{"id":80101,"date":"2026-05-30T05:00:11","date_gmt":"2026-05-30T03:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=80101"},"modified":"2026-05-29T15:12:16","modified_gmt":"2026-05-29T13:12:16","slug":"echte-schlesische-happen-wo-es-nach-kuchen-und-kaffee-duftete-eine-kulinarische-geschichte-des-hirschberger-rings","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/echte-schlesische-happen-wo-es-nach-kuchen-und-kaffee-duftete-eine-kulinarische-geschichte-des-hirschberger-rings\/","title":{"rendered":"Wo es nach Kuchen und Kaffee duftete &#8211; eine kulinarische Geschichte des Hirschberger Rings"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Platz vor dem Rathaus von Hirschberg, einst der Marktplatz, geh\u00f6rt zu den sch\u00f6nsten Beispielen der Baukunst aus der Vorkriegszeit in Schlesien. Seine Geschichte ist reich an Festen, Feierlichkeiten und gro\u00dfen Zusammenk\u00fcnften. Doch eines dieser Ereignisse war besonders au\u00dfergew\u00f6hnlich und von geradezu ausgelassener Stimmung gepr\u00e4gt. Zur Riesengebirgswoche str\u00f6mten Jahr f\u00fcr Jahr Menschenmassen in die Stadt und lie\u00dfen sich selbst von wechselhaftem Wetter die Festfreude nicht nehmen. Im Jahr 1938 verband man das Fest mit den Feierlichkeiten zum 650-j\u00e4hrigen Bestehen Hirschbergs, und das umfangreiche Programm lud Bewohner wie G\u00e4ste gleicherma\u00dfen zum gemeinsamen Feiern ein. In schlesischen Trachten gekleidete Teilnehmer erlebten farbenfrohe Umz\u00fcge, Stra\u00dfenschauspiele und gesellige Stunden bei Speisen und Getr\u00e4nken.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Am Donnerstag verwandelte sich der Ring \u2013 wie \u00fcbrigens jede Woche \u2013 in einen riesigen Trachtenwochenmarkt. H\u00e4ndler aus den umliegenden Ortschaften boten frisches Gem\u00fcse, Obst, Blumen und zahlreiche regionale Erzeugnisse an. Sowohl Verk\u00e4ufer als auch Kunden erschienen in ihren Trachten \u2013 als Ausdruck gegenseitiger Wertsch\u00e4tzung und der Verbundenheit mit der schlesischen Tradition. Heute hat der historische Markt dem \u201ePlac Ratuszowy\u201c Platz gemacht. Auch der Wochenmarkt selbst ist verschwunden; er wurde an einen deutlich weniger atmosph\u00e4rischen Ort verlegt und findet nicht mehr donnerstags, sondern samstags statt. Auf Fotos aus den 1930er Jahren f\u00e4llt vor allem die F\u00fclle des Angebots ins Auge: H\u00f6lzerne Kisten, Bast- und Weidenk\u00f6rbe reihten sich neben einfachen S\u00e4cken, Eimern und Milchkannen, die direkt auf dem Boden standen.<\/p>\n<div id=\"attachment_80112\" style=\"width: 1812px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-80112\" class=\"size-full wp-image-80112\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Narodowe-Archiwum-Cyfrowe-Sprzedawca-w-cylindrze-i-kamizelce-przy-straganie-z-warzywami-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"1802\" height=\"2560\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Narodowe-Archiwum-Cyfrowe-Sprzedawca-w-cylindrze-i-kamizelce-przy-straganie-z-warzywami-scaled.jpg 1802w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Narodowe-Archiwum-Cyfrowe-Sprzedawca-w-cylindrze-i-kamizelce-przy-straganie-z-warzywami-211x300.jpg 211w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Narodowe-Archiwum-Cyfrowe-Sprzedawca-w-cylindrze-i-kamizelce-przy-straganie-z-warzywami-721x1024.jpg 721w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Narodowe-Archiwum-Cyfrowe-Sprzedawca-w-cylindrze-i-kamizelce-przy-straganie-z-warzywami-768x1091.