{"id":81142,"date":"2026-06-14T05:00:59","date_gmt":"2026-06-14T03:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=81142"},"modified":"2026-06-13T08:07:15","modified_gmt":"2026-06-13T06:07:15","slug":"wort-zum-sonntag-von-pfarrer-dr-habil-peter-tarlinski","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wort-zum-sonntag-von-pfarrer-dr-habil-peter-tarlinski\/","title":{"rendered":"Wort zum Sonntag von Pfarrer Dr. habil. Peter Tarlinski"},"content":{"rendered":"<p><strong>11. Sonntag im Jahreskreis<\/strong><br \/>\n<strong>1. Lesung: Ex 19,2\u20136a<\/strong><br \/>\n<strong>2. Lesung: R\u00f6m 5,6\u201311<\/strong><br \/>\n<strong>Evangelium: Mt 9,36 \u2013 10,8<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wir lieben den Fr\u00fchling nicht nur deshalb, weil die Natur zum Leben erwacht, die Tage l\u00e4nger werden und Blumen sowie B\u00e4ume in bunten Farben erbl\u00fchen. Uns fasziniert auch das Gr\u00fcn, das sich von seiner zarten, hellen Frische allm\u00e4hlich in eine reife und satte F\u00fclle verwandelt. Es k\u00f6nnte kaum anders sein. Bereits auf den ersten Seiten der Heiligen Schrift lesen wir im Buch Genesis (Gen 1,11) vom Sch\u00f6pfungswillen Gottes: \u201eDie Erde lasse junges Gr\u00fcn hervorsprie\u00dfen.\u201c Es ist eine der ersten Offenbarungen seiner sch\u00f6pferischen Macht. Obwohl die Farbe Gr\u00fcn in der Bibel nicht besonders hervorgehoben wird, ist sie doch unaufdringlich gegenw\u00e4rtig und weist auf Wesentliches hin \u2013 auf Dinge, die f\u00fcr das Leben von gro\u00dfer Bedeutung sind.<\/p>\n<h2>Das Gr\u00fcn mit den Augen der Bibel<\/h2>\n<p>Das Gr\u00fcn spricht unter anderem von der F\u00fcrsorge Gottes f\u00fcr den Menschen:<\/p>\n<p>\u201eDer Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Er l\u00e4sst mich lagern auf gr\u00fcnen Auen und f\u00fchrt mich zum Ruheplatz am Wasser. Er stillt mein Verlangen\u201c (Ps 23,1\u20133).<\/p>\n<p>Gr\u00fcne Weiden sind im Land Israel keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Wenn Wiesen gr\u00fcn werden, dann deshalb, weil Gott ihnen Regen und Tau geschenkt hat. Alles, was gr\u00fcn ist, steht f\u00fcr Leben, f\u00fcr die kommende Ernte, f\u00fcr Sicherheit und ausreichende Nahrung \u2013 und damit auch f\u00fcr Zeiten des Friedens. Wenn der Psalmist vom Baum spricht, der an Wasserb\u00e4chen gepflanzt ist und dessen Bl\u00e4tter nicht verwelken, dann denkt er an den gerechten Menschen. Ein Mensch, der in der Gerechtigkeit lebt, bleibt standhaft im Glauben, bewahrt seine geistliche Lebenskraft, steht unter Gottes Segen und vergeht nicht. Das gr\u00fcne Gras w\u00e4chst schnell, doch ebenso rasch verdorrt es wieder. Deshalb ist der Mensch berufen, aus tieferen Wurzeln zu leben: best\u00e4ndig, geistlich stark und unersch\u00fctterlich zu sein und Frucht zu bringen zu seiner Zeit. Als Jesus die Brote vermehrte, lie\u00dfen sich die vielen Menschen auf dem gr\u00fcnen Gras nieder. Christus sorgt als der Gute Hirte f\u00fcr seine Herde. Er schenkt ihr neue Nahrung und k\u00fcndigt zugleich die messianische Zeit an \u2013 das gro\u00dfe Fest Gottes, die F\u00fclle des Lebens und die Freude des ewigen Mahles.<\/p>\n<h2>Das Gr\u00fcn vor der Ernte<\/h2>\n<p>Auch das heutige Evangelium spricht nicht ausdr\u00fccklich vom Gr\u00fcn. Und doch stehen im Hintergrund gr\u00fcne Weiden, Felder mit aufgehendem Saatgut und die stille Erwartung der kommenden Ernte. Christus verwendet das Bild der Ernte. Er sagt: \u201eDie Ernte ist gro\u00df, aber es gibt nur wenig Arbeiter.\u201c<\/p>\n<p>Diese Ernte sind die Menschen, die der Evangelist Matth\u00e4us beschreibt als \u201eSchafe, die keinen Hirten haben\u201c. Es sind Menschen, die m\u00fcde und ersch\u00f6pft sind, belastet und orientierungslos, ihrer Kraft beraubt und ohne F\u00fchrung. Menschen, die leiden, verwundet wurden, niedergeworfen und sich selbst \u00fcberlassen sind. Als Jesus die vielen Menschen sah, wurde sein Herz tief bewegt. Er blieb nicht gleichg\u00fcltig. Mitleid ergriff ihn. Er litt mit ihnen und suchte einen Ausweg aus ihrer Not.