{"id":79729,"date":"2026-05-24T04:38:18","date_gmt":"2026-05-24T02:38:18","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=79729"},"modified":"2026-05-23T19:56:53","modified_gmt":"2026-05-23T17:56:53","slug":"wort-zum-sonntag-von-pfarrer-dr-peter-tarlinski-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wort-zum-sonntag-von-pfarrer-dr-peter-tarlinski-2\/","title":{"rendered":"Wort zum Sonntag von Pfarrer Dr. Peter Tarlinski"},"content":{"rendered":"<p><strong>Pfingsten \u2013 Hochfest der Sendung des Heiligen Geistes<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lesung: Apg 2,1\u201311 <\/strong><br \/>\n<strong>Lesung: 1 Kor 12, 3b\u20137.12\u201313<\/strong><br \/>\n<strong>Evangelium: Joh 20,19\u201323<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nWenn das Hochfest der Sendung des Heiligen Geistes gefeiert wird, er\u00f6ffnen sich zahlreiche Gedanken und Betrachtungen. Es lohnt sich, in die Apostelgeschichte hineinzuschauen oder den Abschnitt aus dem Johannesevangelium zu lesen, der f\u00fcr den Pfingsttag bestimmt ist. Jesus hat den Heiligen Geist angek\u00fcndigt. Nach seiner Auferstehung schenkte er den J\u00fcngern den Heiligen Geist durch seinen Hauch im Abendmahlssaal. Am f\u00fcnfzigsten Tag nach der Auferstehung kam der Heilige Geist auf die J\u00fcnger und auf Menschen aus vielen Nationen unter dem Himmel herab, die sich damals in Jerusalem aufhielten. Der Geist Gottes, der \u2013 wie das Buch Genesis berichtet \u2013 \u00fcber dem urspr\u00fcnglichen Chaos schwebte und die sichtbare wie die unsichtbare Welt erschuf, begr\u00fcndete eine neue Wirklichkeit in der Geschichte der Menschheit: die Kirche, die Gemeinschaft von Menschen, die durch denselben Geist belebt werden. Wer ist der Heilige Geist, und was l\u00e4sst sich \u00fcber ihn sagen?<\/p>\n<h2>Der Atem Gottes im Menschen<\/h2>\n<p>Der Heilige Geist ist eine Person \u2013 die lebendige Liebe des Vaters und des Sohnes, die die Welt und das Innerste des Menschen durchdringt. Er vermag ein Herz, das in Angst verschlossen ist, in ein Herz zu verwandeln, das zu Mut und Zeugnis f\u00e4hig wird. Der Heilige Geist war es, der bewirkte, dass die Apostel nach Tagen der Unsicherheit den Abendmahlssaal verlie\u00dfen und begannen, in einer Sprache der Hoffnung zu sprechen, die von allen V\u00f6lkern verstanden werden konnte. Der Heilige Geist beseitigt die Unterschiede zwischen den Menschen nicht, doch er bewirkt, dass die Verschiedenheit nicht mehr Anlass zur Spaltung ist. Wo der Geist Gottes wirkt, entsteht Einheit, die auf Liebe gegr\u00fcndet ist.<\/p>\n<p>Die Kirche glaubt von Anfang an, dass der Heilige Geist die Seele der Gemeinschaft der Glaubenden ist. Er belebt die Sakramente, st\u00e4rkt die Zeugen des Evangeliums und tr\u00e4gt die Heiligkeit mitten in die menschliche Schwachheit hineintr\u00e4gt. Der Geist erneuert den Menschen unaufh\u00f6rlich und macht ihn in Christus zu einer \u201eneuen Sch\u00f6pfung\u201c.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>\u201eChristus durchbricht die Verschlossenheit des Menschen. Er betritt seine Dunkelheit und seine Unsicherheit.\u201d<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Gabe des Geistes ist unmittelbar mit der Vergebung der S\u00fcnden verbunden: \u201eWem ihr die S\u00fcnden vergebt, dem sind sie vergeben.