{"id":78986,"date":"2026-05-14T11:00:38","date_gmt":"2026-05-14T09:00:38","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=78986"},"modified":"2026-05-14T12:18:16","modified_gmt":"2026-05-14T10:18:16","slug":"vdg-delegierte-verabschiedeten-wegweisende-resolutionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/vdg-delegierte-verabschiedeten-wegweisende-resolutionen\/","title":{"rendered":"VdG-Delegierte verabschiedeten wegweisende Resolutionen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Delegierten des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) haben w\u00e4hrend der Jahresversammlung, die im Oberschlesischen Eichendorff-Kultur- und Begegnungszentrum in Lubowitz stattgefunden hat, drei Resolutionen verabschiedet. Diese setzen die Leitplanken f\u00fcr die k\u00fcnftige Arbeit in den Bereichen Sprachpolitik, institutionelle Zusammenarbeit und den Schutz des Kulturerbes. Doch was bedeuten diese Dokumente f\u00fcr die Menschen vor Ort? Vertreter der Minderheit nehmen Stellung zu den Herausforderungen und Zielen.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>1. 35 Jahre Deutsch-Polnischer Vertrag: Sichtbarkeit und Dialog einfordern<\/h3>\n<p>Die erste Resolution befasst sich kritisch mit den Auswirkungen des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags auf die heutige Lage der Minderheit. Das Dokument fordert eine St\u00e4rkung institutioneller Mechanismen, die eine echte Teilhabe am \u00f6ffentlichen Leben erm\u00f6glichen \u2013 insbesondere angesichts der derzeit begrenzten Pr\u00e4senz von Minderheitenvertretern im Parlament. Es betont die Notwendigkeit stabiler rechtlicher L\u00f6sungen f\u00fcr Bildungs- und Kultureinrichtungen sowie den Ausbau politischer Dialogkan\u00e4le.<\/p>\n<p>Rafa\u0142 Bartek, Vorsitzender des VdG, erinnert an die Weitsicht der damaligen Politik, mahnt aber auch Vers\u00e4umnisse an: \u201eEs ist wichtig, daran zu erinnern, was in diesem Vertrag steht: gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit. Ein Teil dessen ist die deutsche Minderheit. Wir haben die Hoffnung, dass der deutsch-polnische \u201aRunde Tisch\u2018 endlich wieder tagt, denn es gibt Punkte, die bis heute nicht richtig funktionieren.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_79025\" style=\"width: 2010px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-79025\" class=\"size-full wp-image-79025\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Rafal-Bartek-Foto-M-Golomb-e1778746720944.jpg\" alt=\"\" width=\"2000\" height=\"1127\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Rafal-Bartek-Foto-M-Golomb-e1778746720944.jpg 2000w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Rafal-Bartek-Foto-M-Golomb-e1778746720944-300x169.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Rafal-Bartek-Foto-M-Golomb-e1778746720944-1024x577.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Rafal-Bartek-Foto-M-Golomb-e1778746720944-768x433.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Rafal-Bartek-Foto-M-Golomb-e1778746720944-1536x866.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 2000px) 100vw, 2000px\" \/><p id=\"caption-attachment-79025\" class=\"wp-caption-text\">Rafa\u0142 Bartek, Vorsitzender des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen, fordert in der Resolution zum deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag eine St\u00e4rkung des politischen Dialogs.<br \/>Foto: M. Golomb<\/p><\/div>\n<p>F\u00fcr Weronika Koston (SKGD Oppeln \/ DFK Colonnowska) ist vor allem die gesellschaftliche Wahrnehmung entscheidend: \u201eWir sind in der Mehrheitsgesellschaft oft nicht sichtbar. Das ist ein strukturelles Problem. Die Geschichte der deutschen Minderheit muss objektiv in die Lehrpl\u00e4ne einflie\u00dfen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_79017\" style=\"width: 1343px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-79017\" class=\"size-full wp-image-79017\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Weronika-Koston-Foto-M-Golomb-e1778745914805.jpg\" alt=\"\" width=\"1333\" height=\"2000\" \/><p id=\"caption-attachment-79017\" class=\"wp-caption-text\">Weronika Koston (SKGD Oppeln) betont die Bedeutung der Sichtbarkeit der deutschen Minderheit im Bildungssystem.