{"id":86828,"date":"2026-09-25T17:00:56","date_gmt":"2026-09-25T15:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=86828"},"modified":"2026-09-25T13:49:05","modified_gmt":"2026-09-25T11:49:05","slug":"fuen-kongress-2026-diskutiert-zukunft-der-minderheitensprachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/fuen-kongress-2026-diskutiert-zukunft-der-minderheitensprachen\/","title":{"rendered":"FUEN-Kongress diskutiert Zukunft der Minderheitensprachen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vom 17. bis 20. September 2026 versammelten sich rund 200 Vertreterinnen und Vertreter autochthoner nationaler Minderheiten und Sprachgemeinschaften aus etwa 20 L\u00e4ndern in Helsinki zum 70. Kongress der F\u00f6deralistischen Union Europ\u00e4ischer Nationalit\u00e4ten (FUEN). Ausgerichtet wurde die Veranstaltung erstmals in der finnischen Hauptstadt, eingeladen hatte Folktinget, die Schwedische Versammlung Finnlands.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>F\u00fcr FUEN-Pr\u00e4sidentin Olivia Schubert, die den Kongress zum ersten Mal in ihrer neuen Rolle leitete, war die Wahl des Gastgebers keineswegs zuf\u00e4llig: Sie beschreibt die schwedischsprachige Minderheit Finnlands als \u201eein leuchtendes Beispiel daf\u00fcr, wie Minderheitenschutz erfolgreich funktionieren kann\u201c, wo Sprachrechte, muttersprachliche Bildung und politische Teilhabe keine abstrakten Prinzipien, sondern gelebte Realit\u00e4t seien.<\/p>\n<h2>Sprache im Mittelpunkt<\/h2>\n<p>In diesem Jahr stand das Thema Sprache klar im Fokus des Kongresses. Bereits am Er\u00f6ffnungstag ging es um Sprachplanung in Bildung und Kultur, um \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk in Minderheitensprachen sowie um Sprachpolitik im Sozial- und Gesundheitswesen, mit Fachleuten aus Finnland, Kroatien, Deutschland, Polen, Rum\u00e4nien und Katalonien. Schubert selbst betonte in ihrer Ansprache, dass Minderheitensprachen von der technologischen Entwicklung nicht abgeh\u00e4ngt werden d\u00fcrften, sondern in digitalen Anwendungen und in der k\u00fcnstlichen Intelligenz sichtbar und nutzbar bleiben m\u00fcssten.<\/p>\n<h2>Geoblocking und K\u00fcnstliche Intelligenz<\/h2>\n<p>Eines der zentralen Unterthemen des Kongresses war das Spannungsfeld zwischen Geoblocking und K\u00fcnstlicher Intelligenz. In einer Podiumsdiskussion am zweiten Kongresstag ging es um die Frage, wem der digitale Markt geh\u00f6rt und wie sich die Lage seit dem FUEN-Kongress 2025 ver\u00e4ndert hat. Neben dem Minderheitenbeauftragten Schleswig-Holsteins, Johannes Callsen, und YEN-Pr\u00e4sidentin Johanna K\u00e9zdi sa\u00df auch der EU-Abgeordnete Lor\u00e1nt Vincze auf dem Podium, Vorsitzender der Minderheiten-Intergroup im Europ\u00e4ischen Parlament.<\/p>\n<div id=\"attachment_86833\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-86833\" class=\"size-large wp-image-86833\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FUEN1-scaled-e1790336249150-1024x577.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"577\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FUEN1-scaled-e1790336249150-1024x577.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FUEN1-scaled-e1790336249150-300x169.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FUEN1-scaled-e1790336249150-768x433.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FUEN1-scaled-e1790336249150-1536x865.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FUEN1-scaled-e1790336249150-2048x1154.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-86833\" class=\"wp-caption-text\">Bei der Delegiertenversammlung repr\u00e4sentierte Rafa\u0142 Bartek, VdG-Vorsitzender, die Deutsche Minderheit in Polen.<br \/>Foto: Andrea Polanski<\/p><\/div>\n<p>Vincze machte deutlich, dass sich nach Jahren politischen Drucks endlich etwas bewegt: \u201eIch glaube, es ver\u00e4ndert sich tats\u00e4chlich, weil wir es geschafft haben, einen solchen Druck auf die Europ\u00e4ische Kommission auszu\u00fcben, dass sie hoffentlich eine Regulierung vorlegen wird, die eine Ausnahme f\u00fcr die Minderheitenregionen vorsieht\u201c, so Vincze. Ziel sei, dass Inhalte, die im Nachbarland in der Sprache der Minderheit ausgestrahlt werden, k\u00fcnftig frei zug\u00e4nglich sein k\u00f6nnen, etwa f\u00fcr ungarischsprachige Communities in den Nachbarstaaten Ungarns. Vincze zeigte sich \u00fcberzeugt, dass sich Sender und Rechteinhaber an eine Regulierung \u00e4hnlich anpassen w\u00fcrden wie einst die Telekombranche an die Abschaffung der EU-Roaming-Geb\u00fchren \u2013 n\u00f6tig seien daf\u00fcr sowohl zivilgesellschaftlicher Druck als auch eine Einigung der Mitgliedstaaten.