durchgef\u00fchrten Revolution zum Erfolg verhelfen soll. Es solle nicht zur neuen Kulisse des Lokals und zum neuen Namen des Lokals passen. Auch die Frau des Besitzers bringt die Person auf der Grafik nicht sonderlich sachlich n\u00e4her und bezeichnet Horst Bienek kurz als deutschen Schriftsteller. Das beeindruckte den Fernsehstar offenbar nicht sonderlich. Beim Ansehen dieser Folge des Programms hatte ich den Eindruck, dass die Erinnerung an die deutsche Vergangenheit des Ortes und die Gestaltung im Art-d\u00e9co-Stil verschwinden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Dabei wurde das Lokal bis vor wenigen Jahren in der lokalen Presse gerade durch die Literatur des aus Gleiwitz stammenden Autors beworben, dessen Romane vor dem Hintergrund der Architektur und des Alltagslebens des Zwischenkriegs-Gleiwitz basierten. Doch bereits in diesen Berichten wurde Horst Bienek als deutschsprachiger Schlesier bezeichnet, obwohl er ein schlesischer Deutscher war. Bei der Beschreibung seiner Stadt schrieb er im Roman so: \u201eEtwas Unerkl\u00e4rliches zog die Menschen hinaus in die Wilhelmstra\u00dfe.&#8220;<\/p>\n<p>Das Lokal mit seinem Portr\u00e4t des Schriftstellers und einem Namen, der aus der Idee des Besitzers entstand \u2013 eines von Beruf Historikers, inspiriert vom Cover von Bieneks Buch mit dem Titel \u201eDie erste Polka&#8220;. Das Lokal unter diesem Namen florierte eine Zeit lang, geriet dann in finanzielle Schwierigkeiten. Aber das Ende der T\u00e4tigkeit kam, nachdem die Spuren der Vorkriegsgeschichte und Identit\u00e4t, die mit der Person des Autors verbunden waren, aus dem Lokal verdr\u00e4ngt worden waren. Der Name und das Portr\u00e4t wurden wirksam entfernt, die W\u00e4nde des Lokals bedeckten farbige Ornamente. Den neuen Namen lohnt es sich nicht, \u00f6ffentlich zu machen, denn das Lokal existiert nicht mehr.<\/p>\n<h2>Die Verdr\u00e4ngung der deutschen Geschichte<\/h2>\n<p>Aber das ist nicht der einzige Ort oder die einzige Situation, in der deutsche Tradition, Geschichte oder Identit\u00e4t verdr\u00e4ngt werden.<\/p>\n<p>Der deutschsprachige Schlesier oder sogar der Schlesier selbst ersetzt den deutschen Schlesier, den Deutschen. Weil es in der heutigen Zeit besser, bequemer, sicherer ist.<\/p>\n<p>Zerst\u00f6rt werden Objekte von denkmalpflegerischem Wert, aber schlechter \u2013 weil deutscher \u2013 Herkunft. Sie passen n\u00e4mlich nicht zum Nachkriegsnarrativ \u00fcber die wiedergewonnenen Gebiete.<\/p>\n<p>Sogar die Opfer der Nachkriegsrepressionen erhalten nach 80 Jahren statt der ihnen geb\u00fchrenden W\u00fcrdigung und Erinnerung eine neue, ver\u00e4nderte, verf\u00e4lschte Identit\u00e4t. Entgegen den Zeugenaussagen und Feststellungen der Wissenschaftler des IPN, die die Nationalit\u00e4t der Hauptgruppe der Nachkriegsopfer von Lagern, Vertreibungen, Deportationen, Vergewaltigungen, Morden und Pl\u00fcnderungen belegen.<\/p>\n<p>Aber alles aus dem \u00f6ffentlichen Raum zu tilgen, ist zum Gl\u00fcck nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<h2>Architektur als Zeugnis<\/h2>\n<p>Es ist n\u00e4mlich schwer, aus dem \u00f6ffentlichen Raum Geb\u00e4ude zu entfernen, die die st\u00e4dtische Substanz schlesischer St\u00e4dte bilden. Obwohl auch solche destruktiven Ma\u00dfnahmen ergriffen wurden und als Begr\u00fcndung f\u00fcr diese Arbeiten die Modernisierung und Erneuerung dienten. Auf diese Weise wurden zum Beispiel der denkmalgesch\u00fctzte Bahnhof und die Markthalle in K\u00f6nigsh\u00fctte umgebaut.