{"id":84736,"date":"2026-08-18T05:00:34","date_gmt":"2026-08-18T03:00:34","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=84736"},"modified":"2026-08-17T22:16:50","modified_gmt":"2026-08-17T20:16:50","slug":"neue-oppelner-konsulin-marlen-sulzer-die-deutsche-minderheit-ist-gelebtes-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/neue-oppelner-konsulin-marlen-sulzer-die-deutsche-minderheit-ist-gelebtes-europa\/","title":{"rendered":"Neue Oppelner Konsulin: \u201eDie deutsche Minderheit ist gelebtes Europa.\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seit Juli ist Marlen Sulzer deutsche Konsulin in Oppeln. In dieser Funktion ist sie auch Ansprechpartnerin f\u00fcr die deutsche Minderheit in der Region und in Polen. Im Gespr\u00e4ch mit Mauro Oliveira spricht sie \u00fcber ihre ersten Eindr\u00fccke, ihre Aufgaben und dar\u00fcber, warum Oppeln f\u00fcr sie ein Wunschposten ist.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Frau Konsulin, Sie sind seit Juli in Oppeln. Gibt es etwas, das Sie in den ersten Wochen \u00fcberrascht hat?<\/h3>\n<p>Ich habe mich nat\u00fcrlich vorher informiert: Was ist Oppeln, was ist meine Aufgabe hier? Aber als ich das erste Mal hier war, war ich erst einmal \u00fcberrascht von der Sch\u00f6nheit dieser Stadt. Die Stadt ist wunderbar gepflegt. Den historischen Bauten sieht man die Geschichte an, aber nicht das Alter.<\/p>\n<h3>Sie haben Oppeln als Ihren Wunschposten bezeichnet \u2026<\/h3>\n<p>Es ist aus vielerlei Gr\u00fcnden ein Wunschposten. Ich war immer sehr interessiert daran, in Polen zu arbeiten. Mich interessiert aber das Miteinander der deutschen und polnischen Kultur angesichts unserer schwierigen gemeinsamen Geschichte. Nach allem, was ich geh\u00f6rt hatte, hat sich dieses Zusammenleben immer weiter zum Positiven entwickelt. Das wollte ich erleben.<\/p>\n<h3>Gab es in den ersten Tagen ein Erlebnis, das Sie besonders bewegt hat?<\/h3>\n<p>Als ich herkam, durfte ich zum ersten Mal auch an einer Gedenkfeier teilnehmen, an einer Feier zur Ehrung der Aufst\u00e4ndischen in Warschau. Ich war mir aber auch nicht sicher, ob ich mit den Anwesenden ins Gespr\u00e4ch kommen w\u00fcrde. Denn die Rolle, die Deutschland w\u00e4hrend des Warschauer Aufstandes spielte, ist mir nat\u00fcrlich vollkommen bewusst. Aber meine Sorge war unbegr\u00fcndet: Jeder hat mit mir gesprochen, jeder hat mich willkommen gehei\u00dfen.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie Sprachbarriere hindert uns, noch weiter zusammenzuwachsen. Sie muss weg, sie muss wirklich weg \u2013 und daran wollen wir arbeiten.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich hatte die Gelegenheit, mit der 101-j\u00e4hrigen Zeitzeugin Helena Kamerska zu sprechen. Ich habe sie auch gefragt, ob sie eine Botschaft h\u00e4tte, die ich mit nach Deutschland nehmen k\u00f6nnte. Und Frau Kamerska sagte mir schlicht: \u201eLernt euch kennen und lernt voneinander. Dann m\u00fcsst ihr keine Angst haben um die Zukunft.\u201c<\/p>\n<h3>Sie haben im Fernsehen bereits Polnisch gesprochen. Wie lange hatten Sie Zeit, sich sprachlich vorzubereiten?<\/h3>\n<p>Im Ausw\u00e4rtigen Amt hat uns der Sprachendienst schon nach der Wende 1991 ermuntert, Polnisch zu lernen. Ich hatte mein B\u00fcro direkt neben dem Sprachendienst \u2013 das war ein gro\u00dfes Gl\u00fcck. So habe ich meine ersten Gehversuche in der polnischen Sprache schon 1991 gemacht.<\/p>\n<h3>Sie waren unter anderem in Almaty oder Ankara und zuletzt London eingesetzt. Gibt es eine Station, die Sie besonders gepr\u00e4gt hat?<\/h3>\n<p>Was alle Posten gemeinsam hatten und was mich beeindruckt hat, war die Faszination der Menschen f\u00fcr unser Europa. Ganz egal, ob es Kasachstan, die T\u00fcrkei oder Gro\u00dfbritannien war.<\/p>\n<p>Die Menschen waren immer Europa zugewandt und fasziniert. In manchen L\u00e4ndern war es auch sehr wichtig, dass es hier Rechtssicherheit gibt.<\/p>\n<h3>Und jetzt sind Sie in Polen, das ist mitten in Europa. Was sind hier Ihre Aufgaben?