{"id":84446,"date":"2026-08-11T18:00:45","date_gmt":"2026-08-11T16:00:45","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=84446"},"modified":"2026-08-11T17:44:41","modified_gmt":"2026-08-11T15:44:41","slug":"wallfahrt-nach-albendorf-2026-wenn-in-albendorf-die-geschichte-lebendig-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wallfahrt-nach-albendorf-2026-wenn-in-albendorf-die-geschichte-lebendig-wird\/","title":{"rendered":"Wenn in Albendorf die Geschichte lebendig wird"},"content":{"rendered":"<p><strong>Albendorf (Wambierzyce).\u00a0Es ist ein Ort, der atmet \u2013 Geschichte, Glaube und eine tiefe Verbundenheit zur niederschlesischen Heimat. Am Sonntag, dem 9. August 2026, f\u00fcllte sich die prachtvolle Basilika \u201eMari\u00e4 Heimsuchung\u201c in Albendorf erneut mit Pilgern, die weit mehr als nur ein Gebet im Gep\u00e4ck hatten. Unter ihnen: Leopold Stempowski und der Chor \u201eFreundschaft\u201c der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft (DSKG) Waldenburg, f\u00fcr die dieser Weg eine Herzensangelegenheit ist.<\/strong><!--more--><\/p>\n<h2><strong>Eine Br\u00fccke \u00fcber achtzig Jahre<\/strong><\/h2>\n<p>F\u00fcr Leopold Stempowski ist die Wallfahrt nach Albendorf ein fester Ankerpunkt im Jahr. \u201eEs macht uns erstens eine sehr gro\u00dfe Freude, zweitens ist es eine weitere F\u00fchrung der Geschichte\u201c, erkl\u00e4rt er. Besonders bewegend ist die famili\u00e4re Kontinuit\u00e4t: Seine Mutter, Doris Stempowski, ist bereits seit mindestens 70 bis 80 Jahren als Pilgerin dabei. Schon als Kind, noch w\u00e4hrend der Kriegszeit, kam sie hierher.<\/p>\n<p>Diese Tradition \u00fcberdauerte den Krieg, die harten Nachkriegsjahre und fand nach 1989 eine neue Form in der Arbeit der deutschen Minderheit. Der Chor der DSKG Waldenburg \u201eFreundschaft\u201c, 1992 gegr\u00fcndet, ist heute die musikalische Seele dieser Wallfahrt. \u201eWir machen das sehr, sehr gerne\u201c, so Leopold. \u201eAuf diese Messe wird das ganze Jahr \u00fcber gewartet.\u201c<\/p>\n<h2><strong>Musikalische Gebete: Von Mozart bis Reimann<\/strong><\/h2>\n<p>Die musikalische Gestaltung lag in den H\u00e4nden des Chores \u201eFreundschaft\u201c. Trotz der Abwesenheit ihrer Dirigentin lieferte der Chor eine beeindruckende Leistung ab. Begleitet wurden sie auch von Karolina \u015awierczek und ihrem Vater Waldemar \u015awierczek vom DFK Schlesien. Die Vorbereitung war dabei so spontan wie herzlich: \u201eSie kamen mit dem Bus aus Ratibor, haben hinten in der Kirche schnell die Orgel aufgebaut und wir haben noch einmal alles durchgesungen\u201c, berichtet Stempowski.<\/p>\n<div id=\"attachment_84447\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-84447\" class=\"size-large wp-image-84447\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Chor-1024x473.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"473\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Chor-1024x473.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Chor-300x139.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Chor-768x355.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Chor-1536x709.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Chor.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-84447\" class=\"wp-caption-text\">Mit Herz und Stimme: Der Chor \u201aFreundschaft\u2019 der DSKG Waldenburg bei der musikalischen Gestaltung der Wallfahrtsmesse. Begleitet wurden sie von Waldemar \u015awierczek (hinten links) vom DFK Schlesien. Foto: VdG<\/p><\/div>\n<p>Das Programm war eine sorgf\u00e4ltige Auswahl geistlicher Werke:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Er\u00f6ffnung:<\/strong>\u00a0\u201eEs bl\u00fcht der Blumen eine\u201c<\/li>\n<li><strong>H\u00f6hepunkte:<\/strong>\u00a0Das \u201eAve Maria\u201c von Ignaz Reimann sowie das zeitlose \u201eDona Nobis Pacem\u201c.<\/li>\n<li><strong>Kommunion:<\/strong>\u00a0Mozarts \u201eAve Verum\u201c und das \u201eAve Maria\u201c (Gounod\/Bach).<\/li>\n<li><strong>Abschluss:<\/strong>\u00a0Das kraftvolle \u201eJesus, dir lebe ich\u201c.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Besondere Bedeutung kam dem\u00a0\u201eDona nobis pacem\u201c\u00a0(Gib uns Frieden) zu. Dieser dreistimmige Kanon, dessen Melodie \u00fcber Generationen m\u00fcndlich \u00fcberliefert wurde, ist weit mehr als ein Kirchenlied. Als Ruf nach Frieden war er besonders w\u00e4hrend der Zeit der deutschen Wiedervereinigung ein wichtiges Symbol und passte perfekt in die feierliche Atmosph\u00e4re der Basilika.<\/p>\n<h2><strong>Ein Kind der Heimat: Bischof Joachim Reinelt<\/strong><\/h2>\n<p>Die feierliche Messe wurde in Konzelebration von , Pfarrer Daniel Nowak und dem emeritierten Bischof von Dresden-Mei\u00dfen, Joachim Reinelt, zelebriert.