{"id":82293,"date":"2026-07-06T17:00:38","date_gmt":"2026-07-06T15:00:38","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=82293"},"modified":"2026-07-05T19:13:21","modified_gmt":"2026-07-05T17:13:21","slug":"35-jahre-deutsch-polnischer-nachbarschaftsvertrag-viadrina-praesident-eduard-muehle-im-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/35-jahre-deutsch-polnischer-nachbarschaftsvertrag-viadrina-praesident-eduard-muehle-im-interview\/","title":{"rendered":"Viadrina-Pr\u00e4sident Eduard M\u00fchle im Interview: \u201eEuropa wird hier im Alltag erlebt und gestaltet\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Prof. Dr. Eduard M\u00fchle ist seit April 2023 Pr\u00e4sident der Europa-Universit\u00e4t Viadrina Frankfurt (Oder). Die 1991 gegr\u00fcndete Universit\u00e4t versteht sich aufgrund ihrer Lage an der deutsch-polnischen Grenze als ein Ort, der zur Verst\u00e4ndigung in Europa und dar\u00fcber hinaus beitr\u00e4gt und die Idee eines vereinten Europas mitgestaltet. Mit ihm sprach Mauro Oliveira \u00fcber die Entwicklung der Hochschulkooperation, aktuelle Herausforderungen und die Zukunft der deutsch-polnischen Beziehungen.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Herr Professor M\u00fchle, die Europa-Universit\u00e4t Viadrina wurde 1991 unmittelbar nach der Unterzeichnung des Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrags gegr\u00fcndet. G\u00e4be es die Viadrina in ihrer heutigen Form, wenn der Vertrag nicht unterzeichnet worden w\u00e4re?<\/h3>\n<p>In ihrer heutigen Form wahrscheinlich nicht.<\/p>\n<p>Es h\u00e4tte sie m\u00f6glicherweise trotzdem als Universit\u00e4t gegeben, denn unmittelbar nach dem Mauerfall setzte sich eine B\u00fcrgerinitiative in Frankfurt (Oder) f\u00fcr die Wiedergr\u00fcndung der Viadrina ein. Die Viadrina existierte bereits einmal als brandenburgische Landesuniversit\u00e4t, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts gegr\u00fcndet und Anfang des 19. Jahrhunderts im Zuge der humboldtschen Bildungsreformen und der Gr\u00fcndung der Berliner Universit\u00e4t geschlossen wurde. Ein gro\u00dfer Teil der Professorenschaft und die Bibliothek wurden damals nach Breslau verlagert.<\/p>\n<p>Im Nachbarschaftsvertrag gibt es mehrere Artikel, die die Zusammenarbeit im Wissenschaftsbereich betreffen. Artikel 26 spricht explizit von der Entwicklung der Hochschulkooperation. Dadurch entstand die M\u00f6glichkeit, an der Grenze eine Universit\u00e4t aufzubauen, die zugleich an eine historische Tradition ankn\u00fcpft. Schon die Brandenburgische Landesuniversit\u00e4t war stark nach Ostmitteleuropa orientiert. Dort studierten unter anderem Angeh\u00f6rige des polnisch-litauischen Adels.<\/p>\n<h3>Wie beurteilen Sie die aktuellen deutsch-polnischen Beziehungen, insbesondere im Wissenschaftsbereich?<\/h3>\n<p>Wenn man die Berichterstattung in den Medien verfolgt oder politische Debatten beobachtet, k\u00f6nnte man den Eindruck gewinnen, dass die deutsch-polnischen Beziehungen derzeit schwierig sind. Im Alltag sieht das jedoch anders aus. Vieles hat sich eingespielt, vieles ist selbstverst\u00e4ndlich geworden. Die Zusammenarbeit funktioniert in der Regel konstruktiv und produktiv.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es gelegentlich Reibungen und Probleme. Die gibt es allerdings auch zwischen deutschen Universit\u00e4ten oder anderen Kooperationspartnern.<\/p>\n<h3>Wie hat sich die wissenschaftliche Zusammenarbeit seit den 1990er-Jahren entwickelt?<\/h3>\n<p>Die Zusammenarbeit hat sich schrittweise vertieft. Ein Meilenstein war die Gr\u00fcndung des Collegium Polonicum in S\u0142ubice im Jahr 1998, das wir gemeinsam mit der Adam-Mickiewicz-Universit\u00e4t Posen betreiben.