{"id":83225,"date":"2026-07-23T17:00:54","date_gmt":"2026-07-23T15:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=83225"},"modified":"2026-07-23T11:33:50","modified_gmt":"2026-07-23T09:33:50","slug":"teil-2-die-hoelle-von-lamsdorf-und-der-verlust-der-heimat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/teil-2-die-hoelle-von-lamsdorf-und-der-verlust-der-heimat\/","title":{"rendered":"Teil 2: Die H\u00f6lle von Lamsdorf und der Verlust der Heimat"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Westen von Oppeln bei Neustadt schloss die Rote Armee am 18. M\u00e4rz 1945 den Kessel, somit war f\u00fcr die deutschen Truppen der Fluchtweg in Richtung Westen versperrt. Die deutschen Truppen lieferten sich erbitterte K\u00e4mpfe. Nach sowjetischen Angaben fielen zwischen Oder und Glatzer Nei\u00dfe mehr als 40.000 deutsche Soldaten, weitere 14.000 gerieten in Gefangenschaft. Am 17. und 18. M\u00e4rz 1945 erreichte die Rote Armee Lamsdorf, und die wenigen Kriegsgefangenen im Stalag 344\/Lamsdorf erlangten ihre Freiheit wieder.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Zwischen Goldmoor und Szydlow: Das Ende des Krieges<\/h2>\n<p>Am 8. Mai 1945 war der schreckliche Krieg endlich zu Ende. Das Leiden der schlesischen Zivilbev\u00f6lkerung nahm jetzt erst seinen Lauf. Die materielle Situation war dramatisch. Ein Verfall sittlicher Normen als Folge des Krieges beg\u00fcnstigte die Entstehung von R\u00e4uberbanden, die durch die Lande zogen und ihr Unwesen trieben.<\/p>\n<p>Unsere Familie zog dann in das vier Kilometer entfernte Dorf Goldmoor um. Das kleine, etwa 800 Einwohner z\u00e4hlende Dorf hatte in kurzer Zeit drei Ortsnamen: bis 1936 Schiedlow, von 1936 bis 1945 Goldmoor und ab 1945 Szydlow.<\/p>\n<p>In der abgelegenen F\u00f6rsterei im Wald wurde es f\u00fcr uns dann zu gef\u00e4hrlich. Zun\u00e4chst zogen wir in Goldmoor in eine Baracke ein, in der noch vor kurzem ein Kindergarten gewesen war \u2013 im Schrank fand ich sogar ein Glas Honig. Hier lebten wir einige Wochen. Unsere neuen Nachbarn rieten uns allerdings, in das gegen\u00fcberliegende leerstehende Haus zu ziehen, da es im Winter in der Holzbaracke zu kalt werden w\u00fcrde. Damals waren die Winter noch sehr streng.<\/p>\n<p>Mein Gro\u00dfvater wollte dies zun\u00e4chst nicht, da uns das Haus ja nicht geh\u00f6rte. Die Nachbarn versuchten ihn jedoch zu \u00fcberreden, da der Hausbesitzer noch rechtzeitig gefl\u00fcchtet sei. Er sei ein Nazi gewesen und w\u00fcrde wahrscheinlich nicht mehr zur\u00fcckkommen. Mutter und Tante dr\u00e4ngten meinen Gro\u00dfvater zum Umzug, und nach langem Hin und Her lie\u00df er sich schlie\u00dflich \u00fcberzeugen, sodass wir in das leerstehende Haus umzogen.<\/p>\n<p>Nach und nach richteten wir uns im neuen Zuhause ein und gruben die im Wald in Eleonorensgr\u00fcn vergrabenen Sachen wieder aus. Einen Teil der Gegenst\u00e4nde brachte Gro\u00dfvater nach Goldmoor, einen anderen Teil zu Bekannten nach Fr\u00fchauf zur Aufbewahrung, da er noch abwarten wollte, wie sich die Lage in n\u00e4chster Zeit entwickeln w\u00fcrde.<\/p>\n<h2>Ein chaotisches Zusammenleben und das Verbot der Muttersprache<\/h2>\n<p>Mitte Juni 1945 kamen die ersten polnischen Familien ins Dorf und besetzten die leerstehenden H\u00e4user. Schlie\u00dflich waren bis zu 40 Prozent der Einwohner Polen. Ab Mitte April 1945 \u00fcbernahm die polnische Verwaltung nach und nach die Macht im Landkreis Falkenberg, jetzt Niemodlin.<\/p>\n<p>Die Polen kamen aus dem Gebiet Wolhynien, das bis zum Kriegsende polnisches Gebiet war und heute im westlichen Teil der Ukraine liegt. Was wir damals nicht wussten, war, dass die Polen in ihrer alten Heimat viel Leid ertragen hatten. Vom 9. Februar 1943 bis zum Kriegsende wurden Massaker an der polnischen Zivilbev\u00f6lkerung durch die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und ihren milit\u00e4rischen Arm, die UPA, mit dem Ziel ethnischer S\u00e4uberungen durchgef\u00fchrt. Ann\u00e4hernd 100.000 Polen wurden auf brutale Weise von ukrainischen Nationalisten ermordet.