{"id":85312,"date":"2026-08-31T05:00:31","date_gmt":"2026-08-31T03:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=85312"},"modified":"2026-08-28T20:00:40","modified_gmt":"2026-08-28T18:00:40","slug":"des-schicksals-ironische-fuegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/des-schicksals-ironische-fuegung\/","title":{"rendered":"Des Schicksals ironische F\u00fcgung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mehr als acht Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind eine enorme Zeitspanne, und dennoch sind die Nachkriegswunden und Traumata sowohl in der polnischen als auch in der deutschen Gesellschaft noch immer nicht verheilt. Dies geschieht, obwohl in den vergangenen 80 Jahren, besonders nach 1990, auf beiden Seiten der Oder gro\u00dfe Anstrengungen in den Vers\u00f6hnungsprozess investiert wurden. Leider wurden diese Bem\u00fchungen oft zunichtegemacht, nicht selten absichtlich und mit Vorsatz.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Deshalb musste der Aufbau guter polnisch-deutscher Beziehungen immer wieder von Neuem begonnen werden. So auch jetzt, wo die B\u00fcrgerkoalition (KO) am Ruder ist und nach acht Jahren PiS-Regierung die Beziehungen zwischen beiden V\u00f6lkern neu aufbauen muss. Das ist nicht einfach. Denn die PiS hat in ihrer Regierungszeit viel daf\u00fcr getan, jegliches gute Wort \u00fcber Deutschland und die Deutschen unter den Polinnen und Polen zu begraben. Daher steht au\u00dfer Frage, dass dies eine \u00e4u\u00dferst schwierige Aufgabe ist \u2013 manche behaupten sogar, es sei eine \u201eMission Impossible\u201c. Aber \u2026 es gibt keinen anderen Weg.<\/p>\n<p>Beide L\u00e4nder und V\u00f6lker sind aufeinander angewiesen. Um sich gut zu entwickeln, sich gegenseitig zu erg\u00e4nzen und zu unterst\u00fctzen, m\u00fcssen sie einen roten Faden der Verst\u00e4ndigung finden und ihn weiterentwickeln. Nicht nur aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden, die bis 2020 noch Priorit\u00e4t gehabt h\u00e4tten, sondern auch in Sicherheitsfragen. Heute, in Zeiten der russischen Aggression gegen die Ukraine und der immer noch aus Moskau kommenden Drohungen gegen andere europ\u00e4ische Staaten, wird genau diese Sicherheit zur begehrtesten Ware. Besonders f\u00fcr Polen, das direkt an Russland, die Ukraine, den engen Verb\u00fcndeten Moskaus \u2013 Belarus \u2013 und an Litauen grenzt, das sich ebenfalls angesichts der aggressiven Politik der \u201eHardliner im Kreml\u201c nicht sicher f\u00fchlt. Polen allein scheint dem \u201erussischen B\u00e4ren\u201c schutzlos ausgeliefert, aber im B\u00fcndnis mit anderen Nachbarn ist das nicht der Fall. Vor allem, wenn das m\u00e4chtigste EU-Land, Deutschland, Polen zu Hilfe kommt.<\/p>\n<blockquote><p>Beide L\u00e4nder und V\u00f6lker sind aufeinander angewiesen, deshalb m\u00fcssen sie einen roten Faden der Verst\u00e4ndigung finden und ihn weiterentwickeln.<\/p><\/blockquote>\n<p>Manche m\u00f6gen dies eine ironische F\u00fcgung des Schicksals nennen, aber die Wahrheit ist, dass es heute Berlin am meisten daran liegt, dass in Polen Frieden herrscht. Vielleicht, weil dies auch ein Garant f\u00fcr den Frieden in Deutschland ist. Beide Regierungen denken ebenso und haben in Sicherheitsfragen begonnen, zusammenzuarbeiten. Eine der ersten positiven Auswirkungen sind etwa 40 Bundeswehrsoldaten, die Polen seit Juli dieses Jahres bei der Sicherung der \u00f6stlichen NATO-Au\u00dfengrenze unterst\u00fctzen. Konkret geht es um eine Operation im Nordosten Polens, die auch abschreckend wirken soll. Dort sichern deutsche und polnische Soldaten gemeinsam die Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad, indem sie unter anderem Panzerabwehrgr\u00e4ben und andere Sperren errichten.<\/p>\n<div id=\"attachment_85315\" style=\"width: 970px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-85315\" class=\"size-full wp-image-85315\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Generalmajor_Tilo_Maedler.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"640\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Generalmajor_Tilo_Maedler.jpg 960w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Generalmajor_Tilo_Maedler-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Generalmajor_Tilo_Maedler-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><p id=\"caption-attachment-85315\" class=\"wp-caption-text\">Generalmajor Tilo Maedler.<br \/>Foto: PIZ OFK\/Wikipedia<\/p><\/div>\n<p>Warum bauen polnische und deutsche Soldaten Seite an Seite an solchen Befestigungen an diesem Ort in Polen? Um feindliche Aktivit\u00e4ten des aggressiven Nachbarn zu erschweren und eine abschreckende Funktion zu erf\u00fcllen: \u201eSollen sie uns sehen \u2013 dann wissen sie gleich, mit wem sie es zu tun haben. Das dient auch der Abschreckung\u201c, sagte der deutsche Generalmajor Tilo Maedler mit Blick auf Russland. Dem sei hinzugef\u00fcgt, dass die gemeinsame Operation als Zeichen gegenseitiger Solidarit\u00e4t durchgef\u00fchrt wird und die Deutschen an Polens Ostgrenze sind, um das Territorium des B\u00fcndnisses zu verteidigen.<\/p>\n<p>Es ist au\u00dferdem zu betonen, dass Polen bis Ende dieses Jahres zus\u00e4tzlich rund 250 Kilometer seiner Ost- und Nordgrenze sichern will. Geplant sind auch Befestigungen und elektronische \u00dcberwachungssysteme. F\u00fcr seine Verteidigungsinvestitionen erh\u00e4lt Polen zudem umfangreiche Mittel aus dem EU-Instrument SAFE. Im Mai 2026 erhielt Polen eine erste Zahlung von rund 6,56 Milliarden Euro; insgesamt kann das Land im Rahmen von SAFE Darlehen von bis zu rund 43,7 Milliarden Euro erhalten. Zusammenfassend: Die polnisch-russische Grenze zur Exklave Kaliningrad ist mehr als 230 Kilometer lang, die Grenze zu Belarus rund 400 Kilometer. Man sollte auch bedenken, dass in Kaliningrad unter anderem russische Kurzstreckenraketen des Typs Iskander stationiert sind, die mit nuklearen Sprengk\u00f6pfen best\u00fcckt werden k\u00f6nnen. Wie man sieht, ist dies ein gef\u00e4hrlicher Punkt an der polnischen Grenze \u2013 aber mit Deutschland ist es sicherer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als acht Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind eine enorme Zeitspanne, und dennoch sind die Nachkriegswunden und Traumata sowohl in der polnischen als auch in der deutschen Gesellschaft noch immer nicht verheilt. 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