{"id":78893,"date":"2026-05-13T05:00:57","date_gmt":"2026-05-13T03:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=78893"},"modified":"2026-05-12T15:13:16","modified_gmt":"2026-05-12T13:13:16","slug":"aus-der-mottenkiste-der-geschichte-deutsche-nationalsozialistische-oder-hitlerverbrechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/aus-der-mottenkiste-der-geschichte-deutsche-nationalsozialistische-oder-hitlerverbrechen\/","title":{"rendered":"Aus der Mottenkiste der Geschichte: Deutsche, nationalsozialistische oder Hitlerverbrechen?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Internet tauchen immer mehr Materialien auf, oft bebildert mit von k\u00fcnstlicher Intelligenz generierten Bildern, die Verbrechen unter dem Hakenkreuz w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs darstellen. Oft dient der Inhalt solcher Kurzvideos oder Texte nicht dem Gedenken an die Opfer, sondern soll beim Betrachter negative Emotionen und sogar den Wunsch nach Vergeltung hervorrufen. Auf diese Weise betreiben die Autoren solcher Materialien, indem sie ein Gleichheitszeichen zwischen Deutschen und Nationalsozialisten setzen, bewusst oder unbewusst Manipulation und sch\u00e4nden damit sogar das Andenken der Opfer.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eine der rhetorischen Methoden besteht darin, die Verbrechen und Lager mit dem Adjektiv \u201edeutsch\u201c und dem Substantiv \u201eDeutsche\u201c zu beschreiben. Seit zehn Jahren beobachte ich in bestimmten Kreisen die Anwendung des Schemas kollektiver Verantwortung oder Schuld. Ich m\u00f6chte daran erinnern, dass die Erkl\u00e4rung der Deutschen zu Feinden ein Element der Politik der polnischen Kommunisten war. Als Beispiel kann das \u201eAktionsprogramm gegen\u00fcber der BRD\u201c vom 22. Juni 1984 dienen, in dem die Regierung der Volksrepublik Polen klare Ziele und Erwartungen an die Au\u00dfen- und Geschichtspolitik formulierte: \u201edie Erlangung breiter Unterst\u00fctzung der polnischen Gesellschaft f\u00fcr die Politik der Regierung in der deutschen Frage sowie die Wiederherstellung ihrer traditionellen Funktion der Einigung der Nation angesichts der Bedrohung\u201c. Erst vor diesem Hintergrund wird die Manipulation verst\u00e4ndlich, die sich hinter der Gleichsetzung der Begriffe \u201edeutsch\u201c, \u201enazistisch\u201c und \u201ehitleristisch\u201c verbirgt.<\/p>\n<div id=\"attachment_78894\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-78894\" class=\"size-full wp-image-78894\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Sachsenhausen_Arbeit_Macht_Frei_High_Res-foto-wikipedia-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1714\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Sachsenhausen_Arbeit_Macht_Frei_High_Res-foto-wikipedia-scaled.jpg 2560w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Sachsenhausen_Arbeit_Macht_Frei_High_Res-foto-wikipedia-300x201.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Sachsenhausen_Arbeit_Macht_Frei_High_Res-foto-wikipedia-1024x685.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Sachsenhausen_Arbeit_Macht_Frei_High_Res-foto-wikipedia-768x514.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Sachsenhausen_Arbeit_Macht_Frei_High_Res-foto-wikipedia-1536x1028.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Sachsenhausen_Arbeit_Macht_Frei_High_Res-foto-wikipedia-2048x1371.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><p id=\"caption-attachment-78894\" class=\"wp-caption-text\">KZ Sachsenhausen.