{"id":82993,"date":"2026-07-18T05:00:47","date_gmt":"2026-07-18T03:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=82993"},"modified":"2026-07-17T08:38:20","modified_gmt":"2026-07-17T06:38:20","slug":"im-schatten-des-alten-apfelbaums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/im-schatten-des-alten-apfelbaums\/","title":{"rendered":"Im Schatten des alten Apfelbaums"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201e\u00dcber Rosen l\u00e4sst sich dichten, in \u00c4pfel muss man bei\u00dfen\u201c, schrieb Johann Wolfgang von Goethe im <em>Faust<\/em>. Treffender l\u00e4sst sich der Zauber des Hochsommers kaum beschreiben. Vor allem dann nicht, wenn auf den alten Apfelb\u00e4umen die ersten Klar\u00e4pfel \u2013 im Schlesischen liebevoll August\u00e4pfel genannt \u2013 heranreifen. Ihre zarte Schale, das m\u00fcrbe Fruchtfleisch und die erfrischende S\u00e4ure k\u00fcndigen seit Generationen den Beginn der sommerlichen Obstzeit an.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>In unserem Garten steht ein ganz besonderer Baum \u2013 uralt, aber noch immer erstaunlich ertragreich. Er begr\u00fc\u00dft mich zu jeder Jahreszeit, sobald ich das Gartentor \u00f6ffne. Anfang Juli pfl\u00fccken wir nach und nach die gr\u00fcn-goldenen Fr\u00fcchte. Die reifsten wandern direkt in die K\u00fcche, die \u00fcbrigen d\u00fcrfen noch geduldig in der Sommersonne nachreifen. Genau auf diese fr\u00fchen \u00c4pfel warteten die Menschen fr\u00fcher Jahr f\u00fcr Jahr voller Ungeduld.<\/p>\n<p>So schrieb die Gleiwitzer Tageszeitung \u201eDer Oberschlesische Wanderer\u201c im Jahr 1943: \u201eEs geht nichts \u00fcber den Augustapfel! Mit Sehnsucht wird er erwartet und mit Wonne graben sich die Z\u00e4hne in sein m\u00fcrbes und saftiges Fleisch und kostet die Zunge den Wohlgeschmack der milden, durch den Zuckergehalt geb\u00e4ndigten S\u00e4ure. [&#8230;]. \u00dcberraschend fr\u00fch hat es in diesem Jahr den Augustapfel gegeben. Diese fr\u00fchen \u00c4pfel sind immer zum Frischverzehr bestimmt. Anspr\u00fcche an ihre Haltbarkeit werden nicht gestellt.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_82996\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-82996\" class=\"size-large wp-image-82996\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Pixabay-mirellast-apple-166044-1024x681.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"681\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Pixabay-mirellast-apple-166044-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Pixabay-mirellast-apple-166044-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Pixabay-mirellast-apple-166044-768x511.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Pixabay-mirellast-apple-166044-1536x1022.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Pixabay-mirellast-apple-166044-2048x1362.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-82996\" class=\"wp-caption-text\">In dieser Saison haben die Klar\u00e4pfel reichlich Regen und Feuchtigkeit bekommen, weshalb die Fr\u00fcchte besonders gro\u00df ausfallen.