{"id":82916,"date":"2026-07-20T05:00:41","date_gmt":"2026-07-20T03:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=82916"},"modified":"2026-07-20T08:53:05","modified_gmt":"2026-07-20T06:53:05","slug":"nachbarschaft-verpflichtet-weimar-stadt-des-dialogs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/nachbarschaft-verpflichtet-weimar-stadt-des-dialogs\/","title":{"rendered":"Nachbarschaft verpflichtet: Weimar \u2013 Stadt des Dialogs"},"content":{"rendered":"<p><strong>Es gibt St\u00e4dte, die nur eine Geschichte erz\u00e4hlen. Weimar erz\u00e4hlt viele. Jede erz\u00e4hlt von einem anderen Europa. Zusammen ergeben sie das Bild eines Kontinents.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Vor einigen Tagen stie\u00df ich beim Surfen im Internet auf die Ank\u00fcndigung der n\u00e4chsten Ausgabe des Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte.<strong><em><span style=\"color: #3366ff;\"><a style=\"color: #3366ff;\" href=\"https:\/\/weimarer-rendezvous.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Das diesj\u00e4hrige Motto lautet: \u201eFakt oder Fake?\u201c. <\/a><\/span><\/em><\/strong>Die Veranstalter schlagen eine Debatte \u00fcber Propaganda, Mythen, k\u00fcnstliche Intelligenz, Desinformation und die Grenzen der Wahrheit vor. Aktueller k\u00f6nnte ein Thema kaum sein. Noch vor gut einem Jahrzehnt h\u00e4tten wir ein solches Programm f\u00fcr eine Dom\u00e4ne von Politikwissenschaftlern oder Medienforschern gehalten. Heute ist die Frage nach der historischen Wahrheit zu einer der wichtigsten Fragen der modernen Demokratie und jedes m\u00fcndigen B\u00fcrgers geworden.<\/p>\n<p>Beim Durchbl\u00e4ttern des Festivalprogramms wanderten meine Gedanken zur\u00fcck zu den ersten Ausgaben. Ich hatte das Gl\u00fcck, an einigen von ihnen teilzunehmen. Es war ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Projekt. Es glich keiner klassischen wissenschaftlichen Konferenz, bei der Forscher \u00fcberwiegend unter sich bleiben. Die Initiatoren des Festivals lie\u00dfen sich von den franz\u00f6sischen Rendez-vous de l&#8217;histoire in Blois inspirieren, wollten aber einen Schritt weitergehen. Zum deutsch-franz\u00f6sischen Dialog luden sie auch Polen ein. Es ging nicht nur um die Popularisierung von Geschichte, sondern vor allem darum, einen Ort des Dialogs zu schaffen \u2013 f\u00fcr Historiker, Lehrer, Studierende und interessierte B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. Einen Ort, an dem Geschichte zum Ausgangspunkt eines breiten Gespr\u00e4chs \u00fcber die Gegenwart wird.<\/p>\n<div id=\"attachment_82910\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-82910\" class=\"size-large wp-image-82910\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Schloss_Weimar_-_Panorama-1024x452.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"452\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Schloss_Weimar_-_Panorama-1024x452.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Schloss_Weimar_-_Panorama-300x133.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Schloss_Weimar_-_Panorama-768x339.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Schloss_Weimar_-_Panorama-1536x678.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Schloss_Weimar_-_Panorama-2048x905.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-82910\" class=\"wp-caption-text\">Stadtschloss Weimar mit Schlossturm<br \/>Foto: Maros MRA\/Wikipedia<\/p><\/div>\n<p>Nicht zuf\u00e4llig fiel die Wahl auf Weimar. Jedes Mal, wenn ich nach Weimar zur\u00fcckkehre, habe ich das Gef\u00fchl, eine andere Stadt zu entdecken. Zun\u00e4chst sah ich vor allem das Weimar Goethes und Schillers sowie die historische Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek \u2013 Symbole des deutschen Klassizismus und des europ\u00e4ischen Humanismus, von denen in den Lehrpl\u00e4nen wohl aller europ\u00e4ischen Schulen die Rede ist.