{"id":83438,"date":"2026-07-27T17:00:57","date_gmt":"2026-07-27T15:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=83438"},"modified":"2026-07-27T16:44:59","modified_gmt":"2026-07-27T14:44:59","slug":"teil-3-erwachsenwerden-in-polen-und-der-weg-zur-versoehnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/teil-3-erwachsenwerden-in-polen-und-der-weg-zur-versoehnung\/","title":{"rendered":"Teil 3: Erwachsenwerden in Polen und der Weg zur Vers\u00f6hnung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Daraufhin hat mein Gro\u00dfvater geantwortet: \u201eBis er zur Schule kommt, ist es lange wieder Deutsch.\u201c Das war ein Irrtum. So und so \u00e4hnlich haben damals viele Schlesier gedacht. Drei Monate vor der Einschulung kam ich in den Kindergarten, um Polnisch zu lernen. Als Kind lernt man eine neue Sprache schnell, von da an war ich zweisprachig. Am 1. September 1948 wurde ich im Alter von 7 Jahren mit relativ guter Beherrschung der polnischen Sprache eingeschult. Da mein Vorname deutsch ist, hat man diesen in den polnischen Vornamen Miko\u0142aj (deutsch Nikolaus) ge\u00e4ndert. In allen Schulzeugnissen steht jetzt der Vorname Miko\u0142aj, gerufen wurde ich aber von allen, auch von den Lehrern, mit meinem richtigen Vornamen Klaus. Damit konnte ich gut leben. Der zugef\u00fcgte Vorname Miko\u0142aj hat mich w\u00e4hrend der Schulzeit begleitet. Als ich erwachsen war, habe ich immer meinen richtigen Vornamen Klaus angegeben und dieser wurde akzeptiert.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Das Provisorium wurde zum Dauerzustand<\/h2>\n<p>Die Deutschen in Schlesien wollten nicht wahrhaben, was schon vor Kriegsende mit den Beschl\u00fcssen einer Neuordnung der \u00f6stlichen deutschen Grenze geschehen sollte. Man hat es wohl auch gar nicht gewusst. Auf der Konferenz in Teheran haben die Hauptalliierten (Russland, England, USA) am 1. Dezember 1943 \u00fcber das milit\u00e4rische Vorgehen auf dem Kriegsschauplatz sowie \u00fcber die politische Neuordnung Europas nach einem Sieg \u00fcber das nationalsozialistische Deutschland beraten. Im Februar 1945 verst\u00e4ndigten sich die Alliierten auf der zweiten gro\u00dfen Konferenz in Jalta auf der Krim \u00fcber die Zukunft Europas. Zentrale Fragen waren die Aufteilung Deutschlands nach Kriegsende. Polen sollte in westliche Richtung verschoben werden.<\/p>\n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/teil-1-kindheit-im-wald-und-die-missglueckte-flucht\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teil-1-150x150.jpg\" alt=\"Teil 1: Kindheit im Wald und die missgl\u00fcckte Flucht\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Klaus Kawalek: Meine Flucht aus Eleonorensgr\u00fcn und die Zeit danach<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Teil 1: Kindheit im Wald und die missgl\u00fcckte Flucht<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n<p>Am 17. Juli 1945 begann die Potsdamer Konferenz. Unter vielen Themen wurde auch der Verlauf der Oder-Nei\u00dfe-Linie als Grenze zwischen Deutschland und Polen vorgeschlagen. Im Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945 hatten sich die alliierten Siegerm\u00e4chte darauf verst\u00e4ndigt, die ehemaligen deutschen Gebiete \u00f6stlich der Oder-Nei\u00dfe-Linie bis zu einer endg\u00fcltigen Festlegung der Westgrenze Polens unter polnische Verwaltung zu stellen. Dieses Provisorium wurde zum Dauerzustand. Eine endg\u00fcltige Entscheidung dar\u00fcber sollte erst in einem Friedensvertrag gef\u00e4llt werden.<\/p>\n<h2>St\u00f6rsender und die Hoffnung auf Wiedervereinigung<\/h2>\n<p>Die deutschen Familien haben Nachrichten aus Westdeutschland im Radio verfolgt. In der Sommerzeit kam der Empfang fast zum Erliegen. In der Winterzeit war der Radioempfang besser, allerdings setzte, nachdem der Nachrichtensprecher angefangen hatte, die Nachricht zu sprechen, sofort ein stark surrendes Ger\u00e4usch ein. Man konnte kaum etwas verstehen. Nachts war der Empfang besser.