<\/p>\n<h2>Delegiertenversammlung und Weichenstellungen<\/h2>\n<p>H\u00f6hepunkt des Kongresses war am Samstag, den 19. September, die Delegiertenversammlung, das h\u00f6chste Entscheidungsgremium der FUEN. In drei Sitzungsbl\u00f6cken kamen die Delegierten zusammen, um \u00fcber die Arbeit des vergangenen Jahres zu berichten und zentrale Weichenstellungen f\u00fcr die Zukunft der Organisation zu treffen. Auf der Tagesordnung standen unter anderem die Finanzen und der Haushalt, Berichte des Pr\u00e4sidiums, der Generalsekret\u00e4rin sowie aller Arbeitsgruppensprecher, der Finanzplan f\u00fcr 2027, ein Bericht zum kommenden Kongress 2027 sowie zu den Vorbereitungen der EUROPEADA 2028.<\/p>\n<p>F\u00fcr Olivia Schubert war es das erste Jahr in ihrer neuen Funktion als Pr\u00e4sidentin, nachdem sie zuvor bereits als Vizepr\u00e4sidentin t\u00e4tig war. Im R\u00fcckblick beschreibt sie die vergangenen zw\u00f6lf Monate als \u201eeine sehr intensive Periode\u201c. Besonders wichtig sei ihr gewesen, dass das neue, teils erneuerte Pr\u00e4sidium zun\u00e4chst zueinanderfindet und gegenseitiges Vertrauen aufbaut, denn \u201eohne Vertrauen k\u00f6nnen wir ja auch nicht effektiv arbeiten\u201c. Als einen der wichtigsten Meilensteine nennt Schubert den gemeinsamen Auftritt mit dem neuen Pr\u00e4sidium im Deutschen Bundestag, bei dem die Ziele der Organisation gegen\u00fcber zahlreichen Abgeordneten formuliert werden konnten. Strategisch, so Schubert, bleibe es zentral, die Finanzierung der FUEN stabil zu halten, die politischen Ziele der Minority SafePack Initiative weiterzuverfolgen und die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsorganisationen, etwa durch fachlichen Austausch und gegenseitige Unterst\u00fctzung, weiter zu vertiefen.<\/p>\n<h2>14 Resolutionen verabschiedet<\/h2>\n<p>Im Zentrum der Delegiertenversammlung stand die Verabschiedung von insgesamt 14 Resolutionen. Die Hauptresolution tr\u00e4gt den Titel \u201eF\u00fcr einen rechtebasierten, gerechten, konformen und inklusiven Umgang mit KI und Minderheitensprachen\u201c und fordert eine st\u00e4rkere Ber\u00fccksichtigung von Regional- und Minderheitensprachen bei Entwicklung und Einsatz k\u00fcnstlicher Intelligenz. Sie ruft die Europ\u00e4ische Union dazu auf, Minderheitensprachenrechte bei der Umsetzung des EU AI Acts zu ber\u00fccksichtigen, fordert von der Europ\u00e4ischen Kommission gezielte F\u00f6rderung f\u00fcr Sprachtechnologien, von nationalen Regierungen barrierefreie digitale Dienste in Minderheitensprachen und von Technologieanbietern die Einbindung von Minderheiten-Communities bei der Entwicklung ihrer Systeme. Zudem wird ein europ\u00e4ischer Kooperationsrahmen zwischen Beh\u00f6rden, Forschung, Unternehmen und Minderheitenvertretern gefordert.<\/p>\n<div id=\"attachment_86831\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-86831\" class=\"size-large wp-image-86831\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FUEN3-scaled-e1790332194820-1024x577.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"577\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FUEN3-scaled-e1790332194820-1024x577.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FUEN3-scaled-e1790332194820-300x169.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FUEN3-scaled-e1790332194820-768x433.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FUEN3-scaled-e1790332194820-1536x865.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FUEN3-scaled-e1790332194820-2048x1154.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-86831\" class=\"wp-caption-text\">Der Kongress versammelte rund 200 Vertreterinnen und Vertreter autochthoner nationaler Minderheiten und Sprachgemeinschaften aus ganz Europa.