<\/h3>\n<p>Zu unseren wichtigsten Aufgaben geh\u00f6rt die konsularische Betreuung der deutschen Minderheit. Wir wollen die kulturelle F\u00f6rderung der deutschen Minderheit unterst\u00fctzen. Und wir stehen f\u00fcr Fragen der deutschen Minderheit in allen Bereichen gerne zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<div id=\"attachment_84753\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-84753\" class=\"size-large wp-image-84753\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Konsulin-Marlen-Sulzer_dko-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Konsulin-Marlen-Sulzer_dko-1024x576.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Konsulin-Marlen-Sulzer_dko-300x169.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Konsulin-Marlen-Sulzer_dko-768x432.png 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Konsulin-Marlen-Sulzer_dko-1536x864.png 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Konsulin-Marlen-Sulzer_dko.png 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-84753\" class=\"wp-caption-text\">\u201eEuropa ist hier, genau hier\u201c: F\u00fcr Konsulin Marlen Sulzer zeigt sich in Oppeln, wie europ\u00e4isches Zusammenleben funktionieren kann.<br \/>Foto: Deutsches Konsulat Oppeln<\/p><\/div>\n<p>Ich habe in meinem Gru\u00dfwort auf der Webseite auch gesagt, dass wir f\u00fcr Ideen immer ansprechbar sind. Und meine pers\u00f6nliche Aufgabe ist es, so viele Menschen wie m\u00f6glich hier kennenzulernen, ihre Eindr\u00fccke zu sammeln, sie weiterzugeben und damit die Partnerschaft in diesen sich schnell wandelnden Zeiten zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<h3>Sind Sie schon mit Mitgliedern der deutschen Minderheit in Kontakt gekommen?<\/h3>\n<p>Ja, ich habe fast jeden Tag Mitglieder der deutschen Minderheit getroffen \u2013 auch im Konsulat, wo einige Kollegen mit ihren Familien in der Minderheit verwurzelt sind. Wir sprechen oft dar\u00fcber, wie es der deutschen Minderheit heute geht und wie es ihr in der Vergangenheit ergangen ist.<\/p>\n<p>Was mir aufgefallen ist, ist, dass die Familien hier sehr geschichtsbewusst sind, dass man in den Generationen sich viel erz\u00e4hlt \u00fcber die Vergangenheit. Und gleichzeitig sind die jungen Leute sehr zukunftsgewandt. Das gibt es in Deutschland nicht so oft.<\/p>\n<h3>Welche Bedeutung hat, aus Ihrer Sicht, die deutsche Minderheit f\u00fcr die Region?<\/h3>\n<p>Die deutsche Minderheit ist gelebtes Europa. Ich habe zuvor einmal gesagt, Oppeln ist Europa unter der Lupe. Das ist so. Europa findet nicht nur statt in Paris, in Berlin oder in Warschau. Europa ist hier, genau hier.<\/p>\n<p>Wie wir Europa leben wollen, das entscheiden wir selbst. Oppeln hat einen Weg gefunden, Europa zu leben, indem es die deutsche Minderheit vollst\u00e4ndig integriert und f\u00f6rdert. Die deutsche Minderheit wird nicht nur von deutscher Seite, sondern auch von der polnischen Seite gef\u00f6rdert. Das ist ein Muster, ein Muster f\u00fcr Europa.<\/p>\n<h3>Dieses Jahr feiern wir auch das 35-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags. Wo sehen Sie noch ungenutztes Potenzial f\u00fcr die deutsch-polnischen Beziehungen?<\/h3>\n<p>Der 35. Jahrestag ist ein Meilenstein. Ich w\u00fcrde mir sehr w\u00fcnschen, dass wir diesen Meilenstein nutzen, um zun\u00e4chst zu sehen, was wir alles erreicht haben. Wir haben heute ein anderes Selbstverst\u00e4ndnis von unserem Zusammenleben.<\/p>\n<p>In der Zukunft gibt es nat\u00fcrlich die Herausforderungen beider L\u00e4nder, die uns gemeinsam betreffen. Ich m\u00f6chte beispielhaft nennen: Verteidigung und Zivilschutz.<\/p>\n<h3>Der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag war auch f\u00fcr die deutsche Minderheit in Polen bedeutend. Aus Sicht der Minderheit gibt es aber noch Bereiche, in denen Entwicklungspotenzial besteht \u2013 etwa bei der Sprachf\u00f6rderung.<\/h3>\n<p>Diese Themen werde ich ansprechen, den Input der Beteiligten sammeln und nach Berlin kommunizieren. Das muss ich aber konkret mit den Beteiligten besprechen. Ich bin hier, um zuzuh\u00f6ren.