{"id":82817,"date":"2026-07-15T17:00:27","date_gmt":"2026-07-15T15:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=82817"},"modified":"2026-07-15T15:00:05","modified_gmt":"2026-07-15T13:00:05","slug":"eine-flagge-viele-emotionen-ueber-den-streit-um-den-autonomiemarsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/eine-flagge-viele-emotionen-ueber-den-streit-um-den-autonomiemarsch\/","title":{"rendered":"Eine Flagge, viele Emotionen. \u00dcber den Streit um den Autonomiemarsch"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Am zweiten Sonntag im Juli zog zum zwanzigsten Mal der Autonomiemarsch durch die Stra\u00dfen von Kattowitz, dessen Hauptorganisator die Bewegung f\u00fcr die Autonomie Schlesiens ist. Am Marsch nehmen Vertreter vieler schlesischer Regionalorganisationen sowie ausl\u00e4ndische G\u00e4ste teil. Oftmals sind auch einzelne Mitglieder der lokalen deutschen Minderheit beim Marsch zugegen, und h\u00e4ufig werden auch wir als G\u00e4ste eingeladen, um als Vertreter des Vereins an der Veranstaltung teilzunehmen.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ein paar Mal habe ich auf Einladung der Organisatoren daran teilgenommen und betont, dass die Deutsch-Schlesier eine bedeutende und wahrnehmbare nationale Gruppe in der Region darstellen.<\/p>\n<p>Der Marsch findet zeitlich an einem Samstag um den 15. Juli herum statt, denn er soll an den Jahrestag der Verabschiedung des Organischen Statuts der Woiwodschaft Schlesien am 15. Juli 1920 erinnern. Dieses Statut trat 1922 in Kraft und wurde 1945 durch ein Dekret von Bierut aufgehoben. Damals wurden der Schlesische Sejm aufgel\u00f6st, sein Verm\u00f6gen \u00fcbernommen und ein zentrales Verwaltungssystem eingef\u00fchrt.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEine einzige deutsche Fahne reichte aus, um statt eines Gespr\u00e4chs \u00fcber die schlesische Identit\u00e4t einen weiteren Streit \u00fcber Symbole und Emotionen zu entfachen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Viele Jahre lang war das symbolische Motto des Marsches \u201eAutonomie 2020\u201c, eingef\u00fchrt zur Erinnerung an den Jahrestag seiner Verabschiedung, aber auch zur Festlegung des Ziels, das in der Ausweitung der Formen der Dezentralisierung und regionalen Selbstverwaltung, nicht nur in Schlesien, bestehen sollte.<\/p>\n<h2>Von der Autonomie zur Identit\u00e4t<\/h2>\n<p>W\u00e4hrend der letzten M\u00e4rsche konzentrierte man sich darauf, die nationale Eigenst\u00e4ndigkeit der autochthonen Bev\u00f6lkerung zu betonen, indem man die Anerkennung der schlesischen Nationalit\u00e4t, die Anerkennung der schlesischen Sprache und die fl\u00e4chendeckende Einf\u00fchrung von Regionalkunde in den Schulen forderte.<\/p>\n<p>Die letzten beiden M\u00e4rsche entwickelten sich zu einer Veranstaltung mit Volksfestcharakter in Form eines Picknicks, bei dem sich die Teilnehmer mit ihren Familien, oft auch mit Kindern, bei Musik und Bewirtung treffen.<\/p>\n<p>Der Marsch bewegte sich in einem Meer aus gold-blauen schlesischen Flaggen und den Farben auf der Kleidung vieler Teilnehmer durch die Stra\u00dfen von Kattowitz. Es gab auch Menschen in Volkstrachten. Es wehten Flaggen anderer europ\u00e4ischer autonomer Regionen.<\/p>\n<p>Es gab auch eine deutsche Fahne. Eine. Es kam vor, dass es bei fr\u00fcheren M\u00e4rschen mehr solcher Flaggen gab. Sie riefen damals nicht solche Emotionen hervor.<\/p>\n<p>Diesmal jedoch konzentrierte sich der Angriff nationalistischer und rechtsextremer Kreise auf diese eine Flagge.<\/p>\n<p>In den Internetforen kochte es geradezu \u00fcber vor einer Welle oft unfl\u00e4tiger, einseitiger Kommentare. Eine Welle von Hass und Verachtung ergoss sich, es erschienen Beitr\u00e4ge, die keinen Bezug zu den Fakten hatten, aber darauf abzielten, eine negative Bewertung des Marschverlaufs hervorzurufen und seine Teilnehmer zu kritisieren.<\/p>\n<p>In den Kommentaren erschienen Aufrufe, mit der deutschen Option abzurechnen, Andeutungen \u00fcber weitere Vertreibungen und sogar die Er\u00f6ffnung von Lagern f\u00fcr Separatisten und ethnische Splittergruppen.<\/p>\n<div id=\"attachment_82820\" style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-82820\" class=\"size-large wp-image-82820\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/marsz-2-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/marsz-2-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/marsz-2-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/marsz-2-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/marsz-2.