{"id":78112,"date":"2026-05-04T17:00:28","date_gmt":"2026-05-04T15:00:28","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=78112"},"modified":"2026-05-04T16:00:02","modified_gmt":"2026-05-04T14:00:02","slug":"35-jahre-deutsch-polnischer-nachbarschaftsvertrag-interview-mit-peter-oliver-loew","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/35-jahre-deutsch-polnischer-nachbarschaftsvertrag-interview-mit-peter-oliver-loew\/","title":{"rendered":"\u201eHeute w\u00fcrde man einen solchen Vertrag anders formulieren\u201c"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Interview mit Prof. Dr. Peter Oliver Loew<\/strong><\/h2>\n<p><strong>35 Jahre nach dem deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag stehen die Beziehungen vor neuen Herausforderungen \u2013 und sind zugleich enger denn je. Peter Oliver Loew, Direktor des Deutschen Polen-Instituts, erkl\u00e4rt, warum der Eindruck einer Krise t\u00e4uschen kann und weshalb sich beide L\u00e4nder erst an eine neue Art der Partnerschaft gew\u00f6hnen m\u00fcssen. Im Interview mit Mauro Oliveira spricht er au\u00dferdem \u00fcber die sicherheitspolitische Zusammenarbeit und die Frage, ob symbolische Gesten neue Impulse geben k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3><strong>Neues Wochenblatt.pl:<\/strong> Herr Professor Loew, vor 35 Jahren wurde der Vertrag zwischen Deutschland und Polen \u00fcber gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit unterzeichnet. Seit 1991 hat sich viel ver\u00e4ndert. Dennoch hei\u00dft es zuletzt h\u00e4ufiger, die Beziehungen seien schlechter geworden. Steckt der Nachbarschaftsvertrag in einer Midlife-Crisis?<\/h3>\n<p><strong>Peter Oliver Loew:<\/strong> Die deutsch-polnischen Beziehungen sind so gut wie nie zuvor. Betrachtet man alle Ebenen, dann haben die Beziehungen eine Intensit\u00e4t und eine Verflechtung erreicht, die es in der tausendj\u00e4hrigen Beziehungsgeschichte zwischen Deutschland und Polen so noch nicht gegeben hat.<\/p>\n<p>Die Neuaufstellung der Beziehungen um 1989 hat in einem besonderen Moment begonnen \u2013 als sich Polen geopolitisch und wirtschaftlich neu orientierte und sich auch Europa neu ordnete. Heute befinden wir uns wieder in einer Phase des Wandels, allerdings unter anderen Vorzeichen: Polen hat einen enormen wirtschaftlichen und politischen Aufstieg erlebt und ist ein selbstbewusster Akteur auf europ\u00e4ischer Ebene.<\/p>\n<h3>Es geht also darum, diese Nachbarschaft neu auszubalancieren?<\/h3>\n<p>Es braucht vor allem Eingew\u00f6hnungszeit an eine Situation, in der Deutschland und Polen gleichberechtigte, auf Augenh\u00f6he agierende Nachbarn sind. Das hat es \u00fcber viele Jahrhunderte nicht gegeben. Lange Zeit waren die Beziehungen von Ungleichgewichten gepr\u00e4gt \u2013 politisch, wirtschaftlich oder strukturell.<br \/>\nHeute ist Polen stark, Polen hat sich stark entwickelt. Und das anzuerkennen, zu respektieren und auch von deutscher Seite immer wieder zu bedenken, dass Polen nicht mehr der Bittsteller ist, das braucht seine Zeit.<\/p>\n<h3>Wird das in aktuellen Kommentaren untersch\u00e4tzt?<\/h3>\n<p>Das kommt immer auf die historische Zeitspanne an, auf die wir zur\u00fcckblicken, um etwas zu vergleichen. Ich bin Historiker und schaue immer weiter zur\u00fcck und versuche die Dinge etwas in der langen Dauer zu sehen. Wenn man das als Politikanalyst und politischer Kommentator macht, dann hat man in der Regel einen Erfahrungshintergrund von wenigen Jahren, auf die man zur\u00fcckschaut. Und wenn man die Beziehungen heute etwa mit dem Jahr 2000 oder 2010 vergleicht, da mag es nat\u00fcrlich schon so scheinen, dass die Beziehungen jetzt viel schlechter sind.