{"id":77779,"date":"2026-05-03T17:00:17","date_gmt":"2026-05-03T15:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=77779"},"modified":"2026-04-30T14:18:29","modified_gmt":"2026-04-30T12:18:29","slug":"vergessenes-erbe-auf-den-spuren-der-geschichte-und-kunst-in-schlesien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/vergessenes-erbe-auf-den-spuren-der-geschichte-und-kunst-in-schlesien\/","title":{"rendered":"Vergessenes Erbe: Auf den Spuren der Geschichte und Kunst in Schlesien"},"content":{"rendered":"<h1>Mollwitz &#8211; Ein Schatz, verborgen in einem kleinen Dorf<\/h1>\n<p><strong>Wer in der Schule im Geschichtsunterricht aufmerksam war, erinnert sich vielleicht an den Namen dieses Dorfes, denn auf den Feldern zwischen Mollwitz, Strehlen, Brieg und Poppelwitz fand am 10. April 1741 die ber\u00fchmteste Schlacht der Schlesischen Kriege statt \u2013 die Schlacht bei Mollwitz. Doch in diesem malerischen Dorf im Kreis Brieg gibt es noch weit mehr zu entdecken.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das wichtigste und zweifellos wertvollste Bauwerk in Mollwitz ist die Pfarrkirche St. Jakobus der \u00c4ltere, die zu den bedeutendsten Ensembles gotischer Wandmalerei im heutigen Polen z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Die Kirche wurde um 1250 als Marienkirche errichtet und von den Herz\u00f6gen, den Piasten, Heinrich III. dem Wei\u00dfen und sp\u00e4ter Heinrich IV. dem Gerechten gestiftet. Von Anfang an war sie eine Stiftung von au\u00dfergew\u00f6hnlicher Bedeutung, was ihre f\u00fcr eine Dorfkirche ungew\u00f6hnliche Gr\u00f6\u00dfe und Ausstattung erkl\u00e4rt. Im 14. Jahrhundert wurde sie durch den Ortsherren Samborius erweitert, im folgenden Jahrhundert entstanden die spektakul\u00e4rsten Ver\u00e4nderungen \u2013 ein umfangreicher Zyklus von Wandmalereien.<\/p>\n<div id=\"attachment_77784\" style=\"width: 1618px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-77784\" class=\"size-full wp-image-77784\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_KosciolswJakuba-portal_2_ID_610171-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"1608\" height=\"2560\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_KosciolswJakuba-portal_2_ID_610171-scaled.jpg 1608w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_KosciolswJakuba-portal_2_ID_610171-188x300.jpg 188w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_KosciolswJakuba-portal_2_ID_610171-643x1024.jpg 643w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_KosciolswJakuba-portal_2_ID_610171-768x1223.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_KosciolswJakuba-portal_2_ID_610171-965x1536.jpg 965w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_KosciolswJakuba-portal_2_ID_610171-1286x2048.jpg 1286w\" sizes=\"auto, (max-width: 1608px) 100vw, 1608px\" \/><p id=\"caption-attachment-77784\" class=\"wp-caption-text\">Gew\u00f6lbe.<br \/>Foto: S\u0142awomir Milejski<\/p><\/div>\n<h2>Wandmalereien \u2013 eine mittelalterliche \u201eBiblia pauperum\u201c<\/h2>\n<p>Die \u00e4ltesten Malereien stammen aus den 1360er Jahren und wurden von einem K\u00fcnstler der Prager Schule geschaffen. Sie zeigen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament und bilden ein umfangreiches ikonografisches Programm, das als Biblia pauperum bezeichnet wird. Im Mittelalter erf\u00fcllten sie die Funktion einer \u201evisuellen Katechese\u201c und erm\u00f6glichten den Gl\u00e4ubigen das Verst\u00e4ndnis religi\u00f6ser Inhalte ohne Schriftkenntnisse.<\/p>\n<p>Im 15. Jahrhundert wurde der Zyklus erweitert, doch die Arbeiten wurden durch die Hussitenkriege unterbrochen und erst um 1480 vollendet. Heute bedecken die Malereien \u00fcber 1000 m\u00b2 und geh\u00f6ren zu den wertvollsten gotischen Wandmalereien in Mitteleuropa.<\/p>\n<p>Ein besonderes Element des Innenraums ist die h\u00f6lzerne Kassettendecke aus der Zeit um 1500 mit \u00fcber 600 bemalten Brettern, dekoriert mit pflanzlichen, tierischen und heraldischen Motiven. Sie z\u00e4hlt zu den \u00e4ltesten und wertvollsten ihrer Art in Polen.<\/p>\n<p>Auch das reich verzierte Westportal mit seinem Tympanon sowie der fig\u00fcrliche Skulpturenschmuck ziehen besondere Aufmerksamkeit auf sich.<\/p>\n<div id=\"attachment_77788\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-77788\" class=\"size-full wp-image-77788\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Polichromie-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1714\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Polichromie-scaled.jpg 2560w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Polichromie-300x201.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Polichromie-1024x685.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Polichromie-768x514.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Polichromie-1536x1028.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Polichromie-2048x1371.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><p id=\"caption-attachment-77788\" class=\"wp-caption-text\">Wandmaleierei.<br \/>Foto: Tom-Opole\/Wikipedia<\/p><\/div>\n<h2>Die bewegte Geschichte der Kirche<\/h2>\n<p>1526 wurde die Kirche von den Protestanten \u00fcbernommen, 1817 wurden die mittelalterlichen Wandmalereien \u00fcbert\u00fcncht. Ihre Wiederentdeckung begann erst im 19. Jahrhundert, weitere Freilegungen folgten im 20. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Nach 1945 wurde die Kirche wieder katholisch. Untersuchungen und Restaurierungen brachten den gesamten k\u00fcnstlerischen Reichtum zum Vorschein. Heute gilt die Kirche St. Jakobus als eines der bedeutendsten Beispiele gotischer Wandmalerei in Polen.<\/p>\n<p>Die Kirche kann saisonal besichtigt werden \u2013 meist von Fr\u00fchjahr bis Herbst, zu festgelegten Zeiten oder nach vorheriger Absprache.<\/p>\n<div id=\"attachment_77780\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-77780\" class=\"size-full wp-image-77780\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_KosciolswJakuba_0_ID_610171-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_KosciolswJakuba_0_ID_610171-scaled.jpg 2560w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_KosciolswJakuba_0_ID_610171-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_KosciolswJakuba_0_ID_610171-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_KosciolswJakuba_0_ID_610171-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_KosciolswJakuba_0_ID_610171-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_KosciolswJakuba_0_ID_610171-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><p id=\"caption-attachment-77780\" class=\"wp-caption-text\">Pfarrkirche St. Jakobus.<br \/>Foto: S\u0142awomir Milejski<\/p><\/div>\n<h2><strong>Das Arndt-Schloss \u2013 ein Relikt des 19. Jahrhunderts<\/strong><\/h2>\n<p>Im Ortszentrum, gegen\u00fcber der Kirche, befindet sich ein weiteres interessantes Bauwerk \u2013 das ehemalige Gutshaus der Familie Arndt. Das sogenannte Arndt-Schloss entstand vermutlich im 19. Jahrhundert, genaue Daten und der Architekt sind unbekannt. Es handelte sich um einen neoklassizistischen Bau, der der Familie Arndt geh\u00f6rte, welche das Gut zu Beginn des 20. Jahrhunderts \u00fcbernahm.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Die \u00e4ltesten Malereien stammen aus den 1360er Jahren und wurden von einem K\u00fcnstler der Prager Schule geschaffen. Sie zeigen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament und bilden ein umfangreiches ikonografisches Programm, das als Biblia pauperum bezeichnet wird.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das Geb\u00e4ude wurde auf rechteckigem Grundriss errichtet und war Teil eines gr\u00f6\u00dferen Gutskomplexes. In einem der Wirtschaftsgeb\u00e4ude befand sich ein Turm mit einer Windm\u00fchle, die mechanische Energie f\u00fcr technische Anlagen und vermutlich auch f\u00fcr die Beleuchtung lieferte.<\/p>\n<p>In den 1960er Jahren wurde das Schloss in ein B\u00fcro- und Wohngeb\u00e4ude umgewandelt.<\/p>\n<div id=\"attachment_77786\" style=\"width: 2060px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-77786\" class=\"size-full wp-image-77786\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_Palac_Arndtow-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2050\" height=\"2560\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_Palac_Arndtow-scaled.jpg 2050w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_Palac_Arndtow-240x300.jpg 240w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_Palac_Arndtow-820x1024.jpg 820w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_Palac_Arndtow-768x959.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_Palac_Arndtow-1230x1536.jpg 1230w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/SM_Malujowice_Palac_Arndtow-1640x2048.jpg 1640w\" sizes=\"auto, (max-width: 2050px) 100vw, 2050px\" \/><p id=\"caption-attachment-77786\" class=\"wp-caption-text\">Arndt-Schloss.<br \/>Foto: S\u0142awomir Milejski<\/p><\/div>\n<h2>Weitere Denkm\u00e4ler in Mollwitz<\/h2>\n<p>Auch in der Umgebung des Dorfes finden sich weitere Spuren der Vergangenheit. Auf dem Kirchhof steht ein monolithisches Steinkreuz unbekannter Herkunft \u2013 m\u00f6glicherweise ein S\u00fchnekreuz, jedoch ohne gesicherte Belege.<\/p>\n<p>Erhalten sind au\u00dferdem Teile des alten Friedhofs, historische Einfriedungen aus dem 15. und 18. Jahrhundert sowie ein alter Bahnhof aus dem fr\u00fchen 20. Jahrhundert. Zusammen ergeben sie ein vielschichtiges Bild eines Ortes, in dem sich verschiedene Epochen \u00fcberlagern.<\/p>\n<p>Nord\u00f6stlich des Dorfes, etwa zwei Kilometer entfernt, liegt der sogenannte Rabenberg \u2013 ein Ort, der mit der Schlacht bei Mollwitz vom 10. April 1741 verbunden ist. W\u00e4hrend des Ersten Schlesischen Krieges besiegten dort die preu\u00dfischen Truppen unter K\u00f6nig Friedrich II. die \u00f6sterreichische Armee.<\/p>\n<p>Bis heute sind die Ruinen des M\u00fcllershauses, \u00dcberreste der Windm\u00fchle sowie ein steinerner Brunnen aus Findlingen erhalten. Der \u00dcberlieferung nach soll der K\u00f6nig von hier aus die Schlacht geleitet haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Anna Durecka<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mollwitz &#8211; Ein Schatz, verborgen in einem kleinen Dorf Wer in der Schule im Geschichtsunterricht aufmerksam war, erinnert sich vielleicht an den Namen dieses Dorfes, denn auf den Feldern zwischen Mollwitz, Strehlen, Brieg und Poppelwitz fand am 10. April 1741 die ber\u00fchmteste Schlacht der Schlesischen Kriege statt \u2013 die Schlacht bei Mollwitz. 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