<\/p>\n<p>Wenn man mit dem Zug von Szyd\u0142\u00f3w\/Goldmoor nach Oppeln gefahren ist, konnte man kurz vor der Haltestelle Oppeln West die St\u00f6ranlage aus dem Zug sehen. Auf einem H\u00fcgel in Winau standen mehrere hohe Masten, dazwischen war ein Drahtgeflecht zu erkennen, das diese St\u00f6rung verursachte.<\/p>\n<div id=\"attachment_83448\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-83448\" class=\"size-large wp-image-83448\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000395-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000395-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000395-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000395-768x576.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000395-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000395-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-83448\" class=\"wp-caption-text\">Granitdenkmal in Form eines schlesischen S\u00fchnekreuzes auf dem Gel\u00e4nde der Gedenkst\u00e4tte in Lamsdorf.<br \/>Foto: Klaus Kawalek<\/p><\/div>\n<p>Wenn f\u00fcr uns eine wichtige Nachricht durchsickerte, dann tauschten sich die Nachbarn dar\u00fcber aus und oft war ich bei diesen Gespr\u00e4chen dabei. \u201eHabt ihr geh\u00f6rt\u201c, sagte der eine zum anderen: \u201eDer Adenauer hat wieder gesprochen und gesagt: ,Es muss und es wird zu einer Wiedervereinigung kommen.\u2018\u201c Er hat auch immer wieder seine Landsleute hinter der Oder-Nei\u00dfe-Linie angesprochen. Oder ein anderes Mal hat er gesagt: \u201eLiebe schlesischen Landsleute, haltet die Heimat.\u201c Diese Aufrufe haben immer wieder Hoffnung auf eine Wende aufkommen lassen.<\/p>\n<h2>Zusammenleben und das Tabu Lamsdorf<\/h2>\n<p>Der ehemalige Lagerarzt Heinz Esser hat schon 1949 seine Brosch\u00fcre \u201eDie H\u00f6lle von Lamsdorf\u201c in Westdeutschland herausgegeben. Dieses d\u00fcnne Buch mit 130 Seiten kam auf Umwegen in den 1950er Jahren nach Szyd\u0142\u00f3w\/Goldmoor. Es wanderte heimlich durch die deutschen Familien. Heimlich deswegen, weil das Thema Arbeitslager Lamsdorf ein absolutes Tabuthema war.<\/p>\n<p>Das Zusammenleben zwischen den beiden Volksgruppen, Deutschen und Polen, in Szyd\u0142\u00f3w\/Goldmoor wurde mit den Jahren immer besser. Bei uns Kindern hat die Integration relativ gut geklappt. In der Schule hatte man immer Kontakt zueinander und es gab auch keine sprachlichen Barrieren wie bei den \u00e4lteren Bewohnern. Zudem entwickelten sich auch Freundschaften zwischen den Alt- und Neub\u00fcrgern.<\/p>\n<p>Die Vertreibung und die sp\u00e4teren freiwilligen Ausreisen der Schlesier sind Ende der vierziger Jahre abrupt zur\u00fcckgegangen. Aus Szyd\u0142\u00f3w\/Goldmoor haben nur einzelne Familien nach langer Wartezeit eine Genehmigung zur Ausreise nach Deutschland erhalten. Die damalige polnische Regierung wollte die unentbehrlichen schlesischen Arbeitskr\u00e4fte nicht gehen lassen. Es wurden Handwerker, haupts\u00e4chlich im Baugewerbe, und Facharbeiter in der Industrie dringend gebraucht. Die zerst\u00f6rten St\u00e4dte und Industrieanlagen mussten wiederaufgebaut werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_83450\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-83450\" class=\"wp-image-83450 size-large\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Klaus-Kawalek-mit-Ehefrau-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Klaus-Kawalek-mit-Ehefrau-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Klaus-Kawalek-mit-Ehefrau-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Klaus-Kawalek-mit-Ehefrau-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Klaus-Kawalek-mit-Ehefrau-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Klaus-Kawalek-mit-Ehefrau-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-83450\" class=\"wp-caption-text\">Klaus Kawalek mit Ehefrau Ella zu besuch im oberschlesiem Gro\u00df Stein, 2026<br \/>Foto: Manuela Leibig<\/p><\/div>\n<p>Die Polen, welche sich in Szyd\u0142\u00f3w\/Goldmoor und in den umliegenden D\u00f6rfern im Kreis Falkenberg\/Niemodlin niedergelassen hatten, waren mehrheitlich einfache Bauern. Unter ihnen gab es auch einige Analphabeten.