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #9b2335;\"><strong>\u201eHeute ist Polen stark, Polen hat sich stark entwickelt. Und das anzuerkennen, zu respektieren und auch von deutscher Seite immer wieder zu bedenken, dass Polen nicht mehr der Bittsteller ist, das braucht seine Zeit.\u201c<\/strong><\/span><br \/>\n<em><span style=\"color: #9b2335;\">Peter Oliver Loew<\/span><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das war tats\u00e4chlich eine Zeit, in der Polen immer noch ein gro\u00dfes Interesse daran hatte, gute nachbarschaftliche, auch symbolisch gute Beziehungen mit Deutschland zu pflegen, weil man auch etwas erreichen wollte in Europa. Man wollte in die Europ\u00e4ische Union aufgenommen werden, man wollte als gleichberechtigtes Mitglied in die westliche Welt aufgenommen werden und anerkannt werden. Auch hatte Deutschland damals noch den Nimbus des wirtschaftlichen Wunderlandes und gleichzeitig auch eine etwas paternalistische Art und Weise mit Polen und mit dem \u00f6stlichen Europa umzugehen. Das hat sich mittlerweile grundlegend ver\u00e4ndert.<\/p>\n<h3>Welchen Beitrag hat der Nachbarschaftsvertrag zu dieser Entwicklung geleistet? Kann man das irgendwie benennen oder war das nur ein Element unter vielen?<\/h3>\n<p>Das ist sicherlich nur ein Element, weil die Beziehungen zwischen zwei Staaten sich auch ohne Vertr\u00e4ge entwickeln. Es gibt kulturellen Austausch und Wirtschaftsaustausch, aber Vertr\u00e4ge erleichtern das nat\u00fcrlich ungemein und schaffen einen Rahmen, in dem sich Beziehungen entwickeln.<\/p>\n<div id=\"attachment_78122\" style=\"width: 1717px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-78122\" class=\"size-full wp-image-78122\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Peter-Oliver-Loew_06-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"1707\" height=\"2560\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Peter-Oliver-Loew_06-scaled.jpg 1707w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Peter-Oliver-Loew_06-200x300.jpg 200w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Peter-Oliver-Loew_06-683x1024.jpg 683w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Peter-Oliver-Loew_06-768x1152.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Peter-Oliver-Loew_06-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Peter-Oliver-Loew_06-1365x2048.jpg 1365w\" sizes=\"auto, (max-width: 1707px) 100vw, 1707px\" \/><p id=\"caption-attachment-78122\" class=\"wp-caption-text\">Peter Oliver Loew, Direktor des Deutschen Polen-Instituts.<br \/>Foto: DPI<\/p><\/div>\n<p>Bis heute ist der Vertrag eminent wichtig f\u00fcr den kulturellen Austausch, f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der deutschen Minderheit in Polen und der polnischen Gruppe in Deutschland, f\u00fcr das Deutsch-Polnische Jugendwerk und f\u00fcr viele andere Dinge, die dort geregelt, teilweise auch erst mal erfunden wurden.<\/p>\n<p>Er ist au\u00dferdem bis heute das Grundlagendokument f\u00fcr die bilateralen Beziehungen, auch wenn der Vertrag in einigen seiner Aspekte \u00fcberholt worden ist von den Entwicklungen. Heute w\u00fcrde man einen solchen Vertrag anders formulieren und ihn nicht mehr als Basis f\u00fcr eine Art Entwicklungspartnerschaft Deutschlands betrachten, sondern als ein Vertragsdokument, das die Dinge auf Augenh\u00f6he regelt.