{"id":85118,"date":"2026-08-26T05:00:04","date_gmt":"2026-08-26T03:00:04","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=85118"},"modified":"2026-08-25T13:01:11","modified_gmt":"2026-08-25T11:01:11","slug":"wer-entschaedigt-uns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wer-entschaedigt-uns\/","title":{"rendered":"Johannes Kwapis: \u201eWer entsch\u00e4digt uns?\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eReisen bildet.\u201c Podr\u00f3\u017ce kszta\u0142c\u0105 (\u201eaber nur die Gebildeten\u201c \u2013 Jacek Walkiewicz)<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Vor einem Monat war ich in Hurghada. Einen Tag nach mir kam eine Gruppe von Touristen aus Polen ins Hotel, ein Rentnerverein aus Tschenstochau, wie ich sp\u00e4ter erfahren habe.<\/p>\n<p>Nach dem Abendessen sa\u00dfen wir drau\u00dfen mit Blick auf das Meer beim Sonnenuntergang und bei angenehmen Temperaturen. Wir kamen ins Gespr\u00e4ch. Ich erz\u00e4hlte, dass ich ca. 30 km von Tschenstochau entfernt geboren wurde und bis zu meiner Ausreise nach Deutschland im Jahr 1978 dort gelebt habe.<\/p>\n<p>Sie lobten mich f\u00fcr meine polnischen Sprachkenntnisse. Sie hatten gedacht, dass ich Pole bin. Fast jeder aus der Gruppe hatte einen Verwandten oder Bekannten, der in Deutschland oder einem anderen europ\u00e4ischen Land lebt oder gearbeitet hat.<\/p>\n<p>Die Stimmung war ausgelassen, bis eine Dame aus der Gesellschaft auf das Thema Reparationszahlungen Deutschlands an Polen zu sprechen kam. Die 75 Jahre alte Dame war in Tschenstochau eine leitende Laborangestellte. Die Stimmung wurde gereizt. Sie meinte lautstark, dass Deutschland jedem polnischen B\u00fcrger eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr den Zweiten Weltkrieg zahlen solle. Die Stimmung wurde leicht aggressiv und deutschlandfeindlich. Die meisten teilten ihre Meinung. F\u00fcr eine sachliche Debatte war da kein Platz. Ich sagte dazu gar nichts. <em>Nec Hercules contra plures.<\/em><\/p>\n<p>Seit dem letzten Krieg sind 81 Jahre vergangen. In mehreren Vertr\u00e4gen zwischen den beiden L\u00e4ndern wurden gegenseitige Reparationsanspr\u00fcche als erledigt betrachtet. Die Sowjetunion und Polen haben bereits im Jahr 1953 auf weitere Reparationsforderungen verzichtet, und Polen hat die Wirksamkeit des Verzichts sp\u00e4ter mehrfach best\u00e4tigt (Warschauer Vertrag 1970, Zwei-plus-Vier-Vertrag 1990).<\/p>\n<p>Jetzt werden wieder, befeuert von der PiS-Partei, Forderungen in H\u00f6he von 1,3 Billionen Z\u0142oty an Deutschland gestellt.<\/p>\n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/kommentar-reaktionen-auf-terroranschlag-berlin\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/marek-studzinski-Fn1Cl_48Hcc-unsplash-150x150.jpg\" alt=\"Wem sei Dank?\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Kommentar von Krzysztof \u015awierc<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Wem sei Dank?<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/hetze-nicht-gegen-den-nachbarn\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/sikorski-z-wadepuhlem1-150x150.jpg\" alt=\"Hetze nicht gegen den Nachbarn\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Kommentar von Krzysztof \u015awierc<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Hetze nicht gegen den Nachbarn<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n<p>Die populistische und nachbarfeindliche Politik erinnert mich an die deutsch-franz\u00f6sischen Beziehungen, die jahrhundertelang von Kriegen, territorialen Forderungen und Schuldzuweisungen gepr\u00e4gt waren und in die Geschichte eingingen. Frankreich und Deutschland wurden als Erzfeinde bezeichnet, bis 1963 zwei kluge Staatsm\u00e4nner, Charles de Gaulle und Konrad Adenauer, im \u00c9lys\u00e9e-Vertrag einen Schlussstrich unter die alten Feindschaften zogen. Sie wagten einen ehrlichen politischen Neuanfang, von dem bis heute beide Seiten profitieren.<\/p>\n<p>Man kann nicht nach 81 Jahren st\u00e4ndig von Kollektivschuld sprechen, st\u00e4ndig neue Forderungen stellen und das Thema politisch befeuern.<\/p>\n<p>Ich bin 1955 in Schlesien geboren. Bis 1978 habe ich dort (gezwungenerma\u00dfen) gelebt. Was haben ich, meine Kinder und meine Enkel mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun? Sollen wir, die Nachkriegsgenerationen, die \u201eReparationen\u201c bezahlen?<\/p>\n<p>Mein Gro\u00dfvater wurde nach den \u201eSchlesischen Aufst\u00e4nden\u201c und der Zuerkennung des Kreises Lublinitz an Polen, ohne seine Adresse zu \u00e4ndern, zu einem Ausl\u00e4nder im eigenen Land. Das geschah trotz der gewonnenen Volksabstimmung f\u00fcr die Deutschen. Er wurde von den Aufst\u00e4ndischen verfolgt und bedroht.<\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er mit seinem Bruder und seiner damals 21 Jahre alten Tochter (meiner Mutter) bereits im M\u00e4rz 1945 in Lubliniec inhaftiert. Von dort wurden sie in das Straflager in Myslowice deportiert und meine Mutter anschlie\u00dfend weiter in das Arbeitslager Sosnowiec.