{"id":78335,"date":"2026-05-10T17:00:44","date_gmt":"2026-05-10T15:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=78335"},"modified":"2026-05-20T16:23:37","modified_gmt":"2026-05-20T14:23:37","slug":"vergessenes-erbe-die-oppelner-oberpostdirektion-zeuge-des-kommunikationstechnischen-wandels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/vergessenes-erbe-die-oppelner-oberpostdirektion-zeuge-des-kommunikationstechnischen-wandels\/","title":{"rendered":"Die Oppelner Oberpostdirektion \u2013 Zeuge des kommunikationstechnischen Wandels"},"content":{"rendered":"<p><strong>Neben dem Oppelner Hauptbahnhof steht der Sitz der ehemaligen Oberpostdirektion. Schon seit 1853 sorgen hier Postbeamte daf\u00fcr, dass postalische Geburtstagsw\u00fcnsche, Pakete und Urlaubsgr\u00fc\u00dfe ihre Adressaten erreichen.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Eine lange Tradition<\/h3>\n<p>Oppeln war als F\u00fcrstensitz schon im Mittelalter Ziel und Ausgangspunkt von Briefen aller Art. Eine permanente Poststation ist erstmals in einem Stadtplan von 1734 dokumentiert. Diese befand sich in der nordwestlichen Ecke des Altstadtrings (heute Rynek 11). Wann dieser Vorg\u00e4nger des Postamtes seine regul\u00e4re Arbeit aufnahm, ist nicht \u00fcberliefert. Gesichert ist hingegen, dass das Postwesen im 18. Jahrhundert mit berittenen Boten und Postkutschen arbeitete.<\/p>\n<p>Ein wichtiger Impuls f\u00fcr die Stadtentwicklung Oppelns war die Verlegung des Sitzes des Regierungsbezirkes im Jahr 1816. Dadurch wuchs nicht nur die amtliche Korrespondenz, sondern auch die Bev\u00f6lkerung von ca. 4.000 Einwohnern im Jahr 1818 auf 11.300 (im Jahr 1867) und fast 34.000 Einwohner im Jahr 1910. Mit der Anbindung an die Oberschlesische Eisenbahn von Breslau nach Myslowitz 1847 wuchs auch die wirtschaftliche Bedeutung Oppelns.<\/p>\n<h3>Eine neue Post<\/h3>\n<p>Die neue Post sollte nicht nur der Stadt dienen, sondern als Oberpostdirektion eine regionale Funktion erf\u00fcllen. Entsprechend entschied man sich f\u00fcr einen Bauplatz am damaligen Stadtrand neben der Bahntrasse. Dieser zu damaliger Zeit kaum bebaute Standort bot den Vorteil, die Eisenbahn auch f\u00fcr das Postwesen zu nutzen. Denn die Eisenbahn wurde zunehmend auch von der Post als schnelle und g\u00fcnstige Alternative zu den Postkutschen entdeckt. Schon 1847 wurde in Preu\u00dfen deshalb eine erm\u00e4\u00dfigte Geb\u00fchr f\u00fcr per Bahn transportierte Pakete eingef\u00fchrt.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Ein wichtiger Blickfang vor dem neuen Postgeb\u00e4ude war das Denkmal f\u00fcr die im 1. Weltkrieg gefallenen Postbeamten.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Den Entwurf f\u00fcr den Postneubau lieferte der Architekt und Baudirektor Albrecht, der auch f\u00fcr die sp\u00e4tere Umgestaltung des Oppelner Rathausturms bekannt ist. Das neue Postgeb\u00e4ude repr\u00e4sentiert den Stil des Klassizismus und wirkt durch seine symmetrische Fassade, klare Linien, horizontale Gesimse und Pilaster.<\/p>\n<p>Die neue Oberpostdirektion sollte sich jedoch bald als zu klein erweisen. Dies lag nicht nur an der wachsenden Wirtschaft und Bev\u00f6lkerung, sondern auch an technologischen Entwicklungen. Die wachsende Bedeutung der Telegrafie und das Aufkommen des Telefons erweiterten die Aufgaben der Oberpostdirektion. 1891 erweiterten Breslauer Architekten sie mit Seitenfl\u00fcgeln, einem prunkvollen Portal und einem runden Treppenhaus mit Kuppel f\u00fcr Telefonleitungen.<\/p>\n<p>Eine weitere bauliche Erg\u00e4nzung fand 1911 gegen\u00fcber des Haupteingangs statt, als ein Bismarckdenkmal eingeweiht wurde.<\/p>\n<p>In den 1920er Jahren arbeiteten in der Oberpostdirektion Oppeln 239 Postbeamte. Ihnen unterstanden 82 Post\u00e4mter, 6 Zweigpost\u00e4mter, 216 Postagenturen, 329 Post- und 58 Telegrafenhilfsstellen, 2 Telegrafen\u00e4mter und 1 Telegrafenbauamt, was von der nicht geringen Bedeutung der Beh\u00f6rde zeugt.<\/p>\n<h3>Weiterer Ausbau<\/h3>\n<p>Der wachsende Bedarf an neuen B\u00fcrofl\u00e4chen f\u00fchrte zum letzten Ausbau, der 1930 fertiggestellt wurde. Durch den separaten Neubau hinter dem alten Postgeb\u00e4ude entstand ein Innenhof. Charakteristisch f\u00fcr den zeitgem\u00e4\u00dfen Zweckbau war der Torbogen, der das alte mit dem neuen Postgeb\u00e4ude verband und den die Einheimischen \u201eRialtobr\u00fccke\u201c nannten. Im Rahmen der Bauma\u00dfnahmen wurde auch die Schalterhalle modernisiert.