<\/p>\n<div id=\"attachment_82295\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-82295\" class=\"size-large wp-image-82295\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/viadrina-hauptgebaeude-front-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/viadrina-hauptgebaeude-front-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/viadrina-hauptgebaeude-front-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/viadrina-hauptgebaeude-front-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/viadrina-hauptgebaeude-front-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/viadrina-hauptgebaeude-front-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-82295\" class=\"wp-caption-text\">Die Europa-Universit\u00e4t Viadrina steht f\u00fcr wissenschaftlichen Austausch im deutsch-polnischen Grenzraum und dar\u00fcber hinaus. Im Bild: das Hauptgeb\u00e4ude der Europa-Universit\u00e4t Viadrina.<br \/>Foto: Viadrina\/Heide Fest<\/p><\/div>\n<p>Das Collegium Polonicum wird gemeinsam getragen: Die Viadrina erh\u00e4lt Unterst\u00fctzung durch das Land Brandenburg, die Adam-Mickiewicz-Universit\u00e4t durch das polnische Wissenschaftsministerium. Die polnische Seite ist f\u00fcr das Geb\u00e4ude verantwortlich, wir f\u00fcr das wissenschaftliche Personal. Auf dieser Grundlage haben wir eine enge Kooperation aufgebaut, die sich unter anderem in gemeinsamen Studieng\u00e4ngen widerspiegelt.<\/p>\n<h3>Woher kommen die Studierenden des Collegium Polonicum?<\/h3>\n<p>Das hat sich im Laufe der Jahre ver\u00e4ndert. In den 1990er-Jahren, als Polen noch nicht Mitglied der Europ\u00e4ischen Union war, fungierte die Viadrina f\u00fcr viele junge Menschen aus Polen als Tor zum deutschen und europ\u00e4ischen Hochschulraum. Damals kam mehr als ein Drittel unserer Studierenden aus Polen. Entsprechend war auch das Collegium Polonicum \u00fcberwiegend von deutsch-polnischen Studierenden gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Heute sind wir deutlich internationaler aufgestellt. Rund 43 Prozent unserer Studierenden kommen aus dem Ausland, vertreten sind bis zu 100 Nationen. Diese Internationalit\u00e4t pr\u00e4gt die Viadrina heute st\u00e4rker denn je.<\/p>\n<h3>Sie sagten, dass die Kooperation im Alltag weitgehend gut funktioniert. Gibt es dennoch konkrete Herausforderungen?<\/h3>\n<p>Ja, selbstverst\u00e4ndlich. Es gibt immer wieder praktische Hemmnisse.<\/p>\n<p>Ein konkretes Beispiel ist das Collegium Polonicum. Es liegt auf der polnischen Seite der Oder. Seit einigen Jahren gibt es \u2013 auch auf Initiative von Studierenden \u2013 eine Buslinie zwischen Frankfurt (Oder) und S\u0142ubice. Diese wurde lange Zeit gemeinsam von deutscher und polnischer Seite finanziert. Inzwischen hat die Stadt S\u0142ubice Schwierigkeiten, ihren Anteil weiter zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u201eDemokratie erfordert kritische Auseinandersetzung, Selbstverst\u00e4ndnis, Diskurs, Offenheit.\u201c<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Deshalb wird derzeit dar\u00fcber diskutiert, die Buslinie im Juli zu reduzieren und im Dezember ganz einzustellen. Gemeinsam mit der Studierendenschaft der Viadrina und den Studierenden des Collegium Polonicum haben wir deshalb eine Petition an die beiden B\u00fcrgermeister gerichtet, um den Erhalt der Busverbindung zu erreichen.<\/p>\n<h3>Welche Auswirkungen h\u00e4tte eine Einstellung der Buslinie auf den Universit\u00e4tsbetrieb?<\/h3>\n<p>Eine unterbrochene Verkehrsverbindung w\u00fcrde die Kommunikation erheblich erschweren.