{"id":81733,"date":"2026-06-25T10:00:32","date_gmt":"2026-06-25T08:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=81733"},"modified":"2026-06-25T09:42:06","modified_gmt":"2026-06-25T07:42:06","slug":"nachbarschaft-verpflichtet-frankfurt-an-der-oder-abfahrtszeit-unbekannt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/nachbarschaft-verpflichtet-frankfurt-an-der-oder-abfahrtszeit-unbekannt\/","title":{"rendered":"Frankfurt an der Oder. Abfahrtszeit unbekannt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Es ist bereits der zweite derartige Fall in letzter Zeit. Vor einigen Wochen sa\u00dfen wir auf dem Weg nach Berlin \u00fcber eine Stunde in Rzepin fest. Der Grund? Der Zug wartete auf einen deutschen Lokf\u00fchrer und eine deutsche Besatzung. Diesmal war die Situation umgekehrt. In Frankfurt an der Oder standen wir \u00fcber eine Stunde auf der deutschen Seite und warteten auf einen polnischen Lokf\u00fchrer und polnisches Personal.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich kam mit dem deutschen Schaffner ins Gespr\u00e4ch. Ich fragte nach dem Grund des Aufenthalts. Er erkl\u00e4rte, dass das fehlende polnische Personal das Problem sei. Ich fragte weiter, wie es m\u00f6glich sei, dass die Versp\u00e4tung so gro\u00df ausfalle. Als Antwort erfuhr ich, dass eines der Hauptprobleme nach wie vor die \u2026 Kommunikation zwischen beiden Seiten sei.<\/p>\n<p>An den Grenzbahnh\u00f6fen kehren wir pl\u00f6tzlich in die Verh\u00e4ltnisse der Wende von den achtziger zu den neunziger Jahren zur\u00fcck. Deutsche Bahnmitarbeiter erhalten von ihren polnischen Partnern oft nicht rechtzeitig die n\u00f6tigen Informationen \u2013 etwa \u00fcber Versp\u00e4tungen. Eine zus\u00e4tzliche Schwierigkeit stellt die Sprachbarriere dar. Nur wenige Mitarbeiter beherrschen die Sprache des Nachbarn, auch Englisch ist selten, und im operativen Alltag f\u00fchrt dies zu Missverst\u00e4ndnissen und erschwert die schnelle Weitergabe von Informationen.<\/p>\n<blockquote><p>In Frankfurt an der Oder standen wir \u00fcber eine Stunde auf der deutschen Seite und warteten auf einen polnischen Lokf\u00fchrer und polnisches Personal.<\/p><\/blockquote>\n<p>In einem Moment erklang aus den Lautsprechern die Durchsage, dass sich die Abfahrt des Zuges verz\u00f6gern k\u00f6nne und die neue Abfahrtszeit \u2026 nicht bekannt sei. Zun\u00e4chst auf Deutsch, dann auf Polnisch. Genau darauf kam mein Gespr\u00e4chspartner zu sprechen. Er r\u00e4umte ein, dass er einen elektronischen \u00dcbersetzer benutze, um den Fahrg\u00e4sten die Information auf Polnisch mitzuteilen. Er sei jedoch nicht sicher, ob die \u00dcbersetzung den Inhalt der deutschen Durchsage genau wiedergebe. Wie er mit einem L\u00e4cheln anmerkte, k\u00f6nne man bei einem automatischen \u00dcbersetzer nie sicher sein, ob man den Fahrg\u00e4sten statt einer zuverl\u00e4ssigen Information nicht schlicht \u201eblauen Dunst\u201c verkaufe.<\/p>\n<p>Auf meine Frage, wie sich \u00e4hnliche Situationen k\u00fcnftig vermeiden lie\u00dfen, nannte der Schaffner mehrere L\u00f6sungsans\u00e4tze \u2013 naheliegende, die jedoch, wie es scheint, der Entscheidungsebene der Bahnunternehmen auf beiden Seiten der Grenze nicht naheliegen. Seiner Ansicht nach seien Sprachkurse in Polnisch und Deutsch f\u00fcr Bahnmitarbeiter erforderlich, die den Fachwortschatz ber\u00fccksichtigten. Englisch helfe nicht immer weiter, und Russisch beherrschten nur noch die \u00e4ltesten Mitarbeiter.<\/p>\n<div id=\"attachment_81736\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-81736\" class=\"size-large wp-image-81736\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/26-06-20-ruchniewicz-rzepin-002-e1782371654751-1024x577.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"577\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/26-06-20-ruchniewicz-rzepin-002-e1782371654751-1024x577.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/26-06-20-ruchniewicz-rzepin-002-e1782371654751-300x169.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/26-06-20-ruchniewicz-rzepin-002-e1782371654751-768x433.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/26-06-20-ruchniewicz-rzepin-002-e1782371654751-1536x866.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/26-06-20-ruchniewicz-rzepin-002-e1782371654751.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-81736\" class=\"wp-caption-text\">Oft w\u00e4ren einfache organisatorische L\u00f6sungen wirksamer als gro\u00dfe Ank\u00fcndigungen.<br \/>Foto: K. Ruchniewicz<\/p><\/div>\n<p>Hilfreich w\u00e4re auch eine gemeinsame polnisch-deutsche App, die eine schnelle \u00dcbermittlung von Informationen \u00fcber Versp\u00e4tungen, technische Probleme oder organisatorische \u00c4nderungen erm\u00f6gliche. Eine gro\u00dfe Erleichterung w\u00e4re zudem ein einfaches Formular auf Polnisch und Deutsch, das in einer solchen App verf\u00fcgbar w\u00e4re und eine reibungslose \u00dcbergabe des Zuges beim Wechsel der Verantwortung auf den Partner sowie die Meldung etwaiger Probleme erm\u00f6gliche.