<\/p>\n<div id=\"attachment_78338\" style=\"width: 1930px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-78338\" class=\"size-full wp-image-78338\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Weltkriegsdenkmal-an-der-Oberpostdirektion-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"2560\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Weltkriegsdenkmal-an-der-Oberpostdirektion-scaled.jpg 1920w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Weltkriegsdenkmal-an-der-Oberpostdirektion-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Weltkriegsdenkmal-an-der-Oberpostdirektion-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Weltkriegsdenkmal-an-der-Oberpostdirektion-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Weltkriegsdenkmal-an-der-Oberpostdirektion-1536x2048.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><p id=\"caption-attachment-78338\" class=\"wp-caption-text\">Weltkriegsdenkmal an der Oberpostdirektion.<br \/>Foto: Martin Wycisk<\/p><\/div>\n<p>Ein wichtiger Blickfang vor dem neuen Postgeb\u00e4ude war das Denkmal f\u00fcr die im 1. Weltkrieg gefallenen Postbeamten. So berichtete \u201eOberschlesien im Bild\u201c 1930 (Nr. 44) \u00fcber die Einweihung: \u201eDas Denkmal aus Sandstein tr\u00e4gt auf hohem Sockel einen fackelschwingenden Reiter auf b\u00e4umendem Ro\u00df und auf der Stirnseite eine Namenstafel aus Erz, gegossen in der Staatlichen H\u00fctte Gleiwitz.\u201c Einziger Kritikpunkt des Magazins war, dass f\u00fcr das Denkmal der Berliner Bildhauer Klupsch verantwortlich war und nicht ein oberschlesischer K\u00fcnstler.<\/p>\n<h3>Von der Post zur Poczta<\/h3>\n<p>Die Oberpostdirektion hat das Jahr 1945 relativ unbeschadet \u00fcberstanden und dient bis heute als Oppelner Hauptpost. Was sich dagegen \u00fcber die Jahre stets ver\u00e4ndert hat, war der davorliegende Platz. 1945 wurde das Bismarckdenkmal entfernt, wobei die Denkmalbalustrade erhalten blieb. Lange ungenutzt informiert seit einigen Jahren eine Informationstafel \u00fcber die aktuelle Namenspatronin des Platzes (die Rocks\u00e4ngerin Kora). Die verschollene Bismarcks\u00e4ule fand sich 2021 bei Bauarbeiten in der N\u00e4he des Ostbahnhofs wieder. Unbeschadet \u00fcberstand dagegen das Weltkriegsdenkmal bis heute. Der berittene Fackeltr\u00e4ger mag dabei davon profitiert haben, dass ihm eindeutig militaristische Symbole wie Stahlhelm, Waffen oder Eiserne Kreuze fehlten.<\/p>\n<p>Und die alte Poststation am Ring? Diese diente in der Kaiserzeit noch als Hotel, bis es 1898 abgerissen und durch einen eklektizistischen Neubau ersetzt wurde. Dieser wurde wiederum bei der Belagerung 1945 zerst\u00f6rt. Nach dem Zweiten Weltkrieg entschieden die neuen Beh\u00f6rden den Wiederaufbau des alten Posthauses im Zustand von vor dem Abriss.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Martin Wycisk<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neben dem Oppelner Hauptbahnhof steht der Sitz der ehemaligen Oberpostdirektion. Schon seit 1853 sorgen hier Postbeamte daf\u00fcr, dass postalische Geburtstagsw\u00fcnsche, Pakete und Urlaubsgr\u00fc\u00dfe ihre Adressaten erreichen.<\/p>\n","protected":false},"author":261,"featured_media":78541,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4224],"tags":[7882,7883,7880,6474,7884,6709,7881],"redaktor":[6092],"class_list":["post-78335","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte-de","tag-baudirektor-albrecht","tag-bismarckdenkmal","tag-die-oppelner-oberpostdirektion","tag-oppeln-de","tag-post-de","tag-vergessenes-erbe-de-2","tag-weltkriegsdenkmal","redaktor-martin-wycisk-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78335","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/261"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78335"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78335\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":79620,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78335\/revisions\/79620"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/78541"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78335"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78335"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78335"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=78335"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}