{"id":81014,"date":"2026-06-13T12:00:45","date_gmt":"2026-06-13T10:00:45","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=81014"},"modified":"2026-06-17T08:40:43","modified_gmt":"2026-06-17T06:40:43","slug":"ein-seltener-damast-erzaehlt-vom-frieden-von-dresden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/ein-seltener-damast-erzaehlt-vom-frieden-von-dresden\/","title":{"rendered":"\u201eEin seltener Damast erz\u00e4hlt vom Frieden von Dresden\u201d"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Krieg ist vorbei \u2013 zumindest f\u00fcr einen Moment. Drei Herrscher stehen einander gegen\u00fcber, der Kriegsgott Mars hat seine Waffen niedergelegt, und aus Feinden sind Freunde geworden \u2013 so erz\u00e4hlt es zumindest ein fein gewebtes St\u00fcck Stoff. Das Schmucktuch zum Frieden von Dresden vom 25. Dezember 1745 ist kein lautes Denkmal. Es verk\u00fcndet seinen Triumph nicht in Stein oder Bronze, sondern in Damast, in Rosa und Wei\u00df, eingewebt mit Worten und Bildern. Gerade darin liegt seine besondere Wirkung.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Frieden von Dresden beendete den Zweiten Schlesischen Krieg zwischen Preu\u00dfen, Sachsen und \u00d6sterreich. Mit ihm wurde best\u00e4tigt, was auf den Schlachtfeldern zuvor hart umk\u00e4mpft worden war: Schlesien fiel endg\u00fcltig an Preu\u00dfen. F\u00fcr Friedrich II. bedeutete dies den Durchbruch zur europ\u00e4ischen Gro\u00dfmacht, f\u00fcr Maria Theresia eine schmerzhafte, aber notwendige Anerkennung der neuen politischen Realit\u00e4t. Dass dieser Friede ausgerechnet am ersten Weihnachtstag geschlossen wurde, verlieh ihm eine zus\u00e4tzliche symbolische Aufladung \u2013 Frieden nicht nur als politischer Akt, sondern als verhei\u00dfungsvolles Versprechen.<\/p>\n<p>All dies spiegelt sich in dem etwa 96 \u00d7 82 Zentimeter gro\u00dfen Friedenstuch wider. In feinem Leinendamast erscheinen die drei \u201eG\u00f6tter dieser Erde\u201c: K\u00f6nig August III. von Sachsen, Maria Theresia von \u00d6sterreich und Friedrich der Gro\u00dfe. Unter ihnen steht in Reimform geschrieben, was man sehen soll: <em>Friedrich f\u00fchrt den Frieden ein \/ Mars muss allhier ruhig sein.<\/em> Das Tuch als Medium politischer Kommunikation \u00fcbersetzt komplexe Diplomatie in eine leicht lesbare Bildsprache.<\/p>\n<div id=\"attachment_81017\" style=\"width: 907px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-81017\" class=\"size-large wp-image-81017\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Damast_SMG-1-897x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"897\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Damast_SMG-1-897x1024.jpg 897w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Damast_SMG-1-263x300.jpg 263w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Damast_SMG-1-768x876.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Damast_SMG-1-1346x1536.jpg 1346w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Damast_SMG-1.jpg 1756w\" sizes=\"auto, (max-width: 897px) 100vw, 897px\" \/><p id=\"caption-attachment-81017\" class=\"wp-caption-text\">Das seltene Friedenstuch von 1745 erz\u00e4hlt in feinem Damast vom Frieden von Dresden und geh\u00f6rt zu den au\u00dfergew\u00f6hnlichsten erhaltenen Textilien seiner Art.