{"id":80749,"date":"2026-06-08T17:00:57","date_gmt":"2026-06-08T15:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=80749"},"modified":"2026-06-09T07:06:36","modified_gmt":"2026-06-09T05:06:36","slug":"nationale-und-ethnische-minderheiten-auf-dem-st-annaberg-eine-wallfahrt-die-generationen-und-nationen-verbindet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/nationale-und-ethnische-minderheiten-auf-dem-st-annaberg-eine-wallfahrt-die-generationen-und-nationen-verbindet\/","title":{"rendered":"Eine Wallfahrt, die Generationen und Nationen verbindet"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hunderte Gl\u00e4ubige, Vertreter nationaler und ethnischer Minderheiten, Geistliche, Kommunalpolitiker sowie G\u00e4ste aus Polen und Deutschland nahmen am vergangenen Sonntag an der traditionellen Wallfahrt der nationalen und ethnischen Minderheiten auf dem St. Annaberg teil. Die diesj\u00e4hrige Wallfahrt stand unter dem Leitwort: \u201eNicht die Gesunden bed\u00fcrfen des Arztes, sondern die Kranken. Geht und lernt, was es hei\u00dft: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.\u201c<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>H\u00f6hepunkt der Wallfahrt war die feierliche Heilige Messe, die vom Oppelner Bischof Andrzej Czaja zelebriert wurde. In seiner zweisprachigen Predigt erinnerte der Hierarch daran, dass Gott vom Menschen nicht in erster Linie \u00e4u\u00dfere religi\u00f6se Gesten, sondern einen lebendigen Glauben und Barmherzigkeit im t\u00e4glichen Miteinander erwartet.<\/p>\n<p>\u201eOhne Barmherzigkeit, ohne ein liebendes Herz finden wir kein Wohlgefallen bei Gott. Ohne Barmherzigkeit ist es nicht m\u00f6glich, das Gebot Jesu von der gegenseitigen Liebe zu verwirklichen\u201c, betonte Bischof Czaja. Er wies darauf hin, dass dort, wo Verst\u00e4ndnis, Sensibilit\u00e4t und Mitgef\u00fchl fehlen, auch Engagement und das Wachstum von Gemeinschaften verloren gehen.<\/p>\n<div id=\"attachment_80754\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-80754\" class=\"size-large wp-image-80754\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_3819-scaled-e1780929709149-1024x578.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"578\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_3819-scaled-e1780929709149-1024x578.jpeg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_3819-scaled-e1780929709149-300x169.jpeg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_3819-scaled-e1780929709149-768x434.jpeg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_3819-scaled-e1780929709149-1536x867.jpeg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_3819-scaled-e1780929709149.jpeg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-80754\" class=\"wp-caption-text\">Die Wallfahrt der nationalen und ethnischen Minderheiten verbindet Generationen und Nationen.<br \/>Foto: Anna Durecka<\/p><\/div>\n<p>Der Bischof nahm zudem Bezug auf den 35. Jahrestag der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Vertrages \u00fcber gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit. Er erinnerte daran, dass dieses Dokument dazu verpflichtet, die gegenseitigen Beziehungen im Geist der Vers\u00f6hnung, des Respekts und des Friedens zu gestalten, und nationale Minderheiten als nat\u00fcrliche Br\u00fccke zwischen den V\u00f6lkern anerkennt.<\/p>\n<h2>Glaube, Sprache und Gemeinschaft<\/h2>\n<p>Auch der Vorsitzende des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG), Rafa\u0142 Bartek, ging auf das Jubil\u00e4um des Vertrages ein. Er betonte, dass die Wallfahrt auf den St. Annaberg f\u00fcr die Deutschen in Schlesien weit mehr sei als nur eine religi\u00f6se Veranstaltung.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #9b2335;\"><strong>\u201eIch bin immer hier, seit unvordenklichen Zeiten, eigentlich seit dem ersten Mal. Und ich sitze immer unter demselben Baum. Alle meine Freunde wissen, wo sie mich finden k\u00f6nnen.