{"id":81788,"date":"2026-06-25T17:00:34","date_gmt":"2026-06-25T15:00:34","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=81788"},"modified":"2026-06-25T16:08:29","modified_gmt":"2026-06-25T14:08:29","slug":"interview-mit-landrat-dr-stephan-meyer-35-jahre-gute-nachbarschaft-in-der-dreilaenderregion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/interview-mit-landrat-dr-stephan-meyer-35-jahre-gute-nachbarschaft-in-der-dreilaenderregion\/","title":{"rendered":"35 Jahre gute Nachbarschaft in der Dreil\u00e4nderregion"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Jahr 1991 wurde der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag <\/strong><strong>unterzeichnet, im selben Jahr wurde auch die Euroregion Neisse-Nisa-Nysa <\/strong><strong>gegr\u00fcndet. Dr. Stephan Meyer ist Landrat in G\u00f6rlitz und <\/strong><strong>Pr\u00e4sident des deutschen Teils der Euroregion. Im Gespr\u00e4ch mit Mauro Oliveira blickt er auf die Entwicklung der <\/strong><strong>Dreil\u00e4nderregion zur\u00fcck, spricht \u00fcber den Abbau historischer Vorbehalte und <\/strong><strong>erkl\u00e4rt, welche Herausforderungen die grenz\u00fcberschreitende Zusammenarbeit <\/strong><strong>heute pr\u00e4gen.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Herr Landrat, k\u00f6nnen Sie sich erinnern, wann Sie das erste Mal in Polen oder in Tschechien waren?<\/h3>\n<p>An meinen ersten Besuch in Tschechien erinnere ich mich noch gut. Das war noch zu DDR-Zeiten. Wir mussten umst\u00e4ndlich \u00fcber Seifhennersdorf fahren, dazu kamen die Grenzkontrollen. Die Wege waren lang, obwohl die Entfernungen eigentlich gering waren.<\/p>\n<p>Heute kann man von Zittau aus innerhalb von zehn Minuten in drei L\u00e4ndern sein. F\u00fcr die Menschen hier ist das selbstverst\u00e4ndlich geworden. Das war aber nicht immer so. Insbesondere f\u00fcr G\u00e4ste und Touristen ist dies bisweilen sehr faszinierend, etwa G\u00f6rlitz mit seiner Altstadtbr\u00fccke als Europastadt zu erleben.<\/p>\n<h3>Die Euroregion wurde auch ziemlich bald nach der Wende gegr\u00fcndet. Welche Herausforderungen standen damals im Mittelpunkt?<\/h3>\n<p>Direkt nach der Wende waren die Grenzen weniger durchl\u00e4ssig. Es gab nur wenige Grenz\u00fcberg\u00e4nge, nach Polen waren sie \u00fcber Jahre auch komplett geschlossen. Die Bausubstanz war marode, auch was das Stra\u00dfennetz anging. Dadurch dauerte es auch lange, um in gr\u00f6\u00dfere St\u00e4dte, wie Dresden zu gelangen. Dazu kam, dass die Fahrzeuge damals auch langsamer waren. Das hat sich inzwischen deutlich gebessert.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWas heute selbstverst\u00e4ndlich wirkt, ist das Ergebnis eines langen gemeinsamen Weges.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Gleichzeitig hatten wir hier das Image des \u201eSchwarzen Dreiecks\u201c. Die Region war stark vom Braunkohletagebau gepr\u00e4gt, und dadurch besonders durch Umweltsch\u00e4den und eine hohe Luftbelastung gezeichnet. Und auch die Abwasserentsorgung war unzureichend. Die W\u00e4lder waren \u2013 daran kann ich mich auch noch erinnern \u2013 stark belastet und krank. Wenn man bei schlechtem Wetter W\u00e4sche zum Trocknen aufgeh\u00e4ngt hat, kam sie oft grau statt wei\u00df wieder herein.<\/p>\n<p>Auch die Kommunikation war eine Herausforderung. Die heutigen M\u00f6glichkeiten, sich mit einer Videokonferenz kurz zu verbinden, das gab es damals alles nicht. Es gab kaum Telefonverbindungen. Nur wenige Menschen sprachen die Sprache der Nachbarl\u00e4nder. Dazu kamen auch noch, historisch bedingte Vorurteile, weil auf der polnischen Seite viele Menschen erst nach dem Krieg dort angesiedelt worden waren.<\/p>\n<p>Trotz dieser Ausgangslage ist \u00fcber die vergangenen 35 Jahre eine echte Partnerschaft entstanden. Was heute selbstverst\u00e4ndlich wirkt, ist das Ergebnis eines langen gemeinsamen Weges.