<\/p>\n<p>Mit der Zeit offenbarte mir die Stadt weitere Gesichter. Hier gr\u00fcndete Walter Gropius 1919 das Bauhaus \u2013 eine Schule, die das Denken \u00fcber Architektur, Design und Modernit\u00e4t revolutionierte. Zur gleichen Zeit entstand hier die Weimarer Republik, deren Name eine Mahnung ist. Bis heute erinnert er daran, wie zerbrechlich die deutsche \u2013 und nicht nur die deutsche \u2013 Demokratie sein kann.<\/p>\n<p>Da ist noch ein weiteres Bild, das ich untrennbar mit dieser Stadt verbinde. Wenn ich mich Weimar \u00fcber die Autobahn A4 n\u00e4here, f\u00e4llt mein Blick unweigerlich auf das monumentale Mahnmal f\u00fcr die Opfer des KZ Buchenwald auf dem Ettersberg. Es \u00fcberragt die Umgebung wie ein Warnzeichen. Diesen Anblick kann man mit nichts verwechseln. Auf der einen Seite das kulturelle Weimar Goethes, Schillers und des Bauhauses, auf der anderen \u2013 ein Ort des Terrors und der nationalsozialistischen Verbrechen.<\/p>\n<p>Vor zwei Jahren besuchte ich das 2024 er\u00f6ffnete Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus sowie die hervorragende Ausstellung \u201eBauhaus und Nationalsozialismus\u201c. Sie machte mir bewusst, dass sich auch die Geschichte des Bauhauses nicht auf eine einfache Erz\u00e4hlung von Avantgarde und ihrer Verfolgung reduzieren l\u00e4sst. Die Schicksale der Vertreter der Bewegung, ihrer Sch\u00fcler und Sympathisanten erwiesen sich als weitaus komplexer.<\/p>\n<div id=\"attachment_82912\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-82912\" class=\"size-large wp-image-82912\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Weimar-Peter-und-Paul-Kirche-CTH-1024x806.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"806\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Weimar-Peter-und-Paul-Kirche-CTH-1024x806.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Weimar-Peter-und-Paul-Kirche-CTH-300x236.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Weimar-Peter-und-Paul-Kirche-CTH-768x605.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Weimar-Peter-und-Paul-Kirche-CTH-1536x1210.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Weimar-Peter-und-Paul-Kirche-CTH-2048x1613.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-82912\" class=\"wp-caption-text\">Stadtkirche St. Peter und Paul, auch als Herderkirche bekannt.<br \/>Foto: CTHOE\/Wikipedia<\/p><\/div>\n<p>Es sind nur wenige Kilometer, leicht zu durchqueren. Und doch die ganze Geschichte des modernen Deutschlands. Gerade diese N\u00e4he der Gegens\u00e4tze macht Weimar zu mehr als einer Stadt gro\u00dfer Namen und gro\u00dfer Architektur. Hier begegnen sich Kultur und Barbarei, Demokratie und Diktatur. Weimar verbirgt seine Widerspr\u00fcche nicht. Im Gegenteil \u2013 es hat aus ihnen einen Raum des Gespr\u00e4chs gemacht. Es ist ein Gespr\u00e4ch, das die Deutschen nicht nur mit ihrer eigenen Geschichte f\u00fchren, sondern auch untereinander \u2013 zwischen den Menschen aus der einstigen Bundesrepublik und der DDR, deren Erfahrungen sich \u00fcber Jahrzehnte getrennt entwickelten und die sich bis heute nur m\u00fchsam ann\u00e4hern. Es ist zugleich ein Gespr\u00e4ch mit den europ\u00e4ischen Nachbarn \u00fcber Verantwortung, Erinnerung und Zukunft.<\/p>\n<p>Es \u00fcberrascht mich daher nicht, dass sich hier im August 1991 die Au\u00dfenminister Polens, Deutschlands und Frankreichs trafen \u2013 Krzysztof Skubiszewski, Hans-Dietrich Genscher und Roland Dumas. Die Wahl Weimars war kein Zufall. Es w\u00e4re schwer, in Europa einen Ort zu finden, der sich besser eignen w\u00fcrde, um ein Gespr\u00e4ch \u00fcber eine gemeinsame Zukunft zu beginnen, die aus so unterschiedlichen Erfahrungen der Vergangenheit erw\u00e4chst.