{"id":81568,"date":"2026-06-22T17:00:12","date_gmt":"2026-06-22T15:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=81568"},"modified":"2026-06-22T16:48:30","modified_gmt":"2026-06-22T14:48:30","slug":"deutsch-polnisches-forum-in-berlin-35-jahre-partnerschaft-zwischen-einigkeit-und-offenen-aufgaben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/deutsch-polnisches-forum-in-berlin-35-jahre-partnerschaft-zwischen-einigkeit-und-offenen-aufgaben\/","title":{"rendered":"35 Jahre Partnerschaft: Zwischen Einigkeit und offenen Aufgaben"},"content":{"rendered":"<p><strong>35 Jahre nach der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags demonstrierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft beim Deutsch-Polnischen Forum in Berlin ihren Willen zur engeren Zusammenarbeit. Doch trotz gro\u00dfer Einigkeit bei zentralen Zukunftsfragen zeigte sich auch, dass viele Herausforderungen \u2013 von der Sicherheitspolitik \u00fcber den Spracherwerb bis zur Infrastruktur \u2013 noch auf konkrete L\u00f6sungen warten.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Rund 700 G\u00e4ste kamen zum Deutsch-Polnischen Forum im Ausw\u00e4rtigen Amt zusammen. Der Weltsaal war bis auf den letzten Platz gef\u00fcllt, nach Angaben der Veranstalter gab es zudem eine lange Warteliste. In Podiumsdiskussionen und Fachgruppen standen Themen wie Sicherheit, Wirtschaft, Sprache, Jugend und Erinnerungskultur im Mittelpunkt.<\/p>\n<h2>Beziehungen auf Augenh\u00f6he<\/h2>\n<p>35 Jahre nach Unterzeichnung des Nachbarschaftsvertrags waren die Reden und Diskussionen von der Feststellung gepr\u00e4gt, dass sich die Beziehungen grundlegend ver\u00e4ndert h\u00e4tten. Der Beauftragte der Bundesregierung f\u00fcr die deutsch-polnischen Beziehungen, Knut Abraham, sprach von einer Partnerschaft auf Augenh\u00f6he: \u201eUnd da ist heute ein ganz wichtiger Tag, nicht nur weil Sie und wir alle uns hier versammeln, sondern weil wir uns auf Augenh\u00f6he gemeinsam Herausforderungen stellen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_81572\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-81572\" class=\"size-large wp-image-81572\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/20260617_112927-1024x577.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"577\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/20260617_112927-1024x577.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/20260617_112927-300x169.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/20260617_112927-768x432.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/20260617_112927-1536x865.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/20260617_112927-2048x1153.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-81572\" class=\"wp-caption-text\">Zur Er\u00f6ffnung des Deutsch-Polnischen Forums diskutierten auf dem Podium Knut Abraham, Koordinator f\u00fcr die deutsch-polnische zwischengesellschaftliche und grenznahe Zusammenarbeit, und Henryka Mo\u015bcicka-Dendys, Vorsitzende des Beirats f\u00fcr die Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik Deutschland.<br \/>Foto: M. Oliveira<\/p><\/div>\n<p>Auch Polens Au\u00dfenminister Rados\u0142aw Sikorski verwies auf den wirtschaftlichen Aufstieg seines Landes: \u201eHeute ist Polen die sechstgr\u00f6\u00dfte und am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der EU. Die deutsch-polnische wirtschaftliche Zusammenarbeit gibt Anlass zur Zufriedenheit. Das Handelsvolumen bricht immer neue Rekorde.\u201c<\/p>\n<p>Gleichzeitig herrschte Einigkeit dar\u00fcber, dass der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Unsicherheiten im transatlantischen Verh\u00e4ltnis neue Herausforderungen mit sich bringen. Bundesau\u00dfenminister Johann Wadephul pl\u00e4dierte deshalb f\u00fcr Mehrheitsentscheidungen in der europ\u00e4ischen Au\u00dfenpolitik.