{"id":78438,"date":"2026-05-08T05:00:51","date_gmt":"2026-05-08T03:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=78438"},"modified":"2026-05-08T00:24:14","modified_gmt":"2026-05-07T22:24:14","slug":"wahl-der-neuen-fuehrung-des-vdg-steht-bevor-gespraech-mit-rafal-bartek","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wahl-der-neuen-fuehrung-des-vdg-steht-bevor-gespraech-mit-rafal-bartek\/","title":{"rendered":"Eine schwierige, aktive Amtszeit"},"content":{"rendered":"<h2>Wahl der neuen F\u00fchrung des VdG steht bevor<\/h2>\n<p><strong>Im Mai 2026 findet die Wahl der neuen F\u00fchrung des Verbands der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) statt, was mit dem 35-j\u00e4hrigen Bestehen der Organisation zusammenf\u00e4llt. Aus diesem Grund baten wir die Mitglieder des noch amtierenden VdG-Vorstands um eine Einsch\u00e4tzung der zu Ende gehenden Amtszeit und fragten, was mit Blick auf die n\u00e4chsten vier Jahre ver\u00e4ndert, verbessert oder beibehalten werden sollte.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Heute sprechen wir mit dem Vorsitzenden des VdG-Vorstands, Rafa\u0142 Bartek:<\/p>\n<h3>Herr Bartek, wurden in der vergangenen Amtszeit die gesetzten Ziele vom VdG-Vorstand effektiv umgesetzt, und welche der umgesetzten Ziele betrachten Sie als priorit\u00e4r?<\/h3>\n<p>Die letzten vier Jahre waren stark von externen Faktoren abh\u00e4ngig. Im Jahr 2022 erlitten wir eine historische Diskriminierung der deutschen Minderheit in Polen, die zwei Jahre andauerte und darin bestand, dass die Anzahl der Unterrichtsstunden f\u00fcr Deutsch als Minderheitensprache von drei auf eine Stunde reduziert wurde. Das bestimmte nat\u00fcrlich die Arbeitsweise des VdG, denn viele unserer Aktivit\u00e4ten standen im Zeichen der Bek\u00e4mpfung dieser Diskriminierung. Das brachte unter anderem Proteste, Unterschriftensammlungen, Aktionen, Kampagnen, Gespr\u00e4che und Treffen mit sich \u2013 einschlie\u00dflich des Treffens mit dem damaligen Minister, der diese Diskriminierung einf\u00fchrte, Przemys\u0142aw Czarnek. Man muss sich vor Augen f\u00fchren, wie viele verschiedene Aktivit\u00e4ten unternommen wurden, um die Diskriminierung der Kinder der deutschen Minderheit zu beenden. Denn wenn wir in diesem Bereich nicht so aktiv gewesen w\u00e4ren, w\u00e4re vielleicht die R\u00fccknahme dieser Diskriminierung nicht eine der ersten Entscheidungen gewesen, die die neue polnische Regierung im Jahr 2024 getroffen hat!<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite hatten wir in der vergangenen Amtszeit mit Turbulenzen in der deutschen Politik zu k\u00e4mpfen. Das war eine wirklich schwierige Zeit, denn wir hatten in Berlin eine instabile Regierung, was wir direkt zu sp\u00fcren bekamen. Vor allem die Unsicherheit bez\u00fcglich des Gespr\u00e4chspartners und der Versuche, \u00fcber strategische Ziele zu sprechen, denn wenn sich die deutsche Regierung selbst unsicher war und sich nicht einigen konnte, wo war dann der Platz f\u00fcr Minderheiten und deren Unterst\u00fctzung? Aber auch in diesem Fall zeigten wir gro\u00dfes Engagement. Wir hatten unter anderem h\u00e4ufigen Kontakt mit der damaligen Beauftragten der Bundesregierung f\u00fcr Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Natalie Pawlik, aber auch mit Politikern anderer Fraktionen, und wiederum hatte unsere Aktivit\u00e4t positive Auswirkungen.