<br \/>Foto: MirellaST<br \/>Quelle: Pixabay<\/p><\/div>\n<p>Noch fr\u00fcher, am 21. Juli 1934, informierte das \u201eSohrauer Stadtblatt\u201c die Einwohner \u00fcber den Verkauf der August\u00e4pfel, also der fr\u00fchen Sommerapfelsorten, zu \u201em\u00e4\u00dfigen Preisen\u201c. Daran l\u00e4sst sich erkennen, welch besonderes Ereignis das Erscheinen der ersten \u00c4pfel der Saison einst war. Heute w\u00fcrden wir sie schlicht Klar\u00e4pfel nennen \u2013 eine Sorte, die man in Superm\u00e4rkten allerdings fast vergeblich sucht. Aus ihnen l\u00e4sst sich nahezu alles zaubern: aromatisches Apfelmus, nach Zimt duftender Kuchen, erfrischendes Kompott, feines Gelee, hausgemachtes Apfelbrot oder Marmelade. Fr\u00fcher dienten Klar\u00e4pfel au\u00dferdem als Beilage zu Fleischgerichten oder als F\u00fcllung f\u00fcr Pfannkuchen. Besonders harmonisch schmecken zarte K\u00e4sekl\u00f6\u00dfe mit leicht s\u00e4uerlichem Apfelmus, etwas zerlassener Butter und Zimt. Mehr braucht es nicht. Gerade solche einfachen Gerichte verk\u00f6rpern die sommerliche Hausmannskost \u2013 saisonal, sparsam und eng mit dem verbunden, was gerade im Obstgarten reif wird.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eHeute gen\u00fcgt \u2013 genau wie vor fast hundert Jahren \u2013 ein frisch vom Baum gepfl\u00fcckter Apfel, ein schnell gekochtes Mus und ein Platz im Schatten eines alten Apfelbaums, um den Geschmack des Sommers zu erleben.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<h2><strong>Der erste Geschmack des Sommers<\/strong><\/h2>\n<p>Die Geschichte zeigt, dass Klar\u00e4pfel seit jeher als Sinnbild des Sommerbeginns galten. Heute gen\u00fcgt \u2013 genau wie vor fast hundert Jahren \u2013 ein frisch vom Baum gepfl\u00fcckter Apfel, ein schnell gekochtes Mus und ein Platz im Schatten eines alten Apfelbaums, um den Geschmack des Sommers zu erleben. Vielleicht kehren dabei auch Erinnerungen an die Kindheit zur\u00fcck und an jene K\u00f6stlichkeiten, die unsere Gro\u00dfm\u00fctter mit wenigen Zutaten auf den Tisch zauberten \u2013 einfach, nahrhaft und voller Duft. Solche Rezepte ver\u00f6ffentlichte bereits 1915 die \u201eKattowitzer Zeitung\u201c in ihrer Rubrik \u201eAus dem oberschlesischen Industriebezirk \u2013 Wochenspeisezettel (f\u00fcr 4 Personen)\u201c:<\/p>\n<p><strong>Buttermilchpfannkuchen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zutaten:<\/strong> 250 g Buchweizenmehl, \u00be Liter Buttermilch oder saure Milch, Salz nach Geschmack, \u00bd Teel\u00f6ffel Backpulver<\/p>\n<p><strong>Zubereitung:<\/strong><br \/>\nAlle Zutaten sorgf\u00e4ltig verr\u00fchren. Anschlie\u00dfend in hei\u00dfem Fett kleine Puffer oder Plinsen backen. Mit Zucker und Zimt bestreuen.<\/p>\n<p><strong>Mein Tipp:<\/strong> Gibt man zwei Eier und zwei geriebene Klar\u00e4pfel in den Teig, kann das Buchweizenmehl problemlos durch jedes andere Mehl ersetzt werden. So entsteht ein k\u00f6stliches Abendessen.<\/p>\n<div id=\"attachment_82987\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-82987\" class=\"size-large wp-image-82987\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/IMG_20260716_092629-Malgorzata-Janik-1024x473.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"473\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/IMG_20260716_092629-Malgorzata-Janik-1024x473.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/IMG_20260716_092629-Malgorzata-Janik-300x138.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/IMG_20260716_092629-Malgorzata-Janik-768x354.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/IMG_20260716_092629-Malgorzata-Janik-1536x709.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/IMG_20260716_092629-Malgorzata-Janik-2048x945.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-82987\" class=\"wp-caption-text\">Apfelflinsen schmecken einfach k\u00f6stlich und bringen Menschen auf die sch\u00f6nste Weise gemein-sam an einen Tisch.