{"id":84287,"date":"2019-06-04T13:14:29","date_gmt":"2019-06-04T11:14:29","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=84287"},"modified":"2026-08-07T14:23:42","modified_gmt":"2026-08-07T12:23:42","slug":"sankt-anna-voll-der-gnade","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/sankt-anna-voll-der-gnade\/","title":{"rendered":"Sankt Anna voll der Gnade"},"content":{"rendered":"<p><strong>Viele wollten sie, anderen waren sie ein Dorn im Auge: die Messen in deutscher Sprache. Vor 30 Jahren, am 4. Juni 1989, wurde in der Basilika auf dem Sankt Annaberg die erste heilige Messe in deutscher Sprache nach 1945 gefeiert. Ein Ereignis, das Geschichte geschrieben hat. F\u00fcr die Deutschen in Polen ein Zeichen der Freiheit, der Beginn eines neuen Lebensabschnittes. <\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ab 1945 gibt es in Polen offiziell keine Deutschen, alle wurden ausgesiedelt, so hei\u00dft es, oder haben die polnische Nationalit\u00e4t angenommen. Doch dem ist nicht so. Viele Menschen sehnen sich danach, die deutsche Sprache, wie einst in den Kidnertagen, auch au\u00dferhalb von zu Hause zu benutzen. Rosemarie Migas aus Annaberg war zur politischen Wende 1989 Mitte 20 und hat sich mit anderen Bewohnern aus dem Dorf f\u00fcr die Messen in Deutsch eingesetzt: \u201eSchon ab 1988 sind wir vier oder f\u00fcnf Mal bei Pater Teofil (dem damaligen Guardian des Franziskanerklosters auf dem st. Annaberg \u2013 Anm. d. Red.) gewesen und haben ihm davon erz\u00e4hlt, dass wir Schlesier die deutschen Messen einfach brauchen. Vor dem Krieg war es auch zweisprachig hier und wir wollten auch Gottesdienste in unserer Muttersprache erleben k\u00f6nnen\u201c, erinnert sich Migas.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Abendbrot mit Papst Johannes Paul II.<\/h2>\n<p>Viele Gl\u00e4ubige haben immer \u00f6fter ihren Wunsch deutlich ausgedr\u00fcckt. Der Weg f\u00fcr die deutschsprachigen Messen wurde frei, als Papst Johannes Paul II. f\u00fcr den 1. Januar 1989 die Friedensbotschaft verfasste. Darin forderte er mehr Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr Minderheiten, die der Papst als Weg zum Frieden bezeichnete.<\/p>\n<p>Eine wichtige Rolle spielte der Einsatz des Oppelner Bischofs Alfons Nossol. Als der Papst die Fiedensbotschaft verfasst hat, war Alfons Nossol gerade in Rom. \u201eJohannes Paul II hat mich zum Abendbrot eingladen und ich sollte ihm offen und ehrlich die Meinung zu der Friedensbotschaft sagen. Das habe ich auch getan und sagte: Sie ist einmalig und daf\u00fcr will ich Ihnen gleich einleitetnd danken. Nur, wenn Sie erlauben, bei uns, in unserer Di\u00f6zese Oppeln wird es nicht so einfach sein, denn die gr\u00f6\u00dfte Minderheit ist eben die Deutsche Midnerheit, insofern wird es nicht so ohne weiteres hingenommen, sagte ich dem Papst. Er antwortete darauf, dass ich mich ruhig auf seine Friedensbotschaft berufen soll. Wir Geistlichen sind dazu da, um den Menschen zu dienen und unser Papst hat uns nicht nur dazu erm\u00e4chtigt, sondern quasi gehei\u00dfen\u201c, erinert sich Erzbischof Nossol.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2><strong>Tr\u00e4nen flossen auf die Gebetsb\u00fccher<\/strong><\/h2>\n<p>Dank der Bem\u00fchungen der Gl\u00e4ubigen und der Unterst\u00fctzung des Oppelner Bischofs Alfons Nossol hat es geklappt. Von den Kanzeln der Kirchen wird die Bekanntmachung gelesen, dass am vierten Juni auf dem Sankt Annaberg eine Messe in der Sprache des Herzens gefeiert wird. Zahlreiche Gl\u00e4ubige begaben sich auf den Annaberg, unter ihnen Johannes Ziegler aus Raschowa bei Leschnitz: \u201eDas hat sich so herumgesprochen, wenn wir uns getroffen haben. Wir sind gleich nach dem Mittagessen hierher gekommen, ich kam mit zwei Freunden. Ich hatte Gl\u00fcck, dass ich in die Kirche hineinkam, denn viele haben nicht reingepasst und standen drau\u00dfen\u201c, erinert sich Johannes Ziegler. Nach langem, 44-j\u00e4hrigem Verbot die deutsche Sprache in Schlesien \u00f6ffentlich zu benutzen, war es f\u00fcr viele die erste M\u00f6glichkeit deutsch au\u00dferhalb von zu Hause zu sprechen: \u201eDamals war das wirklich ein Ereignis, nach so vielen Jahren. Die Menschen hatten alte Gebetsb\u00fccher, und beim Singen und Beten haben sie geweint. Die Tr\u00e4nen flossen auf die Gebetsb\u00fccher, das kann man sich nicht vorstellen\u201c, sagt Ziegler sichtlich ger\u00fchrt.