{"id":83088,"date":"2026-07-21T11:00:57","date_gmt":"2026-07-21T09:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=83088"},"modified":"2026-07-21T11:49:55","modified_gmt":"2026-07-21T09:49:55","slug":"eine-historische-luecke-in-neustadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/eine-historische-luecke-in-neustadt\/","title":{"rendered":"Eine historische L\u00fccke in Neustadt!"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anl\u00e4sslich der Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag der Oberschlesischen Trag\u00f6die schlug der Kreisrat des Landkreises Neustadt, Dragomir Rudy, vor, an das historische Ereignis der Jahre 1945\u20131946 zu erinnern, als die deutsche Bev\u00f6lkerung zwangsweise in das Neust\u00e4dter Ghetto eingewiesen wurde und unter sehr schwierigen Bedingungen auf ihre Aussiedlung wartete \u2013 unter Hunger und beengten Verh\u00e4ltnissen, die besonders f\u00fcr S\u00e4uglinge und \u00e4ltere Menschen t\u00f6dlich waren. Zu einer Gedenkveranstaltung kam es jedoch nicht! In der vergangenen Woche lehnten die Mitglieder des Stadtrats von Neustadt eine offizielle Gedenkform f\u00fcr die rund 8.000 Menschen ab, die an diesem Ort festgehalten wurden. Die Abstimmung dar\u00fcber fand am 13. Juli statt. Warum und wie ist es dazu gekommen? Im Gespr\u00e4ch mit Krzysztof \u015awierc berichtet der stellvertretende Landrat von Neustadt, Janusz Siano (Schlesische Kommunalpolitiker), der auch betonte, dass die Schlesischen Kommunalpolitiker dieses Vorhaben von Anfang an unterst\u00fctzt, die Schirmherrschaft daf\u00fcr \u00fcbernommen und sich stark damit identifiziert haben.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Wie haben Sie sich auf das Konzept einer Gedenkveranstaltung f\u00fcr das historische Ereignis der Jahre 1945\u20131946 vorbereitet?<\/h3>\n<p>Wir haben den Direktor des Neust\u00e4dter Landesmuseums, Marcin Husak, der f\u00fcr sein umfassendes Wissen und seine Akribie bekannt ist, um Unterst\u00fctzung gebeten. Er griff auf eine Reihe von Quellenmaterialien zur\u00fcck, unter anderem auf die Kirchenb\u00fccher von Pfarrer Picz, dem damaligen Pfarrer von Neustadt, sowie auf die Aufzeichnungen des ersten B\u00fcrgermeisters von Neustadt im bereits befreiten Polen. Das war f\u00fcr uns entscheidend, denn aus diesen Materialien ging hervor, dass ein solches Ghetto existierte. Au\u00dferdem wurde der Begriff \u201eGhetto\u201c selbst, der Kontroversen ausl\u00f6ste, gekl\u00e4rt, und es konnte best\u00e4tigt werden, dass genau dieser Begriff damals verwendet wurde. Es wurde auch nachgewiesen, dass das Ghetto knapp zwei Jahre bestand, von den sowjetischen Beh\u00f6rden eingerichtet und sp\u00e4ter von den polnischen Beh\u00f6rden weitergef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend wurde das entsprechend aufbereitete historische Material in einer Sitzung des Kreisrats in Form einer Pr\u00e4sentation, mit gr\u00fcndlichen Erl\u00e4uterungen und gest\u00fctzt auf Dokumente, vorgestellt, damit alle erfuhren, mit welchem Thema sie es zu tun hatten.<\/p>\n<h3>Dadurch wurde auch ein genaues Konzept erarbeitet, wie die Erinnerung an dieses Ereignis gestaltet werden soll.<\/h3>\n<p>Ja. Konkret sollte an einem der drei historischen Toreing\u00e4nge zum damaligen Ghettogel\u00e4nde eine Bronzeleiste mit der Aufschrift \u201eSymbolische Grenze des Ghettos in Pr\u0105dnik\u201c (Anm. d. Red.: mittelalterlicher Name von Neustadt\/Prudnik) angebracht werden. Sie sollte zu einer kleineren Steintafel f\u00fchren, auf der die Aufschrift \u201eZum Gedenken an die Einwohner von Neustadt\u201c (Ortsname von Prudnik bis 1945) sowie ein QR-Code angebracht werden sollten, der nach dem Scannen zur Geschichte des Ghettos selbst f\u00fchren w\u00fcrde. Diese historische Information sollte in polnischer, deutscher, tschechischer und englischer Sprache angebracht werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>\u00a0\u201eEs geht hier nicht um gro\u00dfe Denkm\u00e4ler, sondern darum, dass ein Teil der Neust\u00e4dter Geschichte und die damit verbundenen menschlichen Schicksale einen sichtbaren Platz im Ged\u00e4chtnis erhalten.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<h3>An welchem Punkt trat das Problem auf?