<\/p>\n<p>Seine Antwort \u00fcberrascht. Er beklagt nicht die Gr\u00f6\u00dfe der Ernte und auch nicht die Not der Menschen. Stattdessen sagt er: \u201eBittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter f\u00fcr seine Ernte auszusenden.\u201c<\/p>\n<h2>Das Himmelreich \u2013 das Volk, das wiedergefunden wurde<\/h2>\n<p>Diese gequ\u00e4lten und verlassenen Menschen m\u00fcssen gesammelt und zusammengef\u00fchrt werden, so wie man zur Zeit der Ernte die Fr\u00fcchte in die Scheune bringt. Der barmherzige Blick Christi f\u00fchrt zur Berufung der J\u00fcnger und zu ihrer Aussendung, damit sie eine neue Gemeinschaft bilden und verk\u00fcnden: \u201eDas Himmelreich ist nahe.\u201c Das bedeutet: Gott ist unter den Menschen. Er ist ihnen nahe. Gott handelt, um den Menschen zu retten und ihn aus all seiner Not, Verlorenheit und Orientierungslosigkeit herauszuf\u00fchren. Jetzt tut er dies in der Person Jesu, des Messias.<\/p>\n<p>Wer zu diesem Reich geh\u00f6ren will, muss sich von seiner bisherigen, von Gott entfernten Denk- und Lebensweise abwenden und sein Vertrauen Christus schenken. Er ist der g\u00f6ttliche Hirte des neuen Israel, das zum Himmelreich berufen ist \u2013 jenem Reich, das Jesus gestiftet hat.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>\u201eMan bleibt nicht beim Gr\u00fcn stehen, sondern w\u00e4chst durch das Gr\u00fcn hindurch zur Gemeinschaft mit Christus.\u201c<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Damit dieses Reich wachsen kann, m\u00fcssen Menschen gesammelt, zusammengef\u00fchrt und geeint werden. Man muss sie erreichen, ansprechen und in die Gemeinschaft Gottes rufen. Das ist die Sendung der Apostel und nach ihnen der Bisch\u00f6fe, Priester und Diakone, der Missionare, der Ordensfrauen und Ordensm\u00e4nner, der gl\u00e4ubigen Laien, der Eltern und Paten, der Verwandten, der fr\u00fcheren Generationen, der Katecheten, Lehrer und Erzieher \u2013 all jener, die selbst umgekehrt sind und ihren Platz bei Gott und in der Gemeinschaft der Kirche gefunden haben.<\/p>\n<h2>Das Gr\u00fcn wird zur Erf\u00fcllung<\/h2>\n<p>Das Gr\u00fcn ist ein Geschenk Gottes. In allem, was gr\u00fcn ist, wohnt Leben. Was gr\u00fcn w\u00e4chst, reift heran und wird schlie\u00dflich zur Nahrung f\u00fcr Menschen und Tiere.<\/p>\n<p>Der geistliche Mensch gleicht dem Gr\u00fcn, das nicht verwelkt. Er bleibt lebendig. Von Gottes Geist erf\u00fcllt und im Glauben treu, baut er am Himmelreich mit \u2013 an jenem gesch\u00fctzten Raum, der den gr\u00fcnen Weiden gleicht, auf denen die Schafe unter den wachsamen Augen des guten Hirten sicher ruhen.<\/p>\n<p>Wenn man von einem Menschen sagt, er sei \u201enoch gr\u00fcn\u201c, meint man oft seine Unreife. Doch in Wahrheit befindet er sich auf einem Weg des Wachstums. Er ist unterwegs zur Reife und zur Erf\u00fcllung. Wie eine Pflanze, die nicht verwelkt und nicht aufh\u00f6rt zu wachsen, strebt er beharrlich seinem Ziel entgegen.<\/p>\n<p>So wird das Gr\u00fcn zum Zeichen einer Hoffnung, die ihrer Vollendung entgegengeht. Man bleibt nicht beim Gr\u00fcn stehen, sondern w\u00e4chst durch das Gr\u00fcn hindurch zur Gemeinschaft mit Christus. In dieser Gemeinschaft entsteht zusammen mit anderen das, was Leben schenkt und Sicherheit gibt: die Kirche, das Himmelreich Gottes \u2013 schon jetzt auf Erden gegenw\u00e4rtig und einst in seiner ewigen F\u00fclle vollendet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>11. Sonntag im Jahreskreis 1. Lesung: Ex 19,2\u20136a 2. 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