<\/p>\n<p>Nach Abschluss der Berufsschule habe ich Ende der f\u00fcnfziger Jahre vier Jahre bei der Post gearbeitet. Hier hatte ich bei der Auszahlung der Renten Schwierigkeiten, da der Empf\u00e4nger auf dem \u00dcberweisungstr\u00e4ger mit seiner Unterschrift den Empfang quittieren musste. Es gab einige \u00e4ltere Herrschaften, die mit drei Kreuzen unterschrieben. Ich war dann angehalten, daneben einen Passus zu schreiben, dass der Empf\u00e4nger nicht schreiben konnte (\u201eAdresat jest niepi\u015bmienny\u201c). Dann musste ich noch das Datum und meine Unterschrift daruntersetzen.<\/p>\n<h2>Der Kampf um die Identit\u00e4t<\/h2>\n<p>Im Jahr 1965 entstand das \u201eZentrale Museum der Kriegsgefangenen in Lamsdorf\/Lambinowice\u201c (Centralne Muzeum Je\u0144c\u00f3w Wojennych w \u0141ambinowicach). Es befindet sich im ehemaligen Geb\u00e4ude der Wehrmachtskommandantur, die Direktion ist in Oppeln, in der ulica Minoryt\u00f3w 3.<\/p>\n<div id=\"attachment_83259\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-83259\" class=\"size-large wp-image-83259\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teil-2-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teil-2-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teil-2-300x169.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teil-2-768x432.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teil-2-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teil-2-2048x1152.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-83259\" class=\"wp-caption-text\">Geb\u00e4ude der Wehrmachtskommandantur<br \/>Foto: Klaus Kawalek<\/p><\/div>\n<p>Mein Vorname Klaus war bei den polnischen Beh\u00f6rden immer noch ein Dorn im Auge. Als wir 1968 heiraten wollten, hatten wir im August auf dem Standesamt in Niemodlin das Aufgebot bestellt. Nach der Durchsicht unserer Dokumente sagte die Standesbeamtin, dass ich meinen Vornamen \u00e4ndern m\u00fcsste, denn mit meinem Vornamen d\u00fcrfe sie die Trauung nicht vollziehen.<\/p>\n<p>Sie legte mir eine Liste mit polnischen Vornamen vor und ich durfte mir einen aus dieser Liste aussuchen. Das habe ich nat\u00fcrlich abgelehnt. Nach vier Wochen sind wir mit zwei Zeugen zur Trauungszeremonie erschienen. Ich hatte Gl\u00fcck gehabt, denn an diesem Tag war eine andere Beamtin im Dienst und zum Thema Namens\u00e4nderung sagte diese nichts mehr.<\/p>\n<p>Nach dreimaliger Antragstellung haben wir am 27. Juni 1977 Schlesien als Sp\u00e4taussiedler in Richtung Ingolstadt verlassen. 1978 sind wir nach Hannover umgezogen und haben uns hier eine neue Existenz aufgebaut. Wir starteten fast bei null.<\/p>\n<h2>Sp\u00e4te Aufarbeitung: Schatten von Lamsdorf<\/h2>\n<p>Erst am 14. November 1990 unterzeichneten Deutschland und Polen den deutsch-polnischen Grenzvertrag. Mit diesem Vertrag legten beide Staaten die bestehende Grenze endg\u00fcltig fest. Die Geschichte des Arbeitslagers Lamsdorf war bis zur Wende 1989\/90 in Polen tabuisiert.