<br \/>Foto: Andrea Polanski<\/p><\/div>\n<p>Neben dieser Hauptresolution verabschiedeten die Delegierten 13 weitere Resolutionen zu Minderheitenthemen in ganz Europa: zum Schutz der Rechte der t\u00fcrkischen Minderheit auf Rhodos und Kos, zu den Rechten der mazedonischen Minderheit in Albanien, zur Anerkennung der Jenischen als f\u00fcnfte nationale Minderheit Deutschlands, zur Religionsfreiheit der t\u00fcrkischen Minderheit in Westthrakien, zum Schutz indigener V\u00f6lker und nationaler Minderheiten in der Ukraine, zum Recht auf Katalanisch im Gesundheitswesen, zu Wahlen der griechisch-orthodoxen Bal\u0131kl\u0131-Krankenhausstiftung in Istanbul, zur Sicherung des Sorbischen als Schulsprache in Sachsen und Brandenburg, zur Revitalisierung der Arm\u00e3n\/Vlach-Sprache und -Kultur, zur Verankerung von Regional- und Minderheitensprachen in der beruflichen Bildung, zur F\u00f6rderung bretonischer Organisationen in der Loire-Atlantique, zur Umsetzung minderheitensprachlicher Bildung in Wien sowie zur Wiederherstellung erworbener Rechte der ungarischen Minderheit in Transkarpatien und zum ukrainisch-ungarischen Minderheitendialog.<\/p>\n<h2>Revision der FUEN-Statuten<\/h2>\n<p>Dar\u00fcber hinaus diskutierten die Delegierten eine umfassende Revision der FUEN-Statuten, nachdem externe Rechtsgutachten mehrere Unklarheiten und Widerspr\u00fcche im geltenden Regelwerk aufgezeigt hatten. Statt einzelner \u00c4nderungen soll nun eine eigens eingesetzte Arbeitsgruppe aus Vertretern der Mitgliedsorganisationen Statuten, Wahlordnung und Gesch\u00e4ftsordnung \u00fcberarbeiten und ihre Vorschl\u00e4ge im Mai 2027 dem Pr\u00e4sidium vorlegen, mit dem Ziel, \u00fcberarbeitete Statuten beim Kongress 2027 zu verabschieden.<\/p>\n    <section class=\"newsy-widget\">\n        \n                                \n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/sprache-als-pruefstein-europaeischer-minderheitenpolitik\/\">\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/IMG_1635-150x150.jpg\" alt=\"Sprache als Pr\u00fcfstein europ\u00e4ischer Minderheitenpolitik\">\n                            <\/div>\n            <div class=\"newsy-card-text\">\n            \t\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">70. FUEN-Kongress in Helsinki <\/span>\n                                      \t\n            \t\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Sprache als Pr\u00fcfstein europ\u00e4ischer Minderheitenpolitik<\/h3>\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\n            <\/div>\n        <\/a>\n            <\/section>\n    \n    <section class=\"newsy-widget\">\n        \n                                \n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/vision-2100-deutsche-minderheiten-gruenden-thinktank\/\">\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Skyline_of_Helsinki_as_seen_from_the_Erottaja_fire_station_JIP-scaled-e1790176273716-150x150.jpg\" alt=\"\u201eVision 2100&#8243;: Deutsche Minderheiten gr\u00fcnden Thinktank\">\n                            <\/div>\n            <div class=\"newsy-card-text\">\n            \t\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Am Rande des FUEN-Kongresses<\/span>\n                                      \t\n            \t\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">\u201eVision 2100&#8243;: Deutsche Minderheiten gr\u00fcnden Thinktank<\/h3>\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\n            <\/div>\n        <\/a>\n            <\/section>\n    \n<h2>Blick auf kommende Veranstaltungen<\/h2>\n<p>Der Blick richtete sich zum Abschluss bereits nach vorn: Der FUEN-Kongress 2027 wird in der Region Istrien in Slowenien stattfinden, ausgerichtet von der Unione Italiana, w\u00e4hrend die EUROPEADA 2028 in Friaul-Julisch Venetien in Italien \u00fcber die B\u00fchne gehen wird. F\u00fcr Schubert war es wichtig, dass die FUEN gerade in politisch turbulenten Zeiten nicht nur ihre politische Arbeit fortsetzt, sondern sich auch auf die eigenen Strukturen und den fachlichen Austausch zwischen den Mitgliedern konzentriert, damit die Gemeinschaft der europ\u00e4ischen Minderheiten weiter zueinanderfindet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 17. bis 20. September 2026 versammelten sich rund 200 Vertreterinnen und Vertreter autochthoner nationaler Minderheiten und Sprachgemeinschaften aus etwa 20 L\u00e4ndern in Helsinki zum 70. Kongress der F\u00f6deralistischen Union Europ\u00e4ischer Nationalit\u00e4ten (FUEN). 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