\u201c Johannes offenbart hier eine der tiefsten Dimensionen der Sendung der Kirche. Nach der S\u00fcnde bleibt der Mensch verschlossen \u2013 \u00e4hnlich wie die J\u00fcnger im Abendmahlssaal \u2013 eingeschlossen in Angst, Schuld und Trennung von Gott. Der Heilige Geist wird gegeben, um die T\u00fcren des menschlichen Herzens aufzubrechen und die Einheit mit Gott und mit den Mitmenschen wiederherzustellen. Die Kirche empf\u00e4ngt die Vollmacht zur Vergebung nicht als eigene Macht, sondern als Anteil am Erbarmen Christi. Der wiedergeborene Mensch ist berufen, aus dem Geist zu leben.<\/p>\n<h2>Durchbruch von Angst, Furcht und Isolation<\/h2>\n<p>Es ist der Abend des ersten Tages nach dem Sabbat. Die J\u00fcnger haben sich eingeschlossen. Die T\u00fcren sind verriegelt \u2013 nicht nur vor der Au\u00dfenwelt, sondern auch vor der Hoffnung. Der Evangelist Johannes zeichnet mit gro\u00dfer Feinf\u00fchligkeit die Atmosph\u00e4re der Angst nach, den inneren Zustand der J\u00fcnger, die nach dem Tod Jesu Verfolgung f\u00fcrchten und den Zusammenbruch all dessen, woran sie geglaubt haben. Genau in diesen Raum der Furcht tritt der Auferstandene ein. Er wartet nicht darauf, dass die J\u00fcnger ihm die T\u00fcren \u00f6ffnen. Christus durchbricht die Verschlossenheit des Menschen. Er betritt seine Dunkelheit und seine Unsicherheit. Johannes beschreibt dies mit wenigen Worten, aber von gro\u00dfer Kraft: Jesus \u201etrat in ihre Mitte\u201c. Er bleibt nicht am Rand des menschlichen Lebens. Auch nach seiner Auferstehung sorgt er sich um seine J\u00fcnger. Seine Gegenwart gleicht dem Licht des Morgens nach einer langen Nacht \u2013 ein Zeichen daf\u00fcr, dass Gott nicht aufgeh\u00f6rt hat, in der Geschichte der Welt und im Herzen des Menschen zu wirken. Gerade deshalb ist das Pfingstfest ein Fest der Hoffnung: die Erinnerung daran, dass Gott weiterhin kommt, verwandelt und f\u00fchrt.<\/p>\n<h2>Die Gabe des Friedens \u2013 f\u00fcr alle<\/h2>\n<p>Der Auferstandene Christus sprach die J\u00fcnger zweimal mit den Worten: \u201eFriede sei mit euch!\u201c an. In der biblischen Sprache bedeutet Frieden \u2013 Schalom \u2013 weit mehr als die Abwesenheit von Konflikten. Er ist die F\u00fclle des Lebens, die Vers\u00f6hnung des Menschen mit Gott und die Harmonie der menschlichen Herzen untereinander. Jesus bringt einen Frieden, der aus dem Kreuz geboren wurde. Deshalb zeigt er den J\u00fcngern seine H\u00e4nde und seine Seite. Die Wunden bleiben sichtbar. Die Auferstehung l\u00f6scht die Geschichte des Leidens nicht aus, sondern verwandelt sie.<\/p>\n<p>Christus kehrt nicht als ein anderer zur\u00fcck. Er ist derselbe, der gekreuzigt wurde. Johannes offenbart hier eine tiefgehende Wahrheit: Die Herrlichkeit Gottes zerst\u00f6rt die menschlichen Wunden nicht, sondern schenkt ihnen einen neuen Sinn. Die Wunden Christi werden zum Zeichen einer Liebe, die st\u00e4rker ist als der Tod. Erst dann beginnen die J\u00fcnger sich zu freuen. Wahre Freude entsteht nicht aus dem Vergessen des Leidens, sondern aus der Begegnung mit dem lebendigen Herrn.<\/p>\n<div id=\"attachment_79734\" style=\"width: 766px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-79734\" class=\"size-large wp-image-79734\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Rom_Vatikan_Basilika_St._Peter_Die_Taube_des_Heiligen_Geistes_Cathedra_Petri_Bernini-756x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"756\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Rom_Vatikan_Basilika_St._Peter_Die_Taube_des_Heiligen_Geistes_Cathedra_Petri_Bernini-756x1024.jpg 756w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Rom_Vatikan_Basilika_St._Peter_Die_Taube_des_Heiligen_Geistes_Cathedra_Petri_Bernini-222x300.jpg 222w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Rom_Vatikan_Basilika_St._Peter_Die_Taube_des_Heiligen_Geistes_Cathedra_Petri_Bernini-768x1040.