\u201c<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #9b2335;\"><em>Rosemarie Kerner<\/em><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>\u201eSie ist ein Zeugnis daf\u00fcr, wie eng wir mit unseren Werten, Traditionen und unserer Sprache verbunden sind. Das gemeinsame Gebet in polnischer und deutscher Sprache zeigt, dass die Bestimmungen des Vertrages nicht nur Worte auf Papier sind, sondern gelebte Wirklichkeit\u201c, sagte er.<\/p>\n<p>Wie er hervorhob, liege die Verantwortung f\u00fcr den Erhalt von Sprache, Kultur und Tradition heute vor allem bei den Angeh\u00f6rigen der Minderheit selbst sowie bei der jungen Generation, die dieses Erbe weitertragen m\u00fcsse.<\/p>\n<h2>\u201eSeit Ewigkeit\u201c<\/h2>\n<p>F\u00fcr viele Teilnehmer geh\u00f6rt die Wallfahrt fest zum Jahreskalender. Das zeigt die Geschichte von Rosemarie Kerner, die seit Jahrzehnten auf den St. Annaberg kommt.<\/p>\n<p>\u201eIch bin immer hier, seit unvordenklichen Zeiten, eigentlich seit dem ersten Mal. Und ich sitze immer unter demselben Baum. Alle meine Freunde wissen, wo sie mich finden k\u00f6nnen\u201c, sagt sie lachend.<\/p>\n<p>Auf die Frage, was sie an der Wallfahrt besonders sch\u00e4tzt, antwortet sie ohne zu z\u00f6gern:<\/p>\n<p>\u201eDiese gro\u00dfe Gemeinschaft. Die Feierlichkeiten sind wundersch\u00f6n, und die Predigten geben den Menschen immer eine Orientierung f\u00fcr ihren weiteren Weg.\u201c<\/p>\n<h2>Von M\u00fcnchen auf den St. Annaberg<\/h2>\n<p>Seit mehr als zwei Jahrzehnten nimmt auch Norbert Gr\u00f6ner an der Wallfahrt teil. \u201eIch komme jedes Jahr als Mitglied der Delegation aus M\u00fcnchen, aber auch aus N\u00fcrnberg und W\u00fcrzburg. Fr\u00fcher kam ein ganzer Bus mit etwa sechzig Personen. Heute sind wir nur noch eine Delegation, weil die Menschen \u00e4lter werden und nicht jeder eine solche Reise unternehmen kann\u201c, erz\u00e4hlt er.<\/p>\n<div id=\"attachment_80752\" style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-80752\" class=\"size-large wp-image-80752\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_3813-768x1024.jpeg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_3813-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_3813-225x300.jpeg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_3813-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_3813-1536x2048.jpeg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_3813-scaled.jpeg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><p id=\"caption-attachment-80752\" class=\"wp-caption-text\">Pilger aus M\u00fcnchen reisen seit Jahren regelm\u00e4\u00dfig zum St. Annaberg. (Im Bild: Botschafter Miguel Berger und Konsul Peter Herr mit Vertretern der Landsmannschaft der Oberschlesier, Kreisgruppe M\u00fcnchen).<br \/>Foto: Anna Durecka<\/p><\/div>\n<p>Dennoch werde die Tradition weiter gepflegt. \u201eDie J\u00fcngeren kommen mit Privatautos. Wir haben immer unsere Fahnen und das Pilgerkreuz dabei und nehmen an dieser Messe auf unserem Heiligen Berg teil.\u201c<\/p>\n<p>Der aus Gleiwitz stammende Gr\u00f6ner betont seine enge Verbundenheit mit der Heimat.<\/p>\n<p>\u201eHier habe ich gl\u00fcckliche Jahre meiner Jugend verbracht. Deshalb komme ich immer wieder gerne zur\u00fcck.\u201c F\u00fcr ihn bedeutet die Wallfahrt weit mehr als gemeinsames Beten. \u201eWir treffen hier Menschen, beten gemeinsam und geben weiter, was wir selbst erfahren haben. Das gibt Zufriedenheit. Man ist stolz, hier sein zu d\u00fcrfen.\u201c<\/p>\n<h2>Europa lebt von seiner Vielfalt<\/h2>\n<p>An den Feierlichkeiten nahm auch der deutsche Botschafter in Polen, Miguel Berger, teil. In seiner Ansprache hob er die Bedeutung des St. Annabergs als Ort der Begegnung verschiedener Kulturen, Sprachen und Nationalit\u00e4ten hervor.<\/p>\n<p>\u201eDieser Ort ist weit mehr als ein spirituelles Zentrum Schlesiens. Er ist ein lebendiger Raum der Begegnung verschiedener Nationalit\u00e4ten, Sprachen und Kulturen\u201c, sagte Berger.<\/p>\n<div id=\"attachment_80760\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-80760\" class=\"size-large wp-image-80760\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_3838-scaled-e1780929183154-1024x577.