<\/p>\n<h3>Wie hat die Euroregion dazu beigetragen, Vorbehalte abzubauen?<\/h3>\n<p>Man hat sich konkrete Themen herausgegriffen aus den Bereichen Infrastruktur, Umwelt und Bildung bei denen alle drei Seiten Handlungsbedarf hatten. \u00dcber die Projekte, die man \u2013 auch mit Hilfe von Geldern der Europ\u00e4ischen Union \u2013 verwirklicht hat, hat man zueinander gefunden. Wir haben uns auch \u00fcber gemeinsame Probleml\u00f6sungen in regionalen Facharbeitsgruppen angen\u00e4hert und dann hat man festgestellt: \u201eMensch, wir k\u00f6nnen miteinander\u201c.<\/p>\n<p>Aus dieser Zusammenarbeit sind Freundschaften und dauerhafte Partnerschaften entstanden. Die Euroregion ist deshalb zusammengewachsen, weil sie \u00e4hnliche Herausforderungen hatte und bis heute hat.<\/p>\n<p>Das ist heute immer noch so, wenn ich zum Beispiel an die afrikanische Schweinepest denke: Dieses Seuchengeschehen kennt keine Grenzen. Das hat uns in den letzten Jahren zus\u00e4tzlich zusammengebracht, weil dort der Fachaustausch der Veterin\u00e4re notwendig war.<\/p>\n    <div class=\"osoba-widget\">\r\n                    <h4 class=\"osoba-naglowek\">Die Euroregion Neisse-Nisa-Nysa<\/h4>\r\n                <div class=\"osoba-body\">\r\n            <div class=\"osoba-text\"><p>Die Euroregion Neisse-Nisa-Nysa ist ein grenz\u00fcberschreitender Zusammenschluss von Kommunen und Landkreisen in Deutschland, Polen und Tschechien. Sie wurde am 21. Dezember 1991 gegr\u00fcndet und war die erste Euroregion an der deutsch polnischen Grenze. Zum Gebiet geh\u00f6ren auf deutscher Seite die Landkreise G\u00f6rlitz und Bautzen, auf polnischer Seite 43 Gemeinden sowie mehrere Landkreise und auf tschechischer Seite 131 Gemeinden und f\u00fcnf Landkreise. Insgesamt leben rund 1,5 Millionen Menschen in der fast 12.000 Quadratkilometer gro\u00dfen Region. Die Euroregion unterst\u00fctzt grenz\u00fcberschreitende Projekte in Bereichen wie Verkehr, Bildung, Kultur, Tourismus, Umwelt, Gesundheit und Katastrophenschutz.<\/p>\n<\/div>\r\n                    <\/div>\r\n    <\/div>\r\n    \n<h3>Welche Rolle spielt die Euroregion in diesem Fall?<\/h3>\n<p>Wir organisieren den Austausch der Fachleute \u00fcber verschiedene Facharbeitsgruppen. Dazu geh\u00f6rt auch, dass wir die Dolmetscher engagieren. Oder wir k\u00f6nnen \u00fcber den Kleinprojektefonds, die Begegnungen auch finanzieren. Hierf\u00fcr ist die Euroregion \u2013 insbesondere auch aufgrund der Mehrsprachigkeit \u2013 die richtige Plattform.<\/p>\n<h3>Gibt es auch Projekte die gegenseitige Verst\u00e4ndigung oder die Mehrsprachigkeit in der Bev\u00f6lkerung f\u00f6rdern?<\/h3>\n<p>Ja, da gibt es einiges. Pers\u00f6nlich liegen mir die Projekte im Bereich der fr\u00fchen Nachbarsprachen-F\u00f6rderung am Herzen. Wir haben eine Landesstelle in Sachsen, die im Kita-Bereich Begegnungen organisiert, auch immersiv, also sprich mit Muttersprachlern. Es geht dabei darum, dass sich die Kinder spielerisch kennenlernen, die Sprache, die Kultur und gewisse Br\u00e4uche. Wir f\u00f6rdern das, weil wir glauben, dass es notwendig ist, die Menschen fr\u00fchzeitig miteinander in Kontakt zu bringen, damit sie das dann auch im Erwachsenenalter als normal empfinden, in einer mehrsprachigen Region zu leben.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir wir glauben, dass es notwendig ist, die Menschen fr\u00fchzeitig miteinander in Kontakt zu bringen, damit sie das dann auch im Erwachsenenalter als normal empfinden, in einer mehrsprachigen Region zu leben.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein anderes Beispiel daf\u00fcr, was im Alltag der Menschen ankommt, ist das EURO-NEISSE-Ticket+. Damit kann man den \u00d6PNV in der gesamten Euroregion nutzen, sei es touristisch oder im Alltag. Man muss nicht st\u00e4ndig schauen, in welchem Tarifgebiet in Polen oder in Tschechien oder in Deutschland man sich gerade befindet.