<\/p>\n<h3>Es g\u00e4be also Bedarf f\u00fcr Ver\u00e4nderungen und eventuell k\u00e4me da auch ein neuer Vertrag in Betracht. Welche Bereiche sind denn \u00fcberholt?<\/h3>\n<p>Wir haben verschiedentlich dar\u00fcber diskutiert, ob ein neuer Vertrag sinnvoll und realistisch w\u00e4re. Sinnvoll w\u00e4re ein neuer Vertrag, aber derzeit ist der Gedanke nicht realistisch, weil die Interessengegens\u00e4tze zwischen der polnischen und der deutschen Regierung und \u2013 vielleicht noch wichtiger \u2013 der polnischen und der deutschen \u00d6ffentlichkeit relativ gro\u00df sind. Es w\u00e4re schwierig, einen Konsens f\u00fcr einen neuen Vertragstext zu erreichen.<\/p>\n<p>Stattdessen gibt es Bem\u00fchungen, den bestehenden Vertrag zu erg\u00e4nzen. Am 17. Juni soll ein deutsch-polnisches Verteidigungsabkommen geschlossen werden, das einen Teil des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags erweitert, um neue Aspekte, die damals noch nicht so mitgedacht wurden.<\/p>\n<p>Oder man k\u00f6nnte auch die Frage der grenz\u00fcberschreitenden Beziehungen im Grenzraum anders und neu beschreiben und ordnen, um das bilaterale Miteinander auf eine neue Grundlage zu stellen.<br \/>\nVielleicht ist das zu einem noch runderen Geburtstag des Vertrags, zum 40. oder zum 50., dann m\u00f6glich.<\/p>\n<h3>Ist die Verteidigungszusammenarbeit der kleinste gemeinsame Nenner, den man gefunden hat, oder ist das auch einfach das wichtigste Thema gerade?<\/h3>\n<p>Ich glaube, beide Aspekte spielen da eine Rolle. F\u00fcr die polnische Regierung ist es das mit Abstand wichtigste Thema derzeit. Und es ist nat\u00fcrlich etwas, was die deutsche Politik auch besch\u00e4ftigt. Sie wei\u00df auch, dass Polen hier ein gr\u00f6\u00dferes Sicherheitsbed\u00fcrfnis hat. Insofern war es relativ einfach, hier zusammenzukommen, wobei ich gespannt bin, wie der Wortlaut dieses Sicherheitsabkommens dann lauten wird. Aber es ist gut, dass ein solches Zeichen \u2013 wenigstens ein solches Zeichen \u2013 ausgesandt wird, weil es in der polnischen und auch in der deutschen \u00d6ffentlichkeit voraussichtlich gut ankommen wird.<\/p>\n<h3>In ihrer neuen Verteidigungsstrategie spricht die deutsche Bundesregierung davon, die Bundeswehr zur \u201est\u00e4rksten konventionellen Armee Europas\u201c auszubauen. K\u00f6nnten solche Formulierungen f\u00fcr neue Spannungen sorgen?<\/h3>\n<p>Auch Polen hatte, nach Russlands \u00dcberfall auf die Ukraine und dem Beginn des vollumf\u00e4nglichen Krieges, und im Zusammenhang mit der St\u00e4rkung der Polnischen Streitkr\u00e4fte, den Slogan gepr\u00e4gt, dass Polens Armee die gr\u00f6\u00dfte konventionelle Armee auf dem europ\u00e4ischen Kontinent westlich von Russland oder westlich der Ukraine sein werde. In diesem Bereich gibt es also eine gewisse symbolische Konkurrenz zwischen Polen und Deutschland.<\/p>\n<p>In Polen klingt es nat\u00fcrlich immer bedrohlich, wenn Deutschland eine gro\u00dfe und starke Armee haben m\u00f6chte. Andererseits kann es auch als Unterst\u00fctzung verstanden werden, wenn Polen sich nicht alleingelassen f\u00fchlt mit seinen milit\u00e4rischen Anstrengungen.