<\/h3>\n<p>Genau in dem Moment, als wir festlegten, wo diese bescheidene, symbolische Ehrung und Kennzeichnung dieses Abschnitts der Neust\u00e4dter Geschichte stattfinden sollte. Es stellte sich heraus, dass dies im Gebiet der Stadt Neustadt geschehen sollte, was bedeutet, dass die zust\u00e4ndige Stelle f\u00fcr die Genehmigung der Anbringung dieser Gedenkelemente die Gemeinde Neustadt ist, also der B\u00fcrgermeister von Neustadt (Grzegorz Zawi\u015blak).<\/p>\n<h3>Es wurde jedoch ein entsprechendes Schreiben versandt?<\/h3>\n<p>Ja, aber es stellte sich heraus, dass die Formulierung selbst bei einigen Ratsmitgliedern auf Widerspruch stie\u00df. Gleichzeitig wurde ich vom B\u00fcrgermeister informiert, dass er die Meinung der Ratsmitglieder einholen m\u00fcsse, um bei der Entscheidung ein gutes Gewissen zu haben. Ich wiederum bat darum, dass dieselbe Pr\u00e4sentation, die der Museumsdirektor in unserer Sitzung vorgestellt hatte, auch in der Sitzung des Neust\u00e4dter Stadtrats gezeigt werden sollte.<\/p>\n<div id=\"attachment_83093\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-83093\" class=\"size-full wp-image-83093\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/siano-1.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"270\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/siano-1.jpg 270w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/siano-1-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><p id=\"caption-attachment-83093\" class=\"wp-caption-text\">Janusz Siano<br \/>Foto: Archiv<\/p><\/div>\n<h3>Warum?<\/h3>\n<p>Mir lag daran, dass die Ratsmitglieder ein solides, auf Quellen basierendes Material erhalten. Damit es keine \u00fcberfl\u00fcssige Diskussion g\u00e4be und wir alle das gleiche Wissen \u00fcber dieses Fragment der Neust\u00e4dter Geschichte h\u00e4tten.<\/p>\n<h3>Zu einer solchen Pr\u00e4sentation kam es jedoch nicht.<\/h3>\n<p>In der ersten Sitzung des Neust\u00e4dter Stadtrats, an der ich teilnahm, gelang es nicht, einen Auftritt des Direktors des Neust\u00e4dter Landesmuseums, Marcin Husak, zu organisieren, der in dieser Sache sehr gerne helfen wollte. Daraufhin bat ich darum, dass der Stadtrat einer Verschiebung der Diskussion zu diesem Thema und des Auftritts des Museumsdirektors auf August 2026 zustimmt, und \u2026 es gelang, dies durchzusetzen. Daraufhin vereinbarte ich sofort mit Direktor Marcin Husak einen Termin f\u00fcr die August-Sitzung des Stadtrats. Er sollte seinerseits die historischen Grundlagen und Quelleninformationen darlegen, und meine Aufgabe war es, den Teil zur Verfahrensweise vorzustellen, die der Landkreis verabschiedet hatte.<\/p>\n<h3>Diese Pl\u00e4ne sind jedoch gescheitert! Welche Faktoren standen dem im Weg?<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend meines Urlaubs in Deutschland erhielt ich vom B\u00fcrgermeister von Neustadt die Information, dass er f\u00fcr Montag, den 13. Juli, eine au\u00dferordentliche Sitzung des Stadtrats plane und das Thema, \u00fcber das wir sprechen, in dieser Sitzung behandeln wolle. Er betonte dabei, dass er im August im Urlaub sein werde. Ich wiederum teilte ihm mit, dass ich mich derzeit im Urlaub befinde und erst am 13. Juli zur\u00fcckkehren werde, allerdings erst am Nachmittag. Folglich k\u00f6nne ich an dieser Sitzung des Neust\u00e4dter Stadtrats nicht teilnehmen. Au\u00dferdem wusste ich, dass Direktor Marcin Husak, der f\u00fcr mich in dieser Angelegenheit eine gro\u00dfe fachliche Unterst\u00fctzung im Hinblick auf die historischen Fakten war, ebenfalls im Urlaub war und ebenfalls nicht anwesend sein w\u00fcrde. Das Ergebnis? Wir wissen, wie die Sache ausgegangen ist &#8230;<\/p>\n<h3>In der ganzen Angelegenheit hat der Begriff \u201eGhetto\u201c besondere Emotionen hervorgerufen.<\/h3>\n<p>Ich verstehe die Sensibilit\u00e4t von Personen polnischer Nationalit\u00e4t gegen\u00fcber bestimmten Begriffen und Formulierungen, was aus der Geschichte des Zweiten Weltkriegs resultiert, daher verstehe ich auch die damit verbundenen Emotionen. Mit dem Begriff \u201eGhetto\u201c verbinden sie haupts\u00e4chlich das Warschauer und das Lodzer Ghetto und k\u00f6nnen sich nur schwer vorstellen, ein Lager f\u00fcr die deutsche Bev\u00f6lkerung als Ghetto zu bezeichnen. Die Wahrheit ist jedoch, dass auch die polnischen Beh\u00f6rden diesen Begriff verwendeten und diesen Ort so bezeichneten! Ich m\u00f6chte daher an dieser Stelle betonen, dass wir vielleicht eine Chance auf eine rationalere und vern\u00fcnftigere Herangehensweise an das Thema gehabt h\u00e4tten, wenn wir das vollst\u00e4ndige Wissen dar\u00fcber pr\u00e4sentiert h\u00e4tten.