<\/p>\n<div id=\"attachment_83272\" style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-83272\" class=\"size-large wp-image-83272\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teeil-2-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teeil-2-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teeil-2-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teeil-2-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teeil-2-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teeil-2-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><p id=\"caption-attachment-83272\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: privat<\/p><\/div>\n<p>Die Aufarbeitung vollzog sich danach \u00fcberraschend schnell. Schon im Jahr 1991 wurde ein Buch des polnischen Historikers Edmund Nowak mit dem Titel \u201eCie\u0144 \u0141ambinowic\u201c, auch in deutscher \u00dcbersetzung \u201eSchatten von Lambinowice\u201c, herausgegeben. Es war der Versuch einer Rekonstruktion der Geschichte des \u201eArbeitslagers in Lambinowice 1945\u20131946\u201c.<\/p>\n<p>Anhand der zur Verf\u00fcgung gestellten Materialien kam man zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Insassen und Opfer korrigiert werden musste. Man war der Meinung, dass die Zahlen in der deutschen Literatur viel zu hoch angesetzt worden waren. Erst nach der Wende wurde es m\u00f6glich, die dramatische Geschichte ans Licht zu bringen und der Opfer zu gedenken.<\/p>\n<div id=\"attachment_83442\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-83442\" class=\"size-large wp-image-83442\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teil-3-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><p id=\"caption-attachment-83442\" class=\"wp-caption-text\">Gedenkst\u00e4tte der Opfer des Internierungslagers in Lambinowice (1945\u20131946). Foto: Klaus Kawalek<\/p><\/div>\n<p>Auf dem Gel\u00e4nde des Arbeitslagers wurde ein Holzkreuz aufgestellt. Nachdem es mehrere Male durch Brandstiftung gesch\u00e4ndet worden war, errichtete man es anschlie\u00dfend aus Eisen.<\/p>\n<p>Die Aufarbeitung der Geschichte des Arbeitslagers und das Gedenken an die Opfer erstreckten sich \u00fcber mehrere Jahre. Sie waren mit zahlreichen Kontroversen, Streitigkeiten und \u00f6ffentlichen Debatten verbunden. Oft auch auf Initiative des Zentralen Museums der Kriegsgefangenen in Lambinowice wurde am 30. September 1995 ein Denkmal aus Granit in Form eines Schlesischen S\u00fchnekreuzes enth\u00fcllt und eingeweiht.<\/p>\n<p>In das Denkmal ist in polnischer und deutscher Sprache eingemei\u00dfelt: \u201eDeutschen und Polen, Opfern des Lagers Lambinowice aus den Jahren 1945\/46\u201c.<\/p>\n<p>Nach der Aufstellung des Schlesischen S\u00fchnekreuzes entstand die Idee zum Bau eines Friedhofes, der an die Verstorbenen erinnern sollte. Die Umsetzung des Projekts dauerte noch sieben Jahre und war ebenfalls nicht frei von Kontroversen und Streitigkeiten.<\/p>\n<p>Am 16. September 2002 fand die Er\u00f6ffnung und Einweihung des Friedhofs der Opfer des \u201eArbeitslagers Lambinowice 1945\/46\u201c statt. Die Einweihung wurde durch Erzbischof Alfons Nossol vorgenommen.<\/p>\n<p>Am Eingang zum Friedhof steht auf einer Steintafel in deutscher und polnischer Sprache:<\/p>\n<p>\u201eVergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern\u201c \u2013 \u201eOdpu\u015b\u0107 nam nasze winy, jako i my odpuszczamy naszym winowajcom\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_83444\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-83444\" class=\"size-large wp-image-83444\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000404-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000404-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000404-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000404-768x576.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000404-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000404-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-83444\" class=\"wp-caption-text\">Steintafel mit dem Vaterunser-Zitat. Foto: Klaus Kawalek<\/p><\/div>\n<h2>Suche nach Namen und Spuren<\/h2>\n<p>Auf dem Rasen stehen in Abst\u00e4nden zueinander Steinbl\u00f6cke (Feldsteine), jeder f\u00fcr einen Ort mit Ortsnamen in deutscher und polnischer Sprache. Auf der linken Seite neben dem Kreuz befinden sich Steintafeln aus Marmor mit den Namen der Verstorbenen in alphabetischer Reihenfolge.