{"id":81130,"date":"2026-06-13T17:00:29","date_gmt":"2026-06-13T15:00:29","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=81130"},"modified":"2026-06-12T16:26:38","modified_gmt":"2026-06-12T14:26:38","slug":"die-glosse-stromausfall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/die-glosse-stromausfall\/","title":{"rendered":"Stromausfall"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die besten Abende meiner Kindheit waren jene, an denen es keinen Strom gab. Die Dunkelheit setzte pl\u00f6tzlich allem Tun ein Ende. Der schlesische Flei\u00df musste ruhen. Der Stromausfall war wohl die einzige akzeptable Rechtfertigung f\u00fcr dieses dekadente Nichtstun. Es f\u00fchlte sich an wie eine ungeplante Feier, etwas, das es in einem ordentlichen schlesischen Haushalt eigentlich nicht geben d\u00fcrfte.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das sp\u00e4rliche Licht der Kerzen brachte alle eng zusammen. Wir sa\u00dfen dann oft in der K\u00fcche und lauschten den Geschichten unserer Gro\u00dfm\u00fctter, Gro\u00dfv\u00e4ter, Tanten und Onkel. Nicht alle waren sie jugendfrei. Wir versteckten uns unter dem Tisch in der Hoffnung, vergessen zu werden, um so auch die pikantesten bis zum Ende mith\u00f6ren zu k\u00f6nnen. Stromausfall war der sch\u00f6nste Ausnahmezustand.<\/p>\n<div id=\"attachment_81133\" style=\"width: 693px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-81133\" class=\"size-large wp-image-81133\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/claudio-schwarz-e7cDMN6f0gs-unsplash-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/claudio-schwarz-e7cDMN6f0gs-unsplash-683x1024.jpg 683w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/claudio-schwarz-e7cDMN6f0gs-unsplash-200x300.jpg 200w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/claudio-schwarz-e7cDMN6f0gs-unsplash-768x1152.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/claudio-schwarz-e7cDMN6f0gs-unsplash-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/claudio-schwarz-e7cDMN6f0gs-unsplash-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/claudio-schwarz-e7cDMN6f0gs-unsplash-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><p id=\"caption-attachment-81133\" class=\"wp-caption-text\">Das sp\u00e4rliche Licht der Kerzen brachte alle eng zusammen.<br \/>Foto: Claudio Schwarz\/Unsplash<\/p><\/div>\n<p>Eine dieser Geschichten ist mir besonders im Ged\u00e4chtnis geblieben, obwohl sie streng genommen \u00fcberhaupt nichts Besonderes hat. Und genau das macht sie vielleicht erz\u00e4hlenswert. Stellt euch einfach vor, der Strom w\u00e4re ausgefallen. Es geht los:<\/p>\n<p>Zwei alte Jungfern, Schwestern, lebten gemeinsam in einem Haus. Frieda und Trautel waren so arm gewesen, dass sie sich nur ein Fahrrad teilen konnten. Beide waren jedoch \u00e4u\u00dferst fromm und gingen t\u00e4glich in die Kirche. Damit das Fahrrad nicht zum Streitobjekt wurde, entwickelten sie ein bemerkenswert effizientes System: Frieda fuhr mit dem Fahrrad voraus, Trautel lief hinterher. Auf halber Strecke wurde das Fahrrad von Frieda am Stra\u00dfenrand \u201egeparkt\u201c und der Staffelstab \u2013 pardon, das Fahrrad \u2013 an Trautel \u00fcbergeben. W\u00e4hrend also Frieda ihren Weg zu Fu\u00df fortsetzte, fuhr Trautel die verbleibende H\u00e4lfte der Strecke mit dem Fahrrad zu Ende. So kamen beide schlie\u00dflich nahezu gleichzeitig in der Kirche an.<\/p>\n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/glosse-der-obligatorische-gartenrundgang\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/raelle-cameron-0fhPzKmEJG4-unsplash-scaled-e1777019172186-150x150.jpg\" alt=\"Glosse: Der obligatorische Gartenrundgang\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n              \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Glosse: Der obligatorische Gartenrundgang<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/glosse-freiheit-auf-zwei-raedern\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_2158-150x150.jpg\" alt=\"Glosse: Freiheit auf zwei R\u00e4dern\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n              \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Glosse: Freiheit auf zwei R\u00e4dern<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n<p>Die Geschichte von Frieda und Trautel und ihrem Fahrrad w\u00e4re in Vergessenheit geraten, w\u00e4re da nicht der Stromausfall. Schade, dass uns heute so selten solch stille Unterbrechungen geschenkt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die besten Abende meiner Kindheit waren jene, an denen es keinen Strom gab. Die Dunkelheit setzte pl\u00f6tzlich allem Tun ein Ende. Der schlesische Flei\u00df musste ruhen. Der Stromausfall war wohl die einzige akzeptable Rechtfertigung f\u00fcr dieses dekadente Nichtstun. 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