{"id":79648,"date":"2026-05-24T17:00:00","date_gmt":"2026-05-24T15:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=79648"},"modified":"2026-05-21T12:35:33","modified_gmt":"2026-05-21T10:35:33","slug":"das-oppelner-piastenschloss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/das-oppelner-piastenschloss\/","title":{"rendered":"Das Oppelner Piastenschloss"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vom Piastenschloss ist heute nur noch sein gotischer Bergfried erhalten, der zudem von Bauten des 20. Jahrhunderts umstellt ist. Dabei war die ehemalige Residenz der Oppelner Herz\u00f6ge \u00fcber lange Zeit Zentrum von Politik und Verwaltung. Der Verlust des Schlosses war dabei nicht Folge von Krieg oder Katastrophen, sondern einer kontroversen Verwaltungsentscheidung.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Wo Oppeln begann<\/h2>\n<p>Die Urspr\u00fcnge des ehemaligen Piastenschlosses und der Stadt Oppeln befinden sich auf der Oderinsel Pascheke. Gesch\u00fctzt durch den Strom siedelten hier schon im 8. Jahrhundert die slawischen Opolanen. In der Fr\u00fchphase der polnischen Staatlichkeit unter dem Piastenf\u00fcrsten Mieszko I. war die Insel bereits mit Holzpalisaden und Erdw\u00e4llen befestigt. Ab dem fr\u00fchen 13. Jahrhundert begann Herzog Kasimir I. von Oppeln-Ratibor mit dem Bau einer steinernen Burg. Zu den dramatischsten Momenten der fr\u00fchen Geschichte geh\u00f6rt die Eroberung und Pl\u00fcnderung der Burg durch die Mongolen im Jahr 1241. Herzog Boleslaus I. lie\u00df das Schloss ab 1283 grundlegend neu errichten. Charakteristisch f\u00fcr diese Bauphase waren die gotischen Elemente sowie der runde, 51 Meter hohe Bergfried. Dieser wurde um 1300 fertiggestellt und ist heute als Piastenturm bekannt. Bedeutend war auch die Weihe der Schlosskapelle im Jahr 1307. Denn die Burg diente nicht nur der Verteidigung, sondern auch als Residenz der Herz\u00f6ge von Oppeln.<\/p>\n<div id=\"attachment_79651\" style=\"width: 1930px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-79651\" class=\"size-full wp-image-79651\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Piastenschloss-Denkmal-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"2560\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Piastenschloss-Denkmal-scaled.jpg 1920w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Piastenschloss-Denkmal-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Piastenschloss-Denkmal-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Piastenschloss-Denkmal-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Piastenschloss-Denkmal-1536x2048.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><p id=\"caption-attachment-79651\" class=\"wp-caption-text\">Piastenschloss Denkmal.<br \/>Foto: Martin Wycisk<\/p><\/div>\n<h2>Unter Habsburgern und Hohenzollern<\/h2>\n<p>Die Funktion als Herzogsresidenz verlor das Piastenschloss 1532. Mit dem Aussterben der Oppelner Piastenlinie fiel das Herzogtum an die Krone B\u00f6hmen und somit an die Habsburger. Dadurch stand das Schloss einige Zeit leer, bis es Sitz des Landeshauptmanns wurde. In den Jahren 1557\u20131566 lie\u00df der kaiserliche Landeshauptmann Johann von Oppersdorf das Schloss durch den italienischen Baumeister Franz Pahr im Stil der Renaissance erneuern. W\u00e4hrend des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges wurde das Schloss befestigt und mehrmals belagert. Der schlechte Zustand des Schlosses wurde durch zwei Br\u00e4nde in den Jahren 1737 und 1739 zus\u00e4tzlich verschlimmert.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Die Entscheidung, ein historisch wertvolles Schloss zu zerst\u00f6ren, wurde in der oberschlesischen Presse auf beiden Seiten der Grenze diskutiert.