{"id":77939,"date":"2026-05-02T12:00:46","date_gmt":"2026-05-02T10:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=77939"},"modified":"2026-04-30T12:26:29","modified_gmt":"2026-04-30T10:26:29","slug":"echte-schlesische-happen-hopfen-und-malz-gott-erhalts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/echte-schlesische-happen-hopfen-und-malz-gott-erhalts\/","title":{"rendered":"Echte Schlesische Happen: Hopfen und Malz, Gott erhalt\u2019s!"},"content":{"rendered":"<p><strong>In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai entz\u00fcndeten junge Schlesier einst Freudenfeuer. Das Fest wurde von T\u00e4nzen, gebratenem Fleisch und W\u00fcrsten begleitet. Verbreitet war auch der Brauch, vor den H\u00e4usern unverheirateter M\u00e4dchen einen \u201eMaibaum\u201c (mundartlich \u201eMojik\u201c) aufzustellen. Im Laufe der Zeit geriet diese Tradition in Vergessenheit, doch in der historischen Presse finden sich zahlreiche Beschreibungen und Abbildungen dieses Volksbrauchtums.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Maib\u00e4ume und alte Br\u00e4uche<\/h2>\n<p>Im Jahr 1927 wird in der illustrierten Beilage der Zeitschrift \u201eDer Oberschlesische Wanderer\u201c etwa berichtet, dass im Dorf Rudzinitz (heute: Rudziniec) nur ein einziger Maibaum gestellt wurde, der reich verziert und geschnitzt \u2013 \u00e4hnlich wie in Bayern \u2013 war. In manchen schlesischen Orten kannte man zudem den Brauch, einen \u201eStrohmann\u201c vor das Haus eines M\u00e4dchens zu stellen, das als unfreundlich oder faul galt. Der Strohmann oder ein besch\u00e4digter Baum war meist mit einem Besen gekr\u00f6nt. So kommentierte die m\u00e4nnliche Dorfjugend \u00f6ffentlich das Verhalten \u2013 ganz ohne moderne soziale Medien, und doch wusste bald die ganze Gegend Bescheid.<\/p>\n<p>Vor zwei Jahren waren wir am 1. Mai in der Slowakei unterwegs und entdeckten entlang der Stra\u00dfe mehrere solcher Maib\u00e4ume \u2013 vor Haust\u00fcren ebenso wie im Dorfzentrum. Vor einem Haus standen sogar zwei Exemplare, unterschiedlich hoch. Vielleicht lebten dort zwei junge Frauen, jede mit einem eigenen Verehrer \u2013 oder eine hatte gleich zwei. Auf der R\u00fcckfahrt am Abend beobachteten wir neugierig, ob die Maib\u00e4ume noch standen.<\/p>\n<div id=\"attachment_77951\" style=\"width: 874px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-77951\" class=\"size-full wp-image-77951\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SDB-Maibaum-um-1925_kartka-z-kalendarza.png\" alt=\"\" width=\"864\" height=\"1184\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SDB-Maibaum-um-1925_kartka-z-kalendarza.png 864w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SDB-Maibaum-um-1925_kartka-z-kalendarza-219x300.png 219w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SDB-Maibaum-um-1925_kartka-z-kalendarza-747x1024.png 747w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SDB-Maibaum-um-1925_kartka-z-kalendarza-768x1052.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 864px) 100vw, 864px\" \/><p id=\"caption-attachment-77951\" class=\"wp-caption-text\">Kalenderblatt um 1925, koloriertes Foto.<br \/>Foto: Eberhardt<\/p><\/div>\n<h2>Schlesische K\u00fcche \u2013 mehr als nur Fleisch<\/h2>\n<p>Zur\u00fcck aber zur heutigen Maizeit in Schlesien: Die Grillsaison beginnt, und es ist selbstverst\u00e4ndlich, dass W\u00fcrste und Fleisch auf den Rost kommen. Doch bei dieser Gelegenheit lohnt es sich, einen verbreiteten Mythos zu hinterfragen \u2013 n\u00e4mlich die vermeintlich geringe Rolle von Gem\u00fcse in der schlesischen K\u00fcche. Ein Blick in historische Kochb\u00fccher und kulinarische Zeitungsartikel zeigt ein anderes Bild: In Speisezetteln wie auch in Hofk\u00fcchen spielte frisches Gem\u00fcse eine wichtige Rolle, besonders im Fr\u00fchling. In den Rezepten finden sich Chicor\u00e9e, R\u00fcben, Erbsen, Bohnen, Rosenkohl, Endivien, Spinat, Karotten, Kohl, Blumenkohl, Gurken, Brokkoli, Sauerampfer, Zwiebeln, Radieschen, Lauch, Salat, Rucola oder Kresse. Ob gekocht oder roh \u2013 Gem\u00fcse war ein fester Bestandteil von Suppen, Vorspeisen, Salaten und Beilagen.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Hopfen war in Schlesien nicht nur Nutzpflanze, sondern auch Symbol f\u00fcr Fruchtbarkeit, Gemeinschaft und festliche Geselligkeit.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>An Schl\u00f6ssern und Adelssitzen existierten Orangerien, die nicht nur dekorativen Zwecken dienten: Fr\u00fcchte und auch exotische Gem\u00fcsesorten gelangten auf die Tafeln oder wurden an befreundete H\u00f6fe weitergegeben. In Kl\u00f6stern pflegte man Kr\u00e4uter- und Gem\u00fcseg\u00e4rten, und auf st\u00e4dtischen M\u00e4rkten waren frische Produkte leicht erh\u00e4ltlich. Die schlesische Alltagsk\u00fcche beschr\u00e4nkte sich also keineswegs auf Kartoffeln und Kohl. So waren etwa Liegnitz und Umgebung bekannt f\u00fcr den Gurkenanbau und die Verarbeitung von Gem\u00fcse. Auch Obst aus vielen Regionen genoss einen ausgezeichneten Ruf. Hinzu kamen die weit verbreiteten Kleing\u00e4rten, deren Bedeutung wohl \u00e4hnlich gro\u00df war wie heute \u2013 ein Hinweis darauf ist die um 1900 erschienene \u201eIllustrierte Schlesische Monatsschrift f\u00fcr Obst-, Gem\u00fcse- und Gartenbau\u201c.