<br \/>Foto: Ma\u0142gorzata Janik<\/p><\/div>\n<p><strong>K\u00e4sekl\u00f6\u00dfe mit Apfelmus<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zutaten:<\/strong> 750 g Quark, 75 g Kartoffelmehl, 75 g Buchweizenmehl, 4 gekochte und geriebene Kartoffeln, 1 Ei, \u00be Teel\u00f6ffel Salz, 75 g Zucker, 1 Essl\u00f6ffel Rosinen<\/p>\n<p><strong>Zubereitung:<\/strong><br \/>\nAlle Zutaten gr\u00fcndlich vermengen. Mit angefeuchteten H\u00e4nden runde Kl\u00f6\u00dfe formen und in siedendem Salzwasser gar ziehen lassen. Anschlie\u00dfend mit goldbrauner Butter \u00fcbergie\u00dfen. Das Kochwasser wird zu einer Suppe verkocht.<\/p>\n<p>Die K\u00e4sekl\u00f6\u00dfe mit warmem Apfelmus servieren.<\/p>\n<h2><strong>Erinnerungen zwischen Apfelbaum und Kindheit<\/strong><\/h2>\n<p>Vor wenigen Tagen entwickelte sich in den schlesischen sozialen Medien eine lebhafte Diskussion \u00fcber das Rezept f\u00fcr \u201eApfelflinsen\u201c \u2013 luftige Apfelk\u00fcchlein, die einst eine aus Reichenstein stammende Gro\u00dfmutter f\u00fcr ihre Enkelin gebacken hatte. Dieses kleine St\u00e4dtchen mit seiner reichen Geschichte liegt mir besonders am Herzen. Sofort erinnerte ich mich an unseren ersten Aufenthalt im Gasthaus \u201eZ\u0142oty Jar\u201c (fr\u00fcher \u201eSchlackental-Waldsch\u00e4nke\u201c), einem beinahe verwunschenen Ort, an dem die Zeit irgendwo zwischen Vergangenheit und Gegenwart stehen geblieben zu sein scheint. Was wir damals zum Abendbrot oder Fr\u00fchst\u00fcck gegessen haben, wei\u00df ich l\u00e4ngst nicht mehr. Doch obwohl inzwischen genau zehn Jahre vergangen sind, sehe ich uns noch immer in dem wundersch\u00f6nen Speisesaal sitzen, der in eine lichtdurchflutete Veranda \u00fcbergeht und voller historischer Details steckt. Bereits ein Reisef\u00fchrer f\u00fcr das Riesengebirge und die Grafschaft Glatz aus dem Jahr 1920 beschrieb diesen Ort mit den Worten: \u201eMan kommt an alten Stollen vor\u00fcber. Nach 20 Min. auf den Schlackentalplatz mit h\u00fcbschen Anlagen und guter Gastwirtschaft.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_82994\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-82994\" class=\"size-large wp-image-82994\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/20160708_092121-Malgorzata-Janik-1024x747.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"747\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/20160708_092121-Malgorzata-Janik-1024x747.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/20160708_092121-Malgorzata-Janik-300x219.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/20160708_092121-Malgorzata-Janik-768x560.png 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/20160708_092121-Malgorzata-Janik.png 1184w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-82994\" class=\"wp-caption-text\">Speisesaal im Gasthaus \u201eZ\u0142oty Jar\u201c, Juli 2016.<br \/>Foto: Ma\u0142gorzata Janik<\/p><\/div>\n<p>Liebe Leserinnen und Leser! Ob Pfannkuchen, K\u00e4sekl\u00f6\u00dfe oder Apfelflinsen nach Gro\u00dfmutters Art \u2013 die Entscheidung liegt ganz bei Ihnen. Ich w\u00fcnsche Ihnen einen genussvollen Sommer!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e\u00dcber Rosen l\u00e4sst sich dichten, in \u00c4pfel muss man bei\u00dfen\u201c, schrieb Johann Wolfgang von Goethe im Faust. Treffender l\u00e4sst sich der Zauber des Hochsommers kaum beschreiben. Vor allem dann nicht, wenn auf den alten Apfelb\u00e4umen die ersten Klar\u00e4pfel \u2013 im Schlesischen liebevoll August\u00e4pfel genannt \u2013 heranreifen. 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