<\/p>\n<p>Und wir haben nat\u00fcrlich viele Begegnungen, die im Ehrenamt stattfinden, wo Vereine sich treffen.\u00a0 Ich bin selbst Kreissportbund-Pr\u00e4sident. Wir organisieren seit vielen Jahren eine Dreil\u00e4nderwanderung, die auf drei Seiten stattfindet. \u00dcber diese Wanderung und die gemeinsame Organisation von Veranstaltungen sind auch echte Freundschaften gewachsen.<\/p>\n<h3>Sie haben erw\u00e4hnt, dass Sie Polnisch sprechen. Wie kommunizieren Sie denn zum Beispiel im Pr\u00e4sidium der Euroregion?<\/h3>\n<p>Lustigerweise ist der Pr\u00e4sident auf tschechischer Seite, der Hejtman Martin P\u016fta, auch mit einer Polin verheiratet. Er spricht also auch Polnisch, sodass wir drei Pr\u00e4sidenten uns im informellen Rahmen oft auf Polnisch unterhalten \u2013 manchmal zum Leidwesen der anderen. F\u00fcr die offiziellen Termine haben wir \u2013 mittlerweile auch sehr professionelle \u2013 Dolmetscherdienste, die uns unterst\u00fctzen.\u00a0 In unserer Region wird au\u00dferdem auch Sorbisch gesprochen, das ist also die vierte Nachbarsprache.<\/p>\n<h3>Welche Vorteile bringt die Euroregion dem Landkreis G\u00f6rlitz und Sachsen?<\/h3>\n<p>Es ist oftmals eine Herausforderung in einer Dreil\u00e4nderregion zu leben. L\u00e4nder wie Deutschland oder der Freistaat Sachsen betrachten vieles aus einem nationalen bzw. Landes-Fokus \u2013 ob das jetzt Krankenhausorganisation ist, ob das gewisse Regionalplanungsans\u00e4tze sind. Dabei wird dann zum Beispiel f\u00fcr die Kleinstadt Zittau nicht ber\u00fccksichtigt, dass sie im Umfeld von Liberec liegt, der f\u00fcnftgr\u00f6\u00dften Stadt Tschechiens. Da kann man schon von einem anderen regionalen Ansatz sprechen. Es ist immer auch die Herausforderung, das den L\u00e4ndern klarzumachen. Denn oftmals l\u00e4uft es eben \u00fcber die Hauptst\u00e4dte, insbesondere in Polen. Auch wenn wir uns vor Ort, mit den Landr\u00e4ten und mit den B\u00fcrgermeistern sehr gut verstehen, gibt es vieles, was dann mindestens in Breslau oder aber in Warschau entschieden werden muss.<\/p>\n<div id=\"attachment_81792\" style=\"width: 691px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-81792\" class=\"size-large wp-image-81792\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/LKGR_Landrat_Dr_Stephan_Meyer_2023_Paul_Glaser_002-681x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"681\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/LKGR_Landrat_Dr_Stephan_Meyer_2023_Paul_Glaser_002-681x1024.jpg 681w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/LKGR_Landrat_Dr_Stephan_Meyer_2023_Paul_Glaser_002-200x300.jpg 200w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/LKGR_Landrat_Dr_Stephan_Meyer_2023_Paul_Glaser_002-768x1154.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/LKGR_Landrat_Dr_Stephan_Meyer_2023_Paul_Glaser_002-1022x1536.jpg 1022w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/LKGR_Landrat_Dr_Stephan_Meyer_2023_Paul_Glaser_002-1362x2048.jpg 1362w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/LKGR_Landrat_Dr_Stephan_Meyer_2023_Paul_Glaser_002-scaled.jpg 1703w\" sizes=\"auto, (max-width: 681px) 100vw, 681px\" \/><p id=\"caption-attachment-81792\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Stephan Meyer sieht in der grenz\u00fcberschreitenden Zusammenarbeit einen Schl\u00fcssel f\u00fcr die Zukunft der Dreil\u00e4nderregion.<br \/>Foto: Paul Glaser<\/p><\/div>\n<p>Um aber auf die Vorteile zu sprechen zu kommen: Unsere Region ist nat\u00fcrlich touristisch sehr interessant. Auf allen Seiten wurde viel investiert und dies hat zu einer positiven Entwicklung gef\u00fchrt. Die spannende Landschaft war schon da, aber jetzt ist dazu noch eine hochwertige Infrastruktur geschaffen worden. Das verschafft uns ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu anderen Regionen.