{"id":79144,"date":"2026-05-16T11:00:25","date_gmt":"2026-05-16T09:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=79144"},"modified":"2026-05-20T16:38:15","modified_gmt":"2026-05-20T14:38:15","slug":"echte-schlesische-happen-bevor-die-eulenbaude-verstummte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/echte-schlesische-happen-bevor-die-eulenbaude-verstummte\/","title":{"rendered":"Bevor die Eulenbaude verstummte"},"content":{"rendered":"<p><strong>In einer Zeit, in der wir entschieden zu schnell leben, vermag eine Wanderung in den Bergen unseren Rhythmus f\u00fcr einige Stunden zu ver\u00e4ndern und uns in einen ruhigeren Takt eintauchen zu lassen. Ein abendlicher Eierlik\u00f6r aus frisch aufgeschlagenem Eigelb und schaumig ger\u00fchrtem Zucker oder Kl\u00f6\u00dfe mit Fleisch und Pflaumen-Pilz-Sauce, langsam genossen auf einer verglasten Veranda mit Blick auf die Landschaft des Eulengebirges \u2013 solche Bilder kommen mir in den Sinn, wenn ich an jene Augenblicke denke, die ich fernab des allt\u00e4glichen Pflichtprogramms besonders sch\u00e4tze.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Eulengebirge besitzt etwas zugleich Magisches, Raues und Wildes. Wie ein Magnet zieht es all jene an, die im Fr\u00fchling in das \u00fcberquellende Gr\u00fcn der W\u00e4lder und Kr\u00e4uterwiesen eintauchen m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Versetzen wir uns an die Jahrhundertwende unter die Hohe Eule, bevor das Stimmengewirr in der \u201eEulenbaude\u201c endg\u00fcltig verstummte. Die Herberge wurde vom Eulengebirgsverein gegr\u00fcndet und am 11. April 1897 er\u00f6ffnet. Das auf 880 Metern H\u00f6he gelegene Holzgeb\u00e4ude verf\u00fcgte zun\u00e4chst \u00fcber zwei Gastr\u00e4ume und f\u00fcnf Zimmer f\u00fcr insgesamt acht \u00dcbernachtungsg\u00e4ste und war anfangs nur bis zum Herbst ge\u00f6ffnet. In den folgenden Jahren wurde die Baude zum Ganzjahresbetrieb ausgebaut, um der wachsenden Zahl von Wintersportfreunden gerecht zu werden. Bereits in der zweiten Saison entstand zudem ein gro\u00dfer B\u00fcfettbereich mit rund 300 Sitzpl\u00e4tzen.<\/p>\n<div id=\"attachment_79152\" style=\"width: 1066px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-79152\" class=\"size-full wp-image-79152\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Biblioteka-Cyfrowa-Uniwersytetu-Wroclawskiego-Der-Eulengebirgsfreund-1910-12-01-Nr-12.png\" alt=\"\" width=\"1056\" height=\"992\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Biblioteka-Cyfrowa-Uniwersytetu-Wroclawskiego-Der-Eulengebirgsfreund-1910-12-01-Nr-12.png 1056w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Biblioteka-Cyfrowa-Uniwersytetu-Wroclawskiego-Der-Eulengebirgsfreund-1910-12-01-Nr-12-300x282.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Biblioteka-Cyfrowa-Uniwersytetu-Wroclawskiego-Der-Eulengebirgsfreund-1910-12-01-Nr-12-1024x962.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Biblioteka-Cyfrowa-Uniwersytetu-Wroclawskiego-Der-Eulengebirgsfreund-1910-12-01-Nr-12-768x721.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1056px) 100vw, 1056px\" \/><p id=\"caption-attachment-79152\" class=\"wp-caption-text\">Anzeige im \u201eEulengebirgsfreund\u201c (1910).