{"id":82783,"date":"2026-07-14T17:00:51","date_gmt":"2026-07-14T15:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=82783"},"modified":"2026-07-14T14:51:16","modified_gmt":"2026-07-14T12:51:16","slug":"impulse-einer-studienreise-zwischen-tradition-und-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/impulse-einer-studienreise-zwischen-tradition-und-zukunft\/","title":{"rendered":"Impulse einer Studienreise zwischen Tradition und Zukunft"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von Sankelmark bis Sonderburg: Eine Delegation aus Oppeln und Schlesien suchte im deutsch-d\u00e4nischen Grenzgebiet nach neuen Wegen f\u00fcr die Minderheitenarbeit. Das Ergebnis ist ein intensiver Dialog \u00fcber Bildung, Geschichte und das mutige Bekenntnis zur eigenen Identit\u00e4t.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u201eDiese Reise war kein Zufall, sondern die logische Fortsetzung unserer Arbeit\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Marek Mazurkiewicz vom Schlesischen Institut und der Universit\u00e4t Oppeln. Nach dem Minderheitenkongress im September 2025 war der Wunsch gro\u00df, die Kontakte zum Europ\u00e4ischen Zentrum f\u00fcr Minderheitenfragen (ECMI) und dem Minderheiten-Kompetenz-Netzwerk (MKN) zu vertiefen. \u201eWir wollten nicht nur Institutionen sehen, sondern mit den Menschen ins Gespr\u00e4ch kommen.\u201c<\/p>\n<h2>Ein \u201eMiteinander\u201c als gelebtes Modell<\/h2>\n<p>Die Gruppe war bewusst heterogen zusammengestellt. \u201eWir brauchten Forscher, NGO-Vertreter und Praktiker aus den Schulen\u201c, so Mazurkiewicz weiter. Mit dabei waren unter anderem Vertreter des VdG, des Hauses der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit, lokale Bildungsakteure sowie Doktoranden der Universit\u00e4t Oppeln, die sich mit der Thematik der Minderheiten im Rahmen ihres Studiums auseinandersetzen.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDiese Reise war kein Zufall, sondern die logische Fortsetzung unserer Arbeit\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Marek Mazurkiewicz vom Schlesischen Institut und der Universit\u00e4t Oppeln<\/p><\/blockquote>\n<p>F\u00fcr Sebastian Gerstenberg, Deutschlehrer und Vorsitzender der deutschen Minderheit in der Gemeinde Oberglogau, war die Atmosph\u00e4re in Schleswig-Holstein eine Offenbarung: \u201eIch nehme vor allem das beeindruckende Beispiel mit, wie Deutsche, D\u00e4nen, Friesen sowie Sinti und Roma friedlich zusammenleben. Dieses Miteinander zeigt, dass Vielfalt eine St\u00e4rke ist, wenn sie von Respekt getragen wird.\u201c<\/p>\n<h2>Geschichte: Vom Ballast zur Inspiration<\/h2>\n<p>Ein zentraler Punkt des Programms war die Aufarbeitung der Geschichte, insbesondere das Schicksalsjahr 1920, in dem Volksabstimmungen die Grenzen neu zogen. Marek Mazurkiewicz sieht hier klare Parallelen zu Oberschlesien: \u201eIn der Geschichte der Grenzregionen gibt es viele \u00c4hnlichkeiten. Aber der Umgang damit unterscheidet sich. Im deutsch-d\u00e4nischen Grenzland ist die Geschichte kein politischer Zankapfel mehr.\u201c Er f\u00fcgt nachdenklich hinzu: \u201eBei uns kehrt die Geschichte oft zur\u00fcck, um die Zukunft zu belasten. Dort lernt man aus der Vergangenheit, um die Gegenwart besser zu gestalten.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-82786\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/20260702_144311-1024x768.jpg\" alt=\"Die Delegation vor der d\u00e4nischen Duborg-Skolen in Flensburg. Hier ist Zweisprachigkeit der Schl\u00fcssel zur Zukunft: Wer hier seinen Abschluss macht, kann seinen schulischen und beruflichen Weg sowohl in Deutschland als auch in D\u00e4nemark fortsetzen. Zwar m\u00fcssen die Sch\u00fcler durch das bilinguale System ein h\u00f6heres Pensum leisten, profitieren daf\u00fcr aber von deutlich mehr M\u00f6glichkeiten auf dem europ\u00e4ischen Arbeitsmarkt. Foto: Manuela Leibig\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/20260702_144311-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/20260702_144311-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/20260702_144311-768x576.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/20260702_144311-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/20260702_144311-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Sebastian Gerstenberg erg\u00e4nzt die emotionale Komponente: \u201eWir hatten fast 45 Jahre lang eine Zeit, in der die deutsche Sprache verboten war. Viele Menschen tragen noch immer Scham oder Unsicherheit in sich. Die ehrliche Auseinandersetzung, die wir hier im Norden beim Besuch des Deutschen Museums in Sonderburg oder am Knivsberg gesehen haben, f\u00fchrt zu einem neuen Selbstbewusstsein.\u201c<\/p>\n<h2>Bildung und Identit\u00e4t: Mehr als nur Lehrb\u00fccher<\/h2>\n<p>Ein Schwerpunkt der Reise lag auf der Bildung, vom Besuch der d\u00e4nischen Duborg Skolen in Flensburg bis zum Kennenlernen der deutschen Schulen in D\u00e4nemark (Deutscher Schul- und Sprachverein f\u00fcr Nordschleswig, DSSV). Karolina Kazik, beim VdG f\u00fcr die deutschen Kinderclubs zust\u00e4ndig, suchte gezielt nach praktischen Anregungen: \u201eIm Zentrum standen Fragen wie: Wie setzt sich die Identit\u00e4t eines Minderheitenangeh\u00f6rigen heute zusammen? Schlie\u00dfen sich d\u00e4nische und deutsche Identit\u00e4t aus? Die Antwort, die wir fanden, war eine sehr offene Haltung.