<\/p>\n<h2>Sorge um den Sprachunterricht<\/h2>\n<p>Im Workshop \u201eSprache\u201c standen insbesondere der Deutschunterricht in Polen und der Polnischunterricht in Deutschland im Mittelpunkt. Die Veranstaltung wurde von KoKoPol und dem Instytut Rozwoju J\u0119zyka Polskiego organisiert. Zu den Panelisten geh\u00f6rte auch der Vorsitzende des Verbands der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG), Rafa\u0142 Bartek.<\/p>\n<p>Er schilderte die schwierige Lage des Deutschunterrichts f\u00fcr Angeh\u00f6rige der deutschen Minderheit: \u201eDie Lage ist aus unserer Sicht kritisch, weil die Anzahl der Deutschlernenden sinkt \u2013 und das sp\u00fcren auch wir bei der deutschen Minderheit.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_81574\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-81574\" class=\"size-large wp-image-81574\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/20260617_160910-1024x556.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"556\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/20260617_160910-1024x556.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/20260617_160910-300x163.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/20260617_160910-768x417.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/20260617_160910-1536x835.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/20260617_160910-2048x1113.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-81574\" class=\"wp-caption-text\">Im Sprach-Workshop diskutierte Rafa\u0142 Bartek gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern von KoKoPol und dem Instytut Rozwoju J\u0119zyka Polskiego \u00fcber die Zukunft des Deutsch- und Polnischunterrichts.<br \/>Foto: M. Oliveira<\/p><\/div>\n<p>Bereits in der Auftaktdiskussion war die F\u00f6rderung der Nachbarsprache als zentrale Zukunftsaufgabe identifiziert worden. Henryka Mo\u015bcicka-Dendys, die Vorsitzende des Beirats f\u00fcr die Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik Deutschland im polnischen Au\u00dfenministerium, erkl\u00e4rte:<\/p>\n<p>\u201eHier gibt es noch viel Nachholbedarf, denn bestimmte Dinge, von denen wir erwartet hatten, dass sie sich von selbst ergeben w\u00fcrden \u2013 wie zum Beispiel der Sprachunterricht im Nachbarland, in Deutschland Polnisch und in Polen Deutsch, oder ein gemeinsames Geschichtsverst\u00e4ndnis \u2013, dachten wir, w\u00fcrden sich von selbst einstellen. Das ist nicht geschehen.\u201c<\/p>\n<p>Bartek verwies zudem auf strukturelle Probleme, die den Deutschunterricht als Minderheitensprache an weiterf\u00fchrenden Schulen erschweren: \u201eWir leben in einem System, in dem das Sprachenlernen zwar stattfindet, aber es wird immer weniger effektiv und es gibt keine Stellen, die sich drum k\u00fcmmern, diese Effektivit\u00e4t langfristig zu steigern.\u201c<\/p>\n<h2>Pragmatismus statt neuer Vertr\u00e4ge<\/h2>\n<p>Trotz der konstruktiven Atmosph\u00e4re blieben gr\u00f6\u00dfere politische Initiativen aus. Von einem neuen deutsch-polnischen Freundschaftsvertrag, den Bundeskanzler Friedrich Merz im Bundestagswahlkampf ins Gespr\u00e4ch gebracht hatte, war keine Rede mehr.<\/p>\n<p>Auf eine entsprechende Publikumsfrage erkl\u00e4rte Henryka Mo\u015bcicka-Dendys, der bestehende Nachbarschaftsvertrag werde kontinuierlich erg\u00e4nzt. Zudem gebe es Bereiche, \u201edie noch nicht mit Leben gef\u00fcllt\u201c seien. Auch Knut Abraham sah keinen Bedarf f\u00fcr ein neues Vertragswerk: \u201eIch glaube auch, wir brauchen tats\u00e4chlich keinen neuen Vertrag.