<\/p>\n<p>Es gibt jedoch viele Orte, an denen historische Objekte erhalten geblieben sind und von ihrer Geschichte und Herkunft zeugen.<\/p>\n<p>Architektur spielt seit Jahrhunderten eine Schl\u00fcsselrolle bei der Gestaltung der nationalen und lokalen Identit\u00e4t, indem sie nicht nur Ausdruck der \u00c4sthetik ist, sondern auch Tr\u00e4ger kultureller, historischer und gesellschaftlicher Werte. Geb\u00e4ude, Br\u00fccken, Pl\u00e4tze und andere architektonische Elemente sind untrennbarer Bestandteil der Landschaft, die die Wahrnehmung und Identifikation der Bewohner mit einem bestimmten Ort beeinflusst.<\/p>\n<div id=\"attachment_86899\" style=\"width: 970px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-86899\" class=\"size-full wp-image-86899\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/bytom-rynek.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"616\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/bytom-rynek.jpg 960w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/bytom-rynek-300x193.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/bytom-rynek-768x493.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><p id=\"caption-attachment-86899\" class=\"wp-caption-text\">Vorkriegs-Ansichtskarte aus Beuthen<br \/>Foto: Wikipedia<\/p><\/div>\n<p>Vor Kurzem beschrieb ich die im Grenzgebiet der Niederlausitz wiederbelebte Tradition der Umgebindeh\u00e4user. Die \u00f6rtlichen Vereine betreiben eine umfangreiche T\u00e4tigkeit, nicht nur im Bereich Bildung und Dokumentation, sondern auch im kreativen Bereich. Es entstehen neue Objekte, und was noch wertvoller ist, es werden diejenigen saniert, die der Zahn der Zeit getroffen hat.<\/p>\n    <section class=\"newsy-widget\">\n        \n                                \n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/von-der-reise-zwischen-schlesien-und-niedersachsen-bis-zur-entdeckung-des-erbes-der-lausitz\/\">\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bogatynia_Kosciuszki_2-150x150.jpg\" alt=\"Von der Reise zwischen Schlesien und Niedersachsen bis zur Entdeckung des Erbes der Lausitz\">\n                            <\/div>\n            <div class=\"newsy-card-text\">\n            \t\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">H\u00e4user, die die Geschichte der Region erz\u00e4hlen<\/span>\n                                      \t\n            \t\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Von der Reise zwischen Schlesien und Niedersachsen bis zur Entdeckung des Erbes der Lausitz<\/h3>\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\n            <\/div>\n        <\/a>\n            <\/section>\n    \n<p>Aber auch im Gebiet des industriellen Schlesiens haben viele Geb\u00e4ude mit historischer Bebauung unter Verwendung der Fachwerkkonstruktion, des sogenannten preu\u00dfischen Mauerwerks, \u00fcberlebt.