<\/p>\n<div id=\"attachment_83248\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-83248\" class=\"size-large wp-image-83248\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000831-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000831-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000831-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000831-768x576.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000831-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000831-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-83248\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: privat<\/p><\/div>\n<p>Das Zusammenleben mit den zugezogenen Polen war in dieser Zeit sehr chaotisch. Die Polen sprachen kein Deutsch und die Deutschen kein Polnisch. Zudem war es verboten, Deutsch zu sprechen. Wer dagegen verstie\u00df, musste mit einer Strafandrohung oder Bestrafung rechnen.<\/p>\n<p>Im ersten Nachkriegsjahr wurde in der Schule in Szydlow ein Polnischkurs f\u00fcr Erwachsene eingerichtet. Meine Mutter und meine Tante nahmen ebenfalls daran teil. In der Schule schrieben sie polnische Vokabeln in ihre Hefte, um sie anschlie\u00dfend zu Hause zu lernen. Da man damals nicht an einen dauerhaften Zustand glaubte, fehlte die Motivation, Polnisch zu lernen, obwohl das Sprechen der deutschen Sprache bestraft wurde.<\/p>\n<p>Die deutsche Zivilbev\u00f6lkerung wurde f\u00fcr die Verbrechen im Namen des Dritten Reiches verantwortlich gemacht, die mit dem \u00dcberfall auf Polen am 1. September 1939 begonnen hatten. Der Hass auf die Deutschen war \u00fcberall gegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p>In Goldmoor\/Szydlow musste auch die Totenruhe darunter leiden. Auf dem Friedhof wurden Gr\u00e4ber gesch\u00e4ndet, Denkm\u00e4ler aus ihrer Verankerung gerissen und umgeworfen. Bei den Denkm\u00e4lern, die stabil geblieben waren, wurden die deutschen Inschriften mit Zement zugeschmiert. Diese Ereignisse waren f\u00fcr die Integration der Polen nicht gerade f\u00f6rderlich.<\/p>\n<h2>Der Weg ins Lager Lamsdorf<\/h2>\n<p>General Alexander Zawadzki erlie\u00df als Wojewode am 18. Juni 1945 den Befehl, die deutsche Zivilbev\u00f6lkerung aus ihren Wohnungen zu vertreiben und in Internierungslager zu \u00fcberf\u00fchren.<\/p>\n<p>Mit dem Beschluss der Kreisverwaltung Niemodlin (bis Kriegsende Falkenberg) entstand im Juli 1945 das Arbeitslager Lamsdorf\/Lambinowice, polnische Bezeichnung: \u201eOb\u00f3z pracy w Lambinowicach 1945\/46\u201c. In dem Lager wurde die deutsche Zivilbev\u00f6lkerung interniert, mit dem Ziel, sie in den Westen Deutschlands zu verbringen, was dann auch teilweise geschah.<\/p>\n<p>In das Lager gerieten Menschen aus etwa 150 Ortschaften aus ganz Schlesien. Die grundlegende und zahlenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte Gruppe der Inhaftierten bildeten die Bewohner von \u00fcber 39 umliegenden D\u00f6rfern sowie aus den St\u00e4dten Falkenberg, Neustadt\/Prudnik und Oppeln\/Opole.<\/p>\n<div id=\"attachment_83250\" style=\"width: 661px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-83250\" class=\"size-full wp-image-83250\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/KESSEL-130625-Nr-2.png\" alt=\"\" width=\"651\" height=\"226\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/KESSEL-130625-Nr-2.png 651w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/KESSEL-130625-Nr-2-300x104.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 651px) 100vw, 651px\" \/><p id=\"caption-attachment-83250\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: privat<\/p><\/div>\n<p>Fast alle Bewohner unseres Dorfes Szydlow\/Goldmoor kamen am 18. Oktober ins Lager Lamsdorf. Es muss wohl in den Morgenstunden gewesen sein, als fremde M\u00e4nner in unsere K\u00fcche kamen. Unsere Familie, insgesamt f\u00fcnf Personen, wurde aufgefordert, unser Haus zu verlassen und uns zum Sammelplatz zu begeben.