<br \/>Foto: Schlesien heute<\/p><\/div>\n<p>Solche Friedenst\u00fccher waren im 18. Jahrhundert kostbare Erinnerungsst\u00fccke. Sie wurden nicht f\u00fcr den t\u00e4glichen Gebrauch gefertigt, sondern zum Aufh\u00e4ngen, Betrachten, Erz\u00e4hlen und W\u00fcrdigen. Entsprechend selten haben sie die Zeit \u00fcberdauert. Vergleichbare Exemplare zum Frieden von Dresden befinden sich heute nur in wenigen Museen, etwa in Hamburg oder in Jelenia G\u00f3ra (Hirschberg). Das nun bekannt gewordene Tuch unterscheidet sich jedoch von diesen St\u00fccken in Farbgebung, Komposition sowie Ausf\u00fchrung und gilt bislang als einzigartig.<\/p>\n<p>Seine Geschichte endet nicht im 18. Jahrhundert. \u00dcber viele Jahrzehnte befand sich das Friedenstuch im Besitz von Hans Juppe (1888\u20131973) und seiner Frau Lis, geborene Kurzbach (1892\u20131983), beide aus Schweidnitz in Schlesien. In der Familie wurde es von Generation zu Generation weitergegeben und gelangte von Schlesien nach Berlin, Nagold und T\u00fcbingen. So wurde aus einem politischen Erinnerungsobjekt ein famili\u00e4res, und ein St\u00fcck europ\u00e4ischer Geschichte fand ganz selbstverst\u00e4ndlich Eingang in den Alltag. F\u00fcr seinen letzten Eigent\u00fcmer war der Anblick des Bilddamastes als Wandschmuck im Wohnzimmer seiner Mutter vertraut. Von ihm wurde das Friedenstuch dem Schlesischen Museum zu G\u00f6rlitz zum Kauf angeboten.<\/p>\n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/echte-schlesische-happen-neisser-konfekt-der-suesseste-schatz-des-alten-schlesiens\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Kamienica-przy-skrzyzowaniu-dzis.-ul.-Krzywoustego-z-ul.-Bohaterow-Warszawy-w-ktorej-mie\u00b6cil-sie-lokal-Maxa-Irmera-przed-1945-150x150.png\" alt=\"Neisser Konfekt \u2013 der s\u00fc\u00dfeste Schatz des alten Schlesiens\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Echte Schlesische Happen<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Neisser Konfekt \u2013 der s\u00fc\u00dfeste Schatz des alten Schlesiens<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/karol-lapanowski-und-sein-liebenthal\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/490271884_2436897116675947_2205043267538537101_n-150x150.jpg\" alt=\"Karol \u0141apanowski und sein Liebenthal\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Br\u00fccke \u00fcber die Geschichte<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Karol \u0141apanowski und sein Liebenthal<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n<p>Hier erg\u00e4nzt es die bestehende Sammlung fr\u00fchneuzeitlicher Friedensdamaste in signifikanter Weise: Neben einem Tuch zum Frieden von Hubertusburg von 1763, der den Dritten Schlesischen Krieg beendete, sowie einem Exemplar zum Frieden von Teschen von 1779, der den Bayerischen Erbfolgekrieg zwischen \u00d6sterreich und Preu\u00dfen abschloss, markiert das Dresdner Friedenstuch nun den fr\u00fchesten Punkt dieser Abfolge. Gemeinsam veranschaulichen diese Objekte die zentrale Rolle Schlesiens in den milit\u00e4rischen und diplomatischen Konflikten des 18. Jahrhunderts \u2013 und zeigen, wie Frieden nicht nur verhandelt, sondern auch eingewebt und dauerhaft sichtbar gemacht wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Marian Reisinger<\/strong>\n<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Dieser Artikel erscheint in Kooperation mit der Redaktion <a href=\"https:\/\/www.schlesien-heute.de\/\">\u201aSchlesien heute\u2018<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong><span style=\"color: #3366ff;\"><a style=\"color: #3366ff;\" href=\"https:\/\/www.schlesien-heute.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.schlesien-heute.de<\/a><\/span><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Krieg ist vorbei \u2013 zumindest f\u00fcr einen Moment. 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