{"id":80161,"date":"2026-05-31T05:00:11","date_gmt":"2026-05-31T03:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=80161"},"modified":"2026-05-29T15:24:37","modified_gmt":"2026-05-29T13:24:37","slug":"wort-zum-sonntag-von-pfarrer-dr-peter-tarlinski-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wort-zum-sonntag-von-pfarrer-dr-peter-tarlinski-3\/","title":{"rendered":"Wort zum Sonntag von Pfarrer Dr. habil. Peter Tarlinski"},"content":{"rendered":"<p><strong>Lesung: Ex 34, 4b.5\u20136.8\u20139<\/strong><br \/>\n<strong>Lesung: 2 Kor 13, 11\u201313<\/strong><br \/>\n<strong>Evangelium: Joh 3, 16\u201318<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Das Geheimnis der Liebe, die Vater, Sohn und Heiliger Geist ist<\/h2>\n<p>Es gibt Geheimnisse, die der Mensch nicht l\u00f6st, sondern aus denen er lebt. Ein solches Geheimnis ist die Heilige Dreifaltigkeit. Sie ist weder ein theologisches R\u00e4tsel noch eine abstrakte Theorie, die von Gelehrten erdacht wurde. Sie ist das lebendige Herz des Christentums. Alles, was die Kirche bekennt, feiert und verk\u00fcndet, hat seinen Ursprung im Vater, offenbart sich im Sohn und wird der Welt durch den Heiligen Geist geschenkt. Der Zweite Korintherbrief, der am Hochfest der Heiligsten Dreifaltigkeit gelesen wird, enth\u00e4lt folgende Worte: \u201eDie Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.\u201c Auch der Evangelist Matth\u00e4us \u00fcberliefert Worte Jesu an seine J\u00fcnger, die den Glauben an den einen Gott in drei Personen zum Ausdruck bringen: \u201eDarum geht und macht alle V\u00f6lker zu meinen J\u00fcngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes\u201c (Mt 28,19). \u00dcber die Christen schreibt der Apostel Petrus, dass jede und jeder von ihnen \u201enach dem Vorauswissen Gottes, des Vaters, durch die Heiligung des Geistes zum Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blut Jesu Christi erw\u00e4hlt\u201c ist (vgl. 1 Petr 1,1\u20132). Das Geheimnis der Dreifaltigkeit ist das Geheimnis der Liebe Gottes, der dem Menschen nahe sein wollte.<\/p>\n<h2>Einheit und Licht<\/h2>\n<p>Eines der sch\u00f6nsten Bilder f\u00fcr dieses Geheimnis ist das Symbol des Lichtes. Der Vater ist wie eine unersch\u00f6pfliche Quelle des Lichtes. Der Sohn ist der Strahl, der aus dieser Quelle hervorgeht, das vollkommene Abbild des Vaters. Der Heilige Geist wiederum ist die W\u00e4rme und der Glanz, die sich \u00fcber die ganze Welt ausbreiten. Es sind nicht drei Lichter, sondern ein einziges Licht. Es sind nicht drei G\u00f6tter, sondern ein einziger Gott. So versuchten die heiligen Kirchenv\u00e4ter Basilius der Gro\u00dfe, Gregor von Nazianz und Gregor von Nyssa, das Geheimnis der Dreifaltigkeit zu erkl\u00e4ren. In ihren Schriften erscheint die Dreifaltigkeit als vollkommene Einheit von Personen, die voneinander unterschieden und zugleich in der Liebe vollkommen geeint sind.<\/p>\n<p>Das Christentum glaubt nicht an einen einsamen Gott. Im Herzen des g\u00f6ttlichen Lebens besteht eine tiefe und ewige Beziehung. Der Vater zeugt von Ewigkeit her den Sohn. Der Sohn antwortet dem Vater von Ewigkeit her mit vollkommener Liebe und Hingabe. Der Heilige Geist ist das Band dieser Liebe, ihr pers\u00f6nlicher Hauch und ihre Gabe. Schon der heilige Iren\u00e4us von Lyon betonte, dass der Vater in der Welt durch seine \u201ezwei H\u00e4nde\u201c wirkt \u2013 den Sohn und den Heiligen Geist. So wird die gesamte Geschichte der Menschheit zur Geschichte des g\u00f6ttlichen Entgegenkommens, zur Geschichte eines Gottes, der auf den Menschen immer wieder zugeht.