<\/p>\n<h2>Das preu\u00dfische Mauerwerk des industriellen Schlesiens<\/h2>\n<p>Solche Objekte haben \u00fcberdauert und bezeugen die Geschichte des Ortes in Gleiwitz, im Kattowitzer Emanuelssegen, in Beuthen oder Hindenburg. Beispiele daf\u00fcr sind in Gleiwitz das Geb\u00e4ude der Staatlichen Musikschule und die Villa von Franz Traufeld. In Kattowitz die im Stadtteil Emanuelssegen gelegene denkmalgesch\u00fctzte Bergarbeitersiedlung. In Beuthen ein Jugendstil-Miethaus von 1912 nach dem Entwurf von Liersch mit einer selten anzutreffenden Verbindung von Holzbalken mit wei\u00dfer glasierter Fassade sowie Geb\u00e4ude aus dem Stadtteil Kleinfeld.<\/p>\n<p>Eines der sehr charakteristischen Geb\u00e4ude in preu\u00dfischer Mauerwerkstechnik ist das 1907 in Hindenburg fertiggestellte Geb\u00e4ude der Feuerwehr der Donnersmarck-H\u00fctte. Das Geb\u00e4ude wurde vom Architekten Arnold Hartmann entworfen.<\/p>\n<p>Das Feuerwehrgeb\u00e4ude grenzt an die Arbeitersiedlung Sandkolonie (sog. Zandka).<\/p>\n<p>Wie an vielen Orten im industriellen Schlesien wuchs im Zusammenhang mit der dynamischen Entwicklung von Hindenburg, der Entstehung unter anderem der Donnersmarck-H\u00fctte und anderer Industrieobjekte der Bedarf an Wohnungen f\u00fcr die Arbeiter. F\u00fcr sie wurde in den Jahren 1903\u20131922 eine neue Arbeitersiedlung auf dem Gebiet der Sandkolonie errichtet. Das Ganze war f\u00fcr Arbeiter und Beamte bestimmt und umfasste au\u00dfer Wohnungen eine Bibliothek (heute Sitz der Hindenburger Philharmonie), ein Kasino (heute Sitz des Neuen Theaters), eine Hauswirtschaftsschule, ein Hallenbad sowie Sportanlagen.<\/p>\n<blockquote><p>Alles aus dem \u00f6ffentlichen Raum zu tilgen, ist zum Gl\u00fcck nicht m\u00f6glich. Es ist n\u00e4mlich schwer, aus dem \u00f6ffentlichen Raum Geb\u00e4ude zu entfernen, die die st\u00e4dtische Substanz schlesischer St\u00e4dte bilden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die H\u00e4user in der Sandkolonie haben interessante Fassaden aus rotem Ziegelstein, bereichert durch Holzelemente, die preu\u00dfisches Mauerwerk bilden.<\/p>\n<p>Auch die Sandkolonie blieb von den Ereignissen des Jahres 1945 nicht verschont. Im Januar steckte die in Hindenburg einr\u00fcckende Rote Armee etwa zehn Geb\u00e4ude sowie die hiesige Kirche in Brand. Auch die Nachkriegszeit war der Siedlung nicht g\u00fcnstig. Erst in den letzten zwei Jahrzehnten hat die Stadt mit Beteiligung der Bewohner die m\u00fchevolle Aufgabe \u00fcbernommen, die denkmalgesch\u00fctzte Bebauung der Siedlung zu sichern.<\/p>\n<p>In gutem Zustand erhalten ist auch das Geb\u00e4ude des ehemaligen Kasinos der Donnersmarck-H\u00fctte im Stil des Historismus mit Elementen des Jugendstils, also des Stils, der um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert auf dem Gebiet Deutschlands vorherrschte. Im Geb\u00e4ude befanden sich ein Theatersaal, ein Restaurant sowie ein Lesesaal. All dies sollte den Arbeitern der H\u00fctte dienen. Leider hat das benachbarte Geb\u00e4ude des Schlafhauses nicht \u00fcberdauert, das zusammen mit dem Kasinogeb\u00e4ude einen geschlossenen Komplex von Sozial- und Dienstleistungsobjekten bildete.<\/p>\n<p>Geb\u00e4ude aus preu\u00dfischem Mauerwerk kommen nicht nur in Oberschlesien vor, sondern auch im Gebiet von Ermland und Masuren, in Pommern und Niederschlesien.<\/p>\n<h2>\u201eSchweineb\u00e4uche\u201d \u2013 Erinnerung unter den F\u00fc\u00dfen<\/h2>\n<p>Die sogenannte nationale Architektur hat jedoch nicht nur in den W\u00e4nden der Geb\u00e4ude \u00fcberlebt, sondern auch auf den diese Geb\u00e4ude umgebenden B\u00fcrgersteigen, denn eines der architektonischen Elemente, das bis heute seine Aufgabe erf\u00fcllt, sind historische Gehwegplatten, die sogenannten Schweineb\u00e4uche.