{"id":86350,"date":"2026-09-21T05:00:59","date_gmt":"2026-09-21T03:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=86350"},"modified":"2026-09-19T16:08:10","modified_gmt":"2026-09-19T14:08:10","slug":"nachbarschaft-verpflichtet-der-schlesier-in-warschau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/nachbarschaft-verpflichtet-der-schlesier-in-warschau\/","title":{"rendered":"Der Schlesier in Warschau"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gedrungene Gestalt, Zwicker, Gehrock und darin unz\u00e4hlige Skizzenb\u00fccher und Bleistifte. Der in Breslau geborene Adolph Menzel (1815\u20131905) z\u00e4hlt zu den bedeutendsten deutschen Malern und Zeichnern. Mit seinen vielfach reproduzierten Werken pr\u00e4gte er die deutsche Wahrnehmung zweier historischer Umbr\u00fcche.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der erste ist die friderizianische Epoche, der er zahlreiche Werke widmete: von Zeichnungen der Soldaten und ihres K\u00f6nigs in popul\u00e4ren Alben bis zu gro\u00dfformatigen Gem\u00e4lden wie dem \u201eFl\u00f6tenkonzert in Sanssouci\u201c. Der zweite ist der Wandel Deutschlands durch die industrielle Revolution. Das Gem\u00e4lde \u201eEisenwalzwerk\u201c, das eine Anlage in K\u00f6nigsh\u00fctte (dem heutigen Chorz\u00f3w) zeigt, ist noch immer eine beliebte Illustration in B\u00fcchern \u00fcber das neunzehnte Jahrhundert. Diese beiden ikonischen Werke werden wir auf der Warschauer Ausstellung \u201eAdolph Menzel. Der unerm\u00fcdliche Beobachter\u201c im Nationalmuseum nicht sehen. Wir k\u00f6nnen jedoch verfolgen, wie sich die Interessen des K\u00fcnstlers entwickelten und sein handwerkliches K\u00f6nnen reifte, damit diese Gem\u00e4lde \u00fcberhaupt entstehen konnten. Bei dieser Gelegenheit lohnt es sich auch, \u00fcber die verschlungenen und gef\u00e4hrlichen Wege nachzudenken, die Kunstwerke zur\u00fccklegten, besonders in den 1940er Jahren.<\/p>\n<div id=\"attachment_86361\" style=\"width: 826px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-86361\" class=\"size-large wp-image-86361\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/adolph-menzel-fotoquelle-muzeum-816x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"816\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/adolph-menzel-fotoquelle-muzeum-816x1024.jpg 816w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/adolph-menzel-fotoquelle-muzeum-239x300.jpg 239w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/adolph-menzel-fotoquelle-muzeum-768x964.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/adolph-menzel-fotoquelle-muzeum-1224x1536.jpg 1224w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/adolph-menzel-fotoquelle-muzeum-1632x2048.jpg 1632w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/adolph-menzel-fotoquelle-muzeum-scaled.jpg 2040w\" sizes=\"auto, (max-width: 816px) 100vw, 816px\" \/><p id=\"caption-attachment-86361\" class=\"wp-caption-text\">Rudolf Schulte im Hofe, \u201ePortrait von Adolph Menzla\u201d, 1899<br \/>Quelle: Nationalmuseum in Warschau<\/p><\/div>\n<p>Der K\u00fcnstler verlie\u00df Schlesien zwar fr\u00fch, kehrte in seinem Schaffen aber immer wieder dorthin zur\u00fcck. Die in Warschau gezeigten Werke liefern daf\u00fcr reichlich Belege, auch wenn ein Teil davon nur sehr aufmerksamen Besuchern auffallen d\u00fcrfte \u2013 in den begleitenden Beschriftungen wird dies n\u00e4mlich nicht hervorgehoben. Nehmen wir nur die Lithografie aus dem bekannten Album \u201eDenkw\u00fcrdigkeiten aus Brandenburg und Preu\u00dfen\u201c. Sie geh\u00f6rt nat\u00fcrlich zum Zyklus \u00fcber die Befreiungskriege (wie es dort hei\u00dft, die napoleonischen Kriege). Vielleicht w\u00e4re es aber der Erg\u00e4nzung wert, dass wir hier den Auszug der Freiwilligen im Jahr 1813 vom Breslauer Ring sehen \u2013 und dass diese Stadt in diesem Moment das Zentrum der patriotischen Erhebung in Preu\u00dfen war? An anderer Stelle sto\u00dfen wir auf kleine Skizzenbuchseiten mit Studien von Frauenk\u00f6pfen in T\u00fcchern und Hauben. Der K\u00fcnstler notierte am Rand, dass es sich um Schlesierinnen aus Neisse handle \u2013 was leider nicht in die Beschriftungen \u00fcbernommen wurde \u2026<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDer K\u00fcnstler verlie\u00df Schlesien zwar fr\u00fch, kehrte in seinem Schaffen aber immer wieder dorthin zur\u00fcck.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Es gibt auch Polonica. Ein interessantes Beispiel f\u00fcr die Interessen des K\u00fcnstlers wie auch f\u00fcr die unterschiedlichen Auftr\u00e4ge, die in seinem Atelier eingingen, ist eine Illustration zu Gedichten Adam Mickiewiczs in deutscher Sprache, auf der um einen Leierspieler herum die von seinem Lied heraufbeschworenen Gestalten erscheinen, darunter Konrad Wallenrod. So griff also dieser Bewunderer des Alten Fritz, der den K\u00f6nig in unz\u00e4hligen Darstellungen und Situationen zeigte, in seinem Werk auch solche Motive auf \u2026 Nota bene: W\u00fcrde eine solche H\u00e4ufung von Darstellungen des Teilers Polens auf einer Ausstellung in Breslau nicht vielleicht heiligen Zorn in den sogenannten Internetdebatten wecken?