<\/p>\n<h2>Gott Vater \u2013 der Ursprung von allem<\/h2>\n<p>Der Vater ist der Ursprung von allem. Von ihm gehen die Sch\u00f6pfung, das Leben und die Berufung jedes Menschen aus. In einer Welt voller Unsicherheit erinnert uns der Glaube daran, dass die Wirklichkeit nicht das Werk des Zufalls ist. An ihrem Anfang steht Gott, der Vater. Jesus hat ihn nicht als einen fernen Herrscher offenbart, sondern als einen liebenden Vater, der jedes seiner Kinder kennt. Gerade dies geh\u00f6rte zu den revolution\u00e4rsten Botschaften des Evangeliums. Gott ist weder eine anonyme Macht noch eine unpers\u00f6nliche Energie. Er ist der Vater, der den Menschen sucht und niemals aufh\u00f6rt, ihn zu lieben. Johannes Paul II. erinnerte immer wieder daran, dass der Mensch sich selbst erkennt, wenn er beginnt, Gott als Vater zu entdecken. In einer Welt, die von Erfahrungen der Einsamkeit und von Krisen menschlicher Beziehungen gepr\u00e4gt ist, wies der Papst darauf hin, dass die Quelle der menschlichen W\u00fcrde gerade in der v\u00e4terlichen Liebe Gottes liegt. Jeder Mensch ist von Ewigkeit her gedacht, gewollt und geliebt.<\/p>\n<h2>Sohn Gottes \u2013 der sichtbare Gott, der liebt<\/h2>\n<p>Der Sohn Gottes offenbart das Antlitz des Vaters. Zu dem Apostel Philippus sagt Jesus: \u201eWer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen\u201c (Joh 14,9). In Jesus Christus wird der unsichtbare Gott sichtbar. Der Sohn spricht nicht nur vom Vater \u2013 er zeigt ihn durch sein Leben. In seinen Gesten des Mitgef\u00fchls, der Vergebung und der Barmherzigkeit entdeckt der Mensch, wie Gott wirklich ist. Die Kirchenv\u00e4ter verglichen Christus oft mit einer Ikone des Vaters. So wie eine Ikone den Blick auf die unsichtbare Wirklichkeit lenkt, so f\u00fchrt Jesus den Menschen zum Vater.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>In einer Welt voller Unsicherheit erinnert uns der Glaube daran, dass die Wirklichkeit nicht das Werk des Zufalls ist<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das Kreuz Jesu wird zur vollkommensten Offenbarung der g\u00f6ttlichen Liebe. Christus, der auf Golgota stirbt, legt sein menschliches Leben vertrauensvoll in die H\u00e4nde Gottes, des Vaters. Durch das Kreuz schauen wir auf einen Gott, der bis zur Vollendung liebt. Benedikt XVI. erinnerte in seiner ersten Enzyklika Deus caritas est daran, dass das Christentum nicht mit einer Idee oder einem moralischen System beginnt. Sein Anfang liegt in der Begegnung mit einer Person. Diese Person ist Jesus Christus. In ihm entdeckt der Mensch, dass Gott Liebe ist. Er liebt nicht nur \u2013 er ist die Liebe selbst.<\/p>\n<h2>Der Heilige Geist \u2013 Hauch des Lebens<\/h2>\n<p>Der Heilige Geist bleibt oft die verborgenste Person der Heiligen Dreifaltigkeit. Er spricht nicht mit eigener Stimme, sondern erinnert an die Worte Christi. Er lenkt die Aufmerksamkeit nicht auf sich selbst, sondern f\u00fchrt zum Vater und zum Sohn. Er ist wie der Wind: unsichtbar f\u00fcr die Augen, und doch an seiner Wirkung deutlich zu erkennen. Der heilige Basilius der Gro\u00dfe schrieb, dass der Heilige Geist Licht f\u00fcr den Verstand und Leben f\u00fcr die Seele ist. Er ist es, der das Herz des Menschen verwandelt. Er ist es, der Heiligkeit hervorbringt. Durch ihn bleibt das Evangelium nicht blo\u00df ein auf den Seiten eines Buches niedergeschriebener Text, sondern wird zu einem lebendigen Wort, das die Kraft besitzt, das menschliche Leben zu verwandeln.