<\/p>\n<h3>Sind Sie da sicher? Mir scheint, dass selbst mit vollst\u00e4ndigem Wissen kein anderes Abstimmungsergebnis garantiert gewesen w\u00e4re.<\/h3>\n<p>Bitte verstehen Sie mich richtig. Meine Absicht war es, alles in meiner Macht Stehende zu tun, damit die Ratsmitglieder, die in dieser Sache entscheiden sollten, \u00fcber vollst\u00e4ndige Informationen verf\u00fcgten. Leider muss ich mit Bedauern feststellen, dass sie diese Informationen nicht erhalten haben. Ich m\u00f6chte hinzuf\u00fcgen, dass meine Versuche, dieses Thema w\u00e4hrend meines ersten Besuchs in der Sitzung des Neust\u00e4dter Stadtrats anzusprechen, darauf hindeuteten, dass die Diskussion dar\u00fcber auf einem sehr allgemeinen Niveau stattfinden w\u00fcrde. Das hei\u00dft, sie w\u00fcrde sich auf das konzentrieren, was in Diskussionen \u00fcber den Zweiten Weltkrieg \u00fcblicherweise thematisiert wird \u2013 auf Bestialit\u00e4t, Konzentrationslager usw. \u2013 also auf Dinge, die diese Angelegenheit im Allgemeinen gar nicht betreffen.<\/p>\n<h3>Das stimmt. In dieser Sache konzentrierte man sich auf die historische Tatsache und das Gedenken an die Bewohner, die das Ghetto in Neustadt durchlebt haben.<\/h3>\n<p>Und das war und ist uns sehr wichtig, weil wir uns dar\u00fcber im Klaren sind, dass zumindest die Nachkommen der Personen, die das Ghetto in Neustadt durchlebt haben, irgendwo leben, vielleicht sogar in Neustadt. Deshalb denke ich, dass es sich gelohnt h\u00e4tte, diese etwa zwei Jahre der Neust\u00e4dter Geschichte zu zeigen. Die Tatsache, dass dies nicht geschah, hat dazu gef\u00fchrt, dass wir jetzt eine historische L\u00fccke haben.<\/p>\n<div id=\"attachment_83091\" style=\"width: 970px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-83091\" class=\"size-full wp-image-83091\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Boleslawa_Chrobrego_Street_in_Prudnik_2018.11.05_04.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"539\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Boleslawa_Chrobrego_Street_in_Prudnik_2018.11.05_04.jpg 960w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Boleslawa_Chrobrego_Street_in_Prudnik_2018.11.05_04-300x168.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Boleslawa_Chrobrego_Street_in_Prudnik_2018.11.05_04-768x431.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><p id=\"caption-attachment-83091\" class=\"wp-caption-text\">Auch hier, in der ul. Chrobrego, befand sich das Ghetto f\u00fcr etwa 8.000 Deutsche.<br \/>Foto: W\u0142odek K1\/Wikipedia<\/p><\/div>\n<h3>Wie geht es weiter mit dem Gedenken an die deutschen Einwohner von Neustadt, die sich im Nachkriegsghetto befanden?<\/h3>\n<p>Im Moment haben wir eine schwierige Situation. Es gibt einen Beschluss des Rates, der, wie ich vermute, eine negative Stellungnahme des B\u00fcrgermeisters von Neustadt bez\u00fcglich der Erteilung der Genehmigung zur Anbringung der Gedenkelemente auf dem der Gemeinde unterstehenden Gebiet zur Folge haben wird. Daher vermute ich, dass wir eine negative Antwort erhalten werden und uns nur noch bleibt, auf die n\u00e4chste Chance zu warten.<\/p>\n<h3>Wann k\u00f6nnte sich eine solche ergeben?<\/h3>\n<p>Vielleicht wechselt der B\u00fcrgermeister. Vielleicht wechseln die Ratsmitglieder, und in der n\u00e4chsten Wahlperiode des Rates gelingt es uns, dieses Thema durchzusetzen. Ich glaube daran und bin der Meinung, dass ein solches Gedenkelement, das einen kleinen Ausschnitt der Neust\u00e4dter Geschichte und die damit verbundenen menschlichen Schicksale zeigt, seinen Platz haben sollte! Es geht hier nicht um gro\u00dfe Denkm\u00e4ler, sondern darum, dass etwas Bleibendes zu diesem Thema hervorgehoben wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Anl\u00e4sslich der Feierlichkeiten zum 80. 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