<\/p>\n<p>Meine im Lager verstorbene Gro\u00dfmutter steht leider nicht auf diesen Tafeln.<\/p>\n<p>Im Oktober 2016 waren wir in unserer alten Heimat Szyd\u0142\u00f3w\/Goldmoor zu Besuch. Anschlie\u00dfend haben wir einen Abstecher zum Lager Lamsdorf gemacht. Zun\u00e4chst bekam ich einen Schreck: Rechts hinter dem Eingang fehlten einige Meter des Maschendrahtzauns. Durch diese \u00d6ffnung gelangten Wildschweine auf das Friedhofsgel\u00e4nde und hatten den Rasen stark durchw\u00fchlt.<\/p>\n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/teil-2-die-hoelle-von-lamsdorf-und-der-verlust-der-heimat\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1170639-150x150.jpg\" alt=\"Teil 2: Die H\u00f6lle von Lamsdorf und der Verlust der Heimat\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Klaus Kawalek: Meine Flucht aus Eleonorensgr\u00fcn und die Zeit danach<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Teil 2: Die H\u00f6lle von Lamsdorf und der Verlust der Heimat<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n<p>Hier habe ich Fotos gemacht und bin gleich nach Oppeln zur Museumsdirektion gefahren, um diesen Schaden zu melden. Im Museum hat man mich sofort zur Direktorin Frau Renate Kobylarz-Bu\u0142a weitergeleitet. Bei einer Tasse Kaffee hatten wir ein gutes, l\u00e4ngeres Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Bei dieser Gelegenheit habe ich erfahren, warum sich der Name meiner im Lager verstorbenen Gro\u00dfmutter nicht auf den Gedenktafeln befindet. Mit Geduld erkl\u00e4rte mir Frau Kobylarz-Bu\u0142a, dass nach der Wende die Lagerdokumente zur Museumsdirektion nach Oppeln gebracht wurden und ein Teil der Lagerkartei verschollen ist. Eine nachtr\u00e4gliche Erg\u00e4nzung von Namen auf der Tafel ist leider nicht mehr m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Die Arbeitsgruppe, die an dem Projekt des Friedhofs gearbeitet hatte, wurde nach Beendigung der Arbeiten aufgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Zum Abschied bekam ich als Dankesch\u00f6n f\u00fcr meine Meldung \u00fcber den zerst\u00f6rten Rasen eine zweisprachige Brosch\u00fcre und eine DVD \u00fcber das Kriegsgefangenenlager in Lamsdorf.<\/p>\n<p>Im ehemaligen Geb\u00e4ude der Wachkommandantur wurde am 3. Dezember 2013 eine Ausstellung \u00fcber die Geschichte des \u201eArbeitslagers Lambinowice 1945\/46\u201c er\u00f6ffnet.<\/p>\n<div id=\"attachment_83446\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-83446\" class=\"size-large wp-image-83446\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1-300x169.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1-768x432.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1-2048x1152.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-83446\" class=\"wp-caption-text\">Das ehemalige Wachgeb\u00e4ude (Wartownia) in Lamsdorf.<br \/>Foto: Klaus Kawalek<\/p><\/div>\n<p>In der Ausstellung sind einige Fotos und aufgeschriebene Erinnerungen ehemaliger Insassen aus dieser Zeit zu sehen. Des Weiteren kann man an einem Computer Nachforschungen anstellen: Nachdem ich meinen Namen eingegeben hatte, erschien nur der Name meines Gro\u00dfvaters mit Angaben zum Geburtsjahr, Wohnort, Datum der Inhaftierung sowie der Entlassung.<\/p>\n<p>Allerdings bestand unsere Familie nach der Inhaftierung aus f\u00fcnf Personen, somit ist die Lagerkartei sehr l\u00fcckenhaft. Daraus resultiert wohl die hohe Differenz der Angaben zwischen deutschen und polnischen Historikern. In der deutschen Literatur geht man von 9.000 Personen aus, die im Lager inhaftiert waren, w\u00e4hrend polnische Historiker von 5.000 bis 6.000 Personen ausgehen. Die Wahrheit werden wir wohl nie erfahren.