<br \/>Quelle: Digitale Bibliothek der Universit\u00e4t Breslau<\/p><\/div>\n<p>Auf der malerischen Terrasse oder der verglasten Veranda d\u00fcrfte damals alles besonders gut geschmeckt haben. Darauf weist auch ein Bericht der Zeitung \u201eOberschlesische Volksstimme\u201c aus dem Jahr 1928 hin: Die Maiwanderung habe herrliche Ausblicke und eine Gastronomie geboten, \u201edie jeden Magen zufriedenstellt\u201c, w\u00e4hrend Speisen und Getr\u00e4nke von ausgezeichneter Qualit\u00e4t gewesen seien. Der Wirt Fritz Nicolaus habe alles darangesetzt, jeden Gast bestens zu bewirten. Kein Wunder also, dass die Reisegruppe erst nach zweieinhalb Stunden geselligen Beisammenseins weiterzog.<\/p>\n<h2>Zwischen Veranda, Waldmeister und Bergidylle<\/h2>\n<p>Der Eulengebirgsverein verpachtete die Baude. Ihr erster Wirt war Erich G\u00f6bel, sp\u00e4ter folgten Heinrich Vogel, Carl Barwanietz, Paul Grunwald (1910\u20131915), der bereits erw\u00e4hnte Fritz Nicolaus (1915\u20131940) sowie Paul Dammfeld (1940\u20131945).<\/p>\n<div id=\"attachment_79154\" style=\"width: 1226px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-79154\" class=\"size-full wp-image-79154\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_20200825_133220.jpg\" alt=\"\" width=\"1216\" height=\"913\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_20200825_133220.jpg 1216w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_20200825_133220-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_20200825_133220-1024x769.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_20200825_133220-768x577.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1216px) 100vw, 1216px\" \/><p id=\"caption-attachment-79154\" class=\"wp-caption-text\">Herberge \u201eSowa\u201c im Jahr 2020.<br \/>Foto: Ma\u0142gorzata Janik<\/p><\/div>\n<p>Die Versorgung der Baude erfolgte im Winter mit Pferdeschlitten, in den \u00fcbrigen Jahreszeiten konnte man sie bereits mit dem Auto erreichen. Doch auch die Gastronomie hatte schwierige Zeiten zu \u00fcberstehen: Im April 1918 beantragte der damalige P\u00e4chter beim Verein die Genehmigung zum Bau eines Viehstalls und zur Anlage eines Gem\u00fcsegartens. Ursache waren erhebliche Probleme bei der Lebensmittelversorgung der Herberge. Auf alten Postkarten und historischen Fotografien wurden bedeutende Momente aus dem Leben der Baude festgehalten. Manche zeigen die Gem\u00fcsebeete vor dem Haus, andere unvergessliche Weihnachtsfeiern der Vereine \u201eSki-Club Reichenbach\u201c und \u201eSkizunft Reichenbach\u201c, sonnige und dennoch schneereiche Osterfeste, Pfingstfeiern oder ausgelassene Silvesterabende mit Feuerwerk und Tanz. Ebenso h\u00e4ufig traf sich hier der Eulengebirgsverein zu Versammlungen und Vorstandssitzungen. Dank der guten Infrastruktur fanden rund um die Baude Turnwanderungen, Schulwanderungen und im Winter Skiwettk\u00e4mpfe statt, deren Strecke direkt an der Herberge vorbeif\u00fchrte.<\/p>\n<h2>Wintersport, Vereinsleben und Festkultur<\/h2>\n<p>Wer heute im Mai durch die W\u00e4lder wandert, entdeckt ganze Waldmeister-Teppiche. Fr\u00fcher wurde das Kraut zum Aromatisieren der traditionellen Maibowle und des beliebten Lik\u00f6rs \u201eWaldmeister\u201c verwendet. Seine hellgr\u00fcne Farbe, das unverwechselbar frische Aroma und der milde Geschmack passen perfekt zu Fr\u00fchlingsfesten. Vielleicht genossen einst auch die G\u00e4ste der \u201eEulenbaude\u201c auf der Aussichtsterrasse ein Getr\u00e4nk mit Waldmeister?