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Rom_Vatikan_Basilika_St._Peter_Die_Taube_des_Heiligen_Geistes_Cathedra_Petri_Bernini.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 756px) 100vw, 756px\" \/><p id=\"caption-attachment-79734\" class=\"wp-caption-text\">Darstellung des Heiligen Geistes als Taube, Gian Lorenzo Bernini, Glasmalerei, Cathedra Petri, Petersdom, Vatikanstadt, ca. 1660<br \/>Foto: Dnalor_01 \/ Wikimedia Commons (CC-BY-SA 3.0)<\/p><\/div>\n<p>Johannes entfaltet seine Gedanken oft rund um das Motiv des \u201eSehens\u201c. \u201eDa freuten sich die J\u00fcnger, als sie den Herrn sahen.\u201c Sehen bedeutet im Johannesevangelium den Eintritt in den Glauben zu bedeuten. Die J\u00fcnger beginnen zu verstehen, dass das Kreuz nicht das Ende war, sondern das Tor zum Leben.<\/p>\n<h2>\u201eWie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.\u201c<\/h2>\n<p>Nachdem Jesus die Worte des Friedens wiederholt hat, f\u00fcgt er hinzu: \u201eWie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.\u201c Dies ist die Geburtsstunde der missionarischen Kirche. Die J\u00fcnger sollen die Erfahrung des Auferstandenen nicht f\u00fcr sich behalten. Wie der Vater den Sohn in die Welt gesandt hat, so sendet nun der Sohn seine J\u00fcnger aus. In der Sichtweise des Apostels Johannes w\u00e4chst die Sendung der Kirche unmittelbar aus der Sendung Christi hervor. Die Kirche existiert nicht f\u00fcr sich selbst. Sie soll das Werk Jesu fortsetzen: die Wahrheit verk\u00fcnden, vergeben, heilen und die Menschen in der Kraft des Heiligen Geistes zum Vater f\u00fchren.<\/p>\n<p>Der Geist f\u00fchrt den Menschen zur Wahrheit \u00fcber sein eigenes Leben \u2013 \u00fcber seine Zerbrechlichkeit und seine W\u00fcrde, \u00fcber die Notwendigkeit der Erl\u00f6sung und \u00fcber die unendliche Barmherzigkeit Gottes. Der Heilige Geist ist der innere Lehrer, der durch die leisen Regungen des Gewissens spricht. Er erinnert an die Worte Christi, erhellt den Sinn des Evangeliums und schenkt die F\u00e4higkeit, das Gute zu erkennen. Ohne den Heiligen Geist w\u00e4re der Glaube nur Theorie und Tradition. Durch ihn wird er zur Begegnung und zu einer lebendigen Freundschaft mit Gott. Diese wiederum wird zur Quelle tiefer und dauerhafter menschlicher Beziehungen.<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Lassen wir den Heiligen Geist in uns wirken \u2013 denn sein Wirken bringt in jeder Hinsicht Frucht hervor.<\/strong><\/span><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingsten \u2013 Hochfest der Sendung des Heiligen Geistes Lesung: Apg 2,1\u201311 Lesung: 1 Kor 12, 3b\u20137.12\u201313 Evangelium: Joh 20,19\u201323<\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":72237,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4225],"tags":[],"redaktor":[6062],"class_list":["post-79729","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kirche-de","redaktor-bischofsvikar-dr-peter-tarlinski-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79729","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=79729"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79729\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":79736,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79729\/revisions\/79736"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/72237"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79729"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=79729"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=79729"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=79729"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}