{"id":86485,"date":"2026-09-21T17:00:13","date_gmt":"2026-09-21T15:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=86485"},"modified":"2026-09-21T16:29:48","modified_gmt":"2026-09-21T14:29:48","slug":"aus-der-mottenkiste-der-geschichte-es-geschah-vor-370-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/aus-der-mottenkiste-der-geschichte-es-geschah-vor-370-jahren\/","title":{"rendered":"Es geschah vor 370 Jahren\u2026"},"content":{"rendered":"<p><strong>Am 26. September 1656 standen die Truppen des Gro\u00dfkronmarschalls Jerzy Lubomirski vor den Toren Krakaus, um die einstige Hauptstadt zur\u00fcckzuerobern. Am Rande sei erw\u00e4hnt, dass Lubomirski in der Kriegskunst versiert und vielseitig gebildet war.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Er bew\u00e4hrte sich auch als Diplomat, und seinen Bildungsweg begann er im deutschen Ingolstadt, im Jesuitenkolleg. Mancher mag sich fragen: Wie das? Polen belagerten Krakau? Ja! W\u00e4hrend der \u201eSchwedischen Sintflut\u201c (Potop) hatten die Schweden Krakau besetzt, und ohne das B\u00fcndnis des polnischen K\u00f6nigs mit dem Herrscher des Heiligen R\u00f6mischen Reiches w\u00e4re es nicht gelungen, Polen den schwedischen H\u00e4nden zu entrei\u00dfen.<\/p>\n<div id=\"attachment_86486\" style=\"width: 1010px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-86486\" class=\"size-full wp-image-86486\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/mapa-slaska.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"805\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/mapa-slaska.jpg 1000w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/mapa-slaska-300x242.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/mapa-slaska-768x618.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-86486\" class=\"wp-caption-text\">Kreis Oppeln.<br \/>Foto: Wikipedia<\/p><\/div>\n<p>Wir kennen den Film und das Buch \u201eDie Sintflut\u201c, doch wir kennen nicht das, wor\u00fcber Henryk Sienkiewicz aufgrund der russischen Zensur nicht schreiben durfte. Als am 21.07.1655 die schwedischen Armeen in die Erste Polnische Republik einfielen und in rasantem Tempo das ganze Land eroberten, liefen viele Polen zur schwedischen Seite \u00fcber. Die schwedischen Fahnen feierten einen Erfolg nach dem anderen, und an dem Tag, an dem Posen fiel, wandte sich der polnische K\u00f6nig \u2013 wissend, dass das Adelsaufgebot kapituliert hatte \u2013 an Kaiser Ferdinand III. um Hilfe. Er war sogar bereit, dem Kaiser die polnische Krone zu \u00fcberlassen. Der Kaiser befand sich in einer sehr schwierigen Lage. Gerade erst war der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg zu Ende gegangen, der das gesamte Reich verw\u00fcstet hatte. Dem polnischen K\u00f6nig zu helfen h\u00e4tte bedeutet, die Bestimmungen des Westf\u00e4lischen Friedens zu brechen und einen neuen Krieg zu riskieren, weshalb der Herrscher des Heiligen R\u00f6mischen Reiches mit Bedacht handeln musste.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eB\u00fcndnisse zwischen polnischen und deutschen Herrschern haben Europa manchmal gerettet.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Ferdinand III. wagte es, dem polnischen K\u00f6nig, zahlreichen politischen Fl\u00fcchtlingen und den sich zur\u00fcckziehenden Truppen im Herzogtum Oppeln-Ratibor politisches Asyl zu gew\u00e4hren. Der gesamte k\u00f6nigliche Hof, die Senatoren, die Machteliten und die Vertreter der katholischen Kirche verlie\u00dfen Krakau und fanden Zuflucht im vom Krieg verw\u00fcsteten Schlesien, aus dem sich die letzten schwedischen Truppen kaum ein Jahr zuvor zur\u00fcckgezogen hatten. Das Herzogtum Oppeln-Ratibor war damals als Pfand f\u00fcr ein Darlehen im Besitz der Gemahlin des polnischen K\u00f6nigs, Ludwika Maria Gonzaga, geh\u00f6rte als Territorium jedoch zum K\u00f6nigreich B\u00f6hmen und damit zum Kaiserreich, weshalb es die Schweden nicht wagten, bei der Verfolgung des polnischen K\u00f6nigs, der nach Oppeln geflohen war, die Grenze zu \u00fcberschreiten. Zur Erinnerung: Zur gleichen Zeit erschienen die Franziskaner \u2013 als Fl\u00fcchtlinge aus Krakau \u2013 auf dem Sankt Annaberg. Nach der Konsolidierung seiner Kr\u00e4fte brach K\u00f6nig Johann Kasimir bereits am 18.12.1655 von Schlesien aus nach Polen auf, und die dem K\u00f6nig treuen Truppen nahmen an zahlreichen Schlachten teil. Im Juni 1656 gelang die Einnahme Warschaus, im September das Erreichen Krakaus.