<\/p>\n<p>Eilig packten wir noch unsere Taschen. Als wir auf der Kirchstra\u00dfe ankamen, sahen wir bereits kleine Menschengruppen mit Gep\u00e4ck. Als wir an einem Hofeingang vorbeigingen, sahen wir eine gro\u00dfe Gruppe polnischer Menschen vor dem Hoftor stehen, auch Kinder waren dabei. Es gab Beifall, Gel\u00e4chter und Zurufe, die wir nicht verstanden.<\/p>\n<p>Als wir diese Menschenansammlung passiert hatten, schaute ich mich noch einmal um und sah einen etwas \u00e4lteren Jungen auf mich zukommen. Pl\u00f6tzlich gab er mir einen kr\u00e4ftigen Tritt in den Hintern. Es tat noch lange weh. Den Namen des Jungen m\u00f6chte ich hier nicht nennen.<\/p>\n<p>Der Sammelplatz befand sich an der Ecke Oppelner Stra\u00dfe\/Abzweigung zum Bahn\u00fcbergang auf einer Wiese. Viele Familien sa\u00dfen in kleinen Gruppen auf dem Rasen und warteten auf den Abtransport ins Lager Lamsdorf.<\/p>\n<p>Dann sprach sich herum, dass diejenigen, die die polnische Sprache beherrschten, sich beim Kommandanten melden konnten. Dieser schickte anschlie\u00dfend die Familien wieder nach Hause. Meine Gro\u00dfeltern konnten Polnisch, nur hatten sie sich zun\u00e4chst nicht getraut, sich zu melden.<\/p>\n<p>Mutter und Tante dr\u00e4ngten meinen Gro\u00dfvater schlie\u00dflich dazu, sich doch zu melden, was er dann auch tat. Er kam erfreut zur\u00fcck und sagte, dass wir wieder nach Hause gehen d\u00fcrften. Das taten wir dann auch sofort.<\/p>\n<p>Kurz nach Verlassen des Platzes in Richtung Dorfmitte kamen zwei M\u00e4nner aus einem Geh\u00f6ft auf die Stra\u00dfe. Der eine hie\u00df Sepp und sagte: \u201eWohin, Kawalek?\u201c Der Gro\u00dfvater antwortete, dass der Kommandant uns erlaubt h\u00e4tte, nach Hause zu gehen. Darauf antwortete Sepp: \u201eZur\u00fcck, Partei.\u201c<\/p>\n<p>Also mussten wir wieder zur\u00fcck auf die Wiese und wurden sp\u00e4ter mit einem Lkw nach Lamsdorf gebracht.<\/p>\n<p>Die Fahrt auf dem Lkw ist mir bis heute gut in Erinnerung geblieben. Damals war ich viereinhalb Jahre alt. Sepp hei\u00dft auf Polnisch Jerzy. Er war ein polnischer Zwangsarbeiter bei einem deutschen Bauern in unserem Dorf. Das Kuriose ist, dass dieser Sepp sp\u00e4ter eine deutsche Frau heiratete und in den sechziger Jahren nach Deutschland umsiedelte.<\/p>\n<p>Mein Gro\u00dfvater war nicht in der Partei, sonst h\u00e4tte er das Lager wahrscheinlich nicht lebend verlassen. Im Lager wurden wir in einer Holzbaracke untergebracht, die in Stuben eingeteilt war.<\/p>\n<div id=\"attachment_83259\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-83259\" class=\"size-large wp-image-83259\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teil-2-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teil-2-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teil-2-300x169.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teil-2-768x432.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teil-2-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teil-2-2048x1152.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-83259\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Klaus Kawalek<\/p><\/div>\n<p>In unserer Stube waren vier Familien mit Kindern aus Goldmoor, unter anderem auch die Familie Englisch. Meine Tante, meine Mutter und ich bekamen ein Stockbett neben der T\u00fcr zum Korridor zugewiesen. Links an der Au\u00dfenwand beim Fenster befand sich die Familie Englisch (die Mutter mit vier Kindern).<\/p>\n<p>Ella, meine heutige Frau, war damals eineinhalb Jahr alt. Sie war das j\u00fcngste Familienmitglied. Mein Gro\u00dfvater kam in die M\u00e4nnerbaracke und meine Gro\u00dfmutter in die Frauenbaracke.