<\/p>\n<p>Als Schweineb\u00e4uche bezeichnet man dicke Granitplatten, die vor Geb\u00e4uden und Mietsh\u00e4usern verlegt wurden. Diese Platten wurden oft mit einem Mosaik aus Granit- oder Basaltpflastersteinen umgeben. Zur Verbreitung des Granits als Baumaterial trug die Entwicklung des Tagebaus von Nutzgestein in Niederschlesien im Gebiet von Striegau (Strzegom) und Strehlen (Strzelin) bei.<\/p>\n<p>Die ersten Erw\u00e4hnungen des Granitabbaus in der Umgebung von Striegau stammen aus dem Jahr 1689. Ihre Bl\u00fctezeit begann jedoch erst im 19. Jahrhundert. Einen bedeutenden Beitrag auf diesem Gebiet leistete die Familie Bartsch. Im Jahr 1826 wurde der erste Steinbruch in Betrieb genommen.<\/p>\n<div id=\"attachment_86901\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-86901\" class=\"size-large wp-image-86901\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Zabrze_-_Teatr_Nowy-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Zabrze_-_Teatr_Nowy-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Zabrze_-_Teatr_Nowy-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Zabrze_-_Teatr_Nowy-768x576.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Zabrze_-_Teatr_Nowy-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Zabrze_-_Teatr_Nowy-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-86901\" class=\"wp-caption-text\">Der Sitz des Neuen Theaters in Hindenburg ist das denkmalgesch\u00fctzte Geb\u00e4ude des ehemaligen Kasinos der Donnersmarck-H\u00fctte, errichtet 1901.<br \/>Foto: Wikipedia<\/p><\/div>\n<p>Aufgrund ihres Nutzungszwecks sind sie wenig auff\u00e4llig, aber man kann sie in der st\u00e4dtischen Bebauung Berlins, in Ober- und Niederschlesien, aber auch zum Beispiel in Krakau entdecken.<\/p>\n<p>Ich selbst habe die M\u00f6glichkeit, \u00fcber solche Platten auf einem der Friedh\u00f6fe in K\u00f6nigsh\u00fctte zu gehen, der bei der St.-Barbara-Kirche liegt.<\/p>\n<p>Der Bau dieser katholischen Kirche wird mit dem Besuch des Breslauer Bischofs, Kardinal Melchior von Diepenbrock, im Jahr 1849 in Deutsch Piekar (Piekary) in Verbindung gebracht. Damals wandte sich eine Delegation von Bergleuten und H\u00fcttenarbeitern aus K\u00f6nigsh\u00fctte an den W\u00fcrdentr\u00e4ger mit der Bitte um die Erlaubnis zur Errichtung eines Gotteshauses. Als Bauplatz wurde der bereits bestehende Friedhof gew\u00e4hlt. Der Grundstein wurde zwei Jahre sp\u00e4ter gelegt, und im November 1852 nahm der Kanoniker Johann Alois Fietzek die Weihe der Kirche vor.<\/p>\n<h2>Granitplatten gelangen nach Schlesien<\/h2>\n<p>In Schlesien, in Breslau, erschienen die Schweineb\u00e4uche Mitte des 19. Jahrhunderts. Dies geschah auch infolge der fortschreitenden Entwicklung des Eisenbahnnetzes.<\/p>\n<p>Dank der Expansion des Eisenbahnwesens und der damit verbundenen Erleichterung des Transports schwerer Baumaterialien wie der dicken Granitplatten verbreitete sich dieses Material in Schlesien und dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p>Ihren Namen verdanken sie ihrer ungew\u00f6hnlichen Form. Von oben sind sie eben, aber ihre Unterseite hat eine charakteristische W\u00f6lbung, die an einen herabh\u00e4ngenden Schweinebauch erinnerte. Die Form einer solchen schweren Platte verlieh ihr Stabilit\u00e4t. Auch ihre Masse war von Bedeutung.