{"id":78347,"date":"2026-05-10T05:00:01","date_gmt":"2026-05-10T03:00:01","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=78347"},"modified":"2026-05-06T16:32:08","modified_gmt":"2026-05-06T14:32:08","slug":"6-sonntag-der-osterzeit-wort-zum-sonntag-von-pfarrer-dr-peter-tarlinski","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/6-sonntag-der-osterzeit-wort-zum-sonntag-von-pfarrer-dr-peter-tarlinski\/","title":{"rendered":"Wort zum Sonntag von Pfarrer Dr. Peter Tarlinski"},"content":{"rendered":"<p><strong>6. Sonntag der Osterzeit<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lesung: Apg 8, 5\u20138.14\u201317 <\/strong><br \/>\n<strong>Lesung: 1 Petr 3, 15\u201318<\/strong><br \/>\n<strong>Evangelium: J 14, 15\u201321<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Der Geist der Wahrheit \u2014 wer ist die Wahrheit?<\/h2>\n<p>Die Wahrheit ist nicht nur ein Wort, das man ausspricht und das vergeht. Sie ist kein Begriff, den man in einen Satz einschlie\u00dfen kann. Die Wahrheit ist eine Person. Sie ist jemand, der kommt und im Herzen des Menschen zu wohnen beginnt. Es ist der Geist der Wahrheit, den Jesus verhei\u00dft. Ein Geist, der sich nicht mit Gewalt aufdr\u00e4ngt, sondern sanft an das Wesentliche des Lebens erinnert. Er lehrt, Gott nicht nur in \u00e4u\u00dferen Zeichen zu erkennen, sondern vor allem in der Tiefe des menschlichen Herzens.<\/p>\n<p>Die Welt schaut und sieht, was \u00e4u\u00dferlich ist. Sie sucht Beweise, sie sucht Gewissheit. Den Geist der Wahrheit kann sie nicht annehmen, denn sie hat die F\u00e4higkeit zu h\u00f6ren verloren. Wer liebt, beginnt anders zu sehen und zu verstehen. Er lernt zu h\u00f6ren, was g\u00f6ttlich, weise und dem\u00fctig ist.<\/p>\n<p>Durch das H\u00f6ren auf das Wort Gottes w\u00e4chst die Erkenntnis. In der Stille offenbart der Geist die Gegenwart Gottes. Die Wahrheit h\u00f6rt auf, fern zu sein. Sie wird nahe, lebendig und gegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<h2>Liebe und Gebote<\/h2>\n<p>Liebe bleibt nicht beim Gef\u00fchl stehen, bei Eindr\u00fccken und Empfindungen, die kommen und gehen. Liebe hat die Gestalt des Handelns und besteht aus t\u00e4glichen Entscheidungen. Sie hat H\u00e4nde, die Gutes tun, auch wenn es schwer ist. Sie hat ein Herz, das treu bleibt, auch wenn es wenig empfindet.<\/p>\n<p>Jesus sagt klar: Wer mich liebt, h\u00e4lt meine Gebote. Das ist keine Last, sondern ein Weg. Die Gebote sind keine Einschr\u00e4nkung, sondern ein Licht. Sie zeigen die Richtung und sch\u00fctzen das Leben.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Der Geist der Wahrheit dr\u00e4ngt sich nicht auf, sondern erinnert sanft an das Wesentliche des Lebens.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Wer liebt, lebt nach den Geboten Gottes. Wer auf sie h\u00f6rt und sich nach ihnen richtet, beginnt mehr zu verstehen. Der Gehorsam gegen\u00fcber Gott w\u00e4chst aus dem Vertrauen. Treue ist kein Zwang, sondern eine Antwort auf die Liebe. In der Treue \u00f6ffnet sich im menschlichen Herzen ein Raum f\u00fcr Gott. Dort wird die Liebe wahr. Dort reift sie und bleibt.<\/p>\n<h2>\u201eIch werde euch nicht als Waisen zur\u00fccklassen\u201d<\/h2>\n<p>Es gibt Zeiten, in denen der Mensch sich allein f\u00fchlt. Zeiten, in denen die Antworten verstummen und das Herz Leere erf\u00e4hrt. Es gibt Momente der Verlorenheit und der Unsicherheit.<\/p>\n<p>Gerade dort erklingt die Verhei\u00dfung Jesu: Ich werde euch nicht als Waisen zur\u00fccklassen. Dieses Wort st\u00e4rkt den Menschen. Es reicht tief hinein in die menschliche Erfahrung des Verlassenseins.<\/p>\n<p>Jesus verspricht nicht die Befreiung von Schwierigkeiten. Er verspricht seine Gegenwart. Diese ist nicht immer sichtbar, nicht immer sp\u00fcrbar, aber wirklich. Jesus kommt anders, als wir es erwarten: nicht durch L\u00e4rm und spektakul\u00e4re Zeichen, sondern durch eine geborgene N\u00e4he.<\/p>\n<p>Wie ein Licht, das langsam die Nacht erhellt. Wie ein Atem, der Leben schenkt. Seine Gegenwart verschwindet nicht. Seine Sorge um den Menschen h\u00e4ngt nicht von unseren Gef\u00fchlen ab. Auch wenn das Herz es nicht sp\u00fcrt, bleibt er. Du bist nicht allein. Du wirst nie eine Waise sein.<\/p>\n<h2>\u201eIch bin in meinem Vater, und ihr seid in mir und ich bin in euch\u201d<\/h2>\n<p>Diese Worte beschreiben Beziehungen, die ein Geheimnis sind. Jesus enth\u00fcllt dieses ein wenig, indem er von einer Einheit spricht, die das menschliche Denken \u00fcbersteigt.<\/p>\n<p>Er ist im Vater, ganz mit ihm vereint. Und zugleich l\u00e4dt er den Menschen zu derselben N\u00e4he ein: Ihr seid in mir, und ich bin in euch. Jesus zeigt, wie sehr ihm der Mensch am Herzen liegt. Seine Worte sind eine Einladung, gemeinsam Wohnung zu nehmen.<\/p>\n<p>Gott will nicht nur \u00fcber dem Menschen sein \u2014 er will in ihm sein. Er will das Leben von innen her durchdringen. Es ist eine Einheit, die die Freiheit nicht nimmt, sondern erf\u00fcllt. Der Mensch verliert sich nicht selbst \u2014 er findet sich in Gott.<\/p>\n<p>Das menschliche Leben beginnt aus einer anderen Quelle zu flie\u00dfen: aus der ewigen Liebe, die unaufh\u00f6rlich sprudelt. Wer in der Einheit mit Gott bleibt, beginnt anders zu leben \u2014 nicht mehr nur f\u00fcr sich selbst, nicht mehr allein.<\/p>\n<p>In seinem Herzen wohnt Gott. Und dort, wo Gott wohnt, w\u00e4chst ein Leben, das f\u00e4hig ist, die Welt und den Mitmenschen mit Dankbarkeit zu umarmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Dr. habil. Peter Tarlinski<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>6. 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