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Schlesien Journal 04 06 2019\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/6xpK8dc-rsU?start=12&amp;feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><strong>Parteis\u00e4kret\u00e4r <\/strong><\/h2>\n<p>Nachdem die ersten Hieligen Messen in deutsch stattgefunden haben, musste Alfons Nossol vor dem ersten Parteisekr\u00e4t Andrzej \u017babi\u0144ski Rede und Antwort stehen. \u201eEr sagte mir, dass es doch sp\u00e4ter passieren k\u00f6nne, nicht jetzt gleich. Ich habe mich, so wie es mir Johannes Paul II. gesagt hat, auf seine Friedensbotschaft berufen, die gerade jetzt erschienen ist, und ich wolle, dass auch wir im Lande unseres Papstes uns freuen k\u00f6nnen, dass wir es hochzusch\u00e4tzen wissen, wie stark uns der Heilige Vater entgegengekommen ist\u201c, erinnert sich Erzbischof Nossol.<br \/>\nAngst vor den Konsequenzen hatte Rosemarie Migas damals nicht: \u201eIch war vielleicht zu jung, um Angst zu haben. Wenn mir jemand sagte, wir m\u00fcssen aufpassen, dann war ich immer der Meinung, dass wir endlich das haben, was wir immer wollten, und wir haben unser Land nicht verlassen, wir sind deutsche Schlesier und wollen das pflegen, was auch andere in eigener Sprache pflegen k\u00f6nnen. Damals dachte ich: endlich! Ich bin, wer ich bin, warum soll ich das verstecken?\u201c, so die Bewohnerin von Sankt Annaberg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Nachlass<\/h2>\n<p>F\u00fcr Viele war und ist der Annaberg ein besonderer Ort. Vor dem Krieg wurden hier Messen in Deutsch, Polnisch und Tschechisch gefeiert. Die Deutschen pilgerten mehrmals im Jahr zu der Heiligen Anna und beteten da in ihrer Sprache. So auch Christiane Polanski aus Gogolin, die als kleines M\u00e4dchen zu Fu\u00df von Gogolin Richtung Annaberg gepilgert ist. Nach 1945 wurde die Deutsche Sprache und so auch das Beten in der Sprache des Herzenz verboten. Erst seit 1989 wurde es wieder m\u00f6glich. Christiane Polanski erinnert sich, wie die Heilige Messe in Deutscher Sprache auch in Gogolin Einzug fand: \u201eZuerst haben unsere Einwohner, u.a. der Gr\u00fcnder der Organsiation der Deutschen Minderheit, Johann Kroll, mit den Franziskanern auf dem Snakt Annaberg gesprochen, ob die M\u00f6glichkeit best\u00fcnde, dass der Pater auch bei uns in Gogolin eine Deutsche Messe feiert. Und es hat geklappt. Das war ein gro\u00dfes Opfer seitens der Engagierten, denn der Pater musste schon um sieben Uhr bei uns in Gogolin die Messe halten. Sp\u00e4ter hat unser Pfarrer Sydor die Messe in Deutsch am Sonntag gefeiert\u201c, freut sich Christiane Polanski, die sowohl die Sonntagsmesse um sieben Uhr in Gogolin als auch die Mai- und Rosenkranzandachten und Kreuzwege in Deutsch, die immer am Mittwoch gefeiert werden, gerne besucht.<\/p>\n<p>Bis heute werden vielerorts deutsche Messen gefeiert. In der Basilika auf dem Sankt Annaberg wird jeden Sonntag eine Heilige Messe in deutscher Sprache um 15:30 Uhr gehalten. Das ist immer noch die Sonntagsmesse von Rosemarie Migas \u201eWie damals, vor 30 Jahren, so erlebe ich auch heute jeden Sonntag die Messe in Deutsch in der Basilika. Ich singe gerne deutsche Messlieder. Damals, 1989, als wir angefangen haben \u201eSankt Anna voll der Gnade\u201c zu singen, hab ich geweint, ich war so stolz.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele wollten sie, anderen waren sie ein Dorn im Auge: die Messen in deutscher Sprache. Vor 30 Jahren, am 4. 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