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Narodowe-Archiwum-Cyfrowe-Sprzedawca-w-cylindrze-i-kamizelce-przy-straganie-z-warzywami-1081x1536.jpg 1081w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Narodowe-Archiwum-Cyfrowe-Sprzedawca-w-cylindrze-i-kamizelce-przy-straganie-z-warzywami-1442x2048.jpg 1442w\" sizes=\"auto, (max-width: 1802px) 100vw, 1802px\" \/><p id=\"caption-attachment-80112\" class=\"wp-caption-text\">An einem Gem\u00fcsestand auf dem samst\u00e4glichen Trachtenwochenmarkt in Hirschberg. Im Hintergrund das Haus Nr. 17 mit der Spirituosenfabrik \u201eDestillation Ernst Aust\u201c. Links ein Fragment des Hauses Nr. 16 sowie eine Litfa\u00dfs\u00e4ule mit Werbung f\u00fcr die \u201eRiesengebirgswoche\u201c, 1933\u20131937.<br \/>Quelle: Nationales Digitalarchiv<\/p><\/div>\n<p>Zur Mittagszeit endete der Markttag. Einer nach dem anderen verschwanden die Verkaufsst\u00e4nde, um im Jubil\u00e4umsjahr den Festlichkeiten Platz zu machen. Eine weitere Attraktion der Riesengebirgswoche war der Festumzug der Trachtengruppen. Gleich danach setzten sich die Teilnehmer an lange Tafeln und wurden mit Kaffee und Kuchen bewirtet, gestiftet vom Stadtrat. Wie auf jedem Volksfest \u2013 damals wie heute \u2013 durften k\u00f6stliche Backwaren nat\u00fcrlich nicht fehlen. Auf den Tischen standen zudem richtiges Geschirr und keineswegs Plastikbecher oder Pappteller. Die Gesellschaft genoss klassischen Streuselkuchen und Kolatschen. Denkt man allerdings \u00fcber die regionale K\u00fcche dieses schlesischen Landstrichs nach, kommt mir sofort ein besonderes \u201eKoch-Buch\u201c aus dem 18. Jahrhundert in den Sinn \u2013 eine handschriftliche Sammlung von Rezepten, aus der ich zwei ausgew\u00e4hlt habe. Das erste besticht durch seinen leicht augenzwinkernden, zugleich aber \u00e4u\u00dferst praktischen Abschluss, w\u00e4hrend mich mit dem zweiten eine tiefe pers\u00f6nliche Vorliebe f\u00fcr s\u00e4mtliche Arten von Kolatschen verbindet.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Zur Riesengebirgswoche str\u00f6mten Jahr f\u00fcr Jahr Menschenmassen in die Stadt und lie\u00dfen sich selbst von wechselhaftem Wetter die Festfreude nicht nehmen.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das erw\u00e4hnte \u201eKoch-Buch\u201c entstand \u00fcbrigens direkt am Hirschberger Ring \u2013 im Haus Nummer 11, das damals der Kaufmannsfamilie Mentzel geh\u00f6rte. Auf dem Titelblatt des Manuskripts findet sich eine Widmung von Christoph Jacob Preidl junior, dem wir die Sammlung zahlreicher kulinarischer Rezepte verdanken. Vermutlich st\u00fctzte sich der Verfasser teilweise auf damals bekannte Kochb\u00fccher, doch ebenso wahrscheinlich ist, dass manche Rezepte von Freunden und Bekannten stammten.<\/p>\n<div id=\"attachment_80106\" style=\"width: 1290px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-80106\" class=\"size-full wp-image-80106\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/JBC-Postkarte-Markt-mit-Lauben.png\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/JBC-Postkarte-Markt-mit-Lauben.png 1280w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/JBC-Postkarte-Markt-mit-Lauben-300x188.