<\/p>\n<p>Das erste Ziel des Weimarer Dreiecks war klar umrissen. Es ging darum, die durch den Kalten Krieg hinterlassenen Trennlinien zu \u00fcberwinden und Polen auf seinem Weg in die NATO und die Europ\u00e4ischen Gemeinschaften zu unterst\u00fctzen. Aus heutiger Sicht l\u00e4sst sich sagen, dass diese Mission erfolgreich war. Paradoxerweise begann man gerade in dem Moment, als dies erreicht war, zu fragen, ob das Dreieck \u00fcberhaupt noch gebraucht werde.<\/p>\n<p>An Skeptikern mangelte es nicht. Die Treffen fanden immer seltener statt, die politischen Priorit\u00e4ten verschoben sich, und die Zusammenarbeit hing von den jeweiligen Regierungsbeziehungen ab. Anders als die deutsch-franz\u00f6sische Auss\u00f6hnung erhielt das Dreieck nie ein dauerhaftes institutionelles Fundament. Es entstand weder ein Sekretariat noch ein Fonds zur F\u00f6rderung gemeinsamer Initiativen. Deshalb hing seine Aktivit\u00e4t so stark von der politischen Konjunktur ab.<\/p>\n<p>Die Geschichte erwies sich einmal mehr als kl\u00fcger als die politischen Prognosen. Der gro\u00dfangelegte russische Angriffskrieg gegen die Ukraine im Jahr 2022 verlieh dem Weimarer Dreieck eine Bedeutung zur\u00fcck, die viele in ihm nicht mehr gesehen hatten. Regelm\u00e4\u00dfige Konsultationen kehrten zur\u00fcck, und gemeinsame Themen wurden die europ\u00e4ische Sicherheit, die Unterst\u00fctzung der Ukraine, die Politik gegen\u00fcber Russland sowie der Kampf gegen die das Internet \u00fcberflutende Desinformation. Das Format \u00f6ffnete sich zudem f\u00fcr neue Partner. Die Formel Weimar+ zeigt, dass die Zusammenarbeit dreier Staaten kein geschlossener Klub sein muss. Dass nicht nur Spanien, Gro\u00dfbritannien und Italien, sondern auch Indien zu den Gespr\u00e4chen eingeladen wurden, zeigt, dass die Probleme Europas zunehmend globale Dimensionen annehmen.<\/p>\n<p>F\u00fcnfunddrei\u00dfig Jahre seines Bestehens sind ein guter Anlass, sich die Frage zu stellen, ob das Weimarer Dreieck nicht endlich \u00fcber die Formel gelegentlicher Treffen hinauswachsen sollte. Ein st\u00e4ndiges Sekretariat und ein gemeinsamer Fonds k\u00f6nnen Vertrauen und politische Entschlossenheit nat\u00fcrlich nicht ersetzen, k\u00f6nnten aber einen institutionellen Rahmen schaffen, der die Zusammenarbeit weniger abh\u00e4ngig macht von politischen Ver\u00e4nderungen in Warschau, Berlin und Paris.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDas Weimarer Dreieck lebt nicht von Symbolen, sondern von der Bereitschaft, trotz unterschiedlicher Erfahrungen gemeinsam nach L\u00f6sungen zu suchen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Die interessantesten Dinge geschehen jedoch abseits der gro\u00dfen B\u00fchne. Gemeinsame Initiativen der Stiftung Genshagen, das neue DAAD-Programm \u201eFuture Network Weimar Triangle: Science for Europe\u201c, universit\u00e4re Projekte, Jugendaustausche oder die Zusammenarbeit von Kommunen zeigen, dass die Zukunft des Dreiecks nicht allein von den Au\u00dfenministern abh\u00e4ngt. Sie wird ebenso von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Lehrkr\u00e4ften, Studierenden, Kulturschaffenden und zivilgesellschaftlichen Organisationen gestaltet.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet die Geschichte zu einer der wichtigsten Ebenen der Weimarer Zusammenarbeit geworden ist. Die Arbeit an den gemeinsamen franz\u00f6sisch-deutschen und sp\u00e4ter polnisch-deutschen Schulb\u00fcchern hat gezeigt, dass unterschiedliche nationale Erinnerungen einander nicht ausschlie\u00dfen m\u00fcssen. Sie k\u00f6nnen \u2013 ja m\u00fcssen \u2013 in einen Dialog treten. Heute stellt sich zunehmend die Frage, ob eine solche Zusammenarbeit nicht auch auf die Ukraine ausgeweitet werden sollte.