<\/p>\n<h2>Hunger, Entbehrung und der Tod der Gro\u00dfmutter<\/h2>\n<p>An das Lagerleben haben sich mir einige Erinnerungen eingebrannt. In der Mitte des Zimmers stand ein runder Eisenofen (ein sogenannter Kanonenofen). Meine Mutter und meine Tante arbeiteten in der K\u00fcche. Manchmal brachten sie Kartoffelschalen mit. Diese klebte ich dann an den Ofen, um sie anzubraten \u2013 daraus wurden meine Pommes.<\/p>\n<p>Morgens gab es eine d\u00fcnne Suppe, die mit einem L\u00f6ffel (aus einer Blechkonserve) ausgel\u00f6ffelt wurde, und abends zwei bis drei Pellkartoffeln, mit Salz bestreut. Wir hatten alle st\u00e4ndig Hunger.<\/p>\n<p>An einem sonnigen Tag versuchten wir Kinder einmal, hinter dem Drahtzaun Wasserr\u00fcben zu erreichen. Pl\u00f6tzlich holte uns eine Frau von dort weg. Sie sagte, dass wir sofort verschwinden sollten, weil der Posten im \u00dcberwachungsturm dort stand und uns bereits gewarnt hatte, dass er schie\u00dfen w\u00fcrde. So mussten wir Kinder leider ohne R\u00fcben zur\u00fcckgehen.<\/p>\n<p>Eines Morgens, als ich aus der Baracke auf das Hofgel\u00e4nde kam, standen M\u00e4nner in einer Reihe und liefen auf der Stelle. Ob man das als Morgengymnastik bezeichnen kann, wei\u00df ich nicht. Allerdings erkannte ich an der linken Seite der Reihe meinen Opa und lief zu ihm hin\u00fcber. Er wies mich jedoch zur\u00fcck und sagte, dass ich hier nicht sein d\u00fcrfe, und schickte mich auf mein Zimmer.<\/p>\n<p>Das Leben im Lager war f\u00fcr uns Kinder von Hunger und Langeweile gepr\u00e4gt. Ein anderes Mal, bei schlechtem Wetter, hielten wir Kinder uns im Barackenkorridor auf. Wahrscheinlich waren wir zu laut, jedenfalls forderten uns \u00e4ltere Frauen auf, auf den Hof oder in unsere Zimmer zu gehen.<\/p>\n<p>Nachmittags, wenn meine Mutter von der Arbeit kam, suchte sie mich oft nach L\u00e4usen und Nissen ab, denn ich hatte st\u00e4ndig starken Juckreiz.<\/p>\n<div id=\"attachment_83272\" style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-83272\" class=\"size-large wp-image-83272\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teeil-2-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teeil-2-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teeil-2-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teeil-2-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teeil-2-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Teeil-2-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><p id=\"caption-attachment-83272\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: privat<\/p><\/div>\n<p>Manchmal kamen fremde Personen in unser Zimmer und verteilten sogenannte Liebesgaben (so wurden diese damals genannt). Im Nu bildete sich um die Person eine Menschentraube. Auch alle Kinder hielten ihre H\u00e4nde hoch, um etwas zu bekommen, leider vergebens. Vermutlich waren die mitgebrachten Lebensmittel nur f\u00fcr die eigene Verwandtschaft bestimmt.<\/p>\n<p>Unweit unserer Baracke befand sich ein Toilettenh\u00e4uschen aus Holz mit mehreren Kabinen, ein sogenanntes Plumpsklo. Mit anderen Kindern versuchte ich einmal, leere Konservendosen durch die \u00d6ffnung des Plumpsklos mit einem langen Drahtgest\u00e4nge herauszufischen. Die Dosen schwammen in der Jauche, in der es von wei\u00dfen W\u00fcrmern wimmelte.<\/p>\n<p>Das Herausangeln der Dosen gelang uns leider nicht. Warum wir Kinder nach den leeren Dosen suchten, wei\u00df ich nicht. Auch wei\u00df ich nicht, warum sich \u00fcberhaupt Dosen im Plumpsklo befanden. Aus heutiger Sicht kann ich mir nur vorstellen, dass die Absicht, eine zweite Dose zu besitzen, darin bestand, mehr Suppe zu bekommen, da der Hunger gro\u00df war.<\/p>\n<p>Schon nach f\u00fcnf Wochen wurden wir freigelassen. Der Grund war wahrscheinlich, dass mein Gro\u00dfvater Polnisch sprechen konnte. Die Familie Englisch war etwas besser gestellt, da Herr Paul Englisch (Ellas Vater) nicht im Lager war. Er war Eisenbahner und mit anderen M\u00e4nnern aus Szydlow am Bahnhof von Szydlow interniert. Sie wurden f\u00fcr die Aufrechterhaltung des Zugverkehrs gebraucht.