<\/p>\n<p>Unsere Region stellt auch aus internationaler Perspektive eine spannende Schnittstelle dar. Ich stehe mittlerweile viel mit taiwanischen Wirtschaftsvertretern in Kontakt und f\u00fcr diese ist der Landkreis G\u00f6rlitz eine spannende Gegend. Denn sie haben mit TSMC in Dresden im Bereich der Halbleiter zu tun, in Polen kooperieren sie im Drohnenbereich und in Tschechien mit dem Automotive-Bereich. Wir liegen da also genau dazwischen. Das ist ein Vorteil f\u00fcr uns, dass wir verschiedene M\u00e4rkte n\u00e4her bedienen k\u00f6nnen als andere.<\/p>\n<h3>Sie haben den Zentralstaat in Polen angesprochen und dass viele Entscheidungen letztendlich in den Hauptst\u00e4dten getroffen werden m\u00fcssen. Wie konkret merken Sie es denn in ihrer Region, wenn es zwischen Berlin und Warschau nicht so gut l\u00e4uft?<\/h3>\n<p>Man hat es gemerkt, dass zu Zeiten der PiS-Regierung in Polen teilweise auch Ansprechpartner weggebrochen sind, weil oft auch das Personal in Bereichen wie Polizei oder Feuerwehr ausgetauscht wurde. Und gute Verbindungen h\u00e4ngen nat\u00fcrlich auch mit menschlichen Freundschaften beziehungsweise Bekanntschaften zusammen. Wenn dann die Ansprechpartner st\u00e4ndig wechseln, ist es schwer das aufzubauen und nachhaltig zu pflegen. Gleichzeitig gab und gibt es vor Ort immer eine proeurop\u00e4ische Haltung, was man auch an Wahlergebnissen sieht.<\/p>\n    <div class=\"osoba-widget\">\r\n                    <h4 class=\"osoba-naglowek\">Zur Person<\/h4>\r\n                <div class=\"osoba-body\">\r\n            <div class=\"osoba-text\"><p>Dr. Stephan Meyer (CDU) ist seit 2022 Landrat des Landkreises G\u00f6rlitz und Pr\u00e4sident der deutschen Seite der Euroregion Neisse-Nisa-Nysa. Zuvor geh\u00f6rte er von 2009 bis 2022 dem S\u00e4chsischen Landtag an. Der promovierte Staats- und Wirtschaftswissenschaftler stammt aus der Region Zittau und engagiert sich ehrenamtlich als Pr\u00e4sident des Oberlausitzer Kreissportbundes.<\/p>\n<\/div>\r\n                        <div class=\"osoba-image\">\r\n                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Freigabe_landrat-dr-stephan-meyer-landratsamt-goerlitz_rechts_klein.jpg\" alt=\"Zur Person\">\r\n                                    <span class=\"osoba-podpis\">Foto: Landratsamt G\u00f6rlitz<\/span>\r\n                            <\/div>\r\n                    <\/div>\r\n    <\/div>\r\n    \n<p>Wir versuchen uns auch gegenseitig zu unterst\u00fctzen. Zum Beispiel bin ich mit meinem polnischen Landratskollegen schon in Warschau gewesen, um f\u00fcr eine Hochschule zu werben. Damit wollte ich deutlich machen, dass wir Zgorzelec auch auf dem Weg zum Strukturwandel unterst\u00fctzen. Denn der Ausstieg aus der Kohle wird dort auch irgendwann kommen. Aus meiner Sicht war es richtig, dass wir auf deutscher Seite in Innovation und Forschung investieren. \u00c4hnlich will auch die polnische Seite den Strukturwandel angehen.<\/p>\n<h3>Es ist nicht nur der Nachbarschaftsvertrag dieses Jahr 35 Jahre alt, sondern auch die Euroregion Nei\u00dfe-Nisa-Nysa wird 35. Wie feiern sie das?<\/h3>\n<p>Die Euroregion wurde am 21. Dezember 1991 gegr\u00fcndet. Diesen offiziellen Gr\u00fcndungstag werden wir auf der polnischen Seite im Pa\u0142ac Sobiesz\u00f3w (in Jelenia G\u00f3ra, Anm. d. Red.) bei einer Festveranstaltung feiern. Das kombinieren wir aber mit unserer turnusm\u00e4\u00dfigen Verleihung des Preises der Euroregion, mit dem wir immer verdiente Menschen aus verschiedenen Bereichen auszeichnen.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich halten wir es eher damit, im Alltag zu arbeiten und weniger zu feiern. Aber dieses Jubil\u00e4um am 21. Dezember, das wird es auf jeden Fall geben. Die Vorbereitungen laufen bereits.