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><p id=\"caption-attachment-82820\" class=\"wp-caption-text\"><br \/>Foto: Bewegung f\u00fcr die Autonomie Schlesiens Myslowitz\/Facebook<\/p><\/div>\n<p>Bereits nach dem Marsch im letzten Jahr bezog sich Dr. Jerzy Gorzelik auf die \u00c4u\u00dferungen von Kommentatoren, die behaupteten, vorsichtig ausgedr\u00fcckt, die Anwesenheit der deutschen Fahne beim Marsch in Schlesien sei ein Skandal. Wie er feststellte, ist in Schlesien die deutsche Minderheit pr\u00e4sent, in Deutschland gibt es Kreise der Vertriebenen aus Schlesien, und au\u00dferdem sei dies eine der Flaggen der Europ\u00e4ischen Union.<\/p>\n<p>Aber diejenigen, die der Deutschlandfahne feindlich gesinnt sind, sind doch auch der EU feindlich gesinnt und w\u00fcrden sie gerne verlassen.<\/p>\n<h2>Zwischen Dialog und Konfrontation<\/h2>\n<p>Internetbeitr\u00e4ge und Beschimpfungen in den Foren sind jedoch nicht alles. Auf der Marschroute erschien eine kleine Gruppe von Gegendemonstranten, ausgestattet mit Bannern, auf denen Slogans zu lesen waren wie: \u201eTod den Feinden des Vaterlandes\u201c, \u201ePolnisches Schlesien\u201c, und es waren auch vorbereitete Galgen zu sehen.<\/p>\n<p>Um einen Moment auf dem Ring in Kattowitz zu stehen, kamen sie angeblich aus der Gegend von Wieliczka und Tarn\u00f3w angereist. Ein kurioses Banner trug den Slogan: \u201eAn den B\u00e4umen statt Bl\u00e4ttern werden Kommunisten h\u00e4ngen\u201c. Sicherlich muss sein Autor \u00fcber betr\u00e4chtliche Kenntnisse bez\u00fcglich der Verdienste der Kommunisten verf\u00fcgen, z. B. im Lager Zgoda. Aber dann h\u00e4tte sein Platz eigentlich unter den Marschteilnehmern sein sollen und nicht beim Gegenprotest.<\/p>\n<p>Dazu fotografierten sie akribisch und ostentativ die Marschierenden, zu einem nur ihnen bekannten Zweck.<\/p>\n<p>Diese Umst\u00e4nde wurden nat\u00fcrlich von Politikern der extremen Rechten f\u00fcr ihre politischen Zwecke genutzt, wie es bereits in der Vergangenheit geschehen war.<\/p>\n<p>Auf ihren Profilen erschienen Beitr\u00e4ge voller Emp\u00f6rung \u00fcber die durchgef\u00fchrte Veranstaltung und mit Andeutungen \u00fcber angebliche Versuche, Schlesien abzutrennen, wobei sie gleichzeitig v\u00f6llige Unkenntnis \u00fcber die Geschichte und Identit\u00e4t dieses multikulturellen Gebietes des heutigen Polen offenbarten.<\/p>\n<p>In den Beitr\u00e4gen, die sich auf den Marsch beziehen, erscheinen auch solche, die das Recht auf die Verwendung der regionalen Sprache in Schlesien negieren. Bekanntlich ist die Anerkennung des Schlesischen als Regionalsprache im heutigen Schlesien f\u00fcr viele Organisationen und Personen, die in diese Aktivit\u00e4ten eingebunden sind, zur Priorit\u00e4t geworden. Seit Jahrzehnten wird auch die Frage der Nationalit\u00e4t und Ethnizit\u00e4t aufgeworfen.<\/p>\n<p>Es finden viele Debatten und Konferenzen statt. Derzeit wird die Angelegenheit auf die internationale B\u00fchne gebracht, mit dem Bestreben, die schlesische Sprache in die Liste des immateriellen UNESCO-Weltkulturerbes aufzunehmen. Solche Bem\u00fchungen werden seit Jahren im Rahmen von Diskussionen, Appellen und wissenschaftlichen Treffen unternommen. Nie in Form von Konflikt oder Aggression.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten Ereignisse k\u00f6nnten jedoch darauf hindeuten, dass extreme Kreise eine Versch\u00e4rfung der Situation und eine Konfliktversch\u00e4rfung in der Gesellschaft anstreben werden. Wir beobachten immer h\u00e4ufiger Aktionen, die darauf abzielen, den sozialen Frieden zu ersch\u00fcttern.<\/p>\n<p>Galgen auf Bannern sind aussagekr\u00e4ftig. Paramilit\u00e4rische Gruppen in Pseudouniformen ebenfalls. Es wird versucht, Diplomatie und Dialog durch Gewalt zu ersetzen.<\/p>\n<p>Man darf dem nicht tatenlos zusehen. Man muss reagieren, aber auch von den Beh\u00f6rden eine Reaktion einfordern, solange diese Beh\u00f6rden noch Einfluss auf die \u00f6ffentliche Sicherheit haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Am zweiten Sonntag im Juli zog zum zwanzigsten Mal der Autonomiemarsch durch die Stra\u00dfen von Kattowitz, dessen Hauptorganisator die Bewegung f\u00fcr die Autonomie Schlesiens ist. Am Marsch nehmen Vertreter vieler schlesischer Regionalorganisationen sowie ausl\u00e4ndische G\u00e4ste teil. 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