<\/p>\n<p>Es ist ja auch klar, dass Deutschlands milit\u00e4rische Ert\u00fcchtigung sich nicht gegen Polen oder gegen andere Mitglieder der Europ\u00e4ischen Union richten kann, sondern einzig und allein der Sicherheit Europas zu dienen hat. Wobei das im populistischen Diskurs in Polen manchmal bewusst falsch verstanden wird. Das hilft uns nat\u00fcrlich nicht, aber das sind leider die populistischen Mechanismen der Gegenwart. Und da m\u00fcssen wir immer wieder tief durchatmen und einfach weitermachen.<\/p>\n<h3>Das Deutsche Polen-Institut gibt auch das Deutsch-Polnische Barometer heraus. Das Barometer befragt Menschen in Polen und Deutschland auch nach der Wahrnehmung der deutsch-polnischen Beziehungen. Letztes Jahr war auff\u00e4llig, dass auch die Bev\u00f6lkerung die Beziehungen schlechter bewertete als im Vorjahr. 2024 waren es in beiden L\u00e4ndern etwa 65 Prozent der Befragten, die die Beziehungen als gut wahrgenommen haben. Und 2025 waren es nur noch etwa 50 Prozent. Im Barometer werden etwa fehlende Initiativen als m\u00f6gliche Ursachen f\u00fcr diese Verschiebung genannt. Was k\u00f6nnten das f\u00fcr Initiativen sein?<\/h3>\n<p>Nach dem Amtsantritt der Regierung Tusk gab es verschiedene Anl\u00e4ufe, die Beziehungen politisch neu in Gang zu bringen, etwa durch Regierungskonsultationen. Ein klarer Moment, in dem beide Seiten sichtbar gemeinsame Ziele formulieren und vermitteln konnten, ist bislang aber ausgeblieben.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #9b2335;\">\u201eF\u00fcr den Wandel der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung braucht es gelegentlich symbolische Zeichensetzungen. Es war schon sehr gut, dass sich vor wenigen Wochen die beiden Au\u00dfenminister in Kreisau getroffen haben, in der Jugendbegegnungsst\u00e4tte, einem Symbol der deutsch-polnischen Beziehungen.\u201c<\/span><\/strong><br \/>\n<em><span style=\"color: #9b2335;\">Peter Oliver Loew<\/span><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Es gab immer etwas, was dazwischenstand, sei es die Migrationsfrage, die Frage der Grenzkontrollen oder die Frage polnischer Anspr\u00fcche oder auch Wahrnehmungen gegen\u00fcber Deutschland. Im Hintergrund stand vielleicht auch nach wie vor die Reparationsfrage, die in der polnischen \u00d6ffentlichkeit noch eine gewisse Rolle spielt.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Wandel der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung braucht es gelegentlich symbolische Zeichensetzungen. Es war schon sehr gut, dass sich vor wenigen Wochen die beiden Au\u00dfenminister in Kreisau getroffen haben, in der Jugendbegegnungsst\u00e4tte, einem Symbol der deutsch-polnischen Beziehungen. Manchmal sind solche nicht allt\u00e4glichen Bilder notwendig, die an anderen Orten als in B\u00fcror\u00e4umen in Warschau und in Berlin aufgenommen werden. Ich hoffe, dass es am 17. Juni, wenn sich die wichtigen Vertreter beider Staaten in Berlin ihr Stelldichein geben, dann zu eben solchen neuen Momenten kommen k\u00f6nnte.<\/p>\n<h3>Es werden auch noch andere Vorschl\u00e4ge diskutiert, die die deutsch-polnischen Beziehungen verbessern k\u00f6nnten, die sogenannte humanit\u00e4re Geste zum Beispiel. Also die Idee, dass den \u00fcberlebenden polnischen Opfern der nationalsozialistischen Herrschaft und Besatzung eine Art Entsch\u00e4digung gezahlt wird. Im letzten Arbeitspapier der Kopernikus-Gruppe, der Sie auch angeh\u00f6ren, wird etwa gefordert, dass die humanit\u00e4re Geste \u201ejetzt\u201c realisiert werden soll. Welche Bedeutung k\u00f6nnte dieser Geste zukommen?