<\/p>\n<div id=\"attachment_86488\" style=\"width: 2029px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-86488\" class=\"size-full wp-image-86488\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/jan-kazimierz-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2019\" height=\"2560\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/jan-kazimierz-scaled.jpg 2019w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/jan-kazimierz-237x300.jpg 237w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/jan-kazimierz-808x1024.jpg 808w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/jan-kazimierz-768x974.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/jan-kazimierz-1211x1536.jpg 1211w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/jan-kazimierz-1615x2048.jpg 1615w\" sizes=\"auto, (max-width: 2019px) 100vw, 2019px\" \/><p id=\"caption-attachment-86488\" class=\"wp-caption-text\">Johann II. Kasimir, Portr\u00e4t von Daniel Schultz aus dem Jahr 1659.<br \/>Foto: K\u00f6nigliche \u0141azienki-Museen in Warschau<\/p><\/div>\n<p>Kaiser Ferdinand III. konnte es sich leisten, Polen offen zu unterst\u00fctzen und umfangreiche diplomatische Bem\u00fchungen zu unternehmen, um den F\u00fcrsten von Siebenb\u00fcrgen, Georg II. R\u00e1k\u00f3czi, von einem B\u00fcndnis mit Karl X. Gustav abzubringen. Auch der K\u00f6nig von Ungarn, Leopold, der Sohn des Kaisers, war ein Bef\u00fcrworter eines B\u00fcndnisses mit Polen gegen Schweden. Ferdinand III. war sich bewusst, dass der siebenb\u00fcrgische F\u00fcrst zu den Schweden neigte, und schloss am 01.12.1656 ein B\u00fcndnis mit Johann Kasimir, in dessen Rahmen Mittel zur Finanzierung der kaiserlichen Truppen gesichert wurden, die auf Seiten des polnischen K\u00f6nigs k\u00e4mpfen sollten. R\u00e1k\u00f3czi wiederum unterzeichnete mit den Schweden den Vertrag von Radnot, der faktisch die erste Teilung Polens bedeutete. Nach dem Tod seines Vaters bestieg der siebzehnj\u00e4hrige Kaiser Leopold I. den Thron; er best\u00e4tigte 1657 das in Wien geschlossene B\u00fcndnis und verpflichtete sich unter anderem, ein Expeditionskorps von 17 000 Soldaten aufzustellen, an dessen Spitze Feldmarschall Melchior von Hatzfeld stand. Die Truppen wurden im Herzogtum Oppeln-Ratibor rekrutiert, also im Gebiet der heutigen Woiwodschaften Oppeln und Schlesien. Das Z\u00fcnglein an der Waage neigte sich zugunsten Johann Kasimirs.<\/p>\n    <section class=\"newsy-widget\">\n        \n                                \n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/ende-des-koenigreichs-ungarn-vor-500-jahren-es-brauchte-nur-90-minuten\/\">\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Battle_of_Mohacs_1526-150x150.png\" alt=\"Es brauchte nur 90 Minuten\">\n                            <\/div>\n            <div class=\"newsy-card-text\">\n            \t\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Aus der Mottenkiste der Geschichte<\/span>\n                                      \t\n            \t\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Es brauchte nur 90 Minuten<\/h3>\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\n            <\/div>\n        <\/a>\n            <\/section>\n    \n    <section class=\"newsy-widget\">\n        \n                                \n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/kolumne-aus-der-mottenkiste-der-geschichte\/\">\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/foto-filharmonia-opolska-150x150.jpg\" alt=\"Vor 170 Jahren\u2026 Erinnerung an Robert Schumann\">\n                            <\/div>\n            <div class=\"newsy-card-text\">\n            \t\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Aus der Mottenkiste der Geschichte<\/span>\n                                      \t\n            \t\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Vor 170 Jahren\u2026 Erinnerung an Robert Schumann<\/h3>\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\n            <\/div>\n        <\/a>\n            <\/section>\n    \n<p>Krzysztof \u015awierc nannte es \u201e<a href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/des-schicksals-ironische-fuegung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">des Schicksals ironische F\u00fcgung<\/a>\u201c, dass \u201epolnische und deutsche Soldaten Seite an Seite\u201c Befestigungen an der Ostgrenze Polens errichteten. Ich hingegen sage: \u201eNichts Neues unter der Sonne.\u201c B\u00fcndnisse zwischen polnischen und deutschen Herrschern haben Europa manchmal gerettet. Schlie\u00dflich bekam K\u00f6nig Johann III. Sobieski Gelegenheit zum Dank und zog 1683 zum Entsatz Kaiser Leopolds I. vor Wien \u2013 doch das ist schon eine andere Geschichte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 26. September 1656 standen die Truppen des Gro\u00dfkronmarschalls Jerzy Lubomirski vor den Toren Krakaus, um die einstige Hauptstadt zur\u00fcckzuerobern. 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