<br \/>Foto: M. Golomb<\/p><\/div>\n<p>Sie pl\u00e4diert f\u00fcr eine Dezentralisierung der Bildung: \u201eDie Woiwodschaften sollten selbst entscheiden k\u00f6nnen, wie regionale Identit\u00e4t und Heimatkunde unterrichtet werden.\u201c<\/p>\n<p>Die ganze Resolution zum 35. Jahrestag des Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrags lesen Sie hier: <a href=\"https:\/\/vdg.pl\/rezolucja-dotyczaca-35-rocznicy-podpisania-traktatu-o-dobrym-sasiedztwie-i-przyjaznej-wspolpracy\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/vdg.pl\/rezolucja-dotyczaca-35-rocznicy-podpisania-traktatu-o-dobrym-sasiedztwie-i-przyjaznej-wspolpracy\/<\/a><\/p>\n<h3>2. Eine neue Sprachstrategie: Vom Wohnzimmer bis zur Institution<\/h3>\n<p>In der Resolution zur Sprachstrategie r\u00fcckt die Qualit\u00e4t und Koordination des Deutschunterrichts in das Zentrum. Das Dokument fordert systemische L\u00f6sungen f\u00fcr die Lehrkr\u00e4fteausbildung, eine stabile Finanzierung von Sprachprogrammen und eine bessere Verzahnung von Bildungsprojekten f\u00fcr alle Altersgruppen. Ein Kernvorschlag ist die Schaffung einer spezialisierten Einrichtung f\u00fcr die Entwicklung und Analyse der Sprachbildung, um eine langfristige Planung zu sichern.<\/p>\n<p>Zuzanna Donath-Kasiura, Vizemarschallin der Woiwodschaft Oppeln, betont die emotionale und historische Tiefe dieses Themas: \u201eJahrelang durften wir kein Deutsch sprechen, wir wurden oft als Feinde gesehen. Auch wenn die wirtschaftliche Zusammenarbeit heute top ist, haben die letzten zehn Jahre tiefe Spuren hinterlassen. Viele Menschen hatten wieder Angst, Deutsch zu sprechen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_79019\" style=\"width: 1343px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-79019\" class=\"size-full wp-image-79019\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Zuzanna-Donath-Kasiura-Foto-M-Golomb-2-e1778746075687.jpg\" alt=\"\" width=\"1333\" height=\"2000\" \/><p id=\"caption-attachment-79019\" class=\"wp-caption-text\">Zuzanna Donath-Kasiura, Vizemarschallin der Woiwodschaft Oppeln, spricht sich f\u00fcr eine st\u00e4rkere Pr\u00e4senz der deutschen Sprache im Alltag und in den Familien aus.<br \/>Foto: M. Golomb<\/p><\/div>\n<p>Sie sieht die L\u00f6sung in einer Doppelstrategie: \u201eWir brauchen eine institutionelle Koordinationsstelle, aber die Sprache muss auch in den Familien lebendig werden. Wenn wir zu Hause Deutsch, Schlesisch und Polnisch sprechen, geben wir unseren Kindern Schl\u00fcsselkompetenzen f\u00fcr Europa mit.\u201c<\/p>\n<p>Auch Rafa\u0142 Bartek hebt hervor, dass der VdG zum ersten Mal in seiner Geschichte eine so umfassende Sprachstrategie ins Leben gerufen hat: \u201eWir wissen, was wir wollen, aber wir brauchen die Unterst\u00fctzung beider Staaten \u2013 Polens und Deutschlands \u2013, um effizient arbeiten zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Die ganze Resolution zum Thema Sprachstrategie finden Sie hier:<a href=\"https:\/\/vdg.pl\/rezolucja-w-sprawie-nowej-strategii-jezykowej\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> https:\/\/vdg.pl\/rezolucja-w-sprawie-nowej-strategii-jezykowej\/<\/a><\/p>\n<h3>3. Kulturerbe erhalten: Die Rettung der Eichendorff-Ruine in Lubowitz<\/h3>\n<p>Die dritte Resolution widmet sich der dringenden Sicherung und Revitalisierung der Eichendorff-Schlossruine in Lubowitz. Das Dokument hebt die \u00fcberregionale Bedeutung der Anlage als Kulturgut hervor und fordert sofortige Konservierungsma\u00dfnahmen f\u00fcr die Ruine sowie den umliegenden Park. Ziel ist es, diesen historischen Ort zu einem Zentrum f\u00fcr interkulturellen Dialog und zur Verbreitung von Eichendorffs Werk auszubauen.<\/p>\n<p>Rafa\u0142 Bartek erinnert eindringlich an die historischen Wurzeln dieses Projekts: \u201eWenn man sich den Briefwechsel zwischen Helmut Kohl und Tadeusz Mazowiecki aus dem Jahr 1989 anschaut, steht dort explizit drin, dass diese Schlossruine erhalten und mit Leben gef\u00fcllt werden soll. Das war von Anfang an Teil der gemeinsamen Vision.