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_82788\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-82788\" class=\"size-large wp-image-82788\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/20260630_151132-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/20260630_151132-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/20260630_151132-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/20260630_151132-768x576.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/20260630_151132-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/20260630_151132-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-82788\" class=\"wp-caption-text\">Simone Sippel vom Deutschen Schul- und Sprachverein f\u00fcr Nordschleswig (DSSV) im Gespr\u00e4ch mit der Delegation. Sie erl\u00e4uterte die Strukturen und die Arbeitsweise des deutschen Schulwesens in D\u00e4nemark und gab wertvolle Einblicke, wie die Bildungseinrichtungen der Minderheit erfolgreich organisiert sind und gef\u00f6rdert werden.<br \/>Foto: Manuela Leibig<\/p><\/div>\n<p>Besonders beeindruckt zeigte sich Karolina Kazik vom Nordfriisk Instituut in Bredstedt. \u201eDie Friesen machen keine klassischen Schulb\u00fccher, sondern entwickeln flexible Bildungsmaterialien und eine Online-Plattform. Da es viele Dialekte gibt, ist dieser kleinteilige, digitale Ansatz extrem effizient\u201c, erkl\u00e4rt sie. \u201eDas ist ein Vorbild f\u00fcr uns, wenn wir \u00fcber modernen Unterricht von Deutsch als Minderheitensprache nachdenken.\u201c<\/p>\n<p>Sebastian Gerstenberg sieht das \u00e4hnlich: \u201eAls Lehrer nehme ich viele Impulse f\u00fcr die Sprachf\u00f6rderung mit. Es geht darum, die eigene Identit\u00e4t junger Menschen zu st\u00e4rken. Das Beispiel aus der Grenzregion zeigt, dass die bewusste Pflege der Muttersprache zu neuem Selbstvertrauen f\u00fchrt.\u201c<\/p>\n<h2>Ein intensiver Austausch mit Folgen<\/h2>\n<p>Das Programm war straff \u2013 oft wurde bis sp\u00e4t nach dem Abendessen diskutiert. \u201eEs war ein reger Austausch, weil wir unsere schlesischen Erfahrungen direkt mit den Beispielen vor Ort vergleichen konnten\u201c, erkl\u00e4rt Marek Mazurkiewicz.<\/p>\n<p>Auch wenn man das d\u00e4nisch-deutsche Modell nicht eins zu eins auf Polen \u00fcbertragen kann, so bleibt die Inspiration. \u201eWir k\u00f6nnen die Vergangenheit nicht \u00e4ndern\u201c, res\u00fcmiert Mazurkiewicz, \u201eaber wir k\u00f6nnen sie als Motivation f\u00fcr bessere gegenw\u00e4rtige Beziehungen nehmen \u2013 nicht nur im deutsch-polnischen, sondern vielleicht sogar im polnisch-ukrainischen Kontext.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_82790\" style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-82790\" class=\"size-large wp-image-82790\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/IMG-20260703-WA0017-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/IMG-20260703-WA0017-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/IMG-20260703-WA0017-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/IMG-20260703-WA0017-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/IMG-20260703-WA0017.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><p id=\"caption-attachment-82790\" class=\"wp-caption-text\">Einblick in die friesische Kultur: Die Teilnehmer der Studienreise besuchen die Ausstellung im Nordfriisk Instituut in Bredstedt. Das Institut beeindruckte die Delegation besonders durch seine innovativen und flexiblen Ans\u00e4tze bei der Sprachf\u00f6rderung.<br \/>Foto: privat<\/p><\/div>\n<p>Karolina Kazik fasst ihre Eindr\u00fccke zusammen: \u201eIch nehme eine st\u00e4rkere Achtung f\u00fcr Diversit\u00e4t in allen Aspekten der Gesellschaft mit. Es war intensiv, spannend und vor allem: sehr praktisch orientiert.\u201c<\/p>\n<p>Die Reise nach Sankelmark war somit mehr als eine Exkursion \u2013 sie war eine Ermutigung f\u00fcr die Minderheitenarbeit in Schlesien, Identit\u00e4t nicht als R\u00fcckzug, sondern als Br\u00fccke zur Mehrheitsgesellschaft zu verstehen.<\/p>\n<h3>Infobox: Die Stationen der Reise<\/h3>\n<ul>\n<li>Akademiezentrum Sankelmark: Basis f\u00fcr den theoretischen Austausch.<\/li>\n<li>Apenrade &amp; Sonderburg (DK): Besuch der deutschen Minderheit und des Deutschen Museums.<\/li>\n<li>Bredstedt &amp; Risum-Lindholm: Einblick in die friesische Kultur und das Frieseninstitut.<\/li>\n<li>Flensburg: Besuch der Duborg Skolen (d\u00e4nisches Gymnasium).<\/li>\n<li>Themen: Minderheitenmodell 1920, Sinti und Roma in Schleswig-Holstein, zweisprachige Bildung, Identit\u00e4ts-Workshops (\u201eWho We Are\u201c).<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Sankelmark bis Sonderburg: Eine Delegation aus Oppeln und Schlesien suchte im deutsch-d\u00e4nischen Grenzgebiet nach neuen Wegen f\u00fcr die Minderheitenarbeit. 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