<\/h3>\n<p>Die humanit\u00e4re Geste, der Gedenkort f\u00fcr die polnischen Opfer des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Besatzungsherrschaft (Polendenkmal) in Berlin und vielleicht ein Aspekt milit\u00e4rischer Zusammenarbeit waren vor zwei, drei Jahren, unter der Regierung Olaf Scholz, das Angebotspaket an die polnische Seite. Damit versuchte man Polen etwas anzubieten, um die vielen, gerade zur PiS-Zeit entstandenen, Differenzen und Streitigkeiten in den bilateralen Beziehungen zu verbessern.<\/p>\n<p>Der Prozess f\u00fcr das Polendenkmal l\u00e4uft. Wir haben nicht nur ein provisorisches Polendenkmal in Berlin errichtet, sondern der Wettbewerbsprozess f\u00fcr ein finales, im Bundestag beschlossenes Polendenkmal ist im Gange. Die milit\u00e4rische Zusammenarbeit wird mit dem Sicherheitsabkommen angesprochen werden.<\/p>\n<p>Bei der humanit\u00e4ren Geste bin ich mir jetzt gar nicht mehr sicher, ob das noch etwas ist, was unsere Beziehungen voranbringen wird.<br \/>\nIch wei\u00df aktuell auch nicht, ob es dazu kommen wird. Es war gedacht als eine symbolische Geste, eine aber durchaus auch materiell sp\u00fcrbare Zahlung an die letzten polnischen \u00fcberlebenden Kriegsopfer. Das h\u00e4tte sicherlich auch noch mal einen positiven Impuls bewirkt. Vor gut zehn Jahren, als die Idee erstmals diskutiert wurde, h\u00e4tte sie sicherlich noch eine andere Wirkung gehabt als heute.<\/p>\n    <div class=\"osoba-widget\">\r\n                    <h4 class=\"osoba-naglowek\">Zur Person<\/h4>\r\n                <div class=\"osoba-body\">\r\n            <div class=\"osoba-text\"><p>Prof. Dr. Peter Oliver Loew ist Direktor des Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt. Er lehrt seit 2009 an der TU Darmstadt, wo er seit 2020 eine Honorarprofessur innehat. Bereits seit 2002 ist er am Deutschen Polen-Institut t\u00e4tig, dessen Leitung er 2019 \u00fcbernahm. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Geschichte Polens, Deutschlands und der deutsch-polnischen Beziehungen in der Neuzeit. Zudem besch\u00e4ftigt er sich mit der Geschichte der Polen in Deutschland sowie mit Danzig und der Region Pommern. Loew \u00fcbersetzt au\u00dferdem Literatur aus dem Polnischen und Englischen ins Deutsche.<\/p>\n<\/div>\r\n                        <div class=\"osoba-image\">\r\n                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2025-11-19_b1-e1c0-c-Grzegorz-Litynski-P.Loew_.jpg\" alt=\"Zur Person\">\r\n                                    <span class=\"osoba-podpis\">Foto: Grzegorz Litynski<\/span>\r\n                            <\/div>\r\n                    <\/div>\r\n    <\/div>\r\n    \n<h3>Der VdG, also der Verband der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in Polen, forderte vor einem Jahr in einer Resolution die Wiederaufnahme der Gespr\u00e4che im Format des deutsch-polnischen Runden Tischs. In dem mit Blick auf das 35-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um ver\u00f6ffentlichten Papier fordert der VdG aber auch Gespr\u00e4che der polnischen und deutschen Regierung mit Vertretern der deutschen Minderheit in einem Format zu f\u00fchren, \u201edas nicht auf dem v\u00f6lkerrechtlich verbotenen Grundsatz der so genannten Reziprozit\u00e4t aufgebaut ist\u201c. Braucht es da eine Neuausrichtung oder eventuell neue Formate?