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>\u201eIm Zusammenhang mit der Diskriminierung oder der deutschen Politik mussten wir unsere Aktionen entsprechend anpassen und angemessen reagieren. Das haben wir auch getan \u2013 wir waren nicht unt\u00e4tig, und das darf sich meiner Meinung nach nicht \u00e4ndern!\u201c<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Wir sollten auch nicht vergessen, dass wir in dieser Amtszeit das Dokumentations- und Ausstellungszentrum der Deutschen in Polen sowie einen Kindergarten mit Minderheitensprachunterricht in Chronstau er\u00f6ffnet haben. Gleichzeitig haben wir viele neue Programme und Aktionen gestartet, auch zur F\u00f6rderung der deutschen Sprache. Es war also eine sehr, sehr aktive und zugleich komplizierte Amtszeit. Auf der einen Seite gab es politische Schwierigkeiten und unsere Reaktion darauf, auf der anderen Seite haben wir unsere eigene Aktivit\u00e4t als Weg zur Bew\u00e4ltigung der in der vergangenen Amtszeit aufgetretenen Schwierigkeiten aufgebaut.<\/p>\n<h3>Sollte der Kurs, den die VdG-F\u00fchrung in der zu Ende gehenden Amtszeit eingeschlagen hat, Ihrer Meinung nach ohne die geringsten \u00c4nderungen fortgesetzt werden?<\/h3>\n<p>Unser Kurs wird durch die Satzung vorgegeben, die sich in ihren grundlegenden Punkten nicht \u00e4ndert. Im Laufe der Jahre wurden nur Details ge\u00e4ndert, die Art der Stimmenausz\u00e4hlung oder sogenannte \u201eTechnikalien\u201c. Grunds\u00e4tzlich bleibt der VdG jedoch eine Dachorganisation, der Vertreter der deutschen Minderheit nach au\u00dfen, und das wird sich nicht \u00e4ndern. Es hat sich in der letzten Amtszeit nicht ge\u00e4ndert, hat sich vorher nicht ge\u00e4ndert und wird sich auch in Zukunft nicht \u00e4ndern. Was sich jedoch \u00e4ndern muss, ist die Art und Weise, wie wir auf eingetretene Situationen und Umst\u00e4nde reagieren. Wie bereits im Zusammenhang mit der Diskriminierung oder der deutschen Politik erw\u00e4hnt, mussten wir unsere Aktionen entsprechend anpassen und angemessen reagieren. Das haben wir auch getan. Wir waren nicht unt\u00e4tig, und das darf sich meiner Meinung nach nicht \u00e4ndern.<\/p>\n<div id=\"attachment_78429\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-78429\" class=\"size-full wp-image-78429\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/wybor-Rafala-Bartka-3-scaled-e1778156046724.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" \/><p id=\"caption-attachment-78429\" class=\"wp-caption-text\">Rafa\u0142 Bartek, Vorsitzender des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen.<br \/>Foto: Tomasz Chabior<\/p><\/div>\n<p>Unt\u00e4tigkeit ist meiner Ansicht nach das, was uns immer bedroht. Konkret meine ich eine Herangehensweise nach dem Motto: Es ist einigerma\u00dfen ruhig, es gibt keine gr\u00f6\u00dferen Forderungen, also lassen wir es gut sein, so wie es ist. Das ist gef\u00e4hrlich! Sehr gef\u00e4hrlich. Denn die Welt hat die Eigenschaft, sich st\u00e4ndig zu ver\u00e4ndern, sie ist sehr dynamisch, und dabei finden demografische Prozesse statt, die uns beeinflussen, ebenso wie globale Prozesse, die ebenfalls auf uns einwirken, manchmal vielleicht mehr als die deutsch-polnischen Faktoren. All das hat Einfluss auf uns, und aus dieser Perspektive m\u00fcssen wir uns st\u00e4ndig neu anpassen. Der Schl\u00fcssel zur Anpassung muss unsere eigene Aktivit\u00e4t und das H\u00f6ren auf die Forderungen und Bed\u00fcrfnisse der Menschen sein.