<\/p>\n<p>Eine solche Platte war haltbar und zugleich sehr stabil.<\/p>\n<p>Die Berliner Exemplare haben bereits eine 200-j\u00e4hrige Geschichte, sie tauchten 1824 auf und werden Charlottenburger Platte genannt.<\/p>\n<p>Wie der Kunsthistoriker Max von Boehn schrieb: \u201eBerlin erblickte seinen ersten B\u00fcrgersteig, als der Weinh\u00e4ndler Lutter und Wegener Granitplatten vor ihrem Gesch\u00e4ft am Gendarmenmarkt verlegten&#8220; \u2013 etwa 1825. Die Gr\u00f6\u00dfe und der Glanz der Steine begeisterten die G\u00e4ste, die Passanten \u2013 und die Herrscher der Stadt. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten die Bewohner im Regen durch Schlamm und morastiges Gel\u00e4nde waten, und der Tiergarten erinnerte an eine W\u00fcstenlandschaft mit Kiefern. Im Jahr 1828 machte eine k\u00f6nigliche Kabinettsorder den Bau von B\u00fcrgersteigen aus \u201egro\u00dfen Gehwegplatten&#8220; zur Norm. Die Steine wurden m\u00fchsam aus den Steinbr\u00fcchen der Lausitz nach Berlin transportiert und bef\u00f6rdert.<\/p>\n<h2>Denkm\u00e4ler der Geschichte, \u00fcber die wir gehen<\/h2>\n<p>B\u00fcrgersteige mit Granitplatten ersetzten das \u201eKatzenkopfpflaster&#8220;, ein Pflaster aus Feldsteinen. Man ging viel besser darauf, obwohl sie gef\u00e4hrlich wurden, wenn Schnee fiel oder Regen kam.<\/p>\n<p>Von ihrer Haltbarkeit zeugt die Tatsache, dass sie bis heute in gutem Zustand \u00fcberdauert haben, im Prinzip ohne Reparaturaufwand.<\/p>\n<p>Man kann nur hoffen, dass diese nat\u00fcrlichen, nutzbaren Denkm\u00e4ler der lokalen Geschichte nicht in Neubausiedlungen aus Gipskarton oder in Gehwegpflaster aus zweifelhafter Betonqualit\u00e4t umgewandelt werden, wie es bereits vorgekommen ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Ansehen einer der Folgen von Magda Gesslers \u201eK\u00fcchenrevolutionen&#8220; m\u00f6chte man das Sprichwort \u201eAus Schaden wird man klug&#8220; bem\u00fchen. Allerdings sollte man hier nicht von einem Polen, sondern von der Polka sprechen. Denn \u201eDie erste Polka&#8220; aus dem Roman von Horst Bienek ist ein Musikst\u00fcck f\u00fcr Orchester.<\/p>\n","protected":false},"author":318,"featured_media":86897,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4224,4580],"tags":[9569,6516,9695,6478,6412,10425,5943,6815],"redaktor":[6573],"class_list":["post-86893","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte-de","category-kolumne","tag-architektur-de","tag-beuthen-de","tag-erbe-de","tag-geschichte-de","tag-gleiwitz-de","tag-horst-bienek-de","tag-oberschlesien-de","tag-schlesien-de","redaktor-eugeniusz-nagel-de"],"acf":[],"nwb_translations":{"current":"de","available":["de","pl"],"translations":{"pl":{"id":86904,"available":true,"link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/madry-polak-po-szkodzie\/","title":"M\u0105dry Polak po szkodzie"}}},"nwb_fields":{"acf":{"post_podtytul":"Deutsche Spuren in Schlesien: Erbe, Architektur und Erinnerung"},"featured_image":{"id":86897,"caption":"Die Ulica Zwyci\u0119stwa in Gleiwitz mit reich verzierten Mietsh\u00e4usern.\nFoto: A. 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