<\/p>\n<div id=\"attachment_84449\" style=\"width: 483px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-84449\" class=\"size-large wp-image-84449\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/pfarrer-473x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"473\" height=\"1024\" \/><p id=\"caption-attachment-84449\" class=\"wp-caption-text\">Feierliche Konzelebration: In der Mitte der emeritierte Bischof von Dresden-Mei\u00dfen, Joachim Reinelt, der in Niederschlesien geboren wurde, gemeinsam mit Pater Marian Arnd und Pfarrer Daniel Nowak.<br \/>Foto: VdG<\/p><\/div>\n<p>F\u00fcr Bischof Reinelt war die Wallfahrt auch eine R\u00fcckkehr zu seinen Wurzeln: Er wurde 1936 in Neurode (Nowa Ruda) in Niederschlesien geboren. Nach der Vertreibung 1945 wurde er in Sachsen zu einer wichtigen Stimme der Kirche und sp\u00e4ter als \u201eWegbereiter der Freiheit\u201c im Herbst 1989 mit der S\u00e4chsischen Verfassungsmedaille geehrt. Seine Anwesenheit unterstrich die tiefe Verbindung zwischen den Menschen in Sachsen und ihrer schlesischen Ur-Heimat.<\/p>\n<blockquote><p>Die Wallfahrt 2026 war mehr als ein religi\u00f6ses Ritual. Sie war ein Fest der Begegnung, bei dem die Gl\u00e4ubigen zeigten, dass Heimat kein Ort der Vergangenheit ist, sondern ein Lied, das man gemeinsam in die Zukunft tr\u00e4gt.<\/p><\/blockquote>\n<h2><strong>Ignaz Reimann: Der Genius loci von Albendorf<\/strong><\/h2>\n<p>Ein Name fiel an diesem Tag immer wieder:\u00a0Ignaz Reimann\u00a0(1820\u20131885). Er ist der wohl ber\u00fchmteste Sohn Albendorfs. Direkt gegen\u00fcber der Basilika steht sein Geburtshaus, an dem eine Messingtafel an den gro\u00dfen Kirchenmusiker erinnert.<\/p>\n<div id=\"attachment_84452\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-84452\" class=\"size-large wp-image-84452\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/oltary-1024x473.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"473\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/oltary-1024x473.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/oltary-300x139.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/oltary-768x355.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/oltary-1536x709.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/oltary.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-84452\" class=\"wp-caption-text\">Ein Ort voller Geschichte: Die Pilger in der Basilika Mari\u00e4 Heimsuchung.<br \/>Foto: VdG<\/p><\/div>\n<p>Reimann war ein Ph\u00e4nomen seiner Zeit. Bereits mit zehn Jahren vertrat er seinen Lehrer an der Orgel. In seinem sp\u00e4teren Wirken als Kantor in Rengersdorf schuf er \u00fcber 800 Kompositionen. Sein Ziel war es, \u201esingbare\u201c Werke zu schaffen, die eine Br\u00fccke zwischen der hohen Kunst und der Volkst\u00fcmlichkeit schlugen.<\/p>\n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/oberschlesier-pilgerten-zum-72-mal-nach-altoetting\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/040df37b-bf78-40d3-a1c7-3cb29b616a4b-150x150.jpg\" alt=\"Oberschlesier pilgerten zum 72. Mal nach Alt\u00f6tting\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Heimat im Herzen<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Oberschlesier pilgerten zum 72. Mal nach Alt\u00f6tting<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/nationale-und-ethnische-minderheiten-auf-dem-st-annaberg-eine-wallfahrt-die-generationen-und-nationen-verbindet\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_3859-scaled-e1780929114916-150x150.jpeg\" alt=\"Eine Wallfahrt, die Generationen und Nationen verbindet\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Nationale und ethnische Minderheiten auf dem St. Annaberg<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Eine Wallfahrt, die Generationen und Nationen verbindet<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n<p>Sein bekanntestes Werk ist die Christkindlmesse (Pastoralmesse in C-Dur), die bis heute weltweit zur Weihnachtszeit erklingt. Dass der Chor \u201eFreundschaft\u201c sein \u201eAve Maria\u201c genau an seinem Geburtsort sang, verlieh der Wallfahrt eine ganz besondere Note. Das Erbe Reimanns wird zudem seit 2002 durch ein eigenes internationales Ignatz-Reimann-Festival in Albendorf gepflegt (Mi\u0119dzynarodowy Festiwal im. Ignaza Reimanna) das Ch\u00f6re aus Polen, Deutschland und Tschechien vereint.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Albendorf (Wambierzyce).\u00a0Es ist ein Ort, der atmet \u2013 Geschichte, Glaube und eine tiefe Verbundenheit zur niederschlesischen Heimat. Am Sonntag, dem 9. August 2026, f\u00fcllte sich die prachtvolle Basilika \u201eMari\u00e4 Heimsuchung\u201c in Albendorf erneut mit Pilgern, die weit mehr als nur ein Gebet im Gep\u00e4ck hatten. 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