<\/p>\n<h3>Sehen Sie irgendwo die Notwendigkeit, gr\u00f6\u00dfere Korrekturen an der T\u00e4tigkeit des VdG vorzunehmen? Wenn ja, warum?<\/h3>\n<p>Bitte bedenken Sie, dass wir uns bereits sehr stark ver\u00e4ndert haben. Von einem B\u00fcro, das eher f\u00fcr die Vertretung der deutschen Minderheit nach au\u00dfen zust\u00e4ndig war, hin zu einem B\u00fcro und einer Organisation, die nicht nur vertritt, sondern auch Projekte koordiniert und verwaltet. Das hat uns vor eine gro\u00dfe Herausforderung gestellt, die gut bew\u00e4ltigt werden muss. Unter anderem m\u00fcssen all diese Prozesse, Verfahren, Termine, Projekte und Vertr\u00e4ge \u00fcberwacht werden \u2013 da lernen wir st\u00e4ndig dazu. Dar\u00fcber hinaus schaffen wir neue Formate, zum Beispiel Projektformate wie in diesem Jahr \u201eDMi-Aktiv\u201c. Das ist eine gro\u00dfe Herausforderung. Eine Herausforderung, die meiner Meinung nach weitere Arbeit, Korrekturen und Analysen erfordert. Auf der anderen Seite sind wir verpflichtet, wachsam zu sein im Kontext des politischen Lebens und mit Politikern im Kontakt zu stehen. In dieser Hinsicht m\u00fcssen wir auf der Ebene des VdG versuchen, die Organisationen au\u00dferhalb der Woiwodschaft Oppeln zu dieser Aktivit\u00e4t zu animieren.<\/p>\n<p>Ich sage das nicht als Chef der Oppelner Organisation oder um sie zu loben, denn das ist nicht mein Ziel. Es geht darum, dass wenn die externe Wahrnehmung so ist, dass sich in dieser Region viel tut, wir auch daf\u00fcr sorgen m\u00fcssen, dass Akzente in anderen von der deutschen Minderheit in Polen besiedelten Regionen gesetzt werden. Aber\u2026 das k\u00f6nnen wir nicht allein verwirklichen. Wir k\u00f6nnen zwar einen Rahmen, Anreize und Werkzeuge daf\u00fcr geben, aber die Menschen in diesen Regionen m\u00fcssen diese Aktivit\u00e4t selbst entfalten. Hier m\u00fcssen wir uns auf jeden Fall \u00fcberlegen, wie wir sie zu gr\u00f6\u00dferem Engagement ermutigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Werden Sie bei der anstehenden Wahl der neuen VdG-F\u00fchrung f\u00fcr den Vorstand und f\u00fcr den Vorsitz kandidieren?<\/h3>\n<p>Ja. Wenn es der Wille der Delegierten ist, bin ich bereit, weiterhin f\u00fcr den VdG-Vorstand zu kandidieren, aber auch f\u00fcr den Vorsitz, weil eine gewisse Mission, die ich mir pers\u00f6nlich stelle, in dieser \u2013 wie bereits gesagt \u2013 schwierigen Amtszeit erst begonnen hat. Im Moment gibt es noch viele Themen, die weiterentwickelt, analysiert und geordnet werden m\u00fcssen. Vergessen wir nicht, was unser Hauptziel ist: die Pflege der deutschen Sprache, Kultur und Identit\u00e4t. In diesem Bereich ist der Schl\u00fcssel auf der einen Seite immer die Aktivit\u00e4t, auf der anderen Seite die Schaffung geeigneter Instrumente. Hier haben wir in den letzten Jahren viel Arbeit geleistet, aber jetzt ist es f\u00fcr mich selbstverst\u00e4ndlich, dass diese Arbeit fortgesetzt werden muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte <strong>Krzysztof \u015awierc<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wahl der neuen F\u00fchrung des VdG steht bevor Im Mai 2026 findet die Wahl der neuen F\u00fchrung des Verbands der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) statt, was mit dem 35-j\u00e4hrigen Bestehen der Organisation zusammenf\u00e4llt. 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