<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Zwischen Waldmeisterduft, Bergwanderungen und Vereinsleben lebt die Erinnerung an die einstige \u201eEulenbaude\u201c bis heute weiter.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Oder bestrichen zum Fr\u00fchst\u00fcck ihr Brot mit s\u00fc\u00dfem Waldmeistergelee? Der Waldmeister ist heute beinahe vergessen. Deshalb lohnt es sich, beim Spaziergang den Blick unter die B\u00e4ume schweifen zu lassen und nach der kleinen Pflanze mit ihren wei\u00dfen Bl\u00fcten und sternf\u00f6rmig angeordneten Bl\u00e4ttern Ausschau zu halten. Kulinarisch eingesetzt, kann sie G\u00e4ste durchaus \u00fcberraschen. Alte schlesische Kochb\u00fccher liefern daf\u00fcr inspirierende Anregungen und lassen viel Raum f\u00fcr Kreativit\u00e4t.<\/p>\n<h2>Der Geschmack des Fr\u00fchlings<\/h2>\n<h3>Maibowle<\/h3>\n<p>Zarter Waldmeister, noch kaum bl\u00fchend, wird nach dem Abschneiden der St\u00e4ngel in Wei\u00dfwein gelegt und etwa zwei Stunden ziehen gelassen. Danach entfernt man das Kraut wieder. Zus\u00e4tzliche Zutaten w\u00fcrden sein feines Aroma \u00fcberdecken, doch Orangenscheiben oder Apfelbl\u00fcten k\u00f6nnen dekorativ auf die Gl\u00e4ser gelegt werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_79150\" style=\"width: 2277px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-79150\" class=\"size-full wp-image-79150\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/AAD_1860-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2267\" height=\"2560\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/AAD_1860-scaled.jpg 2267w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/AAD_1860-266x300.jpg 266w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/AAD_1860-907x1024.jpg 907w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/AAD_1860-768x867.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/AAD_1860-1360x1536.jpg 1360w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/AAD_1860-1814x2048.jpg 1814w\" sizes=\"auto, (max-width: 2267px) 100vw, 2267px\" \/><p id=\"caption-attachment-79150\" class=\"wp-caption-text\">Maibowle mit Wei\u00dfwein aus dem niederschlesischen Weinkeller \u201e55-100\u201c und Waldmeistergelee.<br \/>Foto: Micha\u0142 Janik<\/p><\/div>\n<h3>Waldmeistergelee<\/h3>\n<p>Das Kraut etwa zw\u00f6lf Stunden antrocknen lassen, damit sich sein Aroma entfalten kann. Anschlie\u00dfend den Waldmeister in einen Topf geben, mit 750 ml Wasser \u00fcbergie\u00dfen, Zitronenscheiben hinzuf\u00fcgen und weitere zw\u00f6lf Stunden ziehen lassen. Danach Waldmeister und Zitrone entfernen, die Fl\u00fcssigkeit mit Gelierzucker aufkochen, in sterilisierte Gl\u00e4ser f\u00fcllen und sofort verschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Die heutige Baude \u201eSowa\u201c, einstige \u201eEulenbaude\u201c, steht seit einigen Jahren leer, und ihr weiteres Schicksal ist ungewiss. Eines jedoch bleibt sicher: Der Waldmeister kehrt jedes Fr\u00fchjahr zuverl\u00e4ssig in die W\u00e4lder zur\u00fcck \u2013 und verdient einen Platz auf dem Fr\u00fchlingstisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Ma\u0142gorzata Janik<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer Zeit, in der wir entschieden zu schnell leben, vermag eine Wanderung in den Bergen unseren Rhythmus f\u00fcr einige Stunden zu ver\u00e4ndern und uns in einen ruhigeren Takt eintauchen zu lassen. 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