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"577\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_3838-scaled-e1780929183154-1024x577.jpeg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_3838-scaled-e1780929183154-300x169.jpeg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_3838-scaled-e1780929183154-768x433.jpeg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_3838-scaled-e1780929183154-1536x865.jpeg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_3838-scaled-e1780929183154-2048x1154.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-80760\" class=\"wp-caption-text\">Der St. Annaberg bleibt ein Symbol f\u00fcr Gemeinschaft und Vers\u00f6hnung.<br \/>Foto: Anna Durecka<\/p><\/div>\n<p>Besonders betonte der Botschafter die Rolle der Muttersprache f\u00fcr die Identit\u00e4t eines Menschen.<\/p>\n<p>\u201eSprache ist der Klang des Herzens. Sie ist die Sprache, in der wir f\u00fchlen und denken.\u201c<\/p>\n<p>Mit Blick auf das Jubil\u00e4um des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages erinnerte er daran, welch langen Weg beide Nationen seit der Nachkriegszeit zur\u00fcckgelegt haben.<\/p>\n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/jubilaeum-der-gogoliner-kapelle-225-jahre-glauben-erinnerung-und-hoffnung\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_7992-scaled-e1778157448720-150x150.jpg\" alt=\"Jubil\u00e4um der Gogoliner Kapelle\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">225 Jahre Glauben, Erinnerung und Hoffnung<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Jubil\u00e4um der Gogoliner Kapelle<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n    <section class=\"newsy-widget\">\r\n        \r\n                                \r\n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/die-preistraeger-der-bruecken-des-dialogs-2026\/\">\r\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\r\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/mosty-dialogu-statuetki-150x150.png\" alt=\"Die Preistr\u00e4ger der \u201eBr\u00fccken des Dialogs 2026\u201c\">\r\n                            <\/div>\r\n            <div class=\"newsy-card-text\">\r\n            \t\r\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Gew\u00fcrdigt f\u00fcr den Dialog<\/span>\r\n                                      \t\r\n            \t\r\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Die Preistr\u00e4ger der \u201eBr\u00fccken des Dialogs 2026\u201c<\/h3>\r\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\r\n            <\/div>\r\n        <\/a>\r\n            <\/section>\r\n    \n<p>\u201eHeute sind wir Partner, Freunde und Verb\u00fcndete, die gemeinsam den Herausforderungen unserer Zeit begegnen und die Zukunft Europas mitgestalten.\u201c<\/p>\n<p>Zum Abschluss der Heiligen Messe verabschiedete sich der langj\u00e4hrige Seelsorger der nationalen und ethnischen Minderheiten, Pfarrer Dr. Peter Tarlinski, von den Pilgern. F\u00fcr seinen f\u00fcnfzehnj\u00e4hrigen Dienst dankten ihm Bischof Andrzej Czaja sowie VdG-Vorsitzender Rafa\u0142 Bartek.<\/p>\n<p>Die diesj\u00e4hrige Wallfahrt zeigte erneut, dass der St. Annaberg ein Ort bleibt, an dem Glaube, Erinnerung, Sprache und Kultur zusammenkommen. F\u00fcr viele Teilnehmer ist sie nicht nur ein j\u00e4hrliches religi\u00f6ses Ereignis, sondern auch ein wichtiges Zeugnis einer Gemeinschaft, die trotz der vergangenen Jahre ihre Wurzeln bewahrt und Br\u00fccken zwischen den Menschen baut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hunderte Gl\u00e4ubige, Vertreter nationaler und ethnischer Minderheiten, Geistliche, Kommunalpolitiker sowie G\u00e4ste aus Polen und Deutschland nahmen am vergangenen Sonntag an der traditionellen Wallfahrt der nationalen und ethnischen Minderheiten auf dem St. Annaberg teil. Die diesj\u00e4hrige Wallfahrt stand unter dem Leitwort: \u201eNicht die Gesunden bed\u00fcrfen des Arztes, sondern die Kranken. 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