<\/p>\n<p>Als Ellas Vater wieder frei war, fuhr er zum Betteln in die D\u00f6rfer des Oppelner Kreises. Die erbettelten Lebensmittel brachte er anschlie\u00dfend nach Lamsdorf zu seiner Familie ins Lager.<\/p>\n<p>Die Deutschen im Oppelner Kreis blieben verschont, da sie zweisprachig waren und in ihrer Heimat verbleiben konnten. Die Familie Englisch wurde erst am 27. Mai 1946 entlassen.<\/p>\n<div id=\"attachment_83255\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-83255\" class=\"size-large wp-image-83255\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000401-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000401-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000401-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000401-768x576.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000401-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/P1000401-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-83255\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Klaus Kawalek<\/p><\/div>\n<p>Das Lager wurde im Oktober 1946 aufgel\u00f6st. Aufgrund der unmenschlichen Bedingungen und Folterungen starben von den etwa 9.000 internierten Deutschen zwischen 1.000 und 1.500 Menschen im Lager. Auch meine Gro\u00dfmutter starb dort und wurde in einem Massengrab beigesetzt.<\/p>\n<p>Die Geschichte des unr\u00fchmlichen Lagers Lamsdorf reicht bis ins 18. Jahrhundert zur\u00fcck. In den Jahren 1870 und 1871 fand der Preu\u00dfisch-Franz\u00f6sische Krieg statt. Hier wurde ein Truppen\u00fcbungsplatz eingerichtet, und franz\u00f6sische Kriegsgefangene kamen in das angeschlossene Lager.<\/p>\n<p>Im Ersten Weltkrieg wurden Kriegsgefangene vieler anderer Nationalit\u00e4ten hier inhaftiert. Im Zweiten Weltkrieg vergr\u00f6\u00dferten die Nationalsozialisten das Lager. Hierher kamen etwa 300.000 Kriegsgefangene verschiedener Nationalit\u00e4ten. Rund 40.000 sowjetische Kriegsgefangene verloren hier ihr Leben und wurden in Massengr\u00e4bern verscharrt.<\/p>\n<h2>R\u00fcckkehr in die Tr\u00fcmmer und ein schwerer Abschied<\/h2>\n<p>Nach der Entlassung aus dem Lager kehrte unsere Familie ohne meine Gro\u00dfmutter in das Haus nach Szydlow zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Alle T\u00fcren standen zur Begr\u00fc\u00dfung offen. Alles war durcheinander, verdreckt und gepl\u00fcndert. Es gab nichts zu essen. Ich war stark geschw\u00e4cht und konnte nur noch langsam seitw\u00e4rts gehen.<\/p>\n<p>Daraufhin brachte man mich zu Verwandten meiner Gro\u00dfmutter nach Ochotz. Sie hatten einen kleinen Bauernhof, und dort wurde ich wieder aufgep\u00e4ppelt. Nach einigen Monaten kehrte ich zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Im Dorf Ochotz blieben alle deutschen Bewohner in ihren H\u00e4usern. Es gab keinen Leerstand, daher konnten sich dort keine Polen ansiedeln. Ein weiterer Grund war, dass die Einwohner des Kreises Oppeln zweisprachig waren.<\/p>\n<p>Das Schicksal traf mich schwer, denn am 21. Februar 1948 starb meine Mutter nach schwerer Krankheit viel zu fr\u00fch. Nun war ich Vollwaise. Die Obhut \u00fcber mich \u00fcbernahmen meine Tante Elisabeth und mein Gro\u00dfvater.<\/p>\n<p>Eines Tages sagte unser Nachbar zu meinem Gro\u00dfvater:<\/p>\n<p>\u201eDer Klaus soll im Herbst eingeschult werden, und er kann kein Polnisch sprechen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Fortsetzung folgt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Klaus Kawalek<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Westen von Oppeln bei Neustadt schloss die Rote Armee am 18. M\u00e4rz 1945 den Kessel, somit war f\u00fcr die deutschen Truppen der Fluchtweg in Richtung Westen versperrt. Die deutschen Truppen lieferten sich erbitterte K\u00e4mpfe. 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