<\/p>\n<p>Der Aufarbeitungsprozess scheint noch nicht abgeschlossen zu sein, denn die Ausstellung im Museum ist wegen Umbauarbeiten seit 2023 geschlossen. Wie ich auf Umwegen erfahren habe, wird an einem neuen Konzept f\u00fcr eine neue Ausstellung gearbeitet. Diese soll im Jahr 2025 wieder ge\u00f6ffnet werden.<\/p>\n<p>Es ist schon ein bedeutendes Ereignis, dass nach vielen Widrigkeiten der Friedhof und auch eine Ausstellung zum Gedenken an die Opfer des \u201eArbeitslagers Lambinowice 1945\/46\u201c geschaffen wurden. Es ist wichtig, die Erinnerungen an diese grausame Zeit f\u00fcr die n\u00e4chste Generation zu erhalten.<\/p>\n<h2>F\u00fcr eine Zukunft ohne Hass<\/h2>\n<p>Nach dem Krieg war alles Deutsche sehr verhasst. Doch seit der Wende ist das ehemals Deutsche kein Tabuthema mehr. In den polnischen Printmedien erscheinen immer wieder Berichte \u00fcber die Enkelgeneration, die sich f\u00fcr die deutsche Geschichte interessiert. Das lange vergessene deutsche Erbe wird nach und nach wiederentdeckt.<\/p>\n<p>In manchen Orten werden alte, \u00fcbermalte Schriftz\u00fcge an Hausfassaden freigelegt. Au\u00dferdem ist zu lesen, dass sich Initiativen gebildet haben, um alte deutsche Grabsteine zu restaurieren und so vor dem Verfall zu bewahren.<\/p>\n<p>Es ber\u00fchrt mich sehr, wenn ich \u00fcber solche Ereignisse in der polnischen Presse lese, denn dann werden meine Erinnerungen an den gesch\u00e4ndeten Friedhof in Szyd\u0142\u00f3w\/Goldmoor im Jahr 1945 wieder wach.<\/p>\n<p>Die Erinnerung an die Vergangenheit soll keine Wunden aufrei\u00dfen. Vielmehr ist es erfreulich, dass sich der damalige Hass ins Gegenteil gewandelt hat. W\u00fcnschenswert ist, dass die junge Generation zum Nachdenken \u00fcber die von mir geschilderten Erlebnisse angeregt wird.<\/p>\n<p>Die Auseinandersetzung mit diesen Erinnerungen soll dazu beitragen, aus der Vergangenheit f\u00fcr die Zukunft zu lernen. Wir m\u00fcssen uns f\u00fcr Freiheit und Demokratie starkmachen und hoffen, dass es niemals wieder zu solchen Ereignissen kommt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Ende der Serie<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Klaus Kawalek<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Daraufhin hat mein Gro\u00dfvater geantwortet: \u201eBis er zur Schule kommt, ist es lange wieder Deutsch.\u201c Das war ein Irrtum. So und so \u00e4hnlich haben damals viele Schlesier gedacht. Drei Monate vor der Einschulung kam ich in den Kindergarten, um Polnisch zu lernen. Als Kind lernt man eine neue Sprache schnell, von da an war ich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":83442,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4224],"tags":[6539,9571,7903,9447,5873,7840,8577,9570],"redaktor":[6056],"class_list":["post-83438","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte-de","tag-1945-de","tag-edmund-nowak","tag-erzbischof-alfons-nossol","tag-klaus-kawalek","tag-lamsdorf-de","tag-nachkriegslager-lamsdorf-de","tag-opfer-de","tag-zentrale-museum-der-kriegsgefangenen-in-lamsdorf-lambinowice","redaktor-neues-wochenblatt-pl-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/83438","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=83438"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/83438\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":83452,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/83438\/revisions\/83452"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/83442"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=83438"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=83438"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=83438"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=83438"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}