\u201c<\/p>\n<p>Doch die Realit\u00e4t sieht 35 Jahre sp\u00e4ter ern\u00fcchternd aus. Bartek macht deutlich, dass die Last des Erhalts bisher fast ausschlie\u00dflich auf den Schultern der deutschen Minderheit liegt: \u201eWir besch\u00e4ftigen uns intensiv damit, aber manchmal haben wir das Gef\u00fchl, damit alleine gelassen zu werden. Die Schlossruine ist in einem sehr schlechten Zustand. Sie ist ein Symbol, ein Teil unserer Identit\u00e4t und unserer Geschichte. Es w\u00e4re ein herber Verlust f\u00fcr das kulturelle Erbe beider L\u00e4nder, wenn dieses Denkmal endg\u00fcltig verschwinden w\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_79023\" style=\"width: 2010px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-79023\" class=\"size-full wp-image-79023\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Martin-Lippa-Foto-M-Golomb-e1778746619844.jpg\" alt=\"\" width=\"2000\" height=\"1333\" \/><p id=\"caption-attachment-79023\" class=\"wp-caption-text\">Martin Lippa, Vorsitzender des Verbandes der Schlesischen Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaften sowie Vorsitzender des Oberschlesischen Eichendorff-Kultur- und Begegnungszentrums in Lubowitz, betont die Bedeutung der dauerhaften Sicherung der Eichendorff-Ruine f\u00fcr Lubowitz.<br \/>Foto: M. Golomb<\/p><\/div>\n<p>Martin Lippa, Vorsitzender des DFK Schlesien und Vorsitzender des Oberschlesischen Eichendorff-Kultur- und Begegnungszentrums in Lubowitz, erg\u00e4nzt die technischen Notwendigkeiten: \u201eDas Schloss brannte 1945. Ende der 80er Jahre wussten die meisten Menschen hier gar nicht mehr, dass dort \u00fcberhaupt etwas steht, weil alles v\u00f6llig verwachsen war.\u201c<\/p>\n<p>Ein kompletter Wiederaufbau ist derzeit unrealistisch, weshalb der Fokus nun auf einer \u201edauerhaften Sicherung\u201c liegt. Denn: \u201eOhne diese Ruine verliert der Ort Lubowitz sein Herzst\u00fcck\u201c, sagt Martin Lippa besorgt.<\/p>\n<p>Der vollst\u00e4ndige Wortlaut der Resolution zur Erhaltung der Schlossruine in Lubowitz ist hier: <a href=\"https:\/\/vdg.pl\/rezolucja-w-sprawie-ochrony-ruin-palacu-eichendorffow-w-lubowicach-oraz-zachowania-dziedzictwa-literackiego-josepha-von-eichendorffa\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/vdg.pl\/rezolucja-w-sprawie-ochrony-ruin-palacu-eichendorffow-w-lubowicach-oraz-zachowania-dziedzictwa-literackiego-josepha-von-eichendorffa\/<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Manuela Leibig<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Delegierten des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) haben w\u00e4hrend der Jahresversammlung, die im Oberschlesischen Eichendorff-Kultur- und Begegnungszentrum in Lubowitz stattgefunden hat, drei Resolutionen verabschiedet. Diese setzen die Leitplanken f\u00fcr die k\u00fcnftige Arbeit in den Bereichen Sprachpolitik, institutionelle Zusammenarbeit und den Schutz des Kulturerbes. Doch was bedeuten diese Dokumente f\u00fcr die Menschen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":261,"featured_media":79069,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4232],"tags":[7242,8030,8162,8161,6413,6324,7991,8163,6323],"redaktor":[6054],"class_list":["post-78986","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik-de","tag-35-jahre-deutsch-polnischer-nachbarschaftsvertrag","tag-57-verbandsratssitzung-des-vdg","tag-deutsch-polnischer-runder-tisch-de","tag-eichendorff-ruine-in-lubowitz","tag-martin-lippa-de","tag-rafal-bartek-de","tag-resolution-zu-einer-neuen-sprachstrategie","tag-weronika-koston-de","tag-zuzanna-donath-kasiura-de","redaktor-manuela-leibig-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78986","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/261"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78986"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78986\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":78999,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78986\/revisions\/78999"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/79069"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78986"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78986"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78986"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=78986"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}