<\/p>\n<p>Papst Franziskus hat immer wieder betont, dass der Heilige Geist die \u201egro\u00dfe Kraft der Evangelisierung\u201c ist. Er schenkt den Mut zum Zeugnis, inspiriert zur Liebe und baut die Einheit der Kirche auf. Wo der Mensch sich im Egoismus verschlie\u00dft, \u00f6ffnet der Geist ihn f\u00fcr die Hingabe an andere. Wo Spaltung entsteht, stiftet der Geist Einheit. Im Blick auf die Heilige Dreifaltigkeit entdeckt der Mensch zugleich die Wahrheit \u00fcber sich selbst: Er ist zur Liebe geschaffen. Seine Erf\u00fcllung findet er nicht in Isolation und Einsamkeit, sondern in der Hingabe seiner selbst. Jeder Mensch findet zur eigenen Menschlichkeit, wenn er f\u00fcr andere zu einer selbstlosen Gabe wird. Die Wurzeln dieser Wahrheit reichen bis in das Leben der Heiligen Dreifaltigkeit hinein.<\/p>\n<h2>Die vollkommene Gemeinschaft der Liebe<\/h2>\n<p>Wenn die Kirche das Kreuzzeichen macht und die Worte spricht: \u201eIm Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes\u201c, wiederholt sie nicht lediglich eine religi\u00f6se Formel. Sie bekennt die tiefste Wahrheit ihres Glaubens. Am Ursprung von allem steht der Vater. Im Mittelpunkt der Geschichte ist der Sohn gegenw\u00e4rtig. Im Herzen der Kirche wirkt der Heilige Geist. Und \u00fcber der ganzen Sch\u00f6pfung erklingt der ewige Lobgesang auf die Liebe Gottes, der einer ist und zugleich dreifaltig. Darum kehrt das Christentum seit zweitausend Jahren immer wieder zu demselben Glaubensbekenntnis zur\u00fcck: Gott ist Vater, Sohn und Heiliger Geist \u2013 die vollkommene Gemeinschaft der Liebe, aus der alles hervorgeht und auf die alles hingeordnet bleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Pfarrer Dr. habil. Peter Tarlinski<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesung: Ex 34, 4b.5\u20136.8\u20139 Lesung: 2 Kor 13, 11\u201313 Evangelium: Joh 3, 16\u201318<\/p>\n","protected":false},"author":261,"featured_media":72237,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4225],"tags":[8612,8613,8607,8608,8609,6500,8610,6199],"redaktor":[7891],"class_list":["post-80161","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kirche-de","tag-der-heilige-geist-hauch-des-lebens","tag-die-vollkommene-gemeinschaft-der-liebe","tag-dreifaltigkeitssonntag-hochfest","tag-einheit-und-licht","tag-gott-vater-der-ursprung-von-allem","tag-jesus-christus-de","tag-sohn-gottes-der-sichtbare-gott","tag-wort-zum-sonntag-de","redaktor-dr-hab-peter-tarlinski"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80161","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/261"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=80161"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80161\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":80173,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80161\/revisions\/80173"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/72237"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80161"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=80161"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=80161"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=80161"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}