<\/p>\n<h3>Welche Projekte m\u00f6chten Sie in den kommenden Jahren voranbringen?<\/h3>\n<p>Ein Thema, das uns umtreibt, sind die Fachkr\u00e4fte. In diesem Bereich merken wir immer wieder, dass wir noch durchl\u00e4ssiger sein k\u00f6nnten, wenn die H\u00fcrden verringert und Berufsabschl\u00fcsse anerkannt w\u00fcrden. Die fr\u00fchkindliche Bildung, beispielsweise, das sind in Polen und in Tschechien Studieng\u00e4nge, w\u00e4hrend es bei uns eine anspruchsvolle Ausbildung ist. Dadurch ist es schwer eine gegenseitige Anerkennung zu erlangen, die ja dann auch finanziell wieder sich bemerkbar macht. Wenn ich keine ausgebildeten Kita-Erzieherinnen habe, wird das nicht entsprechend finanziert.\u00a0 Berufsanerkennung ist aber auch ein Thema, das wir hier nicht entscheiden. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir Lobbyarbeit bei Abgeordneten und Ministerien betreiben.<\/p>\n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/bilanz-und-perspektiven-der-deutsch-polnischen-partnerschaft-ein-vertrag-der-europa-praegte\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/knut-abraham-beitragsbild-150x150.png\" alt=\"Ein Vertrag, der Europa pr\u00e4gte\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">35 Jahre Deutsch-Polnischer Nachbarschaftsvertrag<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Ein Vertrag, der Europa pr\u00e4gte<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/35-jahre-deutsch-polnischer-nachbarschaftsvertrag-interview-mit-peter-oliver-loew\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Peter-Oliver-Loew-foto-Marek-Zygmunt_3-150x150.jpg\" alt=\"Interview mit Prof. Dr. Peter Oliver Loew: \u201eHeute w\u00fcrde man einen solchen Vertrag anders formulieren\u201c\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">35 Jahre Nachbarschaftsvertrag<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Interview mit Prof. Dr. Peter Oliver Loew: \u201eHeute w\u00fcrde man einen solchen Vertrag anders formulieren\u201c<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n<p>Wir haben aber nat\u00fcrlich auch Themen, wo wir uns voranbringen k\u00f6nnen, indem man auch die europ\u00e4ischen Programme nutzt. Stichwort Digitalisierung, und auch KI. Wir arbeiten dabei mit der polnischen Seite, und perspektivisch auch mit der tschechischen, zusammen uns im Bereich Bev\u00f6lkerungsschutz besser aufzustellen. Im Rahmen der grenz\u00fcberschreitenden INTERREG-Projekte CIFAD konnte beispielweise mit der polnischen Seite ein gemeinsames Informationssystem bzw. eine Datenaustauschplattform entwickelt werden, in der die Kr\u00e4fte des Bev\u00f6lkerungsschutzes, der Feuerwehren und andere Einsatzkr\u00e4fte ihre Lageinformationen erfassen k\u00f6nnen. Diese werden dann automatisch in die jeweilige Muttersprache der polnischen und tschechischen Seite \u00fcbersetzt. Das senkt massiv die Kommunikationsh\u00fcrden. Und im Falle einer Flutkatastrophe oder eines Waldbrands ist es wichtig schnell zu informieren, Kr\u00e4fte anfordern zu k\u00f6nnen und nicht noch erst die Sprachbarriere beheben zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Was ich au\u00dferdem voranbringen m\u00f6chte, ist das Thema Gesundheitsversorgung, weil wir in Deutschland gerade auch eine gro\u00dfe Debatte \u00fcber die Krankenhausstrukturen f\u00fchren. Uns w\u00fcrde es nat\u00fcrlich helfen, wenn in diesem Bereich gewisse grenz\u00fcberschreitende Erleichterungen bekommen k\u00f6nnten, insbesondere auch mit einem Finanzierungsmodell.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 1991 wurde der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag unterzeichnet, im selben Jahr wurde auch die Euroregion Neisse-Nisa-Nysa gegr\u00fcndet. Dr. Stephan Meyer ist Landrat in G\u00f6rlitz und Pr\u00e4sident des deutschen Teils der Euroregion. 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