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/JBC-Postkarte-Markt-mit-Lauben-1024x640.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/JBC-Postkarte-Markt-mit-Lauben-768x480.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><p id=\"caption-attachment-80106\" class=\"wp-caption-text\">Historische Postkarte aus Hirschberg.<br \/>Quelle: Schlesische Digitale Bibliothek<\/p><\/div>\n<h2>Kuchen mit Pflaumenmus<\/h2>\n<p>250 g Butter, 1 kg Mehl, 500 ml lauwarme Milch, 25 g frische Hefe, 125 g Zucker und 2 Eigelb. Aus diesen Zutaten bereitet man einen Hefeteig zu und teilt ihn anschlie\u00dfend in zwei H\u00e4lften. Die erste wird auf einem Blech ausgerollt und mit Pflaumenmus bestrichen. Danach bestreut man den Teig mit Zucker, Zimt und Mandelbl\u00e4ttchen. Anschlie\u00dfend wird die zweite Teigplatte dar\u00fcbergelegt, mit Butter bestrichen und \u2013 wie es im Rezept hei\u00dft \u2013 \u201ezum B\u00e4cker geschickt\u201c.<\/p>\n<div id=\"attachment_80104\" style=\"width: 1258px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-80104\" class=\"size-full wp-image-80104\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/JBC-650-Jahrfeier-Hirschberg-6.-Riesengebirge-Woche-vom-16.-24.-Juli-1938.png\" alt=\"\" width=\"1248\" height=\"832\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/JBC-650-Jahrfeier-Hirschberg-6.-Riesengebirge-Woche-vom-16.-24.-Juli-1938.png 1248w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/JBC-650-Jahrfeier-Hirschberg-6.-Riesengebirge-Woche-vom-16.-24.-Juli-1938-300x200.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/JBC-650-Jahrfeier-Hirschberg-6.-Riesengebirge-Woche-vom-16.-24.-Juli-1938-1024x683.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/JBC-650-Jahrfeier-Hirschberg-6.-Riesengebirge-Woche-vom-16.-24.-Juli-1938-768x512.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1248px) 100vw, 1248px\" \/><p id=\"caption-attachment-80104\" class=\"wp-caption-text\">M\u00e4dchen in schlesischen Trachten servieren Kuchen w\u00e4hrend der Riesengebirgswoche 1938.<br \/>Quelle: Hirschberger Digitale Bibliothek<\/p><\/div>\n<h2>Kolatschen<\/h2>\n<p>250 g Butter werden schaumig ger\u00fchrt, danach gibt man 3 Eier hinzu und r\u00fchrt weiter. Anschlie\u00dfend vermischt man die trockenen Zutaten: 500 g Mehl, 150 g Zucker, Saft und Schale einer halben Zitrone sowie etwas Zimt. Dazu kommen 15 g Hefe, aufgel\u00f6st in einem Glas lauwarmer Milch. Der Teig wird sorgf\u00e4ltig geknetet und anschlie\u00dfend in Kugeln von der Gr\u00f6\u00dfe eines Eis geteilt. Jede Kugel wird auf ein gebuttertes Blech gelegt und mit der Hand flach gedr\u00fcckt. Danach bestreicht man die Oberfl\u00e4che mit verquirltem Eigelb, belegt sie mit Mandeln oder Fr\u00fcchten aus dem Glas und backt die Kolatschen goldbraun. Nach dem Backen l\u00e4sst man sie zehn Minuten ruhen und anschlie\u00dfend auf einem Gitter vollst\u00e4ndig ausk\u00fchlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Ma\u0142gorzata Janik<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Platz vor dem Rathaus von Hirschberg, einst der Marktplatz, geh\u00f6rt zu den sch\u00f6nsten Beispielen der Baukunst aus der Vorkriegszeit in Schlesien. 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