<br \/>Foto: Wikipedia<\/p><\/div>\n<p>In der \u00c4ra Gomu\u0142ka bediente man sich sehr gerne antideutscher Ressentiments. Ein Beispiel f\u00fcr die Gleichsetzung von Deutschen und Nationalsozialisten sind die Schulb\u00fccher der Volksrepublik Polen. Allerdings muss man zugeben, dass selbst zu Zeiten W\u0142adys\u0142aw Gomu\u0142kas Spuren von Anstand erkennbar waren. In einem der Schulb\u00fccher ist beispielsweise bei der Beschreibung des Kampfes um die Polnische Post von den Deutschen als Angreifern die Rede, doch wenn \u00fcber die Ermordung der Postbeamten geschrieben wird, hie\u00df es damals: \u201eDie Hitler-Anh\u00e4nger ermordeten auf bestialische Weise die noch lebenden Verteidiger der Post\u201c (H. S\u0119dziwy, \u201eHistoria do klasy XI\u201c, Teil II, Warschau 1964, S. 156).<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>\u201eWenn man von deutschen Verbrechen spricht, warum dann nicht von \u00f6sterreichischen? Schlie\u00dflich waren viele Verbrecher, wie Amon G\u00f6th, der Kommandant des Lagers in Plaszow, \u00d6sterreicher. Man schreibt auch nicht von russischen, sondern von sowjetischen Verbrechen.\u201c<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Nach dem R\u00fccktritt des Ersten Sekret\u00e4rs der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei, W\u0142adys\u0142aw Gomu\u0142ka, und nach der Unterzeichnung des Abkommens zwischen der Volksrepublik Polen und der BRD im Jahr 1970 begann man zwischen Deutschen und Nationalsozialisten zu unterscheiden, was insofern logisch ist, als zu den ersten Opfern des Nationalsozialismus auch Deutsche geh\u00f6rten. Es stellt sich also die Frage: Wenn man von deutschen Verbrechen spricht, warum dann nicht von \u00f6sterreichischen? Schlie\u00dflich waren viele Verbrecher, wie Amon G\u00f6th, der Kommandant des Lagers in Plaszow, \u00d6sterreicher. Man schreibt auch nicht von russischen, sondern von sowjetischen Verbrechen, denn die Opfer der Sowjets waren ebenfalls Russen. Man spricht nicht von polnischen Verbrechen, sondern von kommunistischen oder stalinistischen, denn zu ihren Opfern z\u00e4hlten ebenfalls Polen. Interessant ist jedoch, dass diejenigen, die bereitwillig ein ganzes Volk f\u00fcr die Verbrechen verantwortlich machen, selbst protestieren, wenn jemand von \u201epolnischen Lagern\u201c oder \u201epolnischen Verbrechen\u201c spricht.<\/p>\n<p>Bezeichnend ist, dass Autoren, die von \u201edeutschen\u201c und nicht von \u201enationalsozialistischen\u201c Lagern schreiben, das Andenken der Opfer selbst sch\u00e4nden, indem sie es bewusst oder unbewusst instrumentalisieren, um Antagonismen anzuheizen. Eine solche Argumentation f\u00fchrt mittelbar dazu, das gegenseitige Vertrauen zu untergraben und die Einheit der NATO-Verb\u00fcndeten Polen und Deutschland zu schw\u00e4chen \u2013 besonders heute, in Zeiten der Bedrohung aus dem Osten. Es wundert mich, dass dieselben Personen von deutschen Verbrechen schreiben, aber im Fall der UdSSR die Bezeichnungen \u201esowjetisch\u201c oder \u201estalinistisch\u201c verwenden und nicht \u201erussisch\u201c. W\u00e4re ihnen der Osten etwa n\u00e4her als der Westen?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Waldemar Gielzok<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Internet tauchen immer mehr Materialien auf, oft bebildert mit von k\u00fcnstlicher Intelligenz generierten Bildern, die Verbrechen unter dem Hakenkreuz w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs darstellen. Oft dient der Inhalt solcher Kurzvideos oder Texte nicht dem Gedenken an die Opfer, sondern soll beim Betrachter negative Emotionen und sogar den Wunsch nach Vergeltung hervorrufen. 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