<\/p>\n<p>Es geht nicht darum, eine einzige verbindliche Erz\u00e4hlung zu schaffen, sondern eine Sprache des Dialogs zu entwickeln, trotz der Unterschiede, deren Bewusstwerdung oft schmerzhaft ist. Die j\u00fcngsten historischen Spannungen zwischen Polen und der Ukraine zeigen, wie leicht ein bilateraler Dialog in die Logik gegenseitiger Vorw\u00fcrfe abgleiten kann. Vielleicht k\u00f6nnte gerade die Anwesenheit eines dritten Partners, der \u00fcber eigene Erfahrungen mit Auss\u00f6hnung und langj\u00e4hriger historischer Zusammenarbeit verf\u00fcgt, einen Raum f\u00fcr ein ruhigeres Gespr\u00e4ch schaffen.<\/p>\n<div id=\"attachment_82914\" style=\"width: 731px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-82914\" class=\"size-large wp-image-82914\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/schiller-goethe-721x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"721\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/schiller-goethe-721x1024.jpg 721w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/schiller-goethe-211x300.jpg 211w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/schiller-goethe-768x1091.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/schiller-goethe-1081x1536.jpg 1081w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/schiller-goethe-1441x2048.jpg 1441w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/schiller-goethe-scaled.jpg 1802w\" sizes=\"auto, (max-width: 721px) 100vw, 721px\" \/><p id=\"caption-attachment-82914\" class=\"wp-caption-text\">Das Goethe- und Schiller-Denkmal in Weimar am Deutschen Nationaltheater<br \/>Foto: Andreas Trepte\/Wikipedia<\/p><\/div>\n<p>Das ist die wichtigste Lehre aus Weimar.<\/p>\n<p>Die Veranstalter des Weimarer Rendez-vous erinnern daran, dass Demokratie nicht nur Institutionen braucht, sondern auch die aktive Teilhabe der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger sowie die Bereitschaft zu offener Debatte. Geschichte liefert keine einfachen Antworten, die man sich lediglich aneignen m\u00fcsste. Sie ist ein Prozess des st\u00e4ndigen Fragens.<\/p>\n<p>Deshalb klingt das diesj\u00e4hrige Festivalmotto \u2013 \u201eFakt oder Fake?\u201c \u2013 so ergreifend. Es betrifft nicht nur Historiker, Politikwissenschaftler oder Journalisten. Es ist eine Frage nach dem Zustand des heutigen Europas. Danach, ob wir in der Lage sind, Fakten von Mythen, Wissen von Propaganda, Erinnerung von politischer Manipulation zu unterscheiden.<\/p>\n<p>Wenn ich Weimar verlasse, habe ich immer den Eindruck, dass sein wertvollstes Denkmal, sein kostbarstes historisches Erbe weder das Haus Goethes noch das Schillers ist. Es ist nicht einmal die Weimarer Republik oder die Gedenkst\u00e4tte KZ Buchenwald. Das wertvollste Erbe dieser Stadt bleibt die F\u00e4higkeit zum Gespr\u00e4ch \u2013 auch dann, wenn es kompliziert ist und nicht zu einfachen Antworten f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Vielleicht ist das Weimarer Dreieck gerade deshalb nicht dazu verurteilt, im sprichw\u00f6rtlichen Abstellraum der Geschichte zu landen. Es kann auf Ver\u00e4nderungen reagieren, weil es auf Dialog gebaut ist. Und dieser wird immer gebraucht. Solange Europa in der Lage sein wird, \u00fcber seine Geschichte, seine Fehler und seine Zukunft zu sprechen, wird Weimar ein lebendiger und notwendiger Ort bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt St\u00e4dte, die nur eine Geschichte erz\u00e4hlen. Weimar erz\u00e4hlt viele. Jede erz\u00e4hlt von einem anderen Europa. 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