<\/p>\n<div id=\"attachment_77944\" style=\"width: 1098px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-77944\" class=\"size-full wp-image-77944\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SDB-Oberschlesien-im-Bild-1934-Nr.18_2.png\" alt=\"\" width=\"1088\" height=\"960\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SDB-Oberschlesien-im-Bild-1934-Nr.18_2.png 1088w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SDB-Oberschlesien-im-Bild-1934-Nr.18_2-300x265.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SDB-Oberschlesien-im-Bild-1934-Nr.18_2-1024x904.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SDB-Oberschlesien-im-Bild-1934-Nr.18_2-768x678.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1088px) 100vw, 1088px\" \/><p id=\"caption-attachment-77944\" class=\"wp-caption-text\">Gemeinsames Feiern im Dorf, koloriertes Foto.<br \/>Foto: \u201eOberschlesien im Bild\u201d 1934, nr 18\/ Schlesische Digitale Bibliothek<\/p><\/div>\n<h2>Hopfen \u2013 Delikatesse und Symbol<\/h2>\n<p>Bei der Lekt\u00fcre historischer Zeitungen stie\u00df ich zudem auf eine interessante Notiz \u00fcber Gleiwitz: \u00dcber Jahrhunderte hinweg erzielten die B\u00fcrger der Stadt Einnahmen aus dem Hopfenanbau, dem Brauen und dem Bierverkauf. Bier ist zwar das Endprodukt \u2013 doch kulinarisch spannend wird es schon fr\u00fcher. Zwischen M\u00e4rz und Anfang Mai w\u00e4chst Hopfen besonders kr\u00e4ftig, und seine jungen Triebe gelten als Delikatesse: zart, leicht nussig im Geschmack, mit feiner Bitterkeit und reich an Vitaminen. Kurz blanchiert, in Butter gebraten oder als Salatzutat entfalten sie ihr volles Aroma. Hopfen war in Schlesien nicht nur Nutzpflanze, sondern auch Symbol f\u00fcr Fruchtbarkeit, Gemeinschaft und festliche Geselligkeit.<\/p>\n<p>Passend zur Tradition schlage ich eine saisonale Beilage zum Grillen vor \u2013 ideal zu Fleisch oder Fisch: einen Salat aus marinierten Hopfentrieben. Die Zubereitung ist einfach, das Geheimnis liegt in der Marinade, die Geschmack und Biss unterstreicht.<\/p>\n<h2>Junge Hopfentriebe und Lachs \u2013 ein harmonisches Duo<\/h2>\n<div id=\"attachment_77940\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-77940\" class=\"size-full wp-image-77940\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_20260426_211846-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1181\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_20260426_211846-scaled.jpg 2560w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_20260426_211846-300x138.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_20260426_211846-1024x473.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_20260426_211846-768x354.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_20260426_211846-1536x709.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_20260426_211846-2048x945.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><p id=\"caption-attachment-77940\" class=\"wp-caption-text\">Junge Hopfentriebe sind eine Fr\u00fchlingsdelikatesse und werden oft als \u201ewilder Spargel\u201c bezeichnet.<br \/>Foto: Ma\u0142gorzata Janik<\/p><\/div>\n<h3>Zutaten<\/h3>\n<p>4 St\u00fccke gegrillter Lachs<br \/>\n250 g junge Hopfentriebe<br \/>\nWasser, Salz, Zucker<br \/>\n4 EL Raps\u00f6l<br \/>\n1 TL Senf<br \/>\n1 TL Honig<br \/>\n1 TL Zitronensaft<\/p>\n<h3>Zubereitung<\/h3>\n<p>Die gewaschenen Hopfentriebe etwa 5 Minuten in kochendem Wasser mit Salz und Zucker blanchieren. Inzwischen Raps\u00f6l mit Honig, Senf und Zitronensaft verr\u00fchren (nach Belieben mit Pfeffer oder etwas Chili abschmecken). Die blanchierten Triebe abtropfen lassen, in die Marinade geben und ziehen lassen, damit sich die Aromen verbinden.<\/p>\n<p>Den gegrillten Lachs (alternativ auch Lachsforelle) auf einer Platte anrichten, die marinierten Hopfentriebe dazugeben und mit frischem Dill oder Kerbel servieren.<\/p>\n<p>Guten Appetit und eine genussvolle Maizeit!<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Ma\u0142gorzata Janik<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai entz\u00fcndeten junge Schlesier einst Freudenfeuer. Das Fest wurde von T\u00e4nzen, gebratenem Fleisch und W\u00fcrsten begleitet. Verbreitet war auch der Brauch, vor den H\u00e4usern unverheirateter M\u00e4dchen einen \u201eMaibaum\u201c (mundartlich \u201eMojik\u201c) aufzustellen. 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