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Infolge der Schlesischen Kriege kamen Oppeln und das Piastenschloss zu Preu\u00dfen. Dies hatte f\u00fcr die ehrw\u00fcrdige Piastenresidenz zun\u00e4chst keine gr\u00f6\u00dferen Folgen. Dies \u00e4nderte sich 1816, als Oppeln Sitz des Regierungsbezirkes wurde. Teile der Beh\u00f6rde wurden im Piastenschloss angesiedelt, denn ein Verwaltungsgeb\u00e4ude entstand erst in den Jahren 1830\u20131833 am heutigen Freiheitsplatz. Die rasante Industrialisierung im Osten Oberschlesiens ging mit einem Anwachsen des Beamtenapparates in Oppeln einher, weshalb ein Teil der Beamten im Piastenschloss verblieb. So wurde dieses in den Jahren 1860 sowie 1885\/86 f\u00fcr Verwaltungszwecke um- bzw. ausgebaut. Zu den Neuerungen des 19. Jahrhunderts geh\u00f6rte auch die \u00d6ffnung des Schlossparks f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung im Jahr 1893. Die Nachfrage nach B\u00fcrofl\u00e4chen f\u00fcr die Beamten blieb auch nach der Jahrhundertwende konstant, weshalb zwischen 1904 und 1906 ein weiterer Fl\u00fcgel im Stil der Neorenaissance nach Pl\u00e4nen von Paul Kieschke gebaut wurde.<\/p>\n<h2>Kontroverse um den Abriss<\/h2>\n<p>Nach dem Weltkrieg ver\u00e4nderte sich vieles in der jungen Weimarer Republik. Was in Oppeln konstant blieb, war der Mangel an R\u00e4umen f\u00fcr die Verwaltung. Durch die Erhebung des Regierungsbezirkes Oppeln zur Provinz Oberschlesien wurde dies nochmals verst\u00e4rkt. Diese Entwicklung sollte schlie\u00dflich zum Ende des Piastenschlosses f\u00fchren. Um endlich eine langfristige L\u00f6sung f\u00fcr die Verwaltung zu schaffen, entschied der damalige oberschlesische Regierungspr\u00e4sident Alfons Proske, die Piastenresidenz abzutragen und durch einen funktionalistischen Bau zu ersetzen. Wie genau der Entscheidungsprozess verlief, m\u00fcsste ein Historiker wohl erst in den Akten recherchieren. M\u00f6glicherweise war ein Neubau am Standort des Schlosses schlicht die g\u00fcnstigere Variante.<\/p>\n<p>Die Entscheidung, ein historisch wertvolles Schloss zu zerst\u00f6ren, wurde in der oberschlesischen Presse auf beiden Seiten der Grenze diskutiert. Die Debatte fand \u2013 wie so vieles in jener Zeit \u2013 im Kontext des deutsch-polnischen Konfliktes um die Zugeh\u00f6rigkeit Oberschlesiens und die Identit\u00e4t der Oberschlesier statt. Entsprechend bewertete die polnische Zeitung \u201ePolska Zachodnia\u201c (1928, Nr. 347) die Zerst\u00f6rung des Piastenschlosses als Barbarei und Tilgung der piastischen \u2013 und somit polnischen \u2013 Wurzeln Oberschlesiens. Die in Kattowitz herausgegebene deutsche \u201eKattowitzer Zeitung\u201c (1928, Nr. 60) verteidigte wiederum die Entscheidung Proskes mit dem bauf\u00e4lligen Zustand des Schlosses, der eine \u201eGef\u00e4hrdung des Lebens der Beamten\u201c darstelle. Dass auch im deutschen Teil Oberschlesiens die Schleifung des Schlosses kritisch gesehen wurde, davon zeugt das Gleiwitzer Magazin \u201eOberschlesien im Bild\u201c (1929, Nr. 33), das den Abriss wie folgt kommentierte: \u201eBeh\u00f6rdliche Weisheit hat bekanntlich das alte Piastenschloss, ein Wahrzeichen der Regierungs-Hauptstadt Oppeln, vernichtet. Und die segensreiche beh\u00f6rdliche Stelle, die zum Zwecke der Erhaltung kulturgeschichtlicher Denkm\u00e4ler in Oberschlesien geschaffen ist, verschlief selig dieses immerhin nicht unwichtige Ereignis.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Martin Wycisk<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Piastenschloss ist heute nur noch sein gotischer Bergfried erhalten, der zudem von Bauten des 20. Jahrhunderts umstellt ist. Dabei war die ehemalige Residenz der Oppelner Herz\u00f6ge \u00fcber lange Zeit Zentrum von Politik und Verwaltung. 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