\u201c<\/p>\n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/ein-politischer-kompass\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Premier-Jan-Krzysztof-Bielecki-i-kanclerz-Niemiec-Foto-East-News-150x150.jpg\" alt=\"Ein politischer Kompass\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Politik: 35. Jahrestag des Vertrags \u00fcber gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Ein politischer Kompass<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/17-juni-zwei-jahrestage-eine-geschichte\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/marek-studzinski-Fn1Cl_48Hcc-unsplash-150x150.jpg\" alt=\"17. Juni: Zwei Jahrestage, eine Geschichte\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Nachbarschaft verpflichtet<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">17. Juni: Zwei Jahrestage, eine Geschichte<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n<p>Auch das neue deutsch-polnische Verteidigungsabkommen, das die Verteidigungsminister am selben Tag unterzeichneten, greift weitgehend schon bestehende Verpflichtungen auf. Wadephul betonte das Potenzial des Abkommens f\u00fcr eine engere R\u00fcstungszusammenarbeit, konkrete gemeinsame Projekte wurden jedoch nicht vorgestellt.<\/p>\n<p>Einigkeit herrschte dagegen beim Ausbau der grenz\u00fcberschreitenden Infrastruktur. Wadephul forderte schnellere Bahnverbindungen zwischen Berlin und Warschau, Sikorski erinnerte an die seit Jahren diskutierte Verk\u00fcrzung der Reisezeiten. Konkrete Zusagen gab es allerdings auch hier nicht.<\/p>\n<h2>Kleine Schritte<\/h2>\n<p>Ein sichtbares Zeichen f\u00fcr mehr Austausch gab es dennoch. Im November sollen 60.000 sogenannte Freundschaftsp\u00e4sse ausgegeben werden. Sie erm\u00f6glichen jungen Menschen aus Deutschland und Polen, das jeweilige Nachbarland mit der Bahn zu erkunden.<\/p>\n<p>Deutschland \u00fcbergab zudem mehrere w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs von den Nationalsozialisten geraubte Kulturg\u00fcter an Polen. Wadephul sprach von einer Erinnerung daran, dass die gemeinsame Geschichte \u201eschmerzliche Kapitel kennt\u201c.<\/p>\n<p>Dass das Interesse am deutsch-polnischen Dialog ungebrochen ist, zeigte die hohe Resonanz auf die Veranstaltung. Sebastian P\u0142\u00f3ciennik von der Stiftung f\u00fcr deutsch-polnische Zusammenarbeit zeigte sich mit Blick auf das n\u00e4chste Forum in Polen optimistisch: \u201eIch rechne damit, dass es im kommenden Jahr in Polen genauso viele oder sogar noch mehr Teilnehmer geben wird.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>35 Jahre nach der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags demonstrierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft beim Deutsch-Polnischen Forum in Berlin ihren Willen zur engeren Zusammenarbeit. Doch trotz gro\u00dfer Einigkeit bei zentralen Zukunftsfragen zeigte sich auch, dass viele Herausforderungen \u2013 von der Sicherheitspolitik \u00fcber den Spracherwerb bis zur Infrastruktur \u2013 noch auf konkrete L\u00f6sungen warten.<\/p>\n","protected":false},"author":295,"featured_media":81570,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4232],"tags":[9015,6140,8836,9014,6970,7243,6969,6324],"redaktor":[6098],"class_list":["post-81568","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik-de","tag-auswaertiges-amt","tag-deutsch-polnische-beziehungen-de","tag-deutsch-polnisches-forum-2026","tag-henryka-moscicka-dendys","tag-johann-wadephul-de","tag-knut-abraham-de","tag-radoslaw-sikorski","tag-rafal-bartek-de","redaktor-mauro-oliveira-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81568","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/295"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=81568"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81568\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":81576,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81568\/revisions\/81576"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/81570"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=81568"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=81568"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=81568"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=81568"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}