{"id":83414,"date":"2026-07-29T05:00:41","date_gmt":"2026-07-29T03:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=83414"},"modified":"2026-07-29T08:09:43","modified_gmt":"2026-07-29T06:09:43","slug":"polen-und-ukraine-der-praesidentenstreit-um-das-wolhynien-massaker-und-die-erinnerung-an-die-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/polen-und-ukraine-der-praesidentenstreit-um-das-wolhynien-massaker-und-die-erinnerung-an-die-geschichte\/","title":{"rendered":"Kann es einen Gewinn geben?"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00dcber den Konflikt zwischen zwei Pr\u00e4sidenten vor dem Hintergrund der Wolhynien-Trag\u00f6die und dessen beklagenswerte Folgen wurde wohl schon alles geschrieben und gesagt. Hat einer von ihnen vielleicht nur unbeabsichtigt einen Fehler begangen? Das glaube ich nicht. Sowohl in der Ukraine als auch in Polen haben die Pr\u00e4sidenten einen Zuwachs an \u00f6ffentlicher Zustimmung verzeichnet und ihre jeweiligen gegnerischen Lager geschw\u00e4cht. Sie haben auch eine notwendige rationale Diskussion ausgel\u00f6st, aber auch \u2026 eine Lawine.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Die \u00f6ffentliche Resonanz hat best\u00e4tigt, dass Politik keine Plattform ist, um den Lauf der Geschichte zu erkl\u00e4ren, denn Wahrheit und Sachlichkeit bedeuten hier wenig. Beide Pr\u00e4sidenten haben sich falsch verhalten. In Polen f\u00fchrt dies, zusammen mit stark zunehmenden nationalistischen Stimmungen, zu einem rasanten Anstieg der schlimmsten Instinkte. Das ist auf den Stra\u00dfen und in den Medien sichtbar. Nationalisten ist es gleichg\u00fcltig, ob sich ihre Angriffe gegen Ukrainer, Deutsche oder Migranten im Allgemeinen richten. Das Ziel ist es, Fremdenfeindlichkeit, \u00c4ngste und ein Gef\u00fchl der \u00dcberlegenheit zu n\u00e4hren. Die j\u00fcngste Zeit zeigt, dass sich immer ein Anlass findet. Stimmen, die auf den Fehler hinweisen, die Geschichte \u00fcber die Gegenwart zu stellen, und auf die moralische Unzul\u00e4ssigkeit, das Prinzip der Kollektivschuld anzuwenden und insbesondere die heutigen Gesellschaften damit zu belasten, werden von Emotionen und Feindseligkeit \u00fcbert\u00f6nt. Immer weitere Kreise erliegen den Emotionen, und Politiker, die auf die gesellschaftliche Stimmung h\u00f6ren, \u00e4ndern ihre Haltung \u2013 zumeist zum Schlechteren. Dabei sind es gerade die heutigen Ukrainer, die unvorstellbare Lasten und Leiden des Krieges tragen. Man darf sie nicht schw\u00e4chen!<\/p>\n<blockquote><p>\u201eJede Nation hat ihre Opfer und ihre Verbrecher, und Schuld sowie Heldentum sind keine Eigenschaften einer Gemeinschaft.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Lehrt dieser Konflikt etwas? Er zeigt die Falle, in die Bef\u00fcrworter der kollektiven Verherrlichung ganzer Formationen tappen. Pr\u00e4sident Selenskyj ist in sie hineingetappt, als er einer Milit\u00e4reinheit den Namen \u201eHelden der UPA\u201c gab. Damit erkannte er indirekt die gesamte UPA und all ihre Handlungen als Heldentum an. Es ist schwer, darin auch nur einen Hauch von Verurteilung der Massenverbrechen an der polnischen Bev\u00f6lkerung Wolhyniens oder ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die polnische Sensibilit\u00e4t zu erkennen. In der Folge kommt es in Polen \u2013 neben der ebenso falschen Geste von Pr\u00e4sident Nawrocki, den Orden abzuerkennen \u2013 zu einer unsensiblen Belehrung der Ukrainer. Dabei wurde eine \u00e4hnliche Falle in Polen geschaffen, als 2011 ohne Ber\u00fccksichtigung der Sensibilit\u00e4t anderer der Nationale Gedenktag der \u201eVerfluchten Soldaten\u201c eingef\u00fchrt wurde. Damals lagen gegen Romuald Rajs \u201eBury\u201c bereits die vom IPN nachgewiesenen Vorw\u00fcrfe des Nachkriegsv\u00f6lkermords an der orthodoxen Bev\u00f6lkerung Podlachiens vor. Als junger Mann, der durch die Gorce wanderte, traf ich auf alte Bergbewohner, die die Raubz\u00fcge und Morde von J\u00f3zef Kura\u015b \u201eOgie\u0144\u201c und seinen Leuten streng verurteilten.