<\/p>\n<p>Einige Tage zuvor war in Berlin beim Deutsch-Polnischen Forum der 35. Jahrestag der Unterzeichnung des Nachbarschaftsvertrags feierlich begangen worden. Es gab viele Reden, Erkl\u00e4rungen und Erinnerungsfotos. Gesprochen wurde auch \u00fcber Bahnverbindungen zwischen Polen und Deutschland. Das Erlebnis eines gew\u00f6hnlichen Fahrgastes zeigt indes, dass nach wie vor sehr grundlegende Hindernisse die allt\u00e4gliche Zusammenarbeit erschweren. Sie lie\u00dfen sich verringern, ohne auf gro\u00dfe Investitionen zu warten. Wenn jemand wollte \u2026<\/p>\n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/17-juni-zwei-jahrestage-eine-geschichte\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/marek-studzinski-Fn1Cl_48Hcc-unsplash-150x150.jpg\" alt=\"17. Juni: Zwei Jahrestage, eine Geschichte\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Nachbarschaft verpflichtet<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">17. Juni: Zwei Jahrestage, eine Geschichte<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/nachbarschaft-verpflichtet-eine-krise-der-erinnerungseinrichtungen-ueber-die-plaene-zur-eroeffnung-von-yad-vashem-zweigstellen-in-deutschland\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Yad_Vashem_exterior_by_David_Shankbone-e1781265034494-150x150.jpg\" alt=\"Eine Krise der Erinnerungseinrichtungen? \u00dcber die Pl\u00e4ne zur Er\u00f6ffnung von Yad-Vashem-Zweigstellen in Deutschland\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Nachbarschaft verpflichtet<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Eine Krise der Erinnerungseinrichtungen? \u00dcber die Pl\u00e4ne zur Er\u00f6ffnung von Yad-Vashem-Zweigstellen in Deutschland<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n<p>Es ist schwer zu verstehen, warum es nach so vielen Jahren nicht gelungen ist, L\u00f6sungen einzuf\u00fchren, die die Bahnmitarbeiter selbst f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich halten. Die Organisation von Sprachkursen stellt heute kein gr\u00f6\u00dferes Problem mehr dar. Dasselbe gilt f\u00fcr die Schaffung einer gemeinsamen Kommunikationsplattform oder die Vorbereitung standardisierter Formulare und Durchsagen in beiden Sprachen.<\/p>\n<p>Der Zug fuhr Frankfurt an der Oder in Richtung Wroc\u0142aw schlie\u00dflich mit \u00fcber zwei Stunden Versp\u00e4tung ab. Es war vielleicht kein gro\u00dfes Problem im Ma\u00dfstab der deutsch-polnischen Beziehungen. Es zeigte jedoch, dass zwischen feierlichen Erkl\u00e4rungen und der gelebten Praxis nach wie vor eine betr\u00e4chtliche Kluft besteht. Und die Unannehmlichkeit eines solchen Aufenthalts ohne jede Information an einem hei\u00dfen Samstag kann dazu f\u00fchren, dass \u00dcberlegungen zur Partnerschaft im 21. Jahrhundert bei den B\u00fcrgern nur ein m\u00fcdes Lachen und bissige Kommentare hervorrufen.<\/p>\n    <div class=\"osoba-widget\">\r\n                    <h4 class=\"osoba-naglowek\">\u00dcber den Autor<\/h4>\r\n                <div class=\"osoba-body\">\r\n            <div class=\"osoba-text\"><p>\nProf. Dr. Krzysztof Ruchniewicz ist Historiker und Professor an der Universit\u00e4t Breslau. Seit April 2026 ist er zudem als DAAD-Gastprofessor an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum t\u00e4tig. Bis 2024 leitete er das Willy-Brandt-Zentrum f\u00fcr Deutschland- und Europastudien der Universit\u00e4t Breslau; in den Jahren 2024\/2025 war er Beauftragter des polnischen Au\u00dfenministers f\u00fcr die deutsch-polnische Zusammenarbeit. Er ist Autor zahlreicher Publikationen zur deutschen Geschichte sowie zu den polnisch-deutschen Beziehungen mit einem Schwerpunkt auf dem 20. und fr\u00fchen 21. Jahrhundert.<br \/>\nF\u00fcr unsere Zeitung verfasst er seit Anfang 2026 regelm\u00e4\u00dfig die politische Kolumne \u201eNachbarschaft verpflichtet\u201c, in der er sich mit den deutsch-polnischen Beziehungen auseinandersetzt.<\/p>\n<\/div>\r\n                        <div class=\"osoba-image\">\r\n                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Krzysztof-Ruchniewicz_af.png\" alt=\"\u00dcber den Autor\">\r\n                            <\/div>\r\n                    <\/div>\r\n    <\/div>\r\n    \n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist bereits der zweite derartige Fall in letzter Zeit. Vor einigen Wochen sa\u00dfen wir auf dem Weg nach Berlin \u00fcber eine Stunde in Rzepin fest. Der Grund? Der Zug wartete auf einen deutschen Lokf\u00fchrer und eine deutsche Besatzung. Diesmal war die Situation umgekehrt. 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