<\/h3>\n<p>Das Grundproblem beim Runden Tisch besteht darin, dass zwei Bev\u00f6lkerungsgruppen, die nicht unmittelbar vergleichbar sind, am selben Tisch sitzen \u2013 eine historische Minderheit, die deutsche in Polen, und eine aus Migration und Zuwanderung entstandene Bev\u00f6lkerungsgruppe in Deutschland. Deren Rechte und Pflichten gegen\u00fcber dem jeweiligen Staat, in dem sie sich befinden, sind aufgrund dieser unterschiedlichen Geschichte ebenso unterschiedlich wie die Rechte und Pflichten des Staates gegen\u00fcber diesen Gruppen.<br \/>\nDas hat Gespr\u00e4che in der Vergangenheit erschwert. Deswegen stehe ich der Idee positiv gegen\u00fcber, auch mal nur mit der einen oder mit der anderen Gruppe zu sprechen.<\/p>\n<p>Im Grunde hat uns aber der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag diese Reziprozit\u00e4t ins Nest gelegt. Und da dieser Vertrag nun einmal die Grundlage unserer Beziehungen ist und wir uns irgendwie an ihn gebunden f\u00fchlen, werden wir wahrscheinlich nicht darum herumkommen, die Dinge auch in Zukunft gemeinsam zu diskutieren. Aber das hei\u00dft ja nicht, dass man nicht auch in anderen Konstellationen miteinander redet.<\/p>\n<h3>Das Deutsche Polen-Institut, das Sie leiten, gestaltet die deutsch-polnischen Beziehungen auch mit, etwa durch wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichungen oder auch durch Bildungsprojekte. Gibt es bestimmte Schwerpunkte, die Sie in den n\u00e4chsten Jahren verfolgen?<\/h3>\n<p>Wir sind als Institut in der komfortablen Lage, dass wir rasch reagieren k\u00f6nnen auf die deutsch-polnischen Beziehungen oder auf die Forschungs- oder Projektinteressen einzelner Mitarbeitender.<\/p>\n<p>Daneben gibt es einzelne Schwerpunkte, etwa eine Ausstellung zur polnischen Romantik, die wir n\u00e4chstes Jahr in Frankfurt am Main gemeinsam mit dem Ossolineum, dem Nationalinstitut in Breslau organisieren. Denn die polnische Romantik ist aus unserer Sicht eine Schl\u00fcsselepoche, um auch das gegenw\u00e4rtige Polen zu verstehen.<br \/>\nAuch Danzig wird n\u00e4chstes Jahr im Fokus stehen, im Zusammenhang mit dem 100. Geburtstag von G\u00fcnter Grass, der f\u00fcr die deutsch-polnischen Beziehungen von eminenter Bedeutung ist.<\/p>\n<p>\u00dcberdies organisieren wir dieses Jahr in Berlin zahlreiche Projekte aus Anlass des 35-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums der St\u00e4dtepartnerschaft zwischen Warschau und Berlin. Dort wird es etwa Open-Air-Chopin-Konzerte in Berlin geben, nach dem Vorbild aus dem \u0141azienki-Park in Warschau.<\/p>\n<h3>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/h3>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"11py0M5GUj\"><p><a href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/bilanz-und-perspektiven-der-deutsch-polnischen-partnerschaft-ein-vertrag-der-europa-praegte\/\">Ein Vertrag, der Europa pr\u00e4gte<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; visibility: hidden;\" title=\"&#8222;Ein Vertrag, der Europa pr\u00e4gte&#8220; &#8211; Wochenblatt - Gazeta Niemc\u00f3w w Rzeczypospolitej Polskiej\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/bilanz-und-perspektiven-der-deutsch-polnischen-partnerschaft-ein-vertrag-der-europa-praegte\/embed\/#?secret=tZtOpwfIkv#?secret=11py0M5GUj\" data-secret=\"11py0M5GUj\" width=\"500\" height=\"282\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Prof. Dr. Peter Oliver Loew 35 Jahre nach dem deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag stehen die Beziehungen vor neuen Herausforderungen \u2013 und sind zugleich enger denn je. 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