<\/p>\n    <section class=\"newsy-widget\">\n        \n                                \n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/auch-das-vergessen-gehoert-zur-europaeischen-geschichte\/\">\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/26-08-31-weimar-mickiewicz-fuernberg025-150x150.jpg\" alt=\"Auch das Vergessen geh\u00f6rt zur europ\u00e4ischen Geschichte\">\n                            <\/div>\n            <div class=\"newsy-card-text\">\n            \t\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Nachbarschaft verpflichtet<\/span>\n                                      \t\n            \t\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Auch das Vergessen geh\u00f6rt zur europ\u00e4ischen Geschichte<\/h3>\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\n            <\/div>\n        <\/a>\n            <\/section>\n    \n    <section class=\"newsy-widget\">\n        \n                                \n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/nachbarschaft-verpflichtet-das-berghaus-in-kreisau-mehr-als-eine-neue-ausstellung\/\">\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Krzyzowa_K-Ruchniewicz_03-150x150.png\" alt=\"Das Berghaus in Kreisau \u2013 mehr als eine neue Ausstellung\">\n                            <\/div>\n            <div class=\"newsy-card-text\">\n            \t\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Nachbarschaft verpflichtet<\/span>\n                                      \t\n            \t\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Das Berghaus in Kreisau \u2013 mehr als eine neue Ausstellung<\/h3>\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\n            <\/div>\n        <\/a>\n            <\/section>\n    \n<p>Ein besonders beachtenswerter Abschnitt der Ausstellung ist das Schicksal der Menzel-Werke aus den Sammlungen des Schlesischen Museums der Bildenden K\u00fcnste in Breslau. Die Kuratoren zeigen an diesem Beispiel nicht nur, welche Folgen der letzte Krieg f\u00fcr das Museumswesen hatte, sondern auch, was Provenienzforschung eigentlich bedeutet. Erinnert wird an die Umst\u00e4nde der \u00dcbernahme der Sammlungen der aufgel\u00f6sten Breslauer Institution. Sie wurden nicht nur Eigentum des polnischen Staates (wie das gesamte Verm\u00f6gen in den angegliederten Gebieten), sondern zu einem gro\u00dfen Teil auch aus Breslau abtransportiert \u2013 zusammen mit Hunderten anderer, nicht selten bedeutender Werke. Dies f\u00fchrte zur Zersprengung historischer Sammlungen ebenso wie zur Verarmung der Kulturlandschaft der schlesischen Hauptstadt (Ich erinnere mich hier an die vor vielen Jahren von der Breslauer Redaktion der \u201eGazeta Wyborcza\u201c gestartete Kampagne unter dem Titel \u201eGebt zur\u00fcck, was uns geh\u00f6rt\u201c, die damals bei manchen \u2026 in Warschau \u2026 als emp\u00f6rend empfunden wurde).<\/p>\n<div id=\"attachment_86363\" style=\"width: 2058px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-86363\" class=\"size-full wp-image-86363\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/vernissage1.jpg\" alt=\"\" width=\"2048\" height=\"1365\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/vernissage1.jpg 2048w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/vernissage1-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/vernissage1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/vernissage1-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/vernissage1-1536x1024.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><p id=\"caption-attachment-86363\" class=\"wp-caption-text\">Die Ausstellung ist noch bis Mitte Dezember zu sehen.<br \/>Foto: Nationalmuseum In Warschau\/Bartosz Bajerski<\/p><\/div>\n<p>Nach dem Besuch der Menzel-Ausstellung (ge\u00f6ffnet bis Mitte Dezember) lohnt sich also auch ein Blick in die Galerie mittelalterlicher Kunst im Erdgeschoss. Dort erwartet uns die ewig sanft l\u00e4chelnde gotische Sch\u00f6ne Madonna, die bis 1945 in Breslau zu sehen war.<\/p>\n    <div class=\"osoba-widget\">\n                    <h4 class=\"osoba-naglowek\">\u00dcber den Autor<\/h4>\n                <div class=\"osoba-body\">\n            <div class=\"osoba-text\"><p>\nProf. Dr. Krzysztof Ruchniewicz ist Historiker und Professor an der Universit\u00e4t Breslau. Seit April 2026 ist er zudem als DAAD-Gastprofessor an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum t\u00e4tig. Bis 2024 leitete er das Willy-Brandt-Zentrum f\u00fcr Deutschland- und Europastudien der Universit\u00e4t Breslau; in den Jahren 2024\/2025 war er Beauftragter des polnischen Au\u00dfenministers f\u00fcr die deutsch-polnische Zusammenarbeit. Er ist Autor zahlreicher Publikationen zur deutschen Geschichte sowie zu den polnisch-deutschen Beziehungen mit einem Schwerpunkt auf dem 20. und fr\u00fchen 21. Jahrhundert.<br \/>\nF\u00fcr unsere Zeitung verfasst er seit Anfang 2026 regelm\u00e4\u00dfig die politische Kolumne \u201eNachbarschaft verpflichtet\u201c, in der er sich mit den deutsch-polnischen Beziehungen auseinandersetzt.<\/p>\n<\/div>\n                        <div class=\"osoba-image\">\n                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Krzysztof-Ruchniewicz_af.png\" alt=\"\u00dcber den Autor\">\n                            <\/div>\n                    <\/div>\n    <\/div>\n    \n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gedrungene Gestalt, Zwicker, Gehrock und darin unz\u00e4hlige Skizzenb\u00fccher und Bleistifte. Der in Breslau geborene Adolph Menzel (1815\u20131905) z\u00e4hlt zu den bedeutendsten deutschen Malern und Zeichnern. 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