{"id":85852,"date":"2026-09-09T17:00:11","date_gmt":"2026-09-09T15:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=85852"},"modified":"2026-09-09T16:29:48","modified_gmt":"2026-09-09T14:29:48","slug":"ende-des-koenigreichs-ungarn-vor-500-jahren-es-brauchte-nur-90-minuten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/ende-des-koenigreichs-ungarn-vor-500-jahren-es-brauchte-nur-90-minuten\/","title":{"rendered":"Es brauchte nur 90 Minuten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vor 500 Jahren h\u00f6rte das K\u00f6nigreich Ungarn in nicht einmal 90 Minuten auf zu existieren, und Europa ver\u00e4nderte sich f\u00fcr Hunderte von Jahren\u2026 Sultan S\u00fcleyman der Pr\u00e4chtige nutzte einen g\u00fcnstigen Moment f\u00fcr die Invasion. Die christliche Welt war gespalten, und Ungarn selbst war von inneren Konflikten zerr\u00fcttet. Die Truppen des Sultans griffen die christlichen Enklaven an den s\u00fcdlichen Ufern der Donau in Serbien und Bosnien an. Am 29.08.1521 fiel die Festung von Belgrad. Das n\u00e4chste Ziel war Ungarn.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In Ungarn und B\u00f6hmen herrschte damals Ludwig II. Jagiello. Es sei daran erinnert, dass die Jagiellonen und die Habsburger einen Vertrag geschlossen hatten, wonach Ferdinand I. (Enkel des Kaisers) Anna Jagiellonica, die Schwester von K\u00f6nig Ludwig II., heiratete, welcher zuvor vom Kaiser adoptiert und zum Generalvikar des Reiches erhoben worden war. Dies bedeutete, dass Kaiser Maximilian I. ihn zum Nachfolger gesalbt hatte. Die jagiellonisch-habsburgischen Beziehungen wurden 1522 durch die Heirat Ludwigs II. mit der Enkelin des Kaisers, Maria von Habsburg, besiegelt, die die Schwester des r\u00f6mischen Kaisers und gleichzeitig K\u00f6nigs von Spanien, Karl V., war.<\/p>\n<p>In Rom nahm man die Anzeichen der drohenden Gefahr ernst. Clemens VII., aus dem florentinischen Geschlecht der Medici stammend, forderte im November 1525 erneut zur Hilfe f\u00fcr Ungarn auf und berief Anfang Februar 1526 das Kardinalskollegium ein, wobei er die Vertreter der christlichen F\u00fcrsten empfing. Der Papst bem\u00fchte sich auch direkt beim neuen Kaiser Karl V. und beim K\u00f6nig von Frankreich um Hilfe im Kampf gegen die T\u00fcrken. Um Mittel f\u00fcr den Krieg zu beschaffen, besteuerte der Heilige Vater die kirchlichen Pfr\u00fcnden und erlaubte den Verkauf von Kircheng\u00fctern.<\/p>\n<blockquote><p>Am 29.08.1526 wurde auf den Ebenen bei Moh\u00e1cs die entscheidende Schlacht geschlagen, in der die ungarischen Truppen ohne jegliche Hilfe im Zusammensto\u00df mit den \u00fcberlegenen Streitkr\u00e4ften des Sultans eine v\u00f6llige Niederlage erlitten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der apostolische Nuntius Giovanni Antonio da Burgio reiste nach Ungarn und informierte am 04.03.1526 den K\u00f6nig und den Rat \u00fcber die p\u00e4pstlichen Bem\u00fchungen. Vor Ort fand er eine hoffnungslose Situation vor. Niemand aus den Reihen der M\u00e4chtigen beeilte sich, Truppen aufzustellen. Der Nuntius schrieb am 25.04.1526 in einem Brief an den Papst, dass dieses Land als verloren betrachtet werden m\u00fcsse: \u201eEs fehlt an allem, was f\u00fcr die Kriegsf\u00fchrung notwendig ist. Unter den St\u00e4nden herrschen Hass und Neid.\u201c Der Nuntius unterst\u00fctzte Erzbischof Paul Tomori, dem die Verteidigung der Festung von Petrovaradin anvertraut worden war, und stattete ihn mit f\u00fcnfhundert Soldaten, zweihundert Husaren und drei\u00dfig Kanonen aus.<\/p>\n<p>Die Truppen des Sultans brachen im April 1526 von Konstantinopel nach Ungarn auf. Erst am 20.07.1526 begaben sich die Truppen Ludwigs II. von Ofen (heute Budapest) in den Kampf gegen die T\u00fcrken. Am 27.07.1526 eroberten die T\u00fcrken Petrovaradin, wobei die Besatzung, die zur H\u00e4lfte aus vom Papst bezahlten Truppen bestand, fiel.<\/p>\n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/kolumne-aus-der-mottenkiste-der-geschichte\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/foto-filharmonia-opolska-150x150.jpg\" alt=\"Vor 170 Jahren\u2026 Erinnerung an Robert Schumann\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Aus der Mottenkiste der Geschichte<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Vor 170 Jahren\u2026 Erinnerung an Robert Schumann<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/aus-der-mottenkiste-der-geschichte-unzerstoerbare-denkmaeler-der-deutschen-sprache-im-polnischen\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_5942-scaled-e1781270688612-150x150.jpeg\" alt=\"Unzerst\u00f6rbare Denkm\u00e4ler der deutschen Sprache im Polnischen\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Aus der Mottenkiste der Geschichte<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Unzerst\u00f6rbare Denkm\u00e4ler der deutschen Sprache im Polnischen<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n<p>Am 29.08.1526 wiederum wurde auf den Ebenen bei Moh\u00e1cs die entscheidende Schlacht geschlagen, in der die ungarischen Truppen ohne jegliche Hilfe im Zusammensto\u00df mit den \u00fcberlegenen Streitkr\u00e4ften S\u00fcleymans des Pr\u00e4chtigen eine v\u00f6llige Niederlage erlitten. Auf dem Schlachtfeld fielen: der zwanzigj\u00e4hrige Ludwig II., der Primas von Ungarn und Erzbischof Paul Tomori selbst, f\u00fcnf Bisch\u00f6fe sowie viele W\u00fcrdentr\u00e4ger, Magnaten und 15.000 Soldaten. Vor dem Zelt des Sultans wurden 2.000 K\u00f6pfe aufgespie\u00dft, als Zeichen des Sieges.<\/p>\n<p>Der in Speyer tagende Reichstag war mit religi\u00f6sen Fragen und dem Bauernkrieg besch\u00e4ftigt. Ferdinand I. gelang es schlie\u00dflich, nach weitreichenden Zugest\u00e4ndnissen die Zustimmung der den Protestantismus unterst\u00fctzenden F\u00fcrsten zur Anwerbung von 24.000 Soldaten zu erhalten. Das war am 27.08.1526. Zwei Tage sp\u00e4ter hatte dies keine Bedeutung mehr, und zwei Jahre sp\u00e4ter belagerten die Truppen S\u00fcleymans des Pr\u00e4chtigen erstmals Wien \u2013 aber das ist eine andere Geschichte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 500 Jahren h\u00f6rte das K\u00f6nigreich Ungarn in nicht einmal 90 Minuten auf zu existieren, und Europa ver\u00e4nderte sich f\u00fcr Hunderte von Jahren\u2026 Sultan S\u00fcleyman der Pr\u00e4chtige nutzte einen g\u00fcnstigen Moment f\u00fcr die Invasion. Die christliche Welt war gespalten, und Ungarn selbst war von inneren Konflikten zerr\u00fcttet. 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