<\/p>\n<p>In der Zeit, in der mein Gro\u00dfvater im Lager war, vertrieben die polnischen Polizisten meine Oma mit drei kleinen Kindern aus ihrem Haus. Meinen Opa hat man enteignet. Nach der R\u00fcckkehr aus Myslowice lebte er mit seiner Frau und seinen Kindern im Wald. Die Schikanen gingen noch weiter, doch nach Deutschland durften sie nicht ausreisen.<\/p>\n<p>Mein Vater hatte in seiner Arbeit keine Aufstiegsm\u00f6glichkeiten und bekam keine Pr\u00e4mien, weil er es wagte, einen Antrag auf Ausreise aus Polen zu stellen. Als meine Eltern schon alt waren, kam nach ca. 30 Jahren Bem\u00fchungen die Zusage zur Ausreise. Danke, wie g\u00fctig.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich wurde in der 11. Klasse vom Gymnasium entlassen und zweimal von der Arbeit entlassen. Meiner Familie und mir wurde Unrecht getan, und ich, meine Kinder und Enkelkinder sollen Reparationen an Polen zahlen. Wer entsch\u00e4digt uns f\u00fcr das, was uns angetan wurde?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Johannes Kwapis<br \/>\nGarbsen 2026<\/strong><\/em><\/p>\n<h2><strong>Einladung zum Zeitzeugentreffen in Oppeln<\/strong><\/h2>\n<p>M\u00f6chten Sie mehr \u00fcber diese \u201eetwas andere Familiengeschichte\u201c erfahren und mit dem Autor pers\u00f6nlich ins Gespr\u00e4ch kommen? Im Rahmen der Reihe <strong>\u201eTradition im Dialog\u201c<\/strong> spricht Johannes Kwapis \u00fcber seine Familiengeschichte.<\/p>\n<p><strong>Johannes Kwapis zu Gast in Oppeln<\/strong><\/p>\n<p>Johannes Kwapis wurde 1955 in Kosz\u0119cin (Woiwodschaft Schlesien) geboren und lebte bis zu seiner Ausreise nach Deutschland im Jahr 1978 im nahegelegenen Strzebin. Nach seiner Pensionierung widmete er sich intensiv seiner Familiengeschichte. Aus seinen tiefgreifenden Recherchen entstand das Buch:<\/p>\n<p><strong>\u201eMein Opa, mein Vater und ich\u2026 Eine etwas andere Familiengeschichte\u201c<\/strong><\/p>\n<p>In diesem Werk ordnet er seine eigenen Erinnerungen sowie die Erz\u00e4hlungen seiner Eltern und Gro\u00dfeltern ein, um ein St\u00fcck schlesischer Identit\u00e4t und Geschichte festzuhalten.<\/p>\n<p><strong>Das Gespr\u00e4ch<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Autor \u00fcber Erinnerung, Familiengeschichten und die Entdeckung der eigenen Wurzeln spricht <strong>Monika Wittek<\/strong>. Sie ist seit vielen Jahren in der deutschen Minderheit in Polen aktiv und Vorsitzende des DFK-Ortsvereins in Zelasno bei Oppeln.<\/p>\n<p><strong>Wann und wo?<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Datum:<\/strong> Mittwoch, 02.09.2026<\/li>\n<li><strong>Uhrzeit:<\/strong> 11:00 Uhr<\/li>\n<li><strong>Ort:<\/strong> Dokumentations- und Ausstellungszentrum der Deutschen in Polen (WBP), ul. Szpitalna 11, Opole (Oppeln)<\/li>\n<li><strong>Eintritt:<\/strong> frei (um Anmeldung wird gebeten unter <a href=\"mailto:cdwbp@cdwbp.opole.pl\">cdwbp@cdwbp.opole.pl<\/a> oder Tel. 77 407 50 12)<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-85119\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Tradycja-w-dialogu_-wystawa-rozmowa-spotkanie-strona-www-1024x759-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"759\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Tradycja-w-dialogu_-wystawa-rozmowa-spotkanie-strona-www-1024x759-1.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Tradycja-w-dialogu_-wystawa-rozmowa-spotkanie-strona-www-1024x759-1-300x222.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Tradycja-w-dialogu_-wystawa-rozmowa-spotkanie-strona-www-1024x759-1-768x569.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eReisen bildet.\u201c Podr\u00f3\u017ce kszta\u0142c\u0105 (\u201eaber nur die Gebildeten\u201c \u2013 Jacek Walkiewicz)<\/p>\n","protected":false},"author":318,"featured_media":85128,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4224,9480],"tags":[9914,9915,6954,6996],"redaktor":[6056],"class_list":["post-85118","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte-de","category-menschen","tag-johannes-kwapis","tag-reisebericht","tag-vertreibung-de","tag-zeitzeugen-de","redaktor-neues-wochenblatt-pl-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85118","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/318"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=85118"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85118\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":85134,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85118\/revisions\/85134"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/85128"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=85118"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=85118"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=85118"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=85118"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}