<\/p>\n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/schlesische-kommunalpolitiker-wollen-neuen-umgang-mit-dem-kulturerbe-anstossen\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/ADL4271-150x150.jpg\" alt=\"Schlesische Regionalpolitiker wollen neuen Umgang mit dem Kulturerbe ansto\u00dfen\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Internationale Debatte<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Schlesische Regionalpolitiker wollen neuen Umgang mit dem Kulturerbe ansto\u00dfen<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/zweisprachige-schule-in-goslawitz-bewirbt-sich-um-dsd-zertifizierung\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/DSC_2125-scaled-e1782998901663-150x150.jpg\" alt=\"Zweisprachige Schule in Goslawitz bewirbt sich um DSD-Zertifizierung\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Ausgezeichnet Deutsch lernen<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Zweisprachige Schule in Goslawitz bewirbt sich um DSD-Zertifizierung<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n<p>Sprache zu f\u00f6rdern ist wahrscheinlich der wichtigste Pfeiler der deutschen Kulturpolitik. Ich muss Ihnen aber auch sagen, die Deutschen sollen sich anstrengen, Polnisch zu lernen. Da sehe ich mich selbst in der Pflicht, ich sehe uns alle in der Pflicht. Die Sprachbarriere hindert uns, noch weiter zusammenzuwachsen. Sie muss weg, sie muss wirklich weg \u2013 und daran wollen wir arbeiten.<\/p>\n<p>Meine Aufgabe ist nat\u00fcrlich die F\u00f6rderung der deutschen Sprache hier.<\/p>\n<h3>Im kulturellen Bereich hat Ihr Vorg\u00e4nger Peter Herr musikalische Akzente gesetzt, zum Beispiel mit einem Marlene-Dietrich-Konzert, aber auch mit einer Techno-Party, die er in Oppeln veranstaltet hat. Wird es dieses Jahr wieder eine Techno-Party geben?<\/h3>\n<p>Warum nicht? Wir wollen uns kulturell breit aufstellen, da wir m\u00f6glichst viele Menschen hier erreichen wollen.<\/p>\n<p>Marlene Dietrich und ihre Chansons sind nat\u00fcrlich wieder ein ganz anderes Genre. Ich finde das gro\u00dfartig, dass alles hier solchen Anklang findet. Das spricht auch f\u00fcr die Vielfalt, die in Oppeln gelebt wird.<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich w\u00fcrde mich sehr freuen, wenn polnische und deutsche K\u00fcnstler mal zusammen auftreten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Juli ist Marlen Sulzer deutsche Konsulin in Oppeln. In dieser Funktion ist sie auch Ansprechpartnerin f\u00fcr die deutsche Minderheit in der Region und in Polen. Im Gespr\u00e4ch mit Mauro Oliveira spricht sie \u00fcber ihre ersten Eindr\u00fccke, ihre Aufgaben und dar\u00fcber, warum Oppeln f\u00fcr sie ein Wunschposten ist.<\/p>\n","protected":false},"author":295,"featured_media":84750,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4232],"tags":[6140,6362,6368,9829,6369,9825,6474,9826],"redaktor":[6098],"class_list":["post-84736","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik-de","tag-deutsch-polnische-beziehungen-de","tag-deutsch-polnischer-nachbarschaftsvertrag-de","tag-deutsche-minderheit-in-polen-de","tag-deutsches-konsulat-in-oppeln-de","tag-interview-de","tag-marlen-sulzer","tag-oppeln-de","tag-sprachbarriere","redaktor-mauro-oliveira-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84736","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/295"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=84736"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84736\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":84756,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84736\/revisions\/84756"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/84750"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=84736"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=84736"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=84736"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=84736"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}