<\/p>\n<p>Ein weiteres Problem in diesem Bereich sind die derzeitigen Grenzkontrollen. Zum einen schaffen sie eine Atmosph\u00e4re, die dem Geist einer offenen Europa-Universit\u00e4t widerspricht. Zum anderen f\u00fchren sie ganz praktisch zu Behinderungen beim Grenz\u00fcbertritt. Wenn Studierende anders aussehen als die \u00fcblichen Mitteleurop\u00e4er, dann vielleicht zus\u00e4tzlich ihren Pass vergessen haben, dann gibt es Probleme.<\/p>\n    <div class=\"osoba-widget\">\r\n                    <h4 class=\"osoba-naglowek\">Zur Person<\/h4>\r\n                <div class=\"osoba-body\">\r\n            <div class=\"osoba-text\"><p>Prof. Dr. Eduard M\u00fchle ist seit 2023 Pr\u00e4sident der Europa-Universit\u00e4t Viadrina. Zuvor (2005\u20132023) war er Professor f\u00fcr Geschichte Ostmitteleuropas und Osteuropas an der Universit\u00e4t M\u00fcnster. 1995\u20132005 leitete er das Leibniz-Institut f\u00fcr historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg, 2008\u20132013 das Deutsche Historische Institut in Warschau.<\/p>\n<p>Seine Forschungsschwerpunkte umfassen unter anderem die Geschichte des mittelalterlichen Polen, des Slawen- und Osteuropadiskurses in Mittelalter und Neuzeit sowie die Geschichte der deutsch-polnischen Nachbarschaft.<\/p>\n<p>F\u00fcr seine Forschung wurde er mehrfach ausgezeichnet, etwa 2014 mit dem Alexander-von-Humboldt-Forschungspreis der Stiftung f\u00fcr die Polnische Wissenschaft (Fundacja na Rzecz Nauki Polskiej), 2016 als Ausw\u00e4rtiges Mitglied der Polnischen Akademie der Wissenschaften und K\u00fcnste in Krakau (Polska Akademia Umiej\u0119tno\u015bci) sowie 2021 mit der Lux et Laus-Medaille des Polnischen Medi\u00e4vistenverbandes.<\/p>\n<\/div>\r\n                        <div class=\"osoba-image\">\r\n                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/eduard-muehle-viadrina-scaled-e1783269975204.jpg\" alt=\"Zur Person\">\r\n                                    <span class=\"osoba-podpis\">Foto: Viadrina\/Heide Fest<\/span>\r\n                            <\/div>\r\n                    <\/div>\r\n    <\/div>\r\n    \n<p>Solche Erfahrungen sprechen sich herum und werden teilweise auch in internationalen Medien aufgegriffen. Das kann sich auf den Ruf der Viadrina auswirken und ihre Attraktivit\u00e4t f\u00fcr internationale Studierende mindern. Gleichzeitig liegt gerade in dieser Grenzsituation die besondere St\u00e4rke unserer Universit\u00e4t: Europa wird hier im Alltag erlebt und gestaltet \u2013 mit all seinen Chancen und Herausforderungen.<\/p>\n<h3>Lange schien es selbstverst\u00e4ndlich, dass Grenzkontrollen innerhalb der EU der Vergangenheit angeh\u00f6ren.<\/h3>\n<p>Mittlerweile haben sich die Frankfurter und die S\u0142ubicer auch so sehr an die offenen Grenzen gew\u00f6hnt, dass sie beide Orte als eine Stadt wahrnehmen.<\/p>\n<p>Der erste Einschnitt kam mit den Grenzschlie\u00dfungen w\u00e4hrend der Corona-Pandemie. Das war eine erhebliche Belastung f\u00fcr das deutsch-polnische Zusammenleben in der Grenzregion. Nun erleben wir mit den station\u00e4ren Grenzkontrollen einen zweiten Bruch. In der Region besteht weitgehend Einigkeit dar\u00fcber, dass diese Kontrollen m\u00f6glichst bald beendet werden sollten.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass sie h\u00e4ufig eher symbolpolitische als praktische Wirkung entfalten. Wenige Kilometer weiter n\u00f6rdlich oder s\u00fcdlich gibt es keine vergleichbaren Kontrollen. In Frankfurt (Oder) sind sie dagegen besonders sichtbar und beeintr\u00e4chtigen nicht nur die Universit\u00e4t, sondern die gesamte Wirtschaftsregion.<\/p>\n<h3>Sehen Sie politischen Handlungsbedarf \u2013 vielleicht sogar einen neuen Vertrag?<\/h3>\n<p>Ich glaube nicht, dass wir einen neuen Vertrag brauchen. Im bestehenden Vertrag steht bereits sehr viel, von dem vieles umgesetzt wurde, manches aber eben noch nicht.