<\/p>\n<p>Die strenge moralische Verurteilung seiner Handlungen gegen\u00fcber den Slowaken in der Zips und Arwa ist bekannt. Dies sind nur zwei Beispiele von Kommandeuren aus dem Kreis der \u201everfluchten Soldaten\u201c, die verbrecherische Taten begangen haben, die durch \u201ekeinerlei Vernunft\u201c zu rechtfertigen sind (Zitat aus der Urteilsbegr\u00fcndung des Gerichts in Bia\u0142ystok). Leider waren dies nicht die einzigen F\u00e4lle. Auch in den Reihen der Heimatarmee gab es w\u00e4hrend des Krieges Soldaten, die unter dem Vorwand des Kampfes f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit der nichtpolnischen Zivilbev\u00f6lkerung Schmerz und Leid zuf\u00fcgten. Der Mord an den ukrainischen Einwohnern von Sahry\u0144 im Jahr 1944 ist heute kein Geheimnis mehr. Man darf weder das Ausma\u00df noch die Grausamkeit noch die Zahlen gleichsetzen, denn jedes unschuldige Opfer schreit zum Himmel! Man darf auch nicht nur von anderen Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen erwarten, w\u00e4hrend man selbst nur anderen Schuld zuweist und unbequeme Fakten mit gewagten Interpretationen \u00fcberdeckt. Auch in Polen werden keine Exhumierungen von Massengr\u00e4bern ziviler Opfer der Nachkriegslager f\u00fcr Deutsche durchgef\u00fchrt, das Wissen um ihre Existenz ist verschwindend gering, und in Potulitz ist sogar diese massenhafte Ruhest\u00e4tte durch die laufende Kiesausbeutung gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<div id=\"attachment_83409\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-83409\" class=\"size-large wp-image-83409\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Domostawa_-_pomnik_Rzez_Wolynska_-_2026_2-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Domostawa_-_pomnik_Rzez_Wolynska_-_2026_2-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Domostawa_-_pomnik_Rzez_Wolynska_-_2026_2-300x169.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Domostawa_-_pomnik_Rzez_Wolynska_-_2026_2-768x432.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Domostawa_-_pomnik_Rzez_Wolynska_-_2026_2-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Domostawa_-_pomnik_Rzez_Wolynska_-_2026_2-2048x1152.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-83409\" class=\"wp-caption-text\">Das Denkmal \u201eWolhynien-Massaker\u201c in Domostawa.<br \/>Foto: Wikipedia\/Zbigniew Czernik<\/p><\/div>\n<p>Der Gewinn, der aus diesem Konflikt um das historische Ged\u00e4chtnis bleiben sollte, ist ein objektiverer Blick auf die Geschichte dieses Teils Europas. Durch die Offenlegung weniger bekannter Fakten werden die Urspr\u00fcnge jenes Konflikts besser verst\u00e4ndlich \u2013 nicht um Verbrechen zu rechtfertigen, sondern um die Wahrheit zu festigen, dass die schwarz-wei\u00dfe Betrachtung der Geschichte eine Illusion ist, dass jede Nation ihre Opfer und ihre Verbrecher hat und dass Schuld und Heldentum keine Eigenschaften einer Gemeinschaft sind. Und nur dann kann man ihrer gedenken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber den Konflikt zwischen zwei Pr\u00e4sidenten vor dem Hintergrund der Wolhynien-Trag\u00f6die und dessen beklagenswerte Folgen wurde wohl schon alles geschrieben und gesagt. Hat einer von ihnen vielleicht nur unbeabsichtigt einen Fehler begangen? Das glaube ich nicht. Sowohl in der Ukraine als auch in Polen haben die Pr\u00e4sidenten einen Zuwachs an \u00f6ffentlicher Zustimmung verzeichnet und ihre [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":318,"featured_media":83412,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4580],"tags":[6879,6880,6478,6262,9563,9562],"redaktor":[6047],"class_list":["post-83414","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kolumne-de","tag-bernard-gaida-de","tag-die-gedanken-sind-frei-de","tag-geschichte-de","tag-polen-de","tag-ukraine-de","tag-wollynien","redaktor-bernard-gaida"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/83414","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/318"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=83414"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/83414\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":83653,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/83414\/revisions\/83653"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/83412"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=83414"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=83414"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=83414"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=83414"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}