<\/p>\n<p>Es gibt zahlreiche Detailfragen, bei denen in den vergangenen 30 bis 35 Jahren mit gr\u00f6\u00dferem Engagement und mehr politischem Interesse deutlich mehr h\u00e4tte erreicht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n    <div class=\"osoba-widget\">\r\n                    <h4 class=\"osoba-naglowek\">Die Europa-Universit\u00e4t Viadrina<\/h4>\r\n                <div class=\"osoba-body\">\r\n            <div class=\"osoba-text\"><p>Die Europa-Universit\u00e4t Viadrina wurde im Juli 1991 in Frankfurt (Oder) gegr\u00fcndet. Mit ihrer internationalen Ausrichtung und ihrem besonderen Fokus auf Ostmitteleuropa kn\u00fcpft die Viadrina an die brandenburgische Landesuniversit\u00e4t (1506\u20131811) in Frankfurt (Oder) an, die bereits eng mit Ostmitteleuropa verbunden war und als Ort des wissenschaftlichen Austauschs zwischen West und Ost fungierte. Von den rund 3.600 Studierenden sind heute etwa 43 Prozent internationale Studierende aus rund 100 L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Der Schwerpunkt des Studienangebots liegt im rechts-, wirtschafts- und kulturwissenschaftlichen Bereich mit einem besonderen Fokus auf Ostmitteleuropa. Gemeinsam mit der Adam-Mickiewicz-Universit\u00e4t in Posen betreibt die Viadrina das Collegium Polonicum in S\u0142ubice als gemeinsame wissenschaftliche Einrichtung.<\/p>\n<p>Als Europa-Universit\u00e4t versteht sich die Viadrina als Ort einer demokratischen, offenen und vielf\u00e4ltigen europ\u00e4ischen Gesellschaft. Sie verbindet Forschung, Lehre und Transfer mit dem Anspruch, Europa als vernetzten, dynamischen und von Vielfalt gepr\u00e4gten Raum zu denken und aktiv mitzugestalten.<\/p>\n<\/div>\r\n                    <\/div>\r\n    <\/div>\r\n    \n<p>Erfreulicherweise wurden bei den deutsch-polnischen Regierungskonsultationen im vergangenen Dezember auch Wissenschaft und Hochschulen ausdr\u00fccklich thematisiert. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass in den kommenden Jahren weitere Fortschritte m\u00f6glich sind.<\/p>\n<h3>Einer Ihrer Forschungsschwerpunkte ist die mittelalterliche Geschichte Osteuropas. Kann der Blick ins Mittelalter helfen, die deutsch-polnischen Beziehungen besser zu verstehen?<\/h3>\n<p>Ich w\u00fcrde nicht sagen, dass wir Antworten auf heutige politische Fragen im 11. oder 12. Jahrhundert suchen sollten.<\/p>\n<p>Wer jedoch durch Polen reist, begegnet \u00fcberall Denkm\u00e4lern polnischer K\u00f6nige und schlesischer F\u00fcrsten. Daran wird deutlich, wie pr\u00e4sent das Mittelalter im kulturellen Ged\u00e4chtnis Polens bis heute ist. Dieses historische Bewusstsein zu verstehen, ist auch f\u00fcr deutsche Partner wichtig. In Deutschland ist das Geschichtsbewusstsein aus nachvollziehbaren historischen Gr\u00fcnden oft weniger stark ausgepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Gerade wenn es darum geht, die deutsch-polnischen Beziehungen auf der politischen Ebene weiterzuentwickeln, ist es wichtig, zun\u00e4chst die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen. Dazu geh\u00f6rt die Anerkennung, dass eine vertrauensvolle Kooperation und Partnerschaft nur auf der Grundlage eines klaren Geschichtsbewusstseins gelingen kann.<\/p>\n<h3>In Berlin wird voraussichtlich bald ein permanentes Denkmal f\u00fcr die polnischen Opfer des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Besatzungsherrschaft von 1939 bis 1945 gebaut.<\/h3>\n<p>Es hat lange gedauert und war ein schwieriger Prozess. Das zeigt auch, wie schwer sich Deutschland manchmal mit eigentlich naheliegenden Schritten tut. Das Denkmal und das Haus der deutsch-polnischen Geschichte h\u00e4tten durchaus fr\u00fcher umgesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3><strong>Mehr zum Thema:<\/strong><\/h3>\n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/35-jahre-deutsch-polnischer-nachbarschaftsvertrag-jubilaeumskonzert-der-deutschen-minderheit-in-oppeln\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Jubilaeumskonzert-35-Jahre-Nachbarschaftsvertrag-8-150x150.png\" alt=\"\u201eDer Vertrag hat nicht an Bedeutung verloren\u201c\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Jubil\u00e4umskonzert in Oppeln<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">\u201eDer Vertrag hat nicht an Bedeutung verloren\u201c<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/interview-mit-landrat-dr-stephan-meyer-35-jahre-gute-nachbarschaft-in-der-dreilaenderregion\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/LKGR_Landrat_Dr_Stephan_Meyer_2023_WEB_Paul_Glaser_001-e1782395510624-150x150.jpg\" alt=\"35 Jahre gute Nachbarschaft in der Dreil\u00e4nderregion\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Interview mit Stephan Meyer<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">35 Jahre gute Nachbarschaft in der Dreil\u00e4nderregion<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n<p>Ebenso h\u00e4tte die sogenannte humanit\u00e4re Geste gegen\u00fcber den noch rund 50.000 lebenden Opfern der deutschen Besatzung in Polen l\u00e4ngst umgesetzt werden k\u00f6nnen. Dass dies bis heute nicht geschehen ist, ist schwer nachvollziehbar.<\/p>\n<h3>Sie haben selbst in Polen gelebt und gearbeitet. Gibt es etwas, das Sie besonders gepr\u00e4gt hat oder von dem Deutschland lernen k\u00f6nnte?<\/h3>\n<p>Ich besch\u00e4ftige mich seit den 1970er-Jahren mit Polen. Bis heute beeindrucken mich der Pragmatismus und der Optimismus vieler Menschen dort. Das Land hat die Transformation nach 1989 mit gro\u00dfer Energie vorangetrieben und enorme Fortschritte erzielt. Es wird oft weniger diskutiert und mehr umgesetzt. Von dieser Tatkraft k\u00f6nnte Deutschland durchaus etwas lernen.<\/p>\n<h3>Die Viadrina hat anl\u00e4sslich des 35. Jubil\u00e4ums des Nachbarschaftsvertrags mehrere Veranstaltungen organisiert. Eine davon trug den Titel \u201eDoing Democracy \u2013 How We Protect and Shape Democracy Today\u201c. Wie l\u00e4sst sich die Demokratie in Europa st\u00e4rken?<\/h3>\n<p>Eine zentrale Aufgabe der Viadrina besteht darin, das europ\u00e4ische Projekt durch ihre akademische Arbeit zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Gleichzeitig erleben wir in Frankfurt (Oder) und der Region politische Entwicklungen, die uns herausfordern. Rechtspopulistische Str\u00f6mungen sind hier stark vertreten. Deshalb sehen wir uns als Universit\u00e4t in der Verantwortung, den demokratischen Diskurs zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Das tun wir, indem wir unsere Studierenden zu kritisch denkenden Pers\u00f6nlichkeiten ausbilden. Denn Demokratie erfordert kritische Auseinandersetzung, Selbstverst\u00e4ndnis, Diskurs, Offenheit. Und all das versuchen wir in unserem praktischen Alltag des Studiums zu entwickeln und zu leben und so dazu beizutragen, diesen Herausforderungen entgegenzutreten.<\/p>\n<h3>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. Dr. Eduard M\u00fchle ist seit April 2023 Pr\u00e4sident der Europa-Universit\u00e4t Viadrina Frankfurt (Oder). Die 1991 gegr\u00fcndete Universit\u00e4t versteht sich aufgrund ihrer Lage an der deutsch-polnischen Grenze als ein Ort